Kategorie Fütterung und Gesundheit

Verhaltensstörungen bei Pferden
Statt entspannt auf der Weide zu grasen, rennt dein Pferd auf dem Paddock auf und ab? Oder es wetzt seine Zähne an den Gitterstäben? Wenn diese oder andere untypischen Verhaltensweisen selten und unregelmäßig auftauchen, ist das per se nichts Schlimmes. Ein wiederholtes Koppen, Gitterwetzen oder weitere Verhaltensanomalien sollten jedoch beobachtet und mit den richtigen Maßnahmen frühzeitig therapiert werden.
Verhaltensstörungen entstehen oft durch einen falschen Umgang mit dem Pferd oder durch eine nicht artgerechte Haltung.
Im Herzen ist jedes Pferd immer noch ein Wildpferd. Auch wenn es sich an Menschen gewöhnt hat und gerne in seiner Nähe ist, benötigt es die Freiheit, frische Luft, Beschäftigung und Abwechslung genauso wie einst seine freilebenden Vorfahren. Eine stabile Herdensituation, genügend Raufutter und lange, stressfreie Fresszeiten sind essentiell für ein ausgeglichenes Pferd. Pferde sind nämlich gut und gern den ganzen Tag nur mit ihrer Nahrungsaufnahme beschäftigt. Wird dieses natürliche Fressverhalten von Pferden dauerhaft nicht gestillt, können sich leicht Verhaltensauffälligkeiten entwickeln, welche in der freien Wildbahn nicht bekannt sind. In der Fachliteratur werden diese als Untugend oder Stereotypien bezeichnet. Je sensibler dein Pferd ist, desto schneller können Verhaltensstörungen auftreten.
Wie werden Verhaltensstörungen behandelt?
Verhaltensanomalien sind in der Regel Störungen im Verhalten des Pferdes. Jede Behandlung setzt als erstes bei den Fütterungs- und Haltungsbedingungen an. Bereits durch kleine Veränderungen können einige Stereotypien abgewöhnt oder eingedämmt werden. Ideal ist eine pferdegerechte Haltung in einem Offenstall mit viel Abwechslung, Kontakt zu anderen Pferden und Weidegang.
Versorge dein Pferd außerdem täglich mit ausreichend Raufutter, an welches es immer wieder knabbern kann und somit mehr oder weniger den gesamten Tag beschäftigt ist. Nur durch Kauen wird Speichel produziert. Dies fördert nicht nur die Gesundheit deines Pferdes, sondern auch seine Zufriedenheit. In einer pferdegerechten Haltung ist Raufutter daher essentiell wichtig. Biete deinem Pferd mindestens 12 Stunden am Tag die Möglichkeit, Raufutter zu fressen. Wenn dein Pferd keinen uneingeschränkten Zugang zu Raufutter haben kann, z.B. weil nicht ausreichend Raufuttermengen zur Verfügung stehen, dann ergänze die Menge mit entsprechenden Raufutterersatzprodukten.
Auch Futterzusätze speziell für nervöse, sensible und gestresste Pferde können deinem Pferd helfen, sich zu entspannen. Hierbei gibt es Ergänzungen, wie Pavo BeChill, die schnell wirksam vor bestimmten Situationen gefüttert werden können. Dies kann der Fall sein, wenn dein Pferd z.B. beim Transport, Tierarzt oder Hufschmied besonders viel Stress erlebt. Ist dein Pferd generell nervös, ängstlich oder schreckhaft? Dann hilft ihm sicherlich eine Ergänzung, wie Pavo NervControl, die dauerhaft die innere Ruhe deines Pferdes wieder herstellt und erhält.
Nicht alle Anomalien können durch eine Optimierung der Fütterungs- und Haltungsbedingungen komplett therapiert werden. Aber Pferd und Reiter können lernen, mit den „Macken“ richtig umzugehen und falsche Haltungsweisen oder Stresssituationen zu vermeiden.
Die meisten Verhaltensauffälligkeiten zeigen sich im Fressverhalten, Sozialverhalten, Komfortverhalten oder im Bewegungsablauf mit verschiedenen Symptomen und Ursachen.
Fressverhaltensstörungen bei Pferden
Macken und Verhaltensstörungen, die das Fressverhalten des Pferdes beeinflussen, treten am häufigsten auf. Oftmals sind Ursachen oder Auslöser dieser fehlerhaften Verhaltensweisen auf die tägliche Fütterung oder Haltung zurückzuführen.
Koppen
Wenn dein Pferd koppt, setzt es die Schneidezähne auf einen waagerechten Gegenstand ab, wie z.B. auf eine Mauer, den Zaunbalken oder den Futtertrog in der Box. Dies wird als „Aufsatzkopper“ bezeichnet. Diese Pferde haben häufig ein oder zwei Lieblingsstellen, an die sie sich zum Koppen zurückziehen.
Durch eine Anspannung der Unterhalsmuskulatur wird der Schlundkopf geöffnet und das Pferd zieht Luft in die Speiseröhre. Dabei entsteht der sogenannte Kopperton, ein röhrendes und charakteristisches Geräusch. Das Pferd schluckt dabei Luft, allerdings landet nur ein geringer Anteil im Magen. Ein Großteil der Luft entweicht beim wiederholten entspannen der Muskulatur. Daher ist das Risiko von Koliken durch Luft in der Bauchhöhle bei koppenden Pferden nicht höher als bei Pferden, die diese Verhaltensstörung nicht vorweisen.
Ein Aufsatzkopper nutzt seine Schneidezähne schnell ab. Auch die Halsmuskulatur wird durch Koppen verstärkt. Beides sollte durch einen Tierarzt beobachtet werden, beeinträchtigt in der Regel die Leistungsfähigkeit deines Pferdes aber nicht.
Auch sogenannte Freikopper gibt es. Das Pferd benötigt dann keine Hilfsmittel, sondern spannt die Halsmuskulatur mittels einer Kopfbewegung, die an ein Nicken erinnert, an. Freikopper sind recht selten.
Sowohl Fohlen, ausgewachsene, fitte Pferde als auch alte Pferde können mit den Koppen anfangen.
Auslöser & Ursachen
Viele verschiedene Untersuchungen und Studien haben belegt, dass es eine genetische Veranlagung zum Koppen gibt. Koppen kann also vererbbar sein. Aus diesem Grund werden koppende Pferde auch nicht zur Zucht eingesetzt. Diese Veranlagung im Erbgut bedeutet aber nicht automatisch, dass ein Pferd auch mit dem Koppen beginnt. Oft ist der Auslöser eine Kombination aus der erblichen Veranlagung und äußerlichen Einflüssen.
Zu den äußerlichen Einflüssen zählen u.a. eine schlechte Haltung, unangemessenes Training, ständiger Turnierdruck oder ein traumatisches Erlebnis, wie z.B. das Auseinanderreißen einer intakten Herde. Diese Erlebnisse versetzen ein Pferd in eine stressige Phase. Um den Stress abzubauen, fangen manche Pferde mit dem Koppen an.
Auch ein falsches Verhältnis von Raufutter und Kraftfutter kann ein Auslöser dieser Verhaltensstörung sein. Hat ein Pferd zu lange Fresspausen und wenig Beschäftigung, gerät sein natürliches Verhalten aus den Fugen. Dies wird bei anfälligen oder sensiblen Pferden mit Koppen verdrängt.
Wenn Pferde mit dem Koppen angefangen haben, zeigen sie diese Verhaltensstörung manchmal dann auch bei freudiger Erregung, wie z.B. vor dem Fressen oder beim Putzen.
Dass Koppen ansteckend ist oder durch Nachahmung im Stall entsteht, ist ein Irrglaube. In einer pferdegerechten Haltung fangen Pferde in der Regel nicht mit dem Koppen an. Wenn aber ein Stressfaktor im Stall vorliegt, können auch mehrere Pferde diese Verhaltensstörung zeigen. Nur selten machen Pferde ihren koppenden Stallnachbarn nach.
Weitere Behandlungs- & Therapiemöglichkeiten
Sobald dein Pferd mit dem Koppen angefangen hat, erweist sich eine Therapie als schwierig. Es ist kaum möglich, das Koppen komplett abzugewöhnen. Nur durch eine artgerechte Haltung kann das Koppen leicht reduziert werden.
Von einem Kopperriemen ist abzuraten. Dieses Produkt verspricht eine Abgewöhnung, verursacht aber nur noch mehr Stress. Eine zwanghafte Unterdrückung ohne tatsächliche Ursachenbehebung verstärkt nur das Bedürfnis des Koppens.
Wenn dein Pferd koppt, ist dies kein Weltuntergang. Ermögliche deinem Pferd eine stressfreie Haltung und lerne, mit dieser Verhaltensstörung umzugehen. Behalte auch die Gesundheit deines koppenden Pferdes im Blick. Regelmäßige Checks des Tierarztes sind bei koppenden Pferden enorm wichtig.
Vorbeugung
Nur bei guten Haltungsbedingungen mit genügend Abwechslung und wenig Stress wird das Risiko des Koppens bei anfälligen Pferden eingedämmt.
Krippen- oder Gitterwetzen
Bei Krippen- oder Gitterwetzen wird es laut im Stall. Das Pferd setzt dabei die Schneidezähne auf die eisernen Gitterstäbe oder auf dem hölzernen Krippenrand ab und schabt diese hin und her. Wetzen kommt hin und wieder vor und deutet daraufhin, dass dein Pferd nach Aufmerksamkeit oder Futter buhlt. Nur wenn dieses Verhalten regelmäßig auftritt und dein Pferd zu einem „Gewohnheitswetzer“ wird, spricht man von einer Verhaltensstörung. Diese kann allerdings schwerwiegende, gesundheitliche Folgen haben. Der gesamte Mundraum des Pferdes wird beim Wetzen in Mitleidenschaft gezogen: Die Schneidezähne werden stark abgenutzt, es besteht das Risiko von Zahnverlust und starken Zahnfleischblutungen sowie -entzündungen. Wenn dein Pferd wetzt, empfiehlt sich eine Rücksprache mit deinem Tierarzt für eine optimale Behandlung des gesamten Mundraums.
Auslöser & Ursachen
Eine falsche Haltung und Fütterung sind Auslöser für das Krippenwetzen. Wenn dein Pferd sich in der Box langweilt und seine Fresspausen zu lang sind, sucht es sich andere Beschäftigungen. Dazu zählt auch das Wetzen.
Freudige Ereignisse, wie die tägliche Fütterung, können das Wetzen bestärken. Wenn die Krippe gefüllt wird, fühlt sich dein Pferd bestätigt und die Verhaltensstörung wird verstärkt. Und auch wenn du dein Pferd ansprichst, wird es das Wetzen als positives Verhalten erlernen.
Ein Pferd kann das Wetzen von seinen Artgenossen erlernen. Daher ist es essentiell, deinem Pferd das Wetzen schnell abzugewöhnen, sobald es damit angefangen hat.
Weitere Behandlungs- & Therapiemöglichkeiten
Wenn dein Pferd durch Wetzen nach Aufmerksamkeit buhlt, solltest du es ignorieren. Dies funktioniert nur, wenn du alle Tiere im Stall gleichbehandelst. Wenn du z.B. ein Pferd bei der Fütterung auslässt, weil es mit den Schneidezähnen schabt, wird es nur unter Stress gesetzt. Ein positiver Lerneffekt setzt dabei nicht ein.
Vorbeugung
Eine Offenstallhaltung mit Weidegang ist für ein wetzendes Pferd die beste Haltungsmethode. Wenn eine Offenstallhaltung nicht möglich ist, kannst du im Stall durch Spielzeug für Abwechslung sorgen. Hänge z.B. ein Knabberholz aus Haselnussbaum- oder Birkenholz in den Stall. So werden auch die Kautätigkeit und die Speichelproduktion deines Pferdes angeregt.
Zungenspiel
Das Zungenspiel zeigt sich bei Pferden in vielen verschiedenen Varianten. Manche Pferde strecken einfach nur die Zunge für einen längeren Zeitraum heraus, andere hingegen beschäftigen sich stundenlang mit ihrer Zunge und verdrehen diese. Die Bewegungen sehen lustig aus, deuten aber auf eine Verhaltensanomalie hin. Diese sogenannten Zungenfehler beeinträchtigen die Gesundheit deines Pferdes in der Regel nicht.
Auslöser & Ursachen
Die Auslöser eines Zungenspiels sind unspezifisch und vielfältig. Oftmals provozieren Mängel in der Haltung, ein stressiges Training oder Langeweile auf der Weide das Zungenspiel. Darüber hinaus kann das Zungenspiel eine Reaktion auf den unliebsamen Stallnachbar in der Box sein. Dein Pferd versucht durch ein Zungenspiel einen hohen Stresspegel abzubauen, wenn es keine anderen Beschäftigungen oder Ablenkungen im Stall findet.
Ein Zungenspiel lässt sich auch in der Fütterungsphase erkennen. Wenn dein Pferd nicht ausreichend mit Raufutter versorgt ist, zeigt es seine freudige Erwartung während der Fütterung unter Umständen mit dem Rausstrecken der Zunge.
Fohlen erlernen das Zungenspiel von der Mutterstute. In den ersten Lebensmonaten ist dieses Verhalten keine Anomalie, sollte aber dennoch beobachtet werden.
Weitere Behandlungs- & Therapiemöglichkeiten
Die Abgewöhnung des Zungenspiels ist sehr schwierig. Wenn Pferde bereits mit dem Zungenspiel angefangen haben, strecken sie oft aus Gewohnheit in Leerlaufzeiten auf der Weide oder im Stall ihre Zunge heraus. Solange die Gesundheit deines Pferdes nicht beeinträchtigt wird und das Zungenspiel nicht überhandnimmt, kannst du diese „Macke“ deines Pferdes akzeptieren.
Eine artgerechte Fütterung und tägliche Abwechslung können das Zungenspiel eindämmen. Senke auch unnötige Stressfaktoren im Alltag.
Verständige deinen Tierarzt, wenn dein Pferd permanent mit der Zunge spielt. Es ist durchaus möglich, dass dein Pferd so auf Schmerzen im HNO-Bereich aufmerksam machen möchte.
Vorbeugung
Damit dein Pferd erst gar nicht mit dem Zungenspiel anfängt, solltest du ihm von Beginn an eine pferdegerechte Haltung, wenig Stress und viel Beschäftigung im Alltag durch Weidegang sowie Kontakt zu anderen Pferden bieten.
Bewegungsverhaltensstörungen bei Pferden
Verhaltungsstörungen im Bewegungsablauf deines Pferdes zeigen sich durch Anomalien im täglichen Verhalten. Dazu zählen unter anderem das Weben oder das laute und wiederholte Scharren der Vorder- oder Hinterbeine.
Weben
Das Weben ist eine Verhaltensstörung, die bei vielen verschiedenen Tieren auftreten kann, die in menschlicher Obhut leben. In der freien Wildbahn kommt das Weben nicht vor.
Beim Weben tritt das Pferd stundenlang von einem Vorderbein auf das Andere. Im gleichbleibenden Rhythmus wird dabei der Kopf von links nach rechts geschwungen. Der Kopf befindet sich dabei entweder in einer Aufrechtstellung oder wird leicht zu den Hufen gesenkt. Die Vorderbeine werden abwechselnd mit Gewicht belastet. Es kann passieren, dass die Vorderbeine bis zu 1,75 Meter auseinandergespreizt werden. Bei extremen Webern werden die Beine angehoben und es kann zu Verletzungen kommen, indem sich das Pferd selbst am Kopf trifft. Das Weben tritt selten auch in Verbindung mit anderen Verhaltensstörungen, wie z.B. dem Gitterwetzen oder dem Zungenspiel, auf.
Im Grunde kann jedes Pferd anfangen zu Weben. Allerdings neigen Vollblüter eher zu dieser Verhaltensstörung. Weben ist nicht ansteckend und nur überaus selten ahmen Stallgenossen diese Anomalie nach. Bleibe aufmerksam, wenn mehrere Pferde im Stall diese Verhaltensanomalie zeigen. Häufig liegt dann ein allgemeiner Haltungsfehler vor, welcher alle Pferde unter Stress setzt.
Es ist wichtig, die Gelenke eines webenden Pferdes zu beobachten und durch einen Tierarzt regelmäßig untersuchen zu lassen. Es lässt sich aber feststellen, dass das Weben nicht übermäßig krank macht, die Gelenke verschleißt oder das Risiko einer Arthrose erhöht.
Auslöser & Ursachen
Die Ursachen des Webens finden sich in der Haltung der Pferde. Besonders fehlende Bewegungsmöglichkeiten, stundenlanges Stehen in engen Boxen, ein fehlender Kontakt zu anderen Pferden sowie lange Fresspausen erhöhen den Stresspegel und die Langeweile. Um sich die Zeit zu vertreiben und den Stress zu senken, fangen manche Pferde mit dem Weben an.
Sobald dein Pferd das Weben „gelernt“ hat, wird dein Pferd womöglich bei jeder Abwechslung, vor der Fütterung oder bei dem Putzen mit dem Weben anfangen.
Weitere Behandlungs- & Therapiemöglichkeiten
Deinem webenden Pferd kannst du am besten durch eine Offenstallhaltung helfen. Diese Haltung ermöglicht viel Abwechslung und Freiheit. Ein Weidegang stimuliert den Bewegungsdrang des Pferdes. Ist eine Offenstallhaltung nicht möglich, gilt es, deinem Pferd einen täglichen und ausgewogenen Weidegang zu bieten.
Trotz der Verbesserung der Haltungsbedingungen kann es sein, dass das Weben nicht immer komplett abklingt.
Vorbeugung
Eine artgerechte Haltung mit genügend Weidegang, viele Raufutterstellen und Kontakt zu Artgenossen begrenzt das Risiko des Webens und unterstützt die Gelassenheit eines Pferdes.
Scharren
Scharren ist in der Natur normal. Pferde scharren mit den Vorderbeinen zur Futtersuche oder vor dem Liegen, um den Untergrund zu überprüfen. Auch auf der Weide oder in der Box kommt es von Mal zu Mal vor, dass dein Pferd scharrt. Sobald Scharren aber zur Gewohnheit wird, zählt es zu einer Verhaltensstörung.
Auslöser & Ursachen
Das Scharren ist oftmals ein Zeichen von Ungeduld, Nervosität, Stress oder Bewegungsdrang. Besonders nach einem langen Aufenthalt in der Box gibt dein Pferd mit Scharren zu verstehen, dass es Bewegung und Abwechslung braucht, sich in einer langen Fresspause langweilt oder unter Stress steht.
Ein ausgeglichenes Pferd mit genügend Bewegungsfreiheit scharrt in der Regel nicht.
Weitere Behandlungs- & Therapiemöglichkeiten
Wenn dein Pferd mit den Scharren beginnt, solltest du es ignorieren, auch wenn es dir möglicherweise schwerfällt. Wenn du das Scharren bewusst oder unbewusst durch Aufmerksamkeit oder einem Leckerli belohnst, wird dieses Verhalten nur verstärkt und positiv bestätigt.
Vorbeugung
Dein Pferd benötigt täglich einen langen Weidegang, um den Bewegungsdrang zu befriedigen. Eine Haltung in der Box unterstützt diese Verhaltensstörung. Ideal ist eine Offenstallhaltung. Wenn dies nicht möglich ist, stimuliere den Bewegungsdrang deines Pferdes mit ausreichend Weidegang.
Sozialverhaltensstörungen bei Pferden
Sozialverhaltensstörungen sind seelisch und oftmals tief verankert. Sie zeigen sich in Kontakt mit Menschen oder in der Herde. Durch eine artgerechte Haltung, viel Ruhe und Geduld können diese Verhaltensstörungen behandelt werden.
Aggressivität
Ein natürliches Dominanzverhalten und leichte Aggressivität zwischen Artgenossen in dynamischen Herden sind auch in der Natur normal. Dies stellt nämlich ein Kommunikationsmittel unter den Pferden dar und ist für eine harmonische Herdenstruktur enorm wichtig. Sobald es aber zu abnormen Formen wie das ständige Schnappen, Zwicken und Treten nach Pferden oder Menschen kommt, spricht man von einer schwerwiegenden Verhaltensstörung.
Auslöser & Ursachen
Aggressivität bei Pferden hat oft psychische Ursachen. Schlechte Erfahrungen, oft durch Menschen verursacht, die nicht wissen, wie sie mit dem Pferd umzugehen haben und fehlende Fluchtmöglichkeiten machen das Pferd aggressiv. Ein Pferd, welches durch Menschen oder Artgenossen in die Ecke gedrängt wird und nicht fliehen kann, wird zum Angriff übergehen.
Auch schmerzhafte Krankheiten oder Verletzungen, die nicht erkannt und behandelt werden, können einige Pferde aggressiv machen. Daher solltest du bei einer erhöhten aggressiven Verhaltensweise deinen Tierarzt verständigen und dein Pferd untersuchen lassen.
Weitere Behandlungs- & Therapiemöglichkeiten
Pferde, die aggressive Anomalien zeigen, sollten nur von erfahrenen Reitern oder Pferdetrainern mit viel Geduld therapiert werden. Es gilt nun, das Verhalten zu korrigieren, das Pferd angemessen zu maßregeln und konsequent mit dem Pferd umzugehen. Unerfahrene Reiter können schnell Fehler machen und die Aggressivität unterstützen statt sie zu verbessern.
Vorbeugung
Eine frühe Sozialisation von Fohlen an Menschen ist unentbehrlich und die beste Prävention von aggressiven Verhaltensweisen. Die Ausbildung von Fohlen spielt eine Schlüsselrolle und prägt das Sozialverhalten des Pferdes von Geburt an. Versäumnisse und falsche Ausbildungsweisen von Jungpferden unterstützen ein aggressives Verhalten.. Sollte dein Pferd aggressives Verhalten durch Futterneid zeigen, ist es eine gute Idee, seine Fresszeiten zu verlängern. Wähle hier bevorzugt sehr strukturreiche Müsli Sorten, wie z.B. Pavo Care4Life mit Kräutern oder Pavo EasyMix ohne Kräuter. Diese erhöhen nicht nur die Kautätigkeit sowie die Speichelproduktion deines Pferdes, sondern fördern zudem seine Zufriedenheit.
Selbstverletzung
Verletzungen passieren im Pferdealltag immer mal wieder. Sobald dein Pferd ständig an Verletzungen leidet und sich aktiv selbst weitere Wunden durch das Reiben an scharfen Kanten zufügt, liegt eine ernsthafte Verhaltensstörung vor. Diese Verletzungen müssen unbedingt von einem Tierarzt behandelt werden, damit sich diese nicht entzünden.
Auslöser & Ursachen
Ein selbstverletzendes Verhalten hat oft seelische Ursachen und Auslöser. Permanenter Stress durch eine falsche Haltung, wenig Bewegung und lange Fresspausen bringen die seelische Gesundheit deines Pferdes aus dem Gleichgewicht. Besonders sensible Pferde versuchen dann den Stress durch ein selbstverletzendes Verhalten abzubauen und machen gleichzeitig so auf sich aufmerksam.
Darüber hinaus kann starker Druck in Wettbewerbs- oder Turniersituationen, welcher ein Reiter auf das Pferd ausübt, seelischen Stress und somit eine Verhaltensstörung fördern.
Weitere Behandlungs- & Therapiemöglichkeiten
Entferne als erstes alle scharfen Kanten und Nägel im Stall und auf der Weide, sodass sich dein Pferd nicht weiter verletzen kann.
Ein Pferd, das an einem krankhaften selbstverletzenden Verhalten leidet, benötigt viel Ruhe und wenig Stress. Eine verständnisvolle Pflege von dem Reiter ist enorm wichtig. Setze dein Pferd nicht weiter unter Druck und verzichte auf Wettbewerbe und Turniere. Eine Abwechslung im Alltag ist essentiell, z.B. durch eine ruhige Bodenarbeit mit deinem Pferd. Die Behandlung dieser Verhaltensstörung benötigt viel Zeit und Geduld. Je nach Pferd kann die Behandlung auch einen sehr langen Zeitraum einnehmen.
Vorbeugung
Nur eine pferdegerechte Haltung kann ein selbstverletzendes Verhalten unterbinden. Überfordere dein Pferd nicht, setze es in Wettbewerbssituationen nicht unter Druck und sorge für eine stressfreie Umgebung, vor allem bei nervösen Pferden.
Komfortverhaltensstörungen bei Pferden
Komfortverhaltensstörungen zeigen sich durch kleine „Macken“ oder „Ticks“ des Pferdes. Dabei schlägt es z.B. ständig mit dem Schweif oder schüttelt seinen Kopf. Es ist möglich, dass diese Verhaltensanomalien ihren Anfang in einer Krankheit genommen haben und nach der Heilung als „Gewohnheit“ geblieben sind. In jedem Fall sollten Komfortverhaltensstörungen von einem Tierarzt untersucht werden, um Krankheiten oder Allergien auszuschließen.
Schweifscheuern
Der Schweif des Pferdes besitzt viele Aufgaben: Er schützt die Harnröhre und den Anus, dient zur Kommunikation, vertreibt Insekten und spielt während dem Reiten eine Rolle bei der Balance. Dass der Schweif geschlagen und bewegt wird, ist in der Natur eine ganz normale Verhaltensweise.
Problematisch wird es erst, wenn dein Pferd permanent mit dem Schweif schlägt. Das Fellkleid am Schweif wirkt als Folge stumpf. Wenn der Schweif selten in einer Ruheposition steht, solltest du unbedingt einen Tierarzt verständigen. Denn ein Schweifschlagen, Schweifreiben oder Schweifwetzen kann auf eine Hautkrankheit wie z.B. ein Parasitenbefall oder auf ein Sommerekzem hinweisen. Auch Kotwasser und ein schleppender Fellwechsel oder Fellprobleme an der Hinterhand rufen eine erhöhte Aktivität des Schweifes hervor.
Kann dein Tierarzt ausschließen, dass dein Pferd an keiner Krankheit leidet, liegt eine Verhaltensstörung vor.
Auslöser & Ursachen
Das krankhafte Schweifschlagen wird oftmals durch stressige Situationen ausgelöst, die in deinem Pferd Unbehagen auslösen. Auch ständige Nervosität oder Angst kann ein starkes Schweifschlagen auslösen.
Weitere Behandlungs- & Therapiemöglichkeiten
Schon eine leichte Optimierung der Haltungsbedingungen ermöglicht deinem Pferd die Abgewöhnung des Schweifschlagens. Vermeide Stress und biete deinem Pferd auf der Weide Auslauf.
Vorbeugung
Situationen, in denen dein Pferd Unbehagen und Nervosität zeigt, sollten schnell erkannt und vermieden werden.
Headshaking
Ein Zucken oder Schlagen des Kopfes ohne erkennbaren Reiz wird als Headshaking (Kopfschütteln) bezeichnet. Die Symptome sind sehr vielfältig.
In der Regel ist das Headshaking eine natürliche Verhaltensweise. Damit vertreiben Pferde Insekten und andere Störfaktoren am Kopf. Sobald aber der Reiz fehlt, wird vom sogenannten Headshaking Syndrom gesprochen. Dies ist ein noch recht neues und wenig erforschtes Syndrom. Dabei wird zwischen einer Stereotypie, also einer Verhaltensstörung und einem gesundheitlichen Problem unterschieden.
Verständige deinen Tierarzt, sobald du das Kopfschütteln ohne ersichtlichen Grund bei deinem Pferd beobachtest. Dieser wird dein Pferd auf Allergien oder Entzündungen an der Nasenschleimhaut untersuchen.
Orthopädische Ursachen wie OCD können Headshaking verursachen. Daneben kann auch eine starke Sonnenstrahlung bei lichtempfindlichen Pferden diese Störung auslösen. Sollte es keine medizinischen Ursachen für das Headshaking geben, handelt es sich womöglich im eine Komfortverhaltensstörung. Da das Krankheitsbild des Syndroms sehr komplex ist, ist eine Rücksprache mit dem Tierarzt enorm wichtig.
Auslöser & Ursachen
Die Verhaltensstörung wird durch falsche Haltungsbedingungen und Arbeitsfehlern ausgelöst. Durch das zwanghafte Headshaking kommuniziert das Pferd Ärger, Wut, Angst oder Stress.
Wenn dein Pferd überfordert und unter Druck gesetzt wird, einen monotonen Alltag durchlebt oder im Training falsch behandelt wird, kann sich das Headshaking entwickeln. Auch eine falsche Ausrüstung wie z.B. ein zu enger Sattel birgt das Risiko auf die Entstehung dieser Verhaltensstörung.
Weitere Behandlungs- & Therapiemöglichkeiten
Überprüfe die Situation deines Pferdes und gehe auf Ursachenforschung. Wenn das Headshaking durch eine falsche Ausrüstung entstanden ist, tausche diese schnellstmöglich aus. Darüber hinaus ist eine Optimierung der Haltungsbedingung die beste Möglichkeit, deinem Pferd das Headshaking abzugewöhnen. Biete deinem Pferd viel Bewegung und begegne ihm während des Trainings mit Respekt und Verständnis.
Das chronische Headshaking kann nicht immer vollständig therapiert werden. Aber in Zusammenarbeit mit einem Tierarzt und Geduld lernst du, mit dieser kleinen „Macke“ deines Pferdes umzugehen, sodass du dein Pferd weiterhin mit Spaß reiten kannst.
Vorbeugung
Nur eine pferdegerechte Haltung an der frischen Luft, ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und Kontakt zu den Artgenossen stellt eine optimale Prävention dar.
Fütterung und Gesundheit

Mash für Pferde
Schon die alten Reitmeister rührten Mash für ihre Pferde an und wussten die Vorteile dieses besonderen Futtermittels zu schätzen. Auch heute sind die meisten Pferde völlig verrückt nach diesem warmen, breiigen Futter. Kennst du das auch? Kaum ist das Mash serviert, ist es auch schon wieder weg, nämlich bis zum letzten Rest leergefuttert.
Mash ist bei Pferden einfach beliebt. Aber in welchen Situationen ist das „Schlabber-Futter“ nicht nur ein willkommener, abwechslungsreicher Leckerbissen, sondern auch richtig sinnvoll? Zum Beispiel während oder nach anstrengenden Turnieren, an sehr heißen Tagen, im Alter oder bei Zahnproblemen. Auch während des Fellwechsels oder im Winter kann Mash dein Pferd eine wertvolle Nährstoffkombination bieten. Sogar nach Krankheiten ist Mash ein optimales Futtermittel: es fördert die Regeneration und unterstützt die Darmfunktion. Aber was macht Mash denn jetzt so besonders?
Was ist Mash überhaupt?
Mash ist ein spezielles Futtermittel, dass je nach Zusammensetzung zu Kraftfutter bzw. Ergänzungsfutter gezählt wird. Traditionell besteht Mash aus Kleie, Leinsamen und weiteren Zutaten. Die Mischung wird mit warmem Wasser angerührt und als schmackhafter Brei an dein Pferd gefüttert.
Welche Inhaltsstoffe sind in Mash enthalten?
Mash kombiniert viele verschiedene Vitalstoffe. Die enthaltenen Leinsamen unterstützen den Fellwechsel und verleihen dem Fell deines Pferdes einen gesunden Glanz. Sie liefern zusätzlich Schleimstoffe, welche die Darmwand vor Reizen schützen können. Kleie unterstützt die allgemeine Darmgesundheit und hilft dem gesamten Verdauungstrakt dabei, „in Schwung“ zu bleiben.
Angereicherte Mash-Sorten enthalten zudem einen vollwertigen Vitamin-Mineralstoff-Spurenelement-Komplex, wie z.B. Biotin, Vitamin A, D3 und E, Magnesium, Kupfer, Eisen und Zink.
Warum wird Mash gefüttert?
Die Gründe zur Fütterung von Mash sind vielseitig – genauso wie seine Inhaltsstoffe. Mash wird oft zur Unterstützung der Darmfunktion und einer gesunden Verdauung gefüttert. Vor allem der hohe Gehalt an Leinsamen und Weizenkleie trägt zur allgemeinen Darmgesundheit bei. Die Inhaltsstoffe sind leicht verdaulich und werden sehr gut vom Dünndarm resorbiert. Auch Pferde, die Probleme mit Kotwasser und Durchfall haben, können von den positiven Eigenschaften profitieren.
Die Fütterung von Mash ist zudem für Pferde empfehlenswert, die sich nach einer Krankheit schnell regenerieren müssen oder grundsätzlich schlecht fressen. Pferde fressen den warmen Leckerbissen nämlich sehr gern. Gleichzeitig unterstützt Mash den Regenerationsprozess. Zum Beispiel ist Mash eins der ersten Futtersorten, welche du deinem Pferd nach einer überstandenen Kolik oder Operation anbieten kannst.
Hat dein Pferd beim Turnier wieder Höchstleistungen erbracht und sich körperlich stark verausgabt? Dann hat es sich auf jeden Fall einen gesunden, warmen Leckerbissen für eine schnelle Regeneration verdient. Das warme Kraftfutter versorgt dein Pferd mit allen wichtigen Nährstoffen und fördert seine Flüssigkeitsaufnahme – harte Arbeit muss schließlich angemessen belohnt werden.
Der gesunde Nährstoffmix im Mash mit seinem hohen Anteil an reinem Leinsamen verleiht deinem Pferd nicht nur einen herrlichen Glanz, sondern unterstützt es zudem beim Fellwechsel.
Die breiige Konsistenz von Mash bietet aber noch einen weiteren, ganz entschiedenen Vorteil: Senioren haben es bekanntlich schwerer, festes und trockenes Futter optimal aufzunehmen. Kommen Zahnprobleme hinzu, wird es umso schwerer, die Kondition alter Pferde aufrecht zu erhalten. Die breiige Konsistenz eines vollwertigen Senioren-Mashfutters ist nicht nur schmackhaft, sondern kann auch mit einem schlechten Gebiss einfach „weggeschleckt“ werden. Ein Highlight für jeden Senior!
Mash ist auch sehr gut zur Fütterung bei Pferden geeignet, die grundsätzlich (zu) wenig trinken oder stark schwitzen, denn es wird mit Wasser zubereitet und fördert somit zusätzlich die Flüssigkeitsaufnahme.
Wie wird Mash zubereitet?
Mash wird in der Regel einfach und schnell mit heißem Wasser zubereitet und anschließend handwarm gefüttert.
Rühre 1 Teil Mash einfach mit 1 Teil warmem, nicht kochendem Wasser an. Das Wasser sollte nicht kochend übergossen werden, da sonst die nicht hitzebeständigen Vitamine zerstört werden.
Rühre die Mischung einmal kräftig durch und lasse diese anschließend etwas abkühlen.
Sobald der Brei handwarm ist, kannst du diesen deinem Pferd als warmen Leckerbissen servieren.
Tipp: Mash kann zudem auch mit gesunden Kräutern verfeinert werden.
Wie oft wird Mash gefüttert?
Üblicherweise wird Mash ergänzend oder statt der üblichen Kraftfutterration gefüttert. Beachte für die passende Dosierung am besten die Hinweise auf der Verpackung.
Vielleicht hast du auch schon einmal gehört, dass du bestimmte Mash-Futtersorten nicht täglich füttern solltest? Dies liegt an der phosphorhaltigen Weizenkleie, die oft eins der Hauptzutaten von Mash ist. Wenn viel Kleie gefressen wird, wird gleichzeitig viel Phosphor aufgenommen – zu viel Phosphor hemmt allerdings die Aufnahme von Calcium. Calcium ist unter anderem ein essentieller Baustoff für starke Knochen.
In Bezug auf die Fütterungsempfehlungen kannst du dich aber auf die Hinweise des Herstellers verlassen. Gibt dieser an, dass sein Mash auch täglich (als Kraftfutterersatz) gefüttert werden kann, kannst du davon ausgehen, dass es nicht nur vitaminisiert, sondern zusätzlich mit Calcium angereichert wurde. Es gibt z.B. auch Kraftfutter speziell für alte Pferde, welches sowohl trocken als auch eingeweicht dauerhaft gefüttert werden kann.
Grundsätzlich gilt: Fütterst du deinem Pferd außer Raufutter nur sehr wenig oder gar kein Kraftfutter, ist die Zugabe eines vollwertigen Mineralfutters wichtig.
Welche Mash-Produkte gibt es?
Welches Mash du deinem Pferd anbieten möchtest, kommt ganz auf die Bedürfnisse deines Pferdes an. Wähle bei Pavo Pferdefutter zwischen 3 Sorten:
Pavo SlobberMash ist ein warmer Leckerbissen. Das vollwertige, vitaminreiche Kraftfutter kannst du ganz einfach mit heißem Wasser anrühren und lauwarm verfüttern. Da die Inhaltsstoffe bereits optimal verarbeitet sind, muss das Mash nicht lange ziehen. Der hohe Anteil an Leinsamen verleiht dem Fell deines Pferdes einen tollen Glanz. Die Weizenkleie unterstützt eine gesunde Verdauung. Da auch Calcium ein wichtiger Bestandteil von Pavo SlobberMash ist, kannst du den leckeren Brei regelmäßig anbieten. SlobberMash darf nur eingeweicht gefüttert werden!
Pavo GrainFreeMash ist ein getreide- und melassefreies Mash mit einem sehr niedrigen Zucker- und Stärkegehalt. Im Vergleich zu herkömmlichen Mash-Sorten ist dieser Gehalt deutlich geringer. Dieses faserreiche Mash ist daher besonders für Pferde geeignet, die zu Übergewicht neigen, getreidefrei ernährt werden müssen oder empfindlich auf Zucker und Stärke reagieren.
Pavo 18Plus ist ein Spezialfutter für deinen Senior ab 18 Jahren. Das schmackhafte Müsli ist mit Omega-3- sowie Omega-6-Fettsäuren angereichert, enthält ein optimales Calcium-Phosphorverhältnis sowie Antioxidantien und unterstützt somit das Immunsystem. Zudem ist der Zucker- und Stärkegehalt an den Bedarf älterer Pferde angepasst. Das Müsli kannst du sowohl trocken als auch eingeweicht als Mash füttern.
Pavo 18Plus kann zudem sehr gut mit feuchten Raufutterprodukten wie z.B. Pavo FibreBeet, Pavo SpeediBeet oder Pavo FibreNuggets kombiniert werden – ideal für Pferde mit Zahnproblemen, die Kraftfutter und Raufutter nicht mehr gut fressen können.
Kann Mash auch selbst zubereitet werden?
Ja, Mash kannst du auch selbst herstellen. Die Grundzutaten Leinsamen, Weizenkleie und Hafer kannst du im Drogeriemarkt, Reformhäusern oder im landwirtschaftlichen Fachhandel erwerben. Achte dabei auf unbehandelte und natürliche Zutaten ohne Zusatzstoffe.
Mash selber machen ist zwar einfach, aber auch zeitintensiv und kann schnell teuer werden. Im selbstgemachtem Mash ist das Calcium-Phosphor-Verhältnis unausgeglichen, da die Anreicherung im optimalem Verhältnis fehlt. Achte daher darauf, deinem Pferd das selbstgemachte Futter nicht zu häufig anzubieten.
Eine schöne Idee ist selbstgemachtes Mash aber bestimmt.
Grundrezept Mash
Für ein Pferd von etwa 600 kg benötigst du:
70 g Leinsamen
250 g Weizenkleie
250 g geschroteter Hafer
1 l heißes Wasser
Beachte: Braune Leinsamen müssen vorher immer noch einmal gekocht werden. Alternativ kannst du goldene Leinsamen kaufen.
Zubereitung:
Koche die Leinsamen mit 1 l Wasser 30 Minuten lang auf. Dabei gelegentlich umrühren.
Lasse die Leinsamen mit etwas Sud auf etwa 40°C bis 50°C abkühlen.
Gib die Weizenkleie und den Hafer in einen großen Eimer. Schütte anschließend die warmen, feuchten Leinsamen dazu und vermische die Masse.
Lasse den Brei nun bis zu 30 Minuten quellen.
Rühre den Mash kräftig durch und achte darauf, dass er nicht zu flüssig wird. Zur Not musst du noch ein bisschen Flüssigkeit abschütten. Ist der Brei zu fest, kannst du noch ein wenig lauwarmes Wasser hinzugeben.
Deinen selbstgemachten Mash kannst du jetzt nach Belieben und Geschmack gesund verfeinern. Kräuter, Honig, Bierhefe oder ein Teelöffel Salz sind perfekte Ergänzungen und machen das Mash noch schmackhafter.
Und fertig ist das selbstgemachte Mash! Jetzt kannst du den Leckerbissen lauwarm oder auch kalt füttern.
Fütterung und Gesundheit

PSSM und MIM bei Pferden
Equine Myopathien fassen verschiedene Formen von genetisch bedingten Erkrankungen der Muskulatur zusammen. Bei diesen Erkrankungen wird die Muskulatur nachhaltig geschädigt und degeneriert. Dazu gehören vor allem PSSM und MIM, die inzwischen zu den häufigsten Diagnosen von Muskelerkrankungen bei Pferden zählen.
Pferde mit einer "Polysaccharid Speicher Myopathie“, kurz PSSM, haben Probleme in der Speicherung langkettiger Zucker in der Muskulatur. Hier wurde bislang in Typ 1 und Typ 2 unterschieden.
Durch intensive Forschung weiß man jedoch heute, dass es sich bei „PSSM Typ 2“ um keine typische Speichermyopathie, sondern um eine Belastungsmyopathie handelt. Deshalb wurde der Begriff „PSSM Typ 2“ durch die korrektere Bezeichnung „Muskel-Integritäts-Myopathie“, kurz MIM, ersetzt.
MIM fasst dabei alle betroffenen Pferde zusammen, die genetisch bedingte Störungen innerhalb der Strukturen der Muskulatur haben. Hier unterscheidet man die myofibrillären Myopathien (MFM) mit den 5 Varianten P2, P3, P4, P8 und K1 sowie die Variante Px bzw. RER (Recurrent Exertional Rhabdomylosis) als eine wiederkehrende Belastungsmyopathie.
Es ist nicht auszuschließen, dass weitere Varianten von MIM durch die aktuelle Forschung entdeckt werden.
Sowohl bei PSSM Typ 1 als auch bei MIM sind oft robuste, gut bemuskelte Pferde betroffen. Bestimmte Rassen wie z.B. Quarter Horses oder Kaltblüter scheinen eine höhere Wahrscheinlichkeit zu haben, an PSSM Typ 1 zu erkranken.
Bei MIM ist die Anzahl der erkrankten Warm- und Vollblüter deutlich höher. Festzustellen ist jedoch, dass Equine Myopathien bei allen Pferderassen auftreten.
Obwohl weder PSSM noch die Varianten von MIM heilbar sind, können eine angepasste Fütterung, gezieltes Training und eine geeignete Haltung dazu beitragen, die Symptome deutlich zu lindern.
Verschiedene Arten von Equinen Myopathien bei Pferden
Wie oben schon erwähnt gibt es zwei große Komplexe der Equinen Myopathien. Diese sind PSSM Typ 1 und MIM mit seinen bisher bekannten Varianten.
PSSM Typ 1 ist eine angeborene, genetisch bedingte Veränderung (Mutation) im Gen GYS1 (Glykogen-Synthase-Gen), das für die Speicherung langkettiger Zuckermoleküle (Polysaccharide) in der Muskelzelle zuständig ist. Die übermäßige Einlagerung der Polysaccharide führt zu einer Funktionsstörung in den Muskelzellen, wodurch dein Pferd ähnliche Symptome zeigt, wie bei einem Kreuzverschlag.
MIM fasst alle Pferde mit einer genetisch bedingten Belastungsmyopathie zusammen. Bei den myofibrillären Myopathien (MFM) sorgen je nach Variante unterschiedliche, mutierte Gene dafür, dass spezifische Proteine eine Veränderung der Struktur aufweisen. Dadurch wird eine Funktionsstörung hervorgerufen.
Im Verlauf der Erkrankung verliert die betroffene Muskulatur nach und nach ihre Struktur, wodurch sie instabil wird und degeneriert. Bei RER, bzw. der Variante Px, wird die Regulation der Reizübertragung von Nervenzellsignalen in Muskelkontraktionen gestört. Pferde mit der Mutation Px sind also sehr leicht erregbar, nervös und leiden unter einem ständig hohen Muskeltonus.
Welche Ursachen haben PSSM und MIM beim Pferd?
Ursachen von PSSM
Bei Pferden mit der Diagnose PSSM Typ 1 liegt eine Punktmutation auf dem Gen GYS1 (Glykogen-Synthase-Gen) vor. Das Gen ist für das Glykogen-Syntase-Enzym zuständig, welches Glukose aus der Nahrung zu Glykogen umbaut, so dass es im Muskel gespeichert werden kann. Dadurch hat die Muskulatur die Möglichkeit, bei Bedarf kurzfristig Energie freizusetzen.
Im Falle einer PSSM Typ 1 Erkrankung reagieren betroffene Pferde sehr sensitiv auf das Hormon Insulin, wodurch deutlich mehr Glukose aus dem Blut gefiltert wird. Zeitgleich sorgt aber auch die Überaktivität des Glykogen-Syntase-Enzyms dafür, dass sehr viel Glucose in den Speicherstoff Glykogen umgewandelt und in den Muskelzellen gespeichert wird.
Zudem sorgt der Gendefekt dafür, dass das Glykogen extrem langkettig und enzymstabil gebaut wird. Der Muskel kann es in dieser gespeicherten Form nicht mehr oder nur unvollständig zur Energiegewinnung nutzen, da ihm entsprechende Enzyme zur Spaltung fehlen, bzw. die Enzyme nicht wirken.
In den Muskelzellen, vor allem aber in den schnellen Muskelfasern (Typ II), entstehen so Energiedefizite, die den Muskel funktionell schädigen. Zudem sorgt die große Menge an eingelagertem Glykogen dafür, dass die Reizübertragung zwischen den Muskelfasern gehemmt oder sogar unterbrochen wird. Für dein Pferd entsteht dabei ein unangenehmer Muskelschmerz.
Da PSSM eine Erbkrankheit ist, ist die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu erkranken, im Genom festgelegt. Die Genmutation für PSSM Typ 1 wird autosomal dominant vererbt. Für dein Pferd ergeben sich hieraus im Erbgut auf dem Gen GYS1 drei unterschiedliche Möglichkeiten:
N/N: Dein Pferd trägt keine Mutation auf GYS1 und wird daher nicht an PSSM Typ 1 erkranken. Es kann demnach die Mutation auch nicht an seine Nachkommen weitergeben.
N/PSSM1: Dein Pferd trägt eine Kopie des mutierten Gens in sich und hat daher ein hohes Risiko an PSSM Typ 1 zu erkranken. Hier hat ein Vorfahre die Mutation an dein Pferd weitergegeben. Ein Pferd mit diesem Genotyp wird die Mutation mit einer 50%igen Wahrscheinlichkeit an seine Nachkommen weitergeben.
PSSM1/PSSM1: Im Erbgut deines Pferdes liegt auf beiden Chromosomensträngen eine Mutation für PSSM Typ 1 (2 Kopien), wodurch dein Pferd ein extrem hohes Risiko hat, zu erkranken. Dein Pferd hat die Mutation von beiden Eltern bekommen und wird eine Kopie der Mutation zu 100% an seine Nachkommen weitergeben.
Eine Mutation bedeutet nicht zwingend, dass dein Pferd an PSSM Typ 1 erkranken wird. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch, je nach Genotyp, deutlich erhöht. Meist gibt es zudem einen Auslöser, bzw. die Krankheit schleicht sich langsam ein.
Bei PSSM Typ 1 führen meist die leicht verdaulichen Kohlenhydrate (z.B. Zucker wie Fruktane und Getreide) zum Ausbruch der Krankheit, wenn diese über Jahre hinweg deutlich über dem Bedarf gefüttert werden.
Ursachen von MIM
Bei MIM sind viele Faktoren noch nicht abschließend geklärt und daher Gegenstand aktueller Forschungsprojekte. Einige Zusammenhänge und Abläufe sind jedoch bereits bekannt. So ist nicht nur ein einzelnes Gen von einer Mutation betroffen. Aus diesem Grund wurden auch die unterschiedlichen Varianten eingeführt.
Bei jeder Variante ist ein anderes Gen betroffen, das für die Struktur eines einzelnen Proteins zuständig ist. Durch die Genmutation kommt es zu einer Veränderung in der Struktur des jeweiligen Proteins. Da die Proteine alle in unterschiedlichen Bereichen der Skelettmuskulatur benötigt werden, verursacht die Veränderung des Proteins eine Schädigung der Muskulatur.
Bei den Varianten P2, P3 und P4 handelt es sich um Strukturproteine, die im Verlaufe der Erkrankung nach und nach ihre stabilisierende Struktur verlieren. Hierdurch werden die Muskelzellen in der kleinsten Einheit der Muskulatur, dem Sarkomer, labil[PS1] .
Die Variante P8 sorgt ebenfalls für eine Instabilität des Muskels, allerdings in den Muskelfasern. Hier soll das entsprechende Protein eigentlich für den Schutz der Zellmembran, vor allem bei oxidativem Stress, eingesetzt werden. Durch die Fehlfunktion kann das Protein diesen Schutz jedoch nicht aufrechterhalten, wodurch der Muskel durch die fehlende antioxidative Abwehr geschädigt wird. Pferde mit dieser Variante haben deshalb einen erhöhten Bedarf an Antioxidantien.
Bei der Variante K1 wird das Protein Kollagen, das Muskelfasern in einem Muskelstrang zusammenhält und verbindet, durch eine Mutation so verändert, dass die Muskelfasern nicht mehr effektiv zu einem Muskel zusammengefasst werden. Dies führt ebenfalls zu einer Instabilität und Schwäche des Muskels.
Das Protein der Variante Px ist als ein Bestandteil für die Regulation des Calcium-Kanals im Sarkomer zuständig. Hier wird die Übertragung der Signale aus den Nerven in eine Muskelkontraktion gesteuert. Die Fehlfunktion des Proteins sorgt dafür, dass diese Kopplung gestört wird und die Impulse zur An- und Entspannung des Muskels nicht mehr richtig weitergegeben werden.
Neben diesen Varianten werden inzwischen auch weitere diskutiert, wie P5 und P6. Es ist nicht auszuschließen, dass noch mehr Varianten entdeckt werden.
Die Vererbung der einzelnen Varianten von MIM scheint autosomal semidominant zu verlaufen, wobei eine Kombination von mehreren Varianten durchaus möglich ist. Durch diese Kombination können die einzelnen Varianten unterschiedlich stark ausgeprägt sein und sich gegenseitig auch verstärken. Dies wird vor allem bei Px diskutiert. Es scheint auch eine Interaktion zwischen den verschiedenen Varianten zu geben. Dies erklärt auch, warum sich die Symptome mit der Anzahl der beteiligten Varianten zu steigern scheinen.
[PS1]Vielleicht kann man hier ein ähnliches Bild wie dieses einfügen, dass man den Aufbau der Muskeln einmal bildlich darstellen kann (das ist von St. Hippolyth)
[Schaubild PSSM]
Welche Symptome zeigen Pferde mit Equinen Mypopathien?
Die ersten Symptome bei equiden Mypopathien treten meist zwischen dem 7. und 10. Lebensjahr auf. Hier beginnt in der Regel die stärkere Belastung der Pferde, wodurch die Muskulatur mehr beansprucht wird. Außerdem werden ab diesem Alter die Symptome auch besser erkannt und nicht mehr Ausbildungsdefiziten zugeschrieben.
Neben einer übermäßigen Fütterung mit leicht verdaulichen Kohlenhydraten scheint auch dauerhafter Stress ein Auslöser für die Erkrankungen zu sein.
Die Symptome bei der Polysaccharid-Speicher-Myopathie (PSSM) und der Muskel-Integritäts-Myopathie (MIM) überschneiden sich beim Pferd in einigen Bereichen, da beide Erkrankungen Muskelschwäche und Muskelschäden verursachen.
Vor allem Muskelsteifheit, Triebigkeit, Probleme im Muskelaufbau bzw. im Muskelerhalt und Muskelzittern können bei beiden Erkrankungen vorkommen. Allerdings gibt es auch charakteristische Unterschiede zwischen diesen beiden Erkrankungen, die zu unterschiedlichen Managementstrategien führen.
MIM zeichnet sich vor allem durch eine Gangbildveränderung und wechselnde Lahmheiten aus, die nicht genau zugeordnet werden können. Die Pferde wirken generell unwillig, unrittig sowie triebig und zeigen meist einen Leistungsabfall. MIM verläuft klassischerweise nicht in akuten Schüben. Bei einer Blutuntersuchung sind die Muskelenzyme meist nicht erhöht.
Pferde mit PSSM Typ1 haben generell Probleme beim Muskelaufbau bzw. beim Muskelerhalt. Sie zeigen im Akutfall zumeist Kreuzverschlag ähnliche Symptome wie Muskelsteifheit, reduzierte Leistungsfähigkeit, Schwitzen, Triebigkeit und Unwilligkeit zu Arbeiten. Die Muskelentzündungswerte sind in der Regel dann auch deutlich erhöht. Die akuten Schübe, die typischerweise nach Stehtagen oder Tagen mit wenig Bewegung auftreten, können je nach aktuellem Krankheitsstand unterschiedlich stark ausfallen.
Leichte Schübe treten meist nach der Arbeit auf. Das Pferd krümmt den Rücken, zeigt große Bewegungsunlust und versteift die Hinterhand. Auch leichte Koliksymptome sind möglich.
Mittelschwere Schübe treten oft bereits schon während der Arbeit auf. Dein Pferd wirkt steif, bleibt stehen und beginnt stark zu schwitzen. Zudem verhärten sich Hinterhand und Kruppe spürbar.
Schwere PSSM Schübe treten ebenfalls während der Arbeit auf. Dein Pferd zeigt deutliche Anzeichen einer Kolik und beginnt sehr stark zu schwitzen. Es hat extreme Muskelschmerzen, welche es ihm fast nicht mehr ermöglichen, sich fortzubewegen. Die Hinterhand ist kraftlos, dein Pferd zittert stark und die Muskulatur verhärtet sich. Außerdem wird dunkelroter bis kaffeebrauner Urin ausgeschieden. Dieser ist auf die Freisetzung des Muskelfarbstoffs Myoglobin beim Absterben der Muskelzellen zurückzuführen. Dunkler Urin ist ein absoluter Notfall. Dein Tierarzt muss umgehend verständigt werden.
Sofortmaßnahmen bei PSSM
Leidet dein Pferd unter einem akutem PSSM Schub, ist es sehr wichtig, dass du sofort deinen Tierarzt verständigst. Bis dieser eintrifft solltest du dein Pferd eindecken und ihm ausreichend Wasser zur Verfügung stellen, um eine mögliche Dehydration bei starkem Schwitzen zu vermeiden.
Durch eine Laboruntersuchung von Blut und Harn kann dein Tierarzt dann das Ausmaß der Muskelschädigung einschätzen. Jeder PSSM Anfall schwächt dein Pferd. Daher ist es sehr wichtig, diese unbedingt zu vermeiden.
Nach leichten Anfällen können sich viele Pferde wieder regenerieren. Schwere Anfälle können jedoch lebensbedrohlich und irreversibel werden.
Wie werden PSSM und MIM bei Pferden diagnostiziert?
Entdeckst du bei deinem Pferd eines der oben genannten Symptome, solltest du deinen Tierarzt kontaktieren und ihm die Probleme schildern. Er wird dann geeignete Methoden wählen, um eine Diagnose stellen und die Behandlung deines Pferdes einleiten zu können.
Für PSSM Typ 1 gibt es inzwischen einen validierten Gentest. Hierfür sind eine Blutprobe oder Haarwurzeln nötig. Der Test, welcher von deinem Tierarzt durchgeführt wird, zeigt ebenfalls an, ob dein Pferd ein Einzel- bzw. Doppelträger ist oder ob kein Gendefekt vorliegt.
Für die Varianten von MIM werden auch kommerzielle Gentests angeboten. Diese sind jedoch nicht validiert und können deshalb keine verlässliche Aussage darüber geben, ob dein Pferd tatsächlich eine der Varianten von MIM hat. Für eine Diagnose ist hier in der Regel eine Muskelbiopsie, also eine Gewebeprobe der Muskulatur notwendig.
Equine Myopathien bei deinem Pferd behandeln
Sowohl PSSM als auch MIM werden durch erblich bedingte Genmutationen ausgelöst und sind somit nicht heilbar. Jedoch sind vor allem PSSM, aber auch MIM und die dazugehörigen Symptome durch eine angepasste Fütterung und Haltung beeinflussbar und erlauben den betroffenen Pferden ein art- und tierschutzgerechtes Leben.
Fütterung bei PSSM und MIM
Die Fütterung von Pferden mit equinen Mypoathien ist maßgeblich durch eine Reduktion von Stärke und Zucker sowie einer Erhöhung der Proteine in der Ration geprägt. Gerade die essentiellen Aminosäuren können deinem Pferd helfen, den Muskel zu reparieren.
Auch hochwertige Omega-3-Fettsäuren, wie z.B. aus Ahiflower Oil oder Leinöl haben entzündungshemmende Wirkungen und können dein Pferd positiv unterstützen.
Zudem ist eine bedarfsdeckende Versorgung mit Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen wichtig. Im akuten Schub kannst du auch die Supplementierung von reinem Vitamin E mit deinem Tierarzt besprechen.
Raufutter
Die Basis jeder gesunden Pferdefütterung ist Raufutter, weshalb du ein besonderes Augenmerk auf das Heu deines Pferdes legen solltest.
Da die Nährwerte im Heu je nach Gräserzusammensetzung und Schnittzeitpunkt auch deutlich schwanken können, ist es wichtig, nicht nur die Nährwerte des Kraftfutters zu kennen, sondern auch das Raufutter einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Ein Raufutter Schnelltest hilft dir dabei, einen genauen Einblick über die Nährwerte deines Raufutters zu bekommen.
Besonders der Zuckergehalt von Raufutter kann stark variieren. Mit einem Zuckergehalt von 15 bis 20% liegen einige Raufuttersorten sogar weit über vielen Kraftfuttersorten. Um also eine zucker- und stärkearme Fütterung gewährleisten zu können, sollte das Heu für dein PSSM Typ 1 Pferd einen maximalen Zuckergehalt von 10% nicht überschreiten. Natürlich gilt hier: Je niedriger der Zuckergehalt, desto besser.
Dein Heu hat einen Zuckergehalt von über 10%, aber ein Wechsel der Raufuttersorte ist aktuell nicht möglich? Kombiniere es in diesem Fall mit einem zuckerreduzierten Raufaser Produkt, wie z.B. Pavo SpeediBeet, FibreBeet oder FibreNuggets, um die Zuckerzufuhr durch dein Raufutter zu reduzieren.
Neben dem Zuckergehalt kann mit einem hochwertigen Heu auch der Eiweißgehalt in der Ration beeinflusst werden. Das Heu für Pferde mit equinen Myopathien sollte spätestens im Mai geschnitten werden, da dann der Eiweißgehalt im Gras hoch ist.
Es ist auch erwähnenswert, dass es bisher keine Beweise dafür gibt, dass eine Fütterung von Luzerne einen negativen Einfluss auf die Erkrankungen PSSM Typ 1 oder MIM hat.
Tipp: Du kannst das Heu für dein PSSM Typ 1 Pferd wässern, um leicht verdauliche Kohlenhydrate auszuschwemmen. Jedoch gehen dann auch andere Nährwerte verloren. Als schnelle Hilfe ist dies aber eine einfache Möglichkeit, um den Zuckergehalt des Heus etwas zu reduzieren.
Kraftfutter
Um auch beim Kraftfutter eine zucker- und stärkearme Fütterung einzuhalten, verzichte am besten auf Getreide und Melasse.
Für dein Freizeitpferd reicht oft schon eine Fütterung mit ausreichend hochwertigem Raufutter in Kombination mit einem Mineralfutter aus, um es optimal mit allen Nährstoffen zu versorgen und seinen Erhaltungsbedarf zu decken.
Hat dein Pferd einen leicht erhöhten Energiebedarf, ist eine Zufütterung von einem getreide- und melassefreien Kraftfutter, eventuell in Kombination mit einer kleinen Menge (40-50 ml) Öl, sehr gut geeignet.
Bei moderatem bis stark erhöhtem Energiebedarf sollte dein Pferd zusätzlich zu einem getreide- und melassenfreien Kraftfutter 100 ml bis 150 ml Öl als Energieträger bekommen. Hierzu eignen sich besonders Pflanzenöle, wie z.B. kaltgepresstes Leinöl. Entscheidest du dich dazu, deinem Pferd Öl zuzufüttern, gewöhne es zunächst langsam daran, um seinen empfindlichen Verdauungstrakt nicht zu belasten. Beachte dabei auch, dass die Verdauungskapazität an Ölen bei Pferden begrenzt ist. Eine Menge von 1 bis 1,5 ml Öl pro kg Körpergewicht sollte nicht überschritten werden.
Auch eine ausreichende Versorgung mit essentiellen Aminosäuren ist sehr wichtig für dein PSSM Pferd mit erhöhtem Energiebedarf. Eine Zufütterung von Sojaschrot, Leinsamen oder Bierhefe, aber auch mit ProteinPlus kann hier hilfreich sein, um die Muskulatur mit hochwertigen Eiweißen zu versorgen.
Achte außerdem darauf, die Futterration so konstant wie möglich zu halten. Häufige Wechsel von Futtermitteln belasten den empfindlichen Magen-Darm-Trakt deines Pferdes. Um den Stoffwechsel so wenig wie möglich zu irritieren, füttere deinem Pferd im Idealfall täglich dasselbe Futter zu ähnlichen Tageszeiten. Musst du das Kraftfutter umstellen, gewöhne dein Pferd langsam an die neue Futtersorte und mische es zunächst dem gewohnten Futter bei. Dieses kann dann nach und nach reduziert werden, bis dein Pferd vollständig an die neue Futtersorte gewöhnt ist.
Vitamine und Mineralstoffe
Eine optimale Versorgung mit Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen ist ebenfalls entscheidend. Besonders der vollständige Bedarf an Selen sollte bei deinem PSSM Pferd gedeckt sein.
Hat dein Tierarzt PSSM oder MIM bei deinem Pferd diagnostiziert, ist es üblich, dass er sich bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen gleichzeitig den Selenwert anschaut und darauf achtet, dass dieser dem Normwert entspricht.
Eine ausreichende Versorgung an Vitamin E ist wichtig, um die Muskulatur deines Pferdes optimal zu unterstützen. Im Akutfall kann, in Absprache mit dem Tierarzt, 5-10 mg Vitamin E je kg Körpermasse ergänzt werden.
Erhält dein Pferd weniger als 1,5 kg Kraftfutter pro Tag, empfiehlt sich grundsätzlich die Fütterung eines vollwertigen Mineralfutters, um es optimal mit allen Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen.
Wichtig zu erwähnen ist auch, dass es bisher keinen Nachweis für einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Calcium, z.B. durch Luzerne, und der Verstärkung der Problematik bei der Variante Px gibt.
Bewegung
Wie jedes andere Pferd, benötigt auch ein PSSM Typ 1 Pferd viel freie Bewegung an der frischen Luft. Hier stehen vor allem ausreichend Paddock- und eventuell auch kurze Weidezeiten im Vordergrund. Achte jedoch darauf, dass dein PSSM Pferd nicht zu viel reichhaltiges Gras frisst. Begrenze hierfür unbedingt die Weidezeit oder lasse es mit einem Maulkorb grasen.
Für Pferde mit PSSM Typ 1 ist es außerdem extrem wichtig, keinen klassischen Stehtag zu haben. Moderate Bewegung ohne Peakleistungen sind hier ideal. Passe die Arbeit immer dem aktuellen Trainings- und Gesundheitsstatus an und achte darauf, es nicht zu überfordern. Im Akutfall sollte dein Pferd jedoch keine Trainingsbelastung haben. In Abhängigkeit der Muskelenzymwerte kann kurzes Führen oder freie Bewegung möglich sein.
Auch Pferde mit MIM profitieren von viel freier Bewegung an der frischen Luft. Im Gegensatz zu PSSM Typ 1 ist ein längerer Weidegang für MIM Pferde durchaus möglich. Bei der kontrollierten Bewegung sollte ein reit- bzw. fahrfreier Tag alle 3-4 Tage eingehalten werden. Dies zeigt in der Praxis gute Erfolge bei der Behandlung von MIM.
Medikamente
Bei equinen Myopathien ist eine dauerhafte Zugabe von Medikamenten nicht zwingend nötigt. Allein während akuten Schüben können entzündungshemmende und schmerzlindernde Mittel nützlich sein, um deinem Pferd seinen Alltag angenehmer zu gestalten. Stimme dich vor der Verabreichung von Medikamenten immer mit deinem Tierarzt ab.
Da es sich bei PSSM Typ 1 und MIM um Erbkrankheiten handelt, ist es auch kaum denkbar, dass es irgendwann Medikamente gibt, die die Erkrankung aufhalten bzw. heilen können.
Wie du siehst, kann dein PSSM Typ 1 Pferd mithilfe einer angepassten Fütterung und Haltung ein nahezu normales Pferdeleben führen. Hier weiß man inzwischen sehr viel über die Erkrankung und hat ausreichend Erfahrungswerte, um mit einfachen Managementmaßnahmen viel Lebensqualität erreichen zu können. Jedoch solltest du diese Krankheit nicht unterschätzen und dich regelmäßig mit deinem Tierarzt über den aktuellen Zustand und eventuelle Behandlungsmöglichkeiten für dein Pferd abstimmen.
Bei MIM ist es noch etwas schwieriger, genaue Ratschläge zu geben. Das liegt zum einen daran, dass hier noch viel Forschung nötig ist, zum anderen aber auch an den zahlreichen Variationen und beteiligten Genen. Zudem gibt es noch wenige Erfahrungswerte aus der Praxis.
Bist du unsicher, welche Fütterung die richtige für dein Pferd mit einer equinen Myopathie ist? Unsere Pavo Fütterungsexperten beantworten gerne alle deine persönlichen Fütterungsfragen.
Fütterung und Gesundheit
Lebererkrankung beim Pferd
Die Leber ist des Pferdes größtes Verdauungsorgan. Sie besteht aus zwei Hälften und wiegt bei einem normalen Warmblutpferd ca. 5kg. Anatomisch setzt sich die Leber des Pferdes aus den Leberlappen, den Leberbälkchen und den Leberzellen (Hepatozyten) zusammen. Die Leber besitzt zwei Zugänge: Die Leberarterie transportiert mit Sauerstoff angereichertes Blut vom Herzen kommend, während die Pfortader Blut mit Nährstoffen aus dem Magen-Darm-Trakt, Milz-Abbauprodukte sowie Hormone der Bauspeicheldrüse zur Leber transportiert.
Die wichtigsten Aufgaben einer Pferdeleber
Die Leber ist maßgeblich am Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten beteiligt. Außerdem ist sie ein wichtiges Reservedepot für Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Erst in der Leber können durch die Zusammenarbeit und Produktion verschiedener Proteine, Enzyme und Hormone, die meisten Nährstoffe verwertet und für den Organismus zur Verfügung gestellt werden.
Neben der Aufgabe im Fett-Kohlenhydratstoffwechsel übernimmt die Pferdeleber außerdem eine ganz entscheidende Funktion als Entgiftungsorgan. Die Leber kann Medikamente, toxische Verbindungen und über das Futter aufgenommene Gifte bis zu einem gewissen Maß abbauen, so dass die Abbauprodukte dann über die Nieren ausgeschieden werden können.
Wie die Pferdeleber sich selbst zu helfen weiß
Die Leber des Pferdes hat ein enorm großes Regenerationsvermögen. Trotz Überbelastung zeigt sie lange keine signifikant erkennbaren Symptome. Erst wenn mehr als 70-80 % der Leber nicht mehr funktionieren, werden klinische Symptome sichtbar. Dies sind für das Pferd Fluch und Segen zugleich, denn durch diese Fähigkeit der Pferdeleber ist es für Besitzer oft sehr schwierig, eine Lebererkrankung bei ihrem Pferd frühzeitig zu erkennen.
Lebererkrankungen bei Pferden nehmen zu
Leider kommen Lebererkrankungen bei Pferden immer häufiger vor. Dies wird vor allem mit dem Vormarsch der für Pferde hochgiftigen Jakobskreuzkraut Pflanze in Verbindung gebracht.
Die Leber kann durch die Aufnahme von giftigen Stoffen, wie sie beispielsweise im Jakobskreuzkraut zu finden sind, aber auch durch Infektionen, Bakterien oder Parasiten, schwer geschädigt werden. Bei einer geschädigten Leber steigen die Konzentration der Leberenzyme im Blut und die Konzentration, der nicht von der Leber herausgefilterten Abfallstoffe wie Bilirubin. Aus diesem Grund kann die Diagnose einer Lebererkrankung auch am eindeutigsten über die sogenannten Leberwerte im Blutbild ermittelt werden. Die Ursache kann allein über das Blutbild in den meisten Fällen jedoch nicht ermittelt werden.
Zum Beispiel Gamma GT und alkalische Phosphatase (ALP) steigen vor allem bei Problemen im Abtransport der Giftstoffe, während ein erhöhter Gehalt von GLDH, LDH und AST (GOT) auf eine Schädigung der Leberzellen selbst hinweist. Doch nicht alle Enzyme nehmen im gleichen Maße zu bzw. ab und somit kann die Geschwindigkeit dieser Veränderung allein nicht auf den Grad der Leberschädigung hinweisen. Ist beispielsweise allein der LDH-Wert deines Pferdes erhöht, ist dies zunächst von geringer Aussagekraft für den aktuellen Gesundheitsstatus der Leber. Allerdings kann eine Aufteilung des LDH-Werts in die Leberisoenzyme LDH 3 und LDH 4 helfen, eine genauere Diagnose über die Lebergesundheit deines Pferdes zu stellen. Da diese Methode jedoch sehr kostenintensiv ist, betrachten viele Tierärzte meist die Enzyme AST und Gamma GT. Mithilfe des Gamma GT Werts lässt sich eine deutliche Aussage über den Zustand der Leber deines Pferdes treffen, da er proportional zum Ausmaß der Leberschädigung verläuft. Das bedeutet: je höher der Gamma GT Wert, desto höher der Grad der Lebererkrankung. Außerdem ist das Enzym GLDH zu betrachten. Ein erhöhter GLDH Wert im Blut ist immer ein Hinweis auf eine schwere Schädigung der Leber und somit von großer Bedeutung. Achte bei einer Blutentnahme zusätzlich darauf, dass das Serum innerhalb von 24 Stunden ausgewertet wird. Die Leberwerte haben nur eine sehr kurze Halbwertzeit.
Weist dein Pferd erhöhte Leberwerte auf, ist es in jedem Fall sehr wichtig, die genaue Ursache festzustellen, um eine vollständige Heilung zu erzielen. Dein Tierarzt hilft dir sicher gerne bei der Spurensuche und unterstützt dich mit seiner Anamnese, relevante Anhaltspunkte zur aktuellen Haltung und Fütterung zu finden.
Lebererkrankungen bei Pferden frühzeitig erkennen
Da die Pferdeleber über einen hohen Kompensations- und Regenerationsmechanismus verfügt, ist eine frühzeitige Diagnose oft schwierig. Erhöhte Leberwerte sind erst im fortgeschrittenen Stadium einer Lebererkrankung im Blut nachweisbar.
Erste Anzeichen deuten nicht direkt auf eine Lebererkrankung deines Pferdes hin. Genauso gut könnten diese auch Anzeichen einer anderen Krankheit abbilden. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass du dein Pferd aufmerksam beobachtest und Veränderungen kritisch bewertest. Die Symptome der Leberkrankheiten bei Pferden entsprechen der Schwere des Leberschadens. Ziehe daher bei folgenden Symptomen auch immer eine Lebererkrankung deines Pferdes in Betracht:
Verhaltensänderungen:
Appetitlosigkeit
Trägheit und Mattheit
Apathisches Verhalten
Leistungsschwäche
Lichtempfindlichkeit
Aggressives Verhalten gegenüber Artgenossen
Körperliche Veränderungen:
Beschwerden des Bewegungsapparates, Ataxie
Muskelabbau
Abmagerung
Haut- und Haarprobleme
Vermehrtes Schwitzen
Temperaturanstieg
Beschleunigter Puls ohne Anstrengung
Kolikartige Schmerzen
Verstopfung
Gelbverfärbung der Augenschleimhäute
Kleine punktförmige Blutungen auf Nick- und Schleimhäute
Dunkel verfärbter Urin (eventuell mit Blut im Urin)
Ziehe beim Verdacht auf eine Lebererkrankung sofort deinen Tierarzt zu Rate. Es wird zwischen einer primären und einer sekundären Lebererkrankung unterschieden:
Primäre Lebererkrankung: Die Pferdeleber ist direkt betroffen, z.B. bei einem Parasitenbefall.
Sekundäre Lebererkrankung: Die Erkrankung der Pferdeleber tritt in Folge einer Krankheit auf, z.B. bei Hufrehe, Vergiftungen oder Infektionen.
Mögliche Ursachen von Lebererkrankungen
Verzehr giftiger Pflanzen, allen voran das Jakobskreuzkraut
Schimmelpilze oder Bakterien in qualitativ schlechtem Kraftfutter, Heu oder Stroh
Fütterungsfehler: Nur selten liegt eine Mangelerscheinung vor. Häufiger ist die Ursache eine Überversorgung (zu proteinreiches Futter, zu viel synthetisches Mineralfutter).
Schwermetalle, z.B. alte rostige Trinkwasser-Bleirohre
Holzschutzmittel oder Weichmacher
Farben und Lacke sowie Formaldehyd in Späne-Einstreu
Parasiten oder Leberegel
Infektionserkrankungen
Tumore
Medikamente
Überdüngte oder mit Pestiziden behandelte Weiden
Leberkrankheiten bei Pferden stehen auch oft im Zusammenhang mit Erkrankungen des Magen- Darm-Trakts. Die Leber ist ein wichtiges Stoffwechselorgan und kann durch weitere Erkrankungen des Organismus somit auch stark in seiner Funktion in Mitleidenschaft gezogen werden.
Außerdem haben auch Stress, Überlastung oder Infektionen einen direkten Einfluss auf die Leber des Pferdes. Hier entstehen hochreaktive Radikale (schädliche Stoffe), die mithilfe der Leber in unschädliche Stoffe umgewandelt werden müssen. Dies kann die Leber langfristig belasten und folglich zu Leberproblemen führen. Achte daher immer darauf, den Tagesablauf deines Pferdes möglichst stressfrei zu gestalten und es artgerecht zu halten.
Behandlung von Lebererkrankungen beim Pferd
Halte alle leberschädigenden Stoffe von deinem Pferd fern, um es langfristig vor Erkrankungen zu schützen. Berücksichtige hierfür folgende Checkliste:
Kontrolliere regelmäßig die Weiden und Paddocks, damit diese stets frei von Giftpflanzen sind. Die gängigsten Giftpflanzen sind: Jakobskreuzkraut, Bergahorn, Sumpfschachtelhalm oder Herbstzeitlose.
Kraftfutter und Raufutter müssen stets in einem schimmelfreien Zustand sein.
Vermeide eine Überdosierung von synthetischem Mineralfutter und wähle bevorzugt ein natürliches Vitamin- und Mineralfutter.
Vermeide sowohl eine Überfütterung als auch einen radikalen Futterentzug (wie es manchmal bei Hufrehe empfohlen wird) bei deinem Pferd. Beides kann zur Bildung einer Fettleber führen.
Reduziere den Eiweiß- und Fettgehalt im Futter und sorge dabei für ausreichendes Raufutter als Basisfütterung.
Verwende für die Trinkwasserversorgung keine alten Bleirohre.
Vorsicht bei Futter- oder Wassereimern: schwarze Mörteleimer enthalten oft Weichmacher.
Entwurme dein Pferd regelmäßig.
Verzichte auf chemische Holzschutzmittel, Farben und Lacke für Pferdeboxen oder Weide- und Paddockzäune.
Sollte dein Pferd Medikamente bekommen, lies sorgfältig den Beipackzettel und informiere dich bei deinem Tierarzt über mögliche Nebenwirkungen.
Bewirtschafte deine Weiden „pferdefreundlich“ und verzichte auf Pestizide. Lies dazu auch unseren Ratgeber „Pferdeweiden richtig bewirtschaften.“
Kräuter können die Leber zusätzlich unterstützen
Bestimmte Kräuter unterstützen ganz besonders die Leberfunktion. Dabei wird durch sogenannte Bitterstoffe der Gallenfluss erhalten und angeregt. Bitterstoffe sind z.B. in Mariendistel, Artischocke und Löwenzahn enthalten. Insbesondere Mariendistel (mit hohem Gehalt an Silymarin) und Artischocke sind als bitterstoffreiche „Leberkräuter“ bekannt. Mariendistel beeinflusst den Zellstoffwechsel der Leber. Artischocke regt den Gallenfluss an.
Eine Unterstützung der Leber durch eine bitterstoffreiche Kräutermischung kann ganzjährlich erfolgen. Besonders zur Zeit des Fellwechsels bietet sich eine Kur von 6-8 Wochen an. Dein Pferd wird es dir danken!
Bei allen Maßnahmen und Behandlungen von Lebererkrankungen bei Pferden gilt: Nur die Beseitigung der Ursachen kann zum dauerhaften Erfolg führen.
Fütterung und Gesundheit
Magengeschwüre beim Pferd
Magengeschwüre gehören zu den häufigsten Erkrankungen beim Pferd. In zahlreichen Studien wurde bei verschiedenen Pferdegruppen die Häufigkeiten von Magengeschwüren und Magenschleimhautreizungen beschrieben.
So leiden bis zu 50% alle Freizeitpferde, bis zu 75% aller Fohlen bzw. Absetzer, bis zu 60% aller Turnierpferde und sogar bis zu 90% aller Rennpferde unter Magenproblemen.
Die Gründe hierfür sind vielfältig und oft noch nicht abschließend klar. Die Hauptursachen scheinen aber eine nicht artgerechte Fütterung und Haltung sowie zu viel Stress zu sein. Diskutiert werden auch genetische Faktoren, wie eine hohe Sensibilität.
Aber wie entstehen Magengeschwüre, was sind die Symptome, was kannst du im Akutfall machen, wie kannst du ihnen vorbeugen? Das wollen wir in diesem Artikel klären.
Wie Magengeschwüre entstehen
Der Magen eines Pferdes besteht aus drei Teilen: einem drüsenlosen oberen Magenteil, einem drüsenreichen unteren Teil und dem Magenausgang.
Im drüsenlosen Teil findet eine erste mikrobielle Verdauung im neutralen pH-Bereich statt. Im drüsenreichen Teil verdaut die aggressive Magensäure den Nahrungsbrei weiter, so dass der Verdauungsprozess im Dünndarm optimal abläuft. Menschen produzieren nur nach der Nahrungsaufnahme Magensäure. Anders ist es beim Pferd, das kontinuierlich, also rund um die Uhr, Magensäure produziert.
Da dein Pferd eigentlich ein Dauerfresser ist, macht die kontinuierliche Zuführung von Magensäure durchaus Sinn. Die empfindliche Magenschleimhaut ist im unteren Teil des Magens, in dem bei guten Haltungs- und Fütterungsbedingungen kontinuierlich Futterbrei steht und verdaut wird, hervorragend gegen den niedrigen pH-Wert der Magensäure durch eine effektive Schutzschicht geschützt. Im oberen Teil fehlt dieser Schutz hingegen, da hier die Magenschleimhaut im Normalfall nicht mit der aggressiven Magensäure in Kontakt kommt.
Entstehen lange Fresspausen oder wird generell zu wenig Raufutter gefüttert, ist die Menge an Rohfaser im Magen zu gering und der Nahrungsbrei ist deutlich flüssiger als üblich. Zudem fehlt durch mangelnde Kautätigkeit der Speichel, welcher beim Pferd nur durch Kauen gebildet wird. Der Speichel sorgt aber durch seinen neutralen pH-Wert für eine Abpufferung der überschüssigen Magensäure.
Bei mangelnder Speichelzufuhr sinkt demnach der pH-Wert des Mageninhalts kontinuierlich weiter ab. Bei jeder Bewegung des Pferdes schwappt nun die saure Flüssigkeit in den ungeschützten drüsenlosen Teil, wodurch es vor allem am Übergang zu dem geschützten Magenbereich zu Reizungen der Schleimhaut (Gastritis) oder zu Magengeschwüren kommt.
Auch bei der Fütterung von zu großen Mengen Kraftfutter pro Mahlzeit werden Magenprobleme begünstigt. Kraftfutter wird weniger stark gekaut, wodurch deutlich weniger Speichel für die Pufferung der Magensäure zur Verfügung steht. Zudem ist der relativ kleine Magen mit einer großen Menge Kraftfutter (ab 2 kg pro Mahlzeit) so gefüllt, dass der Futterbrei bis an den Übergang zum drüsenlosen Teil reicht.
Wird nun auch noch trainiert, gelangt der saure Magenbrei kontinuierlich in den oberen Magenbereich, wodurch weitere Reizungen entstehen. Zudem wird auch die mikrobielle Verdauung massiv gestört. Ist dies nur einmalig der Fall, kann sich die Magenschleimhaut gut selbst regenerieren. Hält dieser Zustand jedoch über längere Zeit an oder ist Alltag, können aus dem Magenschleimhautreizungen Magengeschwüre (Magenulzera), auch Equine Gastric Ulcer Syndrome (EGUS) genannt, entstehen.
Symptome bei Magenschleimhautreizungen und Magengeschwüren
Die Symptome bei Magenproblemen sind sehr vielfältig und gerade am Anfang oft sehr unspezifisch. Das eine ausschlaggebende Symptom gibt es leider nicht. Einige Pferde zeigen ihr Unwohlsein aufgrund von Magenproblemen deutlich, andere kaum. Deshalb werden Magenschleimhautreizungen und Magengeschwüre oft spät, manchmal auch gar nicht erkannt.
Gerade weil es nicht nur dieses eine Symptom gibt, ist es wichtig, die Möglichkeit von Magenproblemen immer im Hinterkopf zu haben, wenn sich dein Pferd auffällig verhält.
Es gibt aber eine Liste von Anzeichen bei erwachsenen Pferden und bei Fohlen, die auf Magenprobleme hindeuten können. Tritt eines oder mehrere Symptome bei deinem Pferd auf, solltest du auf jeden Fall umgehend deinen Tierarzt zu Rate ziehen.
Welche Symptome treten bei ausgewachsenen Pferden auf?
Akute oder wiederkehrende Koliken, besonders nach dem Fressen von Kraftfutter
Schlechtes oder selektives Fressen
Vermehrtes oder reduziertes Trinken
Häufiges Gähnen
Maulgeruch
Zähneknirschen
Flehmen
Leerkauen
Aufstoßen
Schlechter Allgemeinzustand
Abwehrreaktion beim Satteln und Gurten
Häufiges zum Bauch schauen
Gewichtsverlust
Verhaltensveränderungen, z.B. Koppen
Welche Symptome treten bei Fohlen auf?
Durchfall
Kolik
Schlechtes Milchtrinken oder ständiges Abbrechen
Starkes Speicheln
Zähneknirschen
Aufgeblähter Bauch
Fieber und Veränderungen im Blutbild
Stumpfes Fell
Schlechter Entwicklungszustand
Diagnosemöglichkeiten beim Pferd bei Magengeschwüren
Wenn du eines oder mehrere der erwähnten Symptome bei deinem Pferd regelmäßig bemerkst, ist eine tierärztliche Abklärung notwendig. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten der Diagnostik:
Eine diagnostische Therapie mit Medikamenten
oder eine Magenspiegelung (Gastroskopie).
Eine Gastroskopie ist das erste Mittel der Wahl bei einem Verdacht auf Magenprobleme. Sie ist eine sichere Diagnose von entstehenden oder bestehenden Magenproblemen. Es handelt sich um einen kleinen Eingriff, der am stehenden, sedierten Pferd vorgenommen wird. Dein Pferd darf einige Stunden vorher nichts fressen und trinken, damit die Sicht im Magen frei bleibt.
Bei der Gastroskopie wird ein flexibles Endoskop mit Kamera über die Nüstern eingeführt, zum Kehlkopf vorgeschoben und nach dem Abschlucken vorsichtig über die Speiseröhre bis in den Magen und anschließend in den vorderen Dünndarmabschnitt weitergeschoben. Durch dieses Verfahren können alle relevanten Verdauungsabschnitte direkt auf dem Bildschirm betrachtet und beurteilt werden.
Die diagnostische Therapie erfolgt mit Hilfe eines Antazidums, ein Medikament, das die Ausschüttung der Magensäure reguliert und die Magensäure neutralisiert. Dein Pferd erhält für einen gewissen Zeitraum das Medikament, das auch für die Therapie von Magengeschwüren eingesetzt wird. Sollten sich die Symptome sichtbar verbessern, ist ein Magengeschwür als Ursache sehr wahrscheinlich. Diese Methode wird dann gewählt, wenn eine Magenspiegelung bei deinem Pferd aus verschiedenen Gründen nicht möglich ist.
Was sind die Ursachen von Magenproblemen bei Pferden?
Die eine Ursache für die Entstehung von Magengeschwüren oder Magenschleimhautreizungen gibt es nicht. Es spielen aber sowohl genetische Faktoren, wie zum Beispiel die Rasse, der Blutanteil und das Interieur eine Rolle, als auch Umweltfaktoren.
Zu den Hauptrisikofaktoren gehören besonders Fehler in der Fütterung, Haltung, und dem Training, aber auch Stress. Vor allem wenn die genetische Veranlagung Magenprobleme begünstigt, können Managementfehler und Stress schnell zum Problem werden.
Genetik
Prinzipiell werden Magenprobleme über alle Rassen, Geschlechter und Altersgrenzen hinweg beschrieben. Jedoch weiß man, dass gewisse Rassen, z.B. solche mit hohem Blutanteil, eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, Magengeschwüre zu entwickeln, als z.B. Robustpferderassen. Auch Pferde, die wenig stressresistent sind und eine hohe Nervosität haben, sind eher von Magenproblemen betroffen als innerlich ruhige, gelassene Pferde.
Fütterung
Vor allem ein Mangel an Raufutter, zu viel stärkehaltiges Kraftfutter, verteilt auf wenige Portionen, Unruhe und Stress beim Fressen und zu lange Fresspausen (länger als 6 Stunden) werden für das Entstehen von Magengeschwüren bei Pferden verantwortlich gemacht. Durch die kontinuierlich produzierte und ausgeschüttete Magensäure wird das Milieu im Magen immer saurer, wenn nicht genügend Raufutter oder zu große Mengen an Stärke gefüttert werden.
Dies beeinträchtigt nicht nur die Verdauung negativ, auch die Schutzschicht im drüsenhaltigen Magen kann beschädigt werden. Durch Bewegung schwappt die Magensäure auch immer wieder in den drüsenlosen Teil und kann so die Magenschleimhaut schädigen. Der niedrige pH-Wert von unter 2 sorgt hier für eine Art von Verbrennungswunden.
Haltung, Stress und Verhalten
Diese drei Schlagworte beschreiben einen großen Ursachenpool für die gravierenden Auswirkungen von Magengeschwüren. Eine nicht artgerechte Haltung mit wenig bis keinem Weide- und/oder Paddockgang, fehlende Sozialkontakte zu Artgenossen und eine unruhige, stressvolle Umgebung im Stall können Magengeschwüre begünstigen.
Auch Stress beim Transport, Stallwechsel oder Überforderung bei der Arbeit sind Faktoren, welche die Magengesundheit und den Verdauungstrakt generell negativ beeinflussen. Stress führt dabei immer zu einer Ausschüttung von Cortisol und damit zur Verringerung der Abwehrkräfte der Magenschleimhaut durch eine verringerte Durchblutung. Dadurch kann es vermehrt zu Schädigungen im Magen kommen.
Magengeschwüre spiegeln sich auch im Verhalten der Pferde wider, welches sich dadurch auch nachhaltig negativ verändern kann. Es können sich dadurch Verhaltensauffälligkeiten entwickeln, wie z.B. Koppen. Hier geht man davon aus, dass durch das Aufsetzen eine Art Kauen simuliert werden soll, um Speichel zu produzieren, welcher die Magensäure etwas puffern kann.
Training und Wettkampf
Im Pferdesport lassen sich intensives Training in Kombination mit Leistungsstress in akuten Phasen kaum vermeiden. Auch wenn dein Pferd optimal auf diese Situationen vorbereitet ist, können körperlicher und psychischer Stress entstehen. So steigt, selbst bei optimaler Haltung und Fütterung, mit der Intensität der Wettkampfteilnahme das Risiko auf die Entstehung von Magengeschwüren.
Auch unabhängig von Turnieren können intensives Training mit viel Trab und Galopp, lange Ausritte ohne Pausen, dem Leistungsniveau nicht angepasste Trainingsdauer und/oder -intensität oder zu langes Training dazu führen, dass der Druck im Bauchraum steigt. Dadurch steigt der saure Nahrungsbrei im Magen an und kommt mit der Magenschleimhaut längere Zeit in Kontakt, wodurch gerade im nicht geschützten Teil Schädigungen entstehen können.
Wird kurz vor der Arbeit gefüttert oder auf leeren Magen trainiert, kann die Magensäure ebenfalls durch einen zu vollen Magen oder eine zu intensive Bewegung des sauren Magenbreis die Magenschleimhaut im drüsenlosen Teil schädigen. Auch hier schwappt der Mageninhalt regelmäßig über die Grenze zwischen dem geschützten und nicht geschützten Bereich und sorgt für Reizungen und Schädigungen.
Krankheiten und Medikamente
Verschiedene Medikamente, z.B. Schmerzmittel oder Antibiotika, können ebenfalls die Entstehung von Magengeschwüren fördern. Dies liegt zum einen daran, dass die Schutzmechanismen des Magens durch die Medikamente angegriffen sein können. Zum anderen ist mit Schmerzen auch Stress verbunden, was wiederum das Immunsystem und damit auch den Verdauungstrakt schädigt.
Meist fressen Pferden während Krankheiten oder Medikamentengaben auch schlechter, was ebenfalls Magenprobleme begünstigt. Auch Kolikarten wie z.B. Darmverstopfung, Darmverlagerung oder Aufgasung, können die nachträgliche Förderung von Magengeschwüren begünstigen.
Behandlung von Magengeschwüren beim Pferd
In der Regel können Magengeschwüre bei Pferden medikamentös gut behandelt werden. Beim Wirkstoff „Omeprazol“ handelt es sich um einen Protonenpumpenblocker, welcher sehr schnell und effektiv die Magensäureproduktion reduziert, so dass der Heilungsprozess einsetzen kann. Omeprazol ist als Paste für Pferde zugelassen. Diese sollte nach Möglichkeit vor der Fütterung gegeben werden, um die Wirkung zu optimieren.
Die Therapiedauer sowie der Behandlungserfolg sind aber auch abhängig vom Schweregrad des ausgeprägten Magengeschwürs. Bei Fragen zur Medikation sowie dem Therapieplan wende dich am besten an den behandelnden Tierarzt.
Neben der medikamentösen Behandlung sollte auch die Optimierung der Fütterungs-, Haltungs- und Trainingsbedingungen im Vordergrund stehen. Hier gilt es, alle Risikofaktoren so gut wie möglich zu eliminieren.
Im Bereich der Fütterung gibt es verschiedene Zusatzfuttermittel (Pavo GastriCover) auf dem Markt, die entweder mit natürlichen Magensäureneutralisatoren, wie z.B. Magnesiumoxid, Kleie, Algenkalk, Kräutern oder Rohstoffen mit hohem Rohfasergehalt die Magengesundheit fördern.
Sprich hier mit deinem Tierarzt, bevor du ein solches Zusatzfuttermittel einsetzt. Meist ist eine Fütterung von Zusätzen vor allem zur Vorbeugung und als Nachbehandlung nach der Medikamentengabe sinnvoll.
Spezielle Futtermittel für Pferde mit Magenproblemen sind eine sinnvolle Alternative zum bisherigen Futter. Hier gibt es Varianten für Pferde, die Leistung erbringen (Pavo Ease&Excel), aber auch für Freizeitpferde (Pavo GastricEase).
Magengeschwüre bei Pferden vorbeugen
Aus Tierschutzsicht ist es besonders wichtig, Krankheiten vorzubeugen, um dem Tier Leiden und Schmerzen zu ersparen. Dies gilt umso mehr auch bei Magengeschwüren, da sie für Pferde sehr schmerzhaft sind. Zumindest zu einem Teil können diese durch richtiges Management, Training und eine artgerechte Haltung und Fütterung vermieden werden.
Hinzu kommt, dass die Behandlung sehr aufwendig und kostspielig ist.
Deshalb muss das Vorbeugen von Krankheiten, hier im speziellen von Magenproblemen, für jeden Pferdehalter oberste Priorität haben.
Was kannst du nun konkret für die Magengesundheit deines Pferdes machen? Hier bekommst du ein paar effektive Tipps.
Fütterung für einen gesunden Pferdemagen
In der Natur beschäftigen sich Pferde ca. 16 Stunden mit der Nahrungsaufnahme. Sie legen in der Regel keine Fresspausen ein, die länger als 4 Stunden sind. Dies hat einen guten Grund: der Pferdemagen hat nur ein Füllvolumen von ca. 18 Litern und ist somit relativ klein, produziert aber ununterbrochen Magensäure.
Durch die regelmäßige Futteraufnahme in kleinen Portionen ist der Magen zum einen immer ideal gefüllt und kann optimal arbeiten und zum anderen sorgt der kontinuierliche Speichelfluss für eine Pufferung der Magensäure.
Wenn du mehr über die Verdauung des Pferdes erfahren möchtest, lese dazu auch unseren Ratgeber „Verdauungstrakt des Pferdes“.
Diese natürliche Art der Futteraufnahme, auf die der Verdauungstrakt ausgelegt ist, solltest du als Vorbild nutzen, um dein Pferd artgerecht zu füttern und fütterungsbedingte Krankheiten vorzubeugen.
Tipps:
Fördere das natürliche Fressverhalten deines Pferdes“.
Biete deinem Pferd ausreichend Raufutter an. Ein Pferd benötigt mind. 1,5 – 2,0% seines Gewichts an Raufutter (Trockenmasse).
Pferde, die nicht zu dick sind, können auch uneingeschränkten Zugang zu Raufutter haben.
Strukturmischungen für Kraftfutter verlängern die Fresszeiten, beschäftigen dein Pferd und stimulieren die Speichelproduktion.
Jeder Kraftfutter-Ration sollte eine Raufutter-Fütterung vorangestellt werden.
Die Kraftfuttermenge sollte auf mindestens 3 Mahlzeiten verteilt werden, wenn mehr als 2 kg gefüttert werden.
Füttere nur so viel Kraftfutter, wie dein Pferd benötigt (bedarfsgerechte Fütterung) und achte dabei auf Futtermittel, die hoch konzentriert und aufgeschlossen sind.
Greife bei der Kraftfutter-Wahl eher auf stärkearme, aufgeschlossene Futtermittelsorten zurück.
Für Pferde mit Magenproblemen gibt es auch speziell auf diese Bedürfnisse abgestimmte Kraftfutter- und Zusatzfuttermittel, welche die Magengesundheit unterstützen.
Soll dein Pferd Getreide bekommen, ist Hafer anderen Getreidesorten vorzuziehen.
Vermeide stark melassierte Futtermittel.
Mash mit einem hohen Anteil an Leinsamen oder gekochter Leinsamen können die Schutzschicht im Magen unterstützen.
Verzichte bei der Fütterung auf Obst, vor allem Äpfel, in größerer Menge.
Futter jeder Art sollte immer von einwandfreier Qualität und absolut schimmelfrei sein.
Gönne deinem Pferd regelmäßig eine Kur von wohltuenden „Magenkräutern“, wie z.B. Hopfen, Kamille, Kümmel und die Passionsblume.
Schon gewusst?
Klinische Versuche haben gezeigt, dass Pektin bei einem hohen Säureniveau im Magen ein Gel bildet, welches die Magenschleimhaut stärkt und verdickt. Pektin kann der Magenschleimhaut bei der Regeneration helfen.
Hier gibt es unterschiedliche Futtermittel, die durch einen hohen Pektingehalt ideal die Ration von Pferden mit Magenproblemen unterstützen können, wie z.B. Pavo SpeediBeet. Dies sind entzuckerte, melassefreie Zuckerrübenschnitzel, die mit annähernd 30% besonders reich an Pektinen sind.
Neben Pektin gibt es noch weitere Inhaltsstoffe, welche die Magengesundheit fördern können. Rohwaren, die eine hohe Säurebindungsfähigkeit aufweisen (Acid Binding Capacity, bzw. ABC genannt), können die Magensäure effektiv binden.
Die ABC wird an der Menge an Säure gemessen, die bei einem unterschiedlichen Magensäureniveau im Futter verbleibt. Je größer der Wert, desto größer die ABC. Getreide oder stärkehaltige Futtermittel haben eine relativ niedrige ABC, wohingegen protein- und rohfaserreiche Produkte einen hohen ABC-Wert aufweisen. Pavo SpeediBeet und Pavo FibreBeet eignen sich hervorragend, um überschüssige Magensäure aufzusaugen, insbesondere wenn es am Morgen gefüttert wird.
Auch Kraftfutter und Zusatzfutter, die speziell für die Unterstützung der Magengesundheit entwickelt werden, beinhalten Rohwaren, die eine möglichst hohe ABC aufweisen.
Säurebildungs-Fähigkeit (ABC)
Getreide
Gemüse, einschl. Alfalfa
Fruchtfleischprodukte einschl. Zuckerrübenfleisch
ABC bei ph 3 meq/kg
72 – 100
280 – 640
200 – 370
ABC bei ph 4 meq/kg
180 – 400
470 – 1.070
480 – 880
Artgerechte Haltung als Schutz vor Magenproblemen
Die Haltung trägt wesentlich zum Wohlbefinden und zur Gesundheit deines Pferdes bei. Generell ist eine möglichst naturnahe Haltung im Gruppenverband sinnvoll. Jedoch gibt es auch immer Pferde, die in der Gruppenhaltung mehr Stress haben als in einer Einzelbox mit Gruppenauslauf. Hier muss immer individuell auf das entsprechende Pferd geschaut und geachtet werden und für das Individuum die bestmögliche Haltung gewählt werden.
Generell gibt es aber einige Tipps, die das Wohlbefinden fördern und Stress reduzieren:
Tipps:
Stress ist Gift für den Magen! Vermeide daher Dauerstress bei deinem Pferd.
Gönne deinem Pferd möglichst viel freie und eigenständige Bewegung: täglicher Weidegang, Offenstallhaltung, große Boxen mit Außenpaddock.
Kontakt mit Artgenossen in einer harmonischen Herde ist für Pferde Balsam für die Seele. Fördere daher die sozialen Kontakte und sorge für eine ausgeglichene Herde.
Beachte die individuellen Grundbedürfnisse deines Pferdes und fördere diese.
Achte auf Verhaltensauffälligkeiten und forsche hier nach den Ursachen.
Angepasstes Training und Leistungsstress vermeiden
Um das Risiko von Magenproblemen so gering wie möglich zu halten, kannst du auch beim Training einen positiven Beitrag leisten. Trainiere dein Pferd dem Trainingszustand angepasst. Steigere die Leistung sukzessive und langsam, überfordere es nicht und sorge für positive Motivation im Training.
Achte darauf, dass dein Pferd nicht gleich nach der Fütterung trainiert, jedoch auch nicht auf leeren Magen geritten wird. Ideal sind 2 Stunden zwischen Fütterung und Arbeit.
Auch regelmäßige Schrittpausen im Training sind sinnvoll. Hierdurch regeneriert sich die Blutzufuhr zum Verdauungstrakt. Dabei wird der erhöhte Druck auf den Bauch gesenkt, so dass sich der Mageninhalt aus den oberen, säureempfindlichen Magenbereichen wieder absenkt.
Tipps:
Bleibe selbst entspannt! Dein Stress überträgt sich auch auf dein Pferd.
Überfordere dein Pferd nicht und trainiere angepasst.
Bestärke dein Pferd durch individuell passende Belohnungen und vermeide negative Motivation.
Strukturiere das Training und kombiniere mehr und weniger anstrengende Lektionen.
Lege zwischen temporeichen und leistungsintensiven Aufgaben regelmäßige Schrittpausen ein.
Schon gewusst?
Auch schlecht sitzendes Sattelzeug und zu fest gegurtete Sättel können Magenprobleme verursachen. Kontrolliere daher regelmäßig den Sitz des Sattels, bzw. der gesamten Ausrüstung. Hierbei auch das Trensengebiss nicht vergessen, denn wird die Kautätigkeit und somit der Speichelfluss behindert, kann dies langfristig ebenfalls zu Problemen führen.
Einmal entstandene Magengeschwüre benötigen viel Zeit und Ruhe, bis diese wieder vollständig abgeheilt sind. Daher gelten die oben aufgeführten Maßnahmen vor allem vorbeugend, so dass Magengeschwüre bei deinem Pferd gar nicht erst entstehen.
Fütterung und Gesundheit
Kotwasser beim Pferd
Viele Pferdebesitzer kennen die bräunliche Flüssigkeit, die den Pferden an den Hinterbeinen herunterläuft: Kotwasser. Immer ein Zeichen dafür, dass im Verdauungstrakt etwas nicht in Ordnung ist. Kotwasser beschreibt jedoch keine eigenständige Krankheit, sondern nur ein Symptom, welches unterschiedliche Ursachen haben kann.
Wichtige Stellschrauben sind hier vor allem die Haltung und Fütterung deines Pferdes. Gehe daher genau auf Spurensuche, um den Auslöser für Kotwasser bei deinem Pferd herauszufinden. Nur dann kannst du deinem Pferd auch gezielt und langfristig helfen.
Was ist Kotwasser beim Pferd?
Kotwasser beschreibt in erster Linie ungebundene Flüssigkeit im Darm, die durch Darmbewegung nach außen tritt. Wie diese Flüssigkeit entsteht, lässt sich anhand des Verdauungsprozesses erklären:
Magen und Darm deines Pferdes arbeiten wie ein Kreislauf, welcher idealerweise kontinuierlich mit der Verwertung von Futter beschäftigt ist. Für die Futterverwertung benötigt dein Pferd verschiedene Flüssigkeiten, wie z.B. Wasser, Speichel, Darmschleim und Gallenflüssigkeit. Diese gelangen gemeinsam mit dem zerkauten Futter in den Darm deines Pferdes. Hat dein Pferd ein intaktes Verdauungssystem, werden diese Flüssigkeiten nach der Futterverwertung über die Darmwand resorbiert und anschließend für weitere Verdauungsprozesse eingesetzt.
Arbeitet jedoch ein Element im Verdauungstrakt nicht optimal, kommt der Magen-Darm-Kreislauf aus dem Gleichgewicht. In diesem Fall kann die freie Flüssigkeit im Darm nicht ausreichend gebunden werden und tritt bei Darmbewegung als Kotwasser nach außen. Anders als beim Durchfall wird die Konsistenz der Pferdeäpfel meist nicht beeinflusst. Kotwasser tritt in der Regel vor oder nach dem Kot aus, kann aber auch völlig unabhängig vom Äppeln austreten.
Wenn die Flüssigkeit langfristig an den Beinen herunterläuft, können auch Hautprobleme entstehen, die für dein Pferd sehr unangenehm sind.
Welche Ursachen kann Kotwasser bei deinem Pferd haben?
Kotwasser kann eine Vielzahl verschiedener Ursachen haben, wobei es immer ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren ist und selten eine einzige Ursache hat. Es hängt auch stark vom einzelnen Pferd und den individuellen Voraussetzungen ab, was Kotwasser in welcher Stärke auslösen kann.
Zusätzlich spielen die individuellen Voraussetzungen deines Pferdes eine wichtige Rolle. Manche Pferde bekommen schon bei den kleinsten Unregelmäßigkeiten Kotwasser, andere erst bei bereits bestehenden gesundheitlichen Problemen, wie z.B. ein angeschlagenes Immunsystem oder einen empfindlichen Magen-Darm-Trakt. Und andere Pferde bekommen trotz verschiedener Probleme kein Kotwasser. Wir haben die wichtigsten Ursachen für Kotwasser hier zusammengefasst:
Fütterung als Ursache von Kotwasser beim Pferd
Bedarfsgerechte Fütterung
Ein möglicher Auslöser von Kotwasser bei Pferden ist die nicht bedarfsgerechte Fütterung von Raufutter. Ausreichend Raufutter (1,5-2 kg je 100 kg Körpergewicht) ist sehr wichtig für die gesunde Darmflora deines Pferdes. Die Rohfaser stärken die positiven Darmbakterien, halten die Verdauung im Gang und balancieren den Wasserhaushalt im Darm aus.
Dementsprechend kann ein Raufuttermangel und zu lange Fresspausen Kotwasser begünstigen. Wichtig ist jedoch, dass das Raufutter vernünftig gekaut und verkleinert wird. Sollte dein Pferd hier Probleme haben, lasse die Zähne kontrollieren oder steige auf Raufutter Ersatzprodukte wie SpeediBeet, Heucobs oder FibreBeet um.
Ligningehalt im Holz
Neben Zahnproblemen kann auch ein hoher Verholzungsgrad des Heus dafür verantwortlich sein, dass dein Pferd das Raufutter nicht ausreichend zerkleinern kann. Von verholztem Heu spricht man, wenn das Heu so spät im Sommer geerntet wird, dass die Halme bereits dicker und härter werden. Dann ist in der Regel der Anteil an Lignin sehr hoch.
Lignin ist ein Holzstoff, welcher sehr widerstandsfähig ist und dafür sorgt, dass hohes, älteres Gras stabiler steht und sich nicht so leicht abknicken lässt, aber auch schwerer zu kauen ist.
Heu mit einem hohen Ligningehalt kommt also oft kaum zerkleinert im Dickdarm an, wodurch es im Verdauungstrakt nur in einem geringen Maße abgebaut werden kann. Freies Wasser wird dadurch unzureichend gebunden und Kotwasser kann entstehen.
Silage in der Pferdefütterung
Vergorene Futtermittel, wie z.B. Silage, können ebenfalls Kotwasser bei Pferden begünstigen. Bei einer Vergärung von Futtermitteln kommt es zur Bildung biogener Armine. Nimmt dein Pferd diese auf, arbeiten die Bakterien im Darm nicht mehr effizient und freies Wasser kann nicht ausreichend gebunden werden.
Zudem müssen biogene Armine über die Leber deines Pferdes wieder abgebaut werden. Langfristig kann dies zu einer Leberüberlastung führen und so ernsthafte gesundheitliche Folgen hervorrufen. Verzichte daher bei deinem Pferd auf eine Fütterung von stark vergorenen Futtermitteln wie Silage.
Auch Heulage, welche oft in der Pferdefütterung eingesetzt wird, kann mit biogenen Arminen belastet sein. Wie stark die Heulage belastet ist, hängt vom individuellen Fermentationsprozess des Herstellers ab. Merkst du, dass dein Pferd nach der Fütterung mit Heulage mit Kotwasser reagiert, solltest du auf Heu umsteigen.
Hygiene
Hygiene bei der Futtermittellagerung und der Fütterung sind das A und O, um Kotwasser vorzubeugen. Jede Art von Bakterien und Schimmelsporen bringen das Magen-Darm-Gleichgewicht durcheinander, was dann unter anderem zu Koliken, Durchfall oder Kotwasser führen kann.
Hier sind besonders die Mykotoxine zu erwähnen. Hierbei handelt sich um ein Stoffwechselprodukt von Schimmelsporen, die giftig sind und langfristig zu gravierenden gesundheitlichen Schäden führen können. Vor allem Heu und Getreide können mit Mykotoxinen belastet sein, z.B. bei schlechter Lagerung, Kondenswasser, hoher Feuchtigkeit oder geringer Luftzirkulation.
Problematisch ist, dass Kontaminationen von Raufutter und Getreide mit Bakterien, Schimmeln und Mykotoxinen, wenn überhaupt, meist erst spät erkannt werden.
Achte daher bei deinem Futter auf eine optimale Lagerung sowie eine gute Hygiene im Futterbereich. Vor allem die Kraftfuttertonnen und Futterbehälter, Futtereimer und Mashschüsseln sollten regelmäßig gereinigt werden. Reinige auch das Heu- und Strohlager gründlich vor einer neuen Bestückung.
Sollte dein Pferd Probleme mit Kotwasser haben, lohnt es sich auch immer, das Raufutter einer genauen Prüfung zu unterziehen. Dies kann z.B. durch ein Labor analysiert werden.
Vitamine & Mineralstoffe
Wird der Mikronährstoffbedarf deines Pferdes, also der Bedarf an Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen, Fettsäuren und essentiellen Aminosäuren, langfristig nicht gedeckt, kann neben anderen gesundheitlichen Problemen auch Kotwasser entstehen.
Auch ein Nährstoffüberschuss, beispielsweise durch zu hohe Mengen an Mineralfutter, kann dieses Problem hervorrufen.
Viele Mineralfuttersorten sind hochkonzentriert, weswegen bereits eine geringe Menge pro Tag genügt, um dein Pferd ausreichend mit allen notwendigen Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen. Fütterst du hiervon dauerhaft zu viel, riskierst du einen gefährlichen Nährstoffüberschuss bei deinem Pferd.
Achte daher auf den Bedarf deines Pferdes und die Fütterungsempfehlung des Herstellers, um den Nährstoffbedarf deines Pferdes optimal decken zu können.
Futterumstellungen
Der Verdauungstrakt deines Pferdes ist sehr sensibel. Bereits kleinste Veränderungen können den empfindlichen Magen-Darm-Trakt irritieren. Beispielsweise reagieren viele Pferde mit Kotwasser, wenn es im Frühling das erste Mal wieder auf die Weide geht. Das liegt daran, dass dein Pferd für das Verdauen von Gras andere Bakterien benötigt, als für das Verdauen von Heu oder Heulage, welche den Winter über gefüttert werden. Dein Pferd kann diese Bakterien selbst herstellen, benötigt hierfür jedoch ausreichend Zeit. Daher ist eine langsame Futterumstellung äußerst wichtig, um den empfindlichen Verdauungstrakt nicht zu überlasten.
Wenn du von einem Kraftfutter zu einem anderen wechselst, gib zunächst das neue Kraftfutter unter das Gewohnte und reduziere dieses dann nach und nach. So kann sich dein Pferd leichter auf das neue Futter einstellen.
Wasser
Frisches, hygienisch einwandfreies Wasser ist für Pferde essentiell. Besonders im Sommer auf der Weide kann es dazu kommen, dass die Wasserquelle mit Algen, Schlamm oder Bakterien kontaminiert ist. Auch Brunnenwasser kann im Sommer bei niedrigen Grundwasserspiegeln hygienisch problematisch werden.
Nicht sauberes Wasser kann, neben vielen verschiedenen Krankheiten, Kotwasser hervorrufen. Alte Wasserleitungen im Stall, die z.B. Eisen enthalten, geben mit den Jahren immer mehr Mineralien ab und können zu einem Eisenüberschuss führen. Dieses Ungleichgewicht in den Nährstoffen kann ebenfalls Kotwasser hervorrufen.
Haltung als Ursache von Kotwasser beim Pferd (3)
Neben der Fütterung kann auch die Pferdehaltung den empfindlichen Verdauungstrakt beeinflussen und Kotwasser hervorrufen. Beachte hierzu folgende Punkte:
Paddock und Weide
Das Paddock und die Weide deines Pferdes sind ein wichtiger Lebensraum. Die Weide dient darüber hinaus als wertvolle Nahrungsquelle. Jedoch gibt es auch auf der Weide einige Gefahrenquellen für Kotwasser. Wie oben bereits erwähnt könnte zu viel junges Gras, an welches der Magen-Darm-Trakt nicht gewohnt ist, zu Kotwasser führen.
Auch bestimmte Pflanzen in großen Mengen, wie z.B. Klee, können das Darm-Gleichgewicht stören. Wachsen auf deine Weide unentdeckt Giftpflanzen und werden von deinem Pferd gefressen, kann Kotwasser ein erstes Vergiftungsanzeichen sein.
Pferde nehmen auf dem Sandpaddock vor allem bei Langeweile, beispielsweise wenn ihnen nicht genug Raufutter zur Verfügung steht, Sand zum Teil in großen Mengen auf. Oder die Sandaufnahme geschieht ungewollt, z.B. wenn das Raufutter direkt vom sandigen Boden aus gefüttert wird. Auch kurz abgegraste Weiden können der Grund für eine ungewollte Sandaufnahme bei deinem Pferd sein.
Die Aufnahme von Sand ist für Pferde jedoch gefährlich, da der Dickdarm diesen nicht verdauen kann und er so auf der Darmschleimhaut zurückbleibt. Kotwasser, Durchfall und ernsthafte Verstopfungskoliken können die Folge sein. Solltest du das Gefühl haben, dass dein Pferd zu viel Sand aufnimmt, dann unterstütze es beim Entfernen von Sand aus dem Darm mit Pavo SandClear.
Stress und psychische Belastungen
Pferde, die durch Training, Turniere, ungewohnte Situationen, ständige Rangkämpfe oder durch ihr Interieur mental häufig sehr belastet und gestresst sind, leiden häufig ebenfalls unter Kotwasser. Dies liegt daran, dass der Magen-Darm-Trakt bei Stress nicht so effektiv arbeitet und der Nahrungsbrei nicht vollständig verdaut wird. Hierdurch kommt es zu viel freiem Wasser, das nicht gebunden werden kann. Zudem fressen gestresste Pferd meist nicht genug Raufutter oder kauen dieses nicht genug, wodurch dem Darm nicht genügend Rohfaser für die Bindung der Flüssigkeit zur Verfügung steht.
Bewegungsmangel
Bewegungsmangel ist eine weitere mögliche Ursache für Kotwasser. Die Darmwand deines Pferdes speichert Flüssigkeit, um ein Gleichmaß im Organismus herzustellen. Kommt dein Pferd allerdings nicht richtig in Bewegung, bleibt dieses Wasser ungenutzt und wird als Kotwasser hinausbefördert. Eine 2009 durchgeführte Studie belegt, dass besonders im Winter der Mangel an Bewegung eine große Rolle für Kotwasser bei Pferden spielen kann.
Allgemeiner gesundheitlicher Zustand als Ursache von Kotwasser beim Pferd (h3)
Weitere mögliche Auslöser für Kotwasser bei deinem Pferd lassen sich auf Probleme des gesundheitlichen Zustands zurückführen. Dabei ist alles darauf zurückzuführen, dass durch verschiedene Faktoren die Verdauung des Pferdes nicht effektiv arbeiten kann oder das Milieu im Dickdarm gestört ist:
Zähne
Zahnprobleme beim Pferd führen in der Regel zu Kotwasser. Die Kautätigkeit deines Pferdes kann beispielsweise durch Entzündungen, Haken oder eine altersbedingt schlechte Zahnsubstanz beeinflusst werden. Ist dein Pferd nicht in der Lage, sein Futter ausreichend zu kauen, ist die Vorbereitung des Futters im Pferdemaul nicht vollständig. Es gelangen zu große Futterstücke in den empfindlichen Verdauungstrakt, die dann nicht effektiv durch Enzyme und Bakterien verdaut werden können und sich folglich in Kotwasser äußern.
Parasiten
Leidet dein Pferd unter Parasiten, wie z.B. einem Wurmbefall, kann dies ein möglicher Auslöser für Kotwasser sein. Eine regelmäßige Parasitenkontrolle und Entwurmung sind hier entscheidend, um diese Ursache auszuschließen zu können.
Medikamente
Medikamente können die Darmflora deines Pferdes irritieren und so Kotwasser hervorrufen. Leidet dein Pferd häufig während der Verabreichung bestimmter Medikamente unter Kotwasser? Dann besprich dies am besten mit deinem Tierarzt, damit der Behandlungsplan angepasst werden kann.
Krankheiten
Auch sehr ernstzunehmende Krankheiten, wie z.B. eine Herzschwäche, können zu Kotwasser führen. Leidet dein Pferd unter einem schwachen Herz, kann sich die Dickdarmwand verdicken, so dass die Aufnahme von Nährstoffen und freiem Wasser im Darm nicht mehr optimal möglich ist.
Zudem können auch Leberprobleme und Nierenprobleme Kotwasser bei deinem Pferd hervorrufen. Eine nicht artgerechte Fütterung, verschiedene Zusätze oder Medikamente können die Leber deines Pferdes überlasten und ihre Entgiftungsfunktion stören. Aufgenommene Gifte werden dann über den Darm ausgeschieden, welcher dadurch überreizt und überfordert wird. Auch bei einer Nierenschwäche landen vermehrt Giftstoffe im Darm deines Pferdes. Darmentzündungen, Durchfall und Kotwasser können entstehen.
Was kannst du machen, wenn dein Pferd Kotwasser hat?
Ein gesunder Verdauungstrakt ist in erster Linie abhängig von artgerechter Pferdehaltung und Fütterung. Durch die Optimierung der Fütterungs- und Haltungsbedingungen kannst du Kotwasser bei deinem Pferd langfristig stoppen. Hat dein Pferd akut Kotwasser, dann hinterfrage dein Management anhand folgender Punkte:
Erhält dein Pferd ausreichend Raufutter in hochwertiger Qualität?
Für eine gesunde Verdauung benötigt dein Pferd je 100 kg Körpergewicht pro Tag mindestens 1,5 kg Heu, bei Heulage sind es mindestens 2 kg. Dazu sollten die Fresspausen bei deinem Pferd nie länger als 3-4 Stunden sein. Enthält dein Pferd aufgrund seines niedrigen Rangs in der Herde nicht ausreichend Raufutter, dann richte am besten mehrere alternative Futterstellen ein.
Bist du dir unsicher über die Qualität deines Raufutters, kannst du einfach einen Raufutterschnelltest durchführen. Hat der Raufutterschnelltest ergeben, dass dein Raufutter von mäßiger Qualität ist, kannst du die Raufutterration durch sinnvolle Heuersatzprodukte, wie Heucobs oder zuckerreduzierte Rübenschnitzel, ergänzen.
Raufutter kannst du zudem auf Schimmelsporen, Bakterien und Mykotoxine untersuchen lassen. Grundsätzlich benötigen alle Pferde Raufutter in einer sehr guten Qualität, welches zudem keine Spuren von Schimmel, Keimen oder Staub enthält. Hast du ein magenempfindliches Pferd, solltest du diesem Faktor jedoch besondere Aufmerksamkeit schenken.
Bekommt dein Pferd ein Mineralfutter und erhält dadurch alle nötigen Nährstoffe?
Bekommt dein Pferd kein oder weniger als 1,5 kg Kraftfutter pro Tag? Dann ist die Zugabe eines Mineralfutters erforderlich, um es mit allen wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen. Achte dabei jedoch immer auf die Fütterungsempfehlung, um sowohl ein Defizit als auch einen Überschuss an Nährstoffen zu vermeiden.
Erhält dein Pferd ausreichend frisches Trinkwasser?
Werden die Tränken deines Pferdes regelmäßig gesäubert? Oder ist das Trinkwasser vielleicht verunreinigt? Um die Gesundheit deines Pferdes optimal zu unterstützen, ist ausreichend frisches Trinkwasser sehr wichtig. Hierzu zählt auch die Hygiene der Tränken auf dem Paddock, der Pferdeweide und in der Box. Kontrolliere diese im Falle von Kotwasser und reinige sie gründlich.
Wirkt dein Pferd oft gestresst oder ist häufig stressigen Situationen ausgesetzt?
Ist dein Pferd oft durch Turniere, Training oder Transporte im Stress? Oder verträgt es sich nicht mit den anderen Pferden in seiner Herde? Dann sorge bei deinem Pferd im Alltag für mehr Ruhe und trenne es von den Pferden, mit denen es sich nicht versteht. Die Herde sollte immer ausgewogen sein. Hilfreiche Ergänzungsfuttermittel können außerdem dazu beitragen, die innere Ruhe bei nervösen Pferden wiederherzustellen.
Ist dein Pferd ausreichend in Bewegung?
Bewegst du dein Pferd regelmäßig? Oder bewegt es sich vielleicht nur selten auf dem Paddock oder hat nicht genügend Auslauf? In diesem Fall ist es möglich, dass der Verdauungstrakt nicht ausreichend in Schwung kommt. In freier Wildbahn legen Pferde ca. 15-16 Schrittstunden pro Tag zurück. In der heutigen Pferdehaltung ist dies jedoch nicht immer möglich.
Nichtsdestotrotz hat dein Pferd täglich einen mehrstündigen Bedarf an Bewegung. Das absolute Minimum liegt hier bei 2 Stunden Bewegung pro Tag. Dazu zählen vor allem die freie Bewegung auf der Weide oder dem Paddock. Laut Deutscher Reiterlicher Vereinigung sollte der Auslauf für 2 Pferde dabei mindestens 150 m² groß sein. Pro weiteres Pferd werden zusätzlich mindestens 40 m² Fläche benötigt.
Den Bewegungsbedarf deines Pferdes kannst du außerdem durch Zeit in der Führmaschine, beim Reiten oder Spazierengehen decken. Halte dabei die reinen Stehzeiten in der Box so kurz wie möglich.
Wie sieht die Weide- und Paddocksituation aus?
Wachsen auf deiner Weide zahlreiche Pflanzen, die du nicht kennst? Frisst dein Pferd Futter von sandigen Böden? Sind Weide und Paddock vielleicht sogar verdreckt? Für die Gesundheit deines Pferdes ist es sehr wichtig, Weide und Paddock frei von Giftpflanzen halten. Diese können unter anderem Kotwasser und andere Vergiftungserscheinungen auslösen. Füttere Heu außerdem nicht direkt vom sandigen Boden, sondern in einer Heuraufe oder in Heunetzen. Frisst dein Pferd trotzdem Sand, kann eine regelmäßige Kur bei der Ausscheidung des Sandes helfen.
Hat dein Pferd gesundheitliche Probleme?
Bleibt das Kotwasser trotz der Eliminierung zahlreicher Auslöser bestehen, dann ziehe unbedingt deinen Tierarzt zu Rate. Besonders die Kaufähigkeit der Zähne, ein möglicher Parasitenbefall und Belastungen von Herz, Leber und Niere sollten dann genauer untersucht werden.
Unterstütze bei Kotwasser, Durchfall und einem Bakterienungleichgewicht die Sanierung und Stabilisierung der Darmfunktion deines Pferdes mit einem speziell darauf abgestimmten Ergänzungsfuttermittel.
Kotwasser bei deinem Pferd vorbeugen
Das beste Mittel gegen Kotwasser ist, der Entstehung durch eine artgerechte Pferdefütterung und Pferdehaltung vorzubeugen. Hierzu zählen:
Ausreichend qualitativ hochwertiges Raufutter
Bedarfsgerechte Kraftfuttergabe
Vermeidung von häufigen Futterwechseln
Schwer verdauliches Futter vermeiden
Langsames Anweiden
Sehr gute Hygiene beim Rau- und Kraftfutter
Optimale Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen
Optimale Haltungsbedingungen auf Weide und Paddock (Größe, Wechselweiden, Giftpflanzen, Futterplätze)
Frisches Trinkwasser
Ausreichend freie Bewegung
Vermeidung von Stress
Regelmäßiger Check auf Parasiten und Zahnprobleme
Unterstützung der Entgiftungsorgane, z.B. durch Kräuter
Fütterung und Gesundheit
Flohsamen in der Pferdefütterung
Soll ich meinem Pferd Flohsamen füttern? Eine Frage, die du dir vielleicht auch schon gestellt hast. Pferde, die ihr Heu vom sandigen Boden fressen oder auf kurzgefressenen Weiden grasen, nehmen mit dem Futter auch immer Sand und Erde auf. Beides lagert sich im Magen-Darmtrakt der Pferde ab und kann über längere Zeit zur Reizung der Darmschleimhaut führen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Verstopfungen oder Koliken. In beiden Fällen kann eine Flohsamen- oder Flohsamenschalenkur helfen.
Was sind Flohsamen?
Flohsamen sind die Samen einer bis zu 10cm hohen Pflanze aus der Gruppe der Wegeriche. Der botanische Name lautet Plantago ovata. In Indien und Pakistan, wo der Samen hauptsächlich angebaut wird, wird er schon lange als Heilmittel in der Naturheilkunde Ayurveda benutzt. Der Name ist angelehnt an das Verhalten der Samen. Sind die reif, springen sie im hohen Bogen aus den Schoten und können dabei leicht mit Flöhen verwechselt werden.
Warum sind Flohsamen und Flohsamenschalen gut fürs Pferd?
Flohsamenschalen werden traditionell zur Unterstützung des Verdauungsapparates bei Pferden eingesetzt. Das Besondere an Flohsamen sind ihre Eigenschaften in der Schleimbildung und ihre hohe Quelleigenschaft. Die in den Flohsamenschalen enthaltenen pflanzlichen Ballaststoffe sind in der Lage, mehr als das 50-fache an Wasser zu binden. Dadurch nimmt das Volumen des Nahrungsbreis im Darm zu. Es entsteht Druck auf die Darmwand, die Peristaltik wird angeregt und löst schließlich den Darmentleerungsreflex aus.
Die Ballaststoffe der Flohsamen wirken sich positiv auf die Darmflora aus, weil sie das Wachstum darmfreundlicher Bakterien fördern. Ihre Schleimstoffe schützen zudem die Darmschleimhaut des Pferdes und helfen, Sandablagerungen im Magen-Darm-Trakt zu binden und auszuscheiden.
Die Schalen der Flohsamen sind sehr ballaststoffreich. Je nachdem, wie gut die Qualität der Flohsamenschalen ist, enthalten 100g von ihnen rund 70-90g Ballaststoffe. Zum Vergleich: Ein Lebensmittel, das mehr als 6g Ballaststoff pro 100g enthält, wird als ballaststoffreich bezeichnet. Im Darm quellen die Ballaststoffe auf und regen die Verdauung an. Dabei können sie schädliche Substanzen binden und mit der Nahrung ausscheiden. Ballaststoffe bilden den Nährboden für positive Darmbakterien und unterstützen so eine gesunde Darmflora.
Einsatzmöglichkeiten von Flohsamen und Flohsamenschalen beim Pferd
Bei Kotwasser und Durchfall können ganze Flohsamen trocken beigefüttert helfen, Flüssigkeit aufzusaugen und die Stuhlkonsistenz zu regulieren.
Bei Verstopfungskoliken können sowohl Flohsamen als auch Flohsamenschalen in aufgequollener Form Schmierstoffe in den Darm bringen. Das erhöhte Volumen regt idealerweise die Verdauung an.
Abgelagerte Stoffe im Darm können sich an den Schleim binden und so abtransportiert werden. Zum Beispiel, wenn Pferde Sand und Erde gefressen haben.
Eine begleitende Flohsamen- oder Flohsamenschalenkur kann ebenfalls positiv dazu beitragen, den Darm deines Pferdes zu reinigen und zu schützen.
Flohsamen oder Flohsamenschalen – was ist besser für dein Pferd?
Wenn du dich für die Fütterung von Flohsamen entscheidest, hast du immer noch die Wahl zwischen dem ganzen geschlossenen Samen oder der Schale. Da die Wirkung ähnlich ist, kann beides gefüttert werden. Flohsamen haben im Vergleich zu den Schalen einen höheren Nährwert, Flohsamenschalen schleimen mehr.
Flohsamen:
Da Flohsamen im Magen weniger stark quellen, können sie sowohl trocken als auch nass/feucht gefüttert werden. Sie sind energiereicher, da sie Öl enthalten. Bei leichtfüttrigen oder stoffwechselkranken Pferden solltest du dies bei der Fütterung beachten und nicht zu große Mengen an Flohsamen beifüttern. Flohsamen gelten als sanftere Variante, um Sand aus dem Darm zu bekommen.
Die Nährwertangaben für 100g Flohsamen:
Brennwert 88 kJ
Kalorien 21 kcal
Fett 0,6 g
Kohlenhydrate 1,7 g
Protein 2,4 g
Ballaststoffe 84 g
Flohsamenschalen:
Flohsamenschalen sind weniger gehaltvoll. Es ist ganz wichtig, sie vor dem Füttern einzuweichen. Trocken verfüttert würden sie dem Magen zu viel Flüssigkeit entziehen. Die Empfehlungen der Hersteller, wieviel Wasser auf wieviel Flohsamenschalen kommen, variiert. Lese hierzu aufmerksam die Fütterungsempfehlung des Herstellers. Ein grober Richtwert ist: 50g Flohsamenschalen binden 1 Liter Wasser.
Flohsamenschalen werden von Pferdebesitzern häufig lieber gefüttert, weil sie weniger Aufwand und Schmutz bedeuten. Manche Pferde fressen die Schalen auch lieber als die Samen.
So fütterst du Flohsamenschalen richtig:
Vor dem Füttern sollten die Flohsamenschalen etwa 30 Minuten eingeweicht werden. Wenn die Masse eine kleisterähnliche Konsistenz hat, ist sie perfekt. Häufig wird doch unterschätzt, wieviel Wasser die Flohsamenschalen zum Quellen benötigen.
Gefahren für Pferde bei der Fütterung von Flohsamen
Wer Flohsamen verfüttert, muss dafür sorgen, dass dem Pferd ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Um ganz sicher zu gehen, dass dein Pferd wirklich genügend Flüssigkeit aufnimmt, kannst du die Flohsamen auch als Mash verfüttern. In dieser Form enthält das Futter bereits eine bestimmte Wassermenge.
Achtung: Es kann zu Verstopfungskoliken kommen, wenn die Flohsamen mit zu wenig Wasser eingeweicht werden und dadurch zu viel Wasser aus dem Futterbrei binden.
Tipp: Empfindliche Pferde könnten negativ auf die erhöhte Energie und Ölmenge der Flohsamen reagieren. Wenn die Samen in größeren Mengen gefüttert werden, kannst du entweder auf die Schalen zurückgreifen oder die Menge des Kraftfutters reduzieren.
Fütterung und Gesundheit
10 Tipps für die Gewichtsabnahme dicker Pferde
Bei Pferden ist Übergewicht ein bekanntes Problem. Besonders in der heutigen Haltung bewegen sich Pferde viel weniger als in der freien Wildbahn. Bei nicht bedarfsgerechter Fütterung und zu wenig Bewegung setzt dein Pferd schnell Fettreserven an. Ein paar Kilo zu viel auf den Rippen ist oftmals kein allzu großes Problem. Sollte dein Pferd aber sehr mollig werden, musst du unbedingt dafür sorgen, dass dein Pferd ein paar Pfunde verliert.
Übergewicht bei deinem Pferd erkennen
Ein dickes Pferd erkennst du schnell an seiner runden, weichen Form. Pferde, die etwas zu dick sind, lassen einen leichten Kamm am Hals erkennen. Auch an den Rippen kannst du gut erkennen, ob dein Pferd Übergewicht hat. Bei einem normalgewichtigen Pferd zeichnen sich die Rippen leicht ab und du kannst sie gut ertasten. Bei einem Pferd mit Übergewicht haben sich auf den Rippen und dazwischen Fettpolster abgelagert, so dass diese nicht mehr zu sehen sind. Wird dein Pferd adipös, prägt sich der Kamm am Hals deutlich aus und die Fettauflagerungen über den Rücken werden ungleichmäßig – dein Pferd gerät dann aus der Form.
Du kannst die Körperverfassung deines Pferdes selbst beurteilen. Dazu eignet sich z.B. das Fat Scoring bzw. das Body Condition Scoring. Wie genau du dein Pferd beurteilst, erfährst du in unserem Ratgeber „Gewicht des Pferdes zu dick oder zu dünn“.
Wie du dein dickes Pferd wieder in Form bringst
Allein die Grundbedürfnisse eines Pferdes geben schon vor, wie wichtig lange Fresszeiten für Pferde sind. Dennoch gibt es viele Pferde, bei denen die Balance zwischen Energieaufnahme und Energiebedarf schnell aus den Fugen gerät – sie werden zu dick. Kandidaten sind hier bestimmte Pferde- und Ponyrassen wie beispielsweise Haflinger, Fjordpferde oder Shetlandponys. Auch eine Überfütterung gekoppelt mit zu wenig Bewegung sind häufige Ursachen für zu dicke Pferde. Gerade zur Weidesaison ist es wichtig, das Pferdefutter anzupassen. Lies hierzu auch unseren Ratgeber „Pferdefutter bei Weidegang anpassen“. Beachte, dass Übergewicht langfristig schwere gesundheitliche Folgen, wie Hufrehe, Diabetes oder EMS für dein Pferd bedeuten können.
Mit diesen 10 Tipps unterstützt du dein Pferd bei der Gewichtsabnahme:
1. Arbeite an deinem „Mindset“
Verwöhnst du dein Pferd hin und wieder mal mit einem, zwei oder doch eher vielen Leckerlis? Bekommt dein Pferd mit der aktuellen Fütterung doch mehr Energie als es eigentlich benötigt? Fütterst du Kraftfutter, obwohl dein Pferd dies eventuell gar nicht braucht? Wenn du dir ganz offen und ehrlich eingestehen kannst, dass du diese Fragen eigentlich mit „Ja“ beantworten müsstest, ist der erste Schritt in die richtige Richtung schon getan. Mach dir keine Sorgen darüber, dass du eigentlich schon früher hättest erkennen müssen, dass dein Pferd zu dick ist – das ist gut nachvollziehbar. Es ist doch immer schön anzusehen, wie dein Pferd sich über Futter oder kleine Leckereien freut, die Ohren spitzt und aufgeregt mit den Hufen scharrt. Wenn dein Pferd abnehmen muss, dann sei dir aber bewusst, dass sich etwas verändern muss. Nur so kannst du dein Ziel erreichen und langfristig einhalten. Möchtest du dein Pferd trotzdem hin und wieder mit einem Leckerli belohnen? Dann wähle vor allem natürliche und zuckerreduzierte Leckerlis und sei sehr sparsam mit den Mengen – auch Leckerlis müssen bei der Energieaufnahme deines Pferdes berücksichtigt werden.
2. Beginne sofort
Dein Pferd ist zwar etwas zu dick, aber es befindet sich noch nicht im „roten Bereich“? Dann handle trotzdem sofort. Ist dein Pferd nur leicht übergewichtig, lassen sich bereits durch kleine Veränderung schnell Resultate erzielen. Passt du dein Fütterungs- und Trainingsmanagement nicht an, wird dein Pferd weiterhin an Gewicht zunehmen. Übergewicht ist ein Risikofaktor für die Gesundheit deines Pferdes. Strebe daher immer sein Idealgewicht an und vermeide lange Abnehmprozesse. Dies ist nicht nur angenehmer für dein Pferd, sondern vermeidet auch Sorgen, Stress und Tierarztkosten.
3. Beurteile kritisch die tägliche Kraftfutterration deines Pferdes
Hat dein Pferd Probleme mit Übergewicht, findet sich die Ursache oft in der Fütterung. Besonders zu viel Kraftfutter, welches nicht auf den Bedarf deines Pferdes abgestimmt ist, treibt die Energiezufuhr in die Höhe. Beginne daher mit der Reduzierung des Kraftfutters oder lasse es sogar ganz weg. Die meisten (Freizeit-)Pferde können ihren täglichen Energie- und Nährstoffbedarf bereits ausreichend mit Raufutter (Gras, Heu, Heulage, Stroh) und Mineralfutter decken. Sollte dein Pferd zusammen mit anderen Pferden gefüttert werden, die Kraftfutter erhalten, kannst du ihm stattdessen zuckerreduzierte Raufutterersatzprodukte anbieten. Dadurch erhält dein Pferd keine übermäßige Energie, aber es bleibt dennoch beschäftigt und Futterneid wird vermieden.
Dein Pferd benötigt während des Abnehmtrainings dennoch zusätzlich ein Kraftfutter, z.B. zur Unterstützung des Konditions- und Muskelaufbaus? Dann greife in diesem Fall am besten zu einem stärke- und zuckerreduzierten Diätfutter für Pferde. Besonders empfehlenswert sind fasserreiche Kaftfuttersorten, die nicht nur die Kautätigkeit fördern, sondern zudem die Fresszeiten verlängern.
Insbesondere Müslis wie Pavo Care4Life Kräutermüsli mit 11 verschiedenen Kräutern, Pavo EasyMix mit einem sehr geringen Anteil an Zucker, Stärke und Energie oder Pavo InShape mit extra hohem Eiweißgehalt sind vollwertige Kraftfuttermittel und versorgen dein Pferd mit allen essentiellen Nährstoffen, sind dabei aber besonders energie-, zucker- und stärkearm. Sie eignen sich daher sehr gut für Pferde, die ein paar Kilos abspecken sollen und (mehr) trainiert werden.
Beachte! Bei einer Raufütterung mit wenig oder keinem Kraftfutter ist die Fütterung eines Mineralfutters wichtig, um den täglichen Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen zu decken. Hierzu eignen sich Pavo DailyFit in Brikettfrom oder Pavo Vital in Pelletform.
4. Biete genügend Raufutter an
Raufutter ist das A und O in der Pferdefütterung und für eine gesunde Verdauung essentiell wichtig. Verzichte daher auch bei einer Diät niemals auf Raufutter. Pferde benötigen mind. 1,5% ihres Körpergewichts an Raufutter (Trockenmasse). Wenn dein Pferd zu wenig Raufutter zur Verfügung hat, fehlt ihm außerdem Beschäftigung, was zu unerwünschtem Verhalten führen kann.
Tipp: Verwende engmaschige Heunetze, aus denen dein Pferd das Heu zupfen muss. Hierdurch verlängern sich die Fresszeiten, so dass dein Pferd deutlich länger mit seiner Ration beschäftigt ist. Du kannst die Fresszeiten deines Pferdes auch durch die Ergänzung von zuckerarmen Raufuttersnacks verlängern. Hierbei den Snack einfach auf den Boden im Heu, im Futtertrog oder im Heunetz verstecken. Dein Pferd ist damit nicht nur lange beschäftigt, sondern nimmt außerdem gesundes Raufutter auf.
Achte auch darauf, dass du energiearmes Heu fütterst. Den Energie- und Nährstoffgehalt deines Heus kannst du ganz einfach mit dem Pavo Raufutter-Schnelltest bestimmen.
Neben den gängigen Raufuttersorten wie Gras, Heu oder Heulage, kannst du auch Raufutterersatzprodukte anbieten. Dies kann der Fall sein, wenn dein Pferd Zahnprobleme hat oder dein Raufutter von mäßiger Qualität ist. Bei zu dicken Pferden eignen sich als Raufutterersatz Heucobs und/oder entzuckerte Rübenschnitzel.
5. Begrenze den Weidegang deines Pferdes
Junges Gras hat einen höheren Zuckergehalt. Wenn dein Pferd ein paar Pfunde verlieren soll, ist es darum wichtig, auf einen 24-Stunden-Weidegang zu verzichten. Stattdessen ist ein begrenzter Weidegang, der „portionsweise“ eingeteilt ist, oder die Nutzung eines Maulkorbes für ein dickes Pferd besser geeignet.
6. Langeweile vermeiden
Wird der Weidegang begrenzt, hat dein Pferd auch weniger Beschäftigung. Biete ihm daher ausreichend Abwechslung sowie Bewegung an und vermeide Langeweile, denn dies kann zu unerwünschtem Verhalten führen. Im Idealfall verbringt dein Pferd seine Freizeit zusammen mit anderen (leichtfuttrigen) Pferden auf einem Paddock. In einer Herde fühlt sich dein Pferd nicht nur wohler, sondern wird sich auch mehr bewegen. Dies reduziert Stress sowie Langeweile während der Abnehmphase.
7. Trainiere regelmäßig mit deinem Pferd, überstürze aber nichts
Das beste Training für dein Pferd, um Gewicht zu verlieren, ist Schritt reiten oder gleichmäßiges Traben. In einer schnelleren Gangart (Galopp) werden mehr Kohlenhydrate als Fett verbrannt. Alternativ kannst du dein Pferd natürlich auch longieren oder mit ihm spazieren gehen – jegliche Art der Bewegung ist prima. Wenn du dir einen Bewegungsplan für dein Pferd erstellen möchtest, achte besonders darauf, dass du dein Pferd nicht überforderst. Die Trainingseinheiten sollten nur langsam an Intensität zunehmen, da dein Pferd zunächst eine Grundkondition aufbauen und ein paar Kilos verlieren muss, bevor es ohne Probleme schwerer und länger arbeiten kann.
Du bist dir nicht sicher, wie fit dein Pferd aktuell ist? Das ist auch nicht immer leicht zu beurteilen, denn was für dich anstrengend ist, kann dein Pferd vielleicht mit Leichtigkeit wegstecken. Es kann aber auch sein, dass du dein Pferd überschätzt und ihm vor allem zu Beginn des Abnehmens zu viel zumutest. Daher ist es sicherlich interessant zu wissen, auf welchem Fitnesslevel sich dein Pferd befindet. Führe dazu doch einfach den Pavo Fitnesstest aus dem Pavo InShape Programm durch. Anhand des Ergebnisses stellst du dann einen Trainingsplan auf, der genau auf die Bedürfnisse deines Pferdes und deinen Anspruch angepasst ist.
8. Bring den Stoffwechsel deines Pferdes in Schwung
Wenn die Temperaturen nicht zu tief abfallen, dann deck dein Pferd nicht zu früh/zu schnell ein. Dein Pferd hat dann nämlich mehr damit zu tun, seine Körpertemperatur konstant warm zu halten, was den Stoffwechsel zusätzlich zum täglichen Training in Schwung bringt. Vielleicht kommt für dich auch eine Offenstall-Haltung in Frage? Pferde sind hier automatisch mehr in Bewegung als bei reiner Boxenhaltung. Auch das natürliche Klima im Offenstall sorgt für einen gesunden Stoffwechsel. Somit kannst du schon mit kleinen Veränderungen in den Haltungsbedingungen dein Pferd beim Abnehmen zusätzlich unterstützen.
9. Vorbeugung
Wie auch bei uns Menschen werden leichtfüttrige Pferde schneller dazu tendieren wieder zuzunehmen. Hat dein Pferd erfolgreich abgenommen? Super! Dann ist es jetzt wichtig, dass es sein Idealgewicht auch langfristig halten kann. Durch eine angepasste Fütterung, ausreichend Training und einer pferdegerechten Haltung sollte dies nun kein großes Problem mehr darstellen. Verfalle nicht gleich in Panik, wenn der Zustand deines Pferdes phasenweise leicht schwankt, z.B. zu Beginn der Weidesaison – das ist ganz normal. Auch bedeutet ein dicker Bauch nicht immer gleich, dass dein Pferd zu dick ist. Halte daher am besten immer den Body Condition Score deines Pferdes im Auge. Dies ist der beste Messwert, um den tatsächlichen Fettanteil beurteilen zu können. Handle aber sofort, wenn du merkst, dass der Body Condition Score gestiegen ist.
10. Kontaktiere einen Experten
Du hast dein Fütterungs- und Haltungsmanagement angepasst und trotzdem bleibt dein Pferd stark übergewichtig? Dann ist es empfehlenswert, dies einmal von deinem Tierarzt untersuchen zu lassen. Er kann feststellen, ob eventuell ein gesundheitlicher Grund hinter dem starken Übergewicht deines Pferdes liegt. In unserem Pavo InShape Programm findest du außerdem weitere Tipps für eine verantwortungsvolle und gesunde Gewichtsabnahme deines Pferdes. Du bevorzugst eine persönliche Beratung? Dann nimm Kontakt mit unserer Pavo Fütterungsberatung auf. Unsere Fütterungsexperten stehen dir gern mit Rat zur Seite.
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Lass dein Pferd nun auf eine verantwortungsvolle und gesunde Weise abnehmen und sorge im Anschluss dafür, dass es sein Idealgewicht auch langfristig beibehalten kann. Wie genau du dein Pferd beim Abnehmen unterstützen kannst, erfährst du in unserem umfangreichen Pavo InShape Programm. Unsere Pavo Experten bieten dir ausführliche Tipps und Tricks zu den 3 wichtigen Säulen des Abnehmprozesses: Haltung, Bewegung und Fütterung.
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Fütterung und Gesundheit
Arthrose beim Pferd
Bei unklaren Lahmheiten ist die Diagnose Arthrose sehr gefürchtet, vor allem weil man lange davon ausging, dass Arthrose nicht heilbar bzw. nicht gut therapierbar ist. Inzwischen weiß man jedoch um die Regenerationsfähigkeit von Knorpeln und Knochen durch ihre ständigen Umbauprozesse. Bei einer ausreichenden Nährstoffversorgung kann, wenn noch etwas Knorpelmaterial vorhanden ist und nicht mehr Material abgetragen als aufgebaut wird, das Fortschreiten der Arthrose verzögert und sogar gestoppt werden. Wichtig ist hier immer eine frühzeitige Diagnose durch den Tierarzt, eine geeignete Therapie und ein bedarfsgerechter Fütterungsplan.
Aber was steckt eigentlich genau hinter dem Begriff Arthrose und wie kannst du deinem Pferd unterstützend helfen?
Arthrosen werden in der Medizin als „chronisch-degenerative Gelenkerkrankungen“ bezeichnet. Das bedeutet: Sie bestehen über längere Zeit und gehen mit einem irreversiblen Umbau der natürlichen Gelenkstrukturen einher. Es handelt sich also meist um einen Gelenksverschleiß oder eine Gelenksabnutzung, jedoch können auch Gelenkzubildungen (Spat, Schale, Kissing Spines) gemeint sein. Zu Beginn der Erkrankung sind oft keine augenscheinlichen Symptome erkennbar. Die Pferde sind vielleicht etwas weniger arbeitswillig oder brauchen ein bisschen länger, um ganz locker zu werden. Erst wenn eine Arthritis, also eine Gelenksentzündung entsteht, gehen die meisten Pferde deutlich lahm oder sind in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt.
Um die Entstehung von Arthrosen genau einordnen zu können, erläutern wir kurz den Aufbau, die Funktion und die Bestandteile von Gelenken:
Ein Gelenk ermöglicht, zusammen mit Sehnen, Bändern und Muskeln, die Bewegung von Knochen und damit die Bewegung deines Pferdes. Es wird aus zwei oder mehr Knochen gebildet, deren äußere Konturen genau zueinander passen. Die Teile sind so geformt, dass die Bewegung zwischen ihnen leicht und reibungslos vonstattengeht. Um diese perfekte und leichtgängige Bewegung zusätzlich zu erleichtern, sind die Knochenbereiche im Gelenk mit gleitfähigem Knorpel überzogen. Diese elastische Knorpel-Gelschicht sorgt auch für einen geschmeidigen und geräuschlosen Bewegungsablauf der Gelenke und Knochen. Das Knorpelgewebe gehört zu den Stütz- und Bindegewebsarten.
Zusätzlich ist das Gelenk mit einer Gleitsubstanz gefüllt, die als Synovia (Gelenkschmiere) bezeichnet wird. Diese zähflüssige, honigfarbene Gelenkschmiere funktioniert wie Getriebeöl. Damit sie nicht ausläuft, ist das Gelenk rundum von einer Kapsel umgeben. Für die mechanische Festigkeit von Gelenken sorgen die Bänder. Sie halten die Knochen in der richtigen Position und müssen in der Bewegung des Pferdes daher erhebliche Kräfte aushalten.
Durch vielfältige Ursachen, z.B. chronische oder akute Überbelastungen, Entzündungen oder Trauma kann dieses komplizierte Gefüge gestört werden. Zuerst wird das kollagene Netzwerk des Knorpels beschädigt, welches die Knorpelzellen zu reparieren versucht. Ist die Schädigung langanhaltend und höher als die Bildung von neuem Knorpelgewebe, kommt es zum Knorpelverlust, welcher dann den Prozess der degenerativen Arthrose einleitet.
Durch den Abbau des Knorpels reiben immer größere Knochenteile aufeinander. Es entsteht eine fortschreitende Entzündung. Diese zieht Knochenwucherungen nach sich, sowohl auf der Gleitfläche des Gelenks als auch an seinem Rand.
Im weiteren Verlauf können die Bänder in den Entzündungsprozess einbezogen werden und die Gelenkschmiere verändert sich krankhaft. Sie wird dünnflüssig und ist daher weniger effektiv.
Diese Veränderungen sind ausgesprochen schmerzhaft. Zu Beginn einer Arthrose siehst du am Gangbild bzw. an den Bewegungen deines Pferdes wenig. Oft sind es nur eine kurzfristige Unklarheit im Gang, das schwerfälligere Aufstehen oder das mühselige Drehen auf engem Raum. Je fortgeschrittener die Erkrankung jedoch ist, desto schmerzhafter wird es für dein Pferd.
Ursachen von Arthrose bei Pferden
Durch die Belastung des Bewegungsapparates finden als natürlicher Prozess abbauende Vorgänge statt. Daher sind häufiger ältere Pferde von Arthrose betroffen. Aber auch jüngere Pferde bleiben nicht immer von einer Arthrose verschont. Dieser Abbauprozess kann durch eine unangemessene, zu hohe oder zu intensive Arbeitsbelastung und unzureichendes Aufwärmen beschleunigt werden.
Eine Arthrosebildung kann aber auch fütterungsbedingte Ursachen haben. Fehlen in der Nährstoffversorgung deines Pferdes Bestandteile, die für die Bildung von Hyaluronsäure oder Kollagen wichtig sind, kann sich das Knorpelgewebe nur unzureichend reparieren, bzw. regenerieren.
Auch eine zu intensive Fohlen- und Jungpferdeaufzucht mit zu wenig Mineralstoffen und Spurenelementen kann schon den Grundstein für eine spätere Arthrose-Erkrankung bilden. Daher ist eine bedarfsgerechte Nährstoffzufuhr in jedem Alter für eine gesunde Knochen- und Gelenkentwicklung für dein Pferd essentiell.
Den Ursachen zusammengefasst auf der Spur:
Gelenkentzündungen (wie z.B. eine akute Arthritis in den Fesselgelenken), die nicht oder unzureichend behandelt wurden.
Fehler im Haltungsmanagement, z.B. unzureichende Hufpflege, Fehlstellungen, falsches Reiten, zu starke Belastung durch den Reiter, Muskelverspannungen oder ungeeignete Bodenbeschaffenheiten. Die Folgen können zu einseitige Belastungen der Gelenke sein.
Auch die Genetik kann bei der Entwicklung von Arthrose beim Pferd eine Rolle spielen. Zum Beispiel sind einige Rassen eher für Fehlstellungen bekannt als andere.
Verletzungen im gesamten Bewegungsapparat wie Knochenbrüche oder Bänderrisse, die zu Überlastungen, bzw. einseitiger Belastung der Gelenke führen.
Eine zu frühe und zu starke Belastung von Jungpferden. Diese Aspekte können bereits den Grundstein für Gelenkerkrankungen setzen, die sich schleichend in den Gelenken verfestigen.
Eine zu frühe, fehlerhafte und zu starke Belastung nach Verletzungen des Bewegungsapparates belastet die Gelenke und kann das Risiko von Arthrose erhöhen.
Übergewicht belastet ebenfalls die Gelenke und kann langfristig eine schmerzhafte Entzündung auslösen.
Falsches Fütterungsmanagement von Fohlen, Jungpferden, erwachsenen Pferden und alten Pferden. Fehlen deinem Pferd Nährstoffe, wird der Regenerationsprozess der Knochen und Gelenke gestört, was die Entwicklung einer Arthrose begünstigt.
Symptome der Arthrose sind:
Gallen an den Gelenken oder schwammige Gelenke.
Steifheit: in der Bewegung sind die Gelenke stark eingeschränkt.
Lahmen, vor allem während des Entzündungsprozesses.
Dein Pferd benötigt einige Zeit zum Einlaufen und lahmt ggf. bei den ersten Schritten.
Unwilligkeit, sich zu bewegen, weil die Schmerzen in den Gelenken groß sind.
Häufiges Stolpern und Bewegungen, die nicht zum normalen Bewegungsablauf passen.
Die Gelenke fühlen sich warm an und sind geschwollen.
Spat bei Pferden
Diverse entzündliche und chronische Erkrankungen am Sprunggelenk des Pferdes werden als Spat bezeichnet. Die entzündliche Erkrankung ist auch als Knochenspat bekannt und wird allgemein der Arthrose zugeordnet.
Starke Belastungen begünstigen die Entstehung von Spat. Daher leiden häufig Sportpferde und ältere Pferde an der chronischen Entzündung. Aber auch Pferde mit einer angeborenen Fehlstellung der Hinterbeine gehören zu einer Risikogruppe, was z.B. bei Islandpferden häufiger der Fall ist. Eine angeborene Fehlstellung löst jedoch nicht automatisch Spat oder Arthrose aus. Wichtig ist, dass diese Fehlstellung während des Trainings und im Fütterungs- sowie Haltungsmanagement beachtet wird.
Die Symptome von Spat bei Pferden sind mit denen der Arthrose vergleichbar. Jedoch ist bei Spat nur das Sprunggelenk betroffen. Erste Anzeichen für Spat können sein, dass dein Pferd häufig seine Hinterbeine entlastet und diese auch nicht mehr so stark anwinkeln kann. Der Bewegungsablauf von Pferden mit Spat ist wenig geschmeidig, dafür eher steif. Die Steifheit wird besonders nach langer Stehzeit sichtbar, z.B. wenn dein Pferd gerade aus der Box kommt. Bei einer leichten Form läuft sich dein Pferd oft schon nach 10 bis 20 Minuten ein. Bei einer fortgeschrittenen Entzündung verstärken sich die Symptome von Spat, so dass vor allem Bewegungen der Hinterhand stark schmerzen.
Genau wie die Arthrose sollte auch beim Verdacht einer Sprunggelenkserkrankung im ersten Schritt dein Tierarzt hinzugezogen werden. Der Tierarzt wird dein Pferd eingehend untersuchen und dann einen geeigneten Therapieplan erstellen. Die Therapiemöglichkeiten sind mit denen der Arthrose vergleichbar. Oft kann hierbei auch dein Hufschmied unterstützen. Besprich dich zu einem möglichen Korrekturbeschlag daher am besten zusammen mit deinem Tierarzt und Hufschmied.
Fütterungstipps zur Unterstützung von Pferden mit Arthrose
Neben den allgemeinmedizinischen Ansätzen zur Therapie von Arthrosen bei Pferden gibt es auch zahlreiche alternative Methoden, die zur Schmerzlinderung und Steigerung des Wohlbefindens deines Pferdes beitragen können.
Ernährung: Die Ernährung deines Pferdes spielt sowohl in Hinblick auf die Prävention als auch auf die Begleitung der Therapie durch deinen Tierarzt eine große Rolle. Achte hierbei vor allem auf eine bedarfs- und leistungsgerechte Fütterung deines Pferdes und sorge für ein gutes Gewichtsmanagement. Sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss an Nährstoffen können den Entwicklungs- und Regenerationsprozess der Knochen und Gelenke negativ beeinflussen. Eine ausreichende Zufuhr an Nährstoffen sowie Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen im richtigen Verhältnis sorgen für eine gesunde Entwicklung der Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder. Unterstütze die Produktion von Gelenkflüssigkeit daher am besten mit speziellem Ergänzungsfutter.
Gerade ältere Pferde haben einen anderen Futteranspruch als jüngere Pferde. Erfahre mehr dazu in unserem Ratgeber „Alte Pferde richtig füttern“.
Hat dein Pferd ein paar Kilos zu viel auf den Rippen, sollte es unbedingt abspecken. Übergewicht ist eine zusätzliche Belastung für den gesamten Bewegungsapparat deines Pferdes. Unser Pavo InShape Programm kann dich und dein Pferd beim gesunden und verantwortungsvollen Abnehmen unterstützen. Du erhältst essentielle Tipps für die 3 Säulen des Abnehmens: Fütterung, Haltung und Bewegung.
Setze dich gern mit unserer Pavo Fütterungsberatung in Verbindung, wenn du beim Erstellen eines vollwertigen Fütterungsplans für dein Pferd Unterstützung benötigst.
Mineralien und Spurenelemente: Die Mineralstoffe Calcium, Phosphor und Magnesium im richtigen Verhältnis sorgen schon beim Jungpferd für eine stabile Bildung von Knochen und Knorpeln. Aber auch bei ausgewachsenen und älteren Pferden ist eine bedarfsgerechte Zufuhr wichtig, da der Auf- und Abbauprozess ein Leben lang anhält und unterstützt werden muss.
Vor allem die Spurenelemente Kupfer, Mangan und Zink sind für eine ausreichende (Neu-)Bildung von Knorpel unerlässlich. Auch Schwefel spielt hierbei eine Rolle. Der Bedarf wird aber in der Regel über schwefelhaltige Aminosäuren abgedeckt. Du kannst ansonsten auch MSM in Maßen zufüttern. MSM ist die Abkürzung für die organische Schwefelverbindung Methylsulfonylmethan (auch Dimethylsulfon genannt).
Antioxidantien und natürliche Entzündungshemmer: Mit einer gezielten Fütterung von Antioxidantien und entzündungshemmenden Wirkstoffen kannst du den Verlauf der Arthrose nachhaltig beeinflussen. In den Gelenken können freie Radikale entstehen, die das umliegende Gewebe negativ beeinflussen und sogar schädigen können. Darum ist eine ausreichende Versorgung mit Antioxidantien wie Vitamin C und E sowie den Spurenelementen Selen und Zink empfehlenswert. Sinnvoll können auch der Einsatz von hochwertigen Ölen (z.B. OmegaFit) mit hohen Gehalten von Omega-3-Fettsäuren, neuseeländischer Grünlippmuschel, Ingwer, Kurkuma oder Teufelskralle sein. Ihnen wird ein positiver Effekt auf Entzündungen in den Gelenken nachgesagt, der in einigen Fällen auch wissenschaftlich belegt werden kann.
Chondroprotektive Substanzen: Für die Regeneration des Knorpels im Gelenk benötigt dein Pferd Glykosaminoglykane sowie Mangan und Kupfer. Glykosaminoglykane können über Muschelextrakte wie z.B. von der neuseeländischen Grünlippmuschel oder über die Komponenten Chondroitinsulfat, Glucosamin oder Hyaluronsäure zugeführt werden. Diese Bausteine unterstützen den Neubau, so dass mehr neues kollagenes Gewebe und Synovia (Gelenkschmiere) produziert als abgebaut wird. Hierdurch wird das betroffene Gelenk stabilisiert und die Regeneration der noch vorhandenen Knorpelzellen unterstützt.
Kräuter: Kräuter können auf natürliche Weise eine Entzündung in den Gelenken mildern. So können Schmerzen gelindert werden, die Durchblutung verbessert sich und der Abtransport von Giftstoffen wird gefördert. Gut verträgliche Gelenkkräuter sind z.B. Weidenrinde, Ulmenspierkraut, Teufelskralle, Huflattich, Beinwell, Goldrute, Kurkuma und Ingwer. Auch bei gelenkempfindlichen Pferden ist es generell empfehlenswert, vorbeugend gelenkwirksame Kräutermischungen zu füttern. Wenn du dir bei Kräutermischungen oder anderen homöopathischen Arzneimitteln nicht sicher bist, wende dich am besten an einen erfahrenen Therapeuten. Die Behandlung kann dann individuell auf dein Pferd abgestimmt und dosiert werden.
Haltungstipps für Pferde mit Arthrose
Um deinem Pferd mit Arthrose den Alltag so angenehm wie möglich zu gestalten und positiv der Gelenkkrankheit entgegen zu wirken, sind folgende Tipps empfehlenswert:
Für Arthrose Pferde ist ein schützender, trockener Unterstand bei nasskaltem Wetter ganz besonders wichtig. Auch das Eindecken mit einer geeigneten Decke kann Pferden mit Arthrose helfen. Gerade bei nasskalten Wetterverhältnissen ist die Durchblutung des Bindegewebes und der Muskulatur deutlich schlechter, was die Schmerzen verstärken kann.
Nutze Wärme, um den Schmerz an den Gelenken zu lindern.
Auch wenn Bewegung für dein Pferd schmerzhaft ist, so ist sie dennoch sehr wichtig, um die Durchblutung aufrecht zu erhalten und das Knorpelgewebe mit Nährstoffen zu versorgen. Ein offener Weidestall oder viel Weidegang ermöglichen deinem Pferd freie Bewegung ohne enge Wendungen.
Durch zusätzliches leichtes Training mit angepassten Bewegungseinheiten werden die Gelenke natürlich geschmiert und der Kreislauf des Pferdes wird angeregt. Wärme dein Pferd hierfür im Schritt mindestens 10 bis 15 Minuten auf. Vermeide abrupte Wendungen, Richtungswechsel, Stopps und Spins. Auf eine anstrengende Arbeit mit Cavaletti und Sprünge solltest du verzichten.
Deinem (älteren) Pferd tut die Gesellschaft von einer ruhigen, homogenen, friedlichen Gruppe gut. So hat dein Pferd weiterhin Bewegung und wichtige Sozialkontakte.
Alte und kranke Pferde steigen in der Rangfolge der Herde oft ab. Sie müssen daher nach Bedarf über Nacht ihre eigene Box oder ihren eigenen Auslauf haben, damit sie in Ruhe liegen und fressen können.
Eine weiche Einstreu auf rutschfestem Untergrund wird empfohlen.
Holprige Weiden, gefrorener Matsch und tiefer Morast schaden jedem Pferd – einem Arthrosepatienten jedoch besonders. Sorge daher für eine intakte sowie geschlossene Grasnarbe und bewirtschafte die Pferdeweide optimal.
Vorsicht bei der Hufpflege: Die Beine lassen sich aus Schmerz oft nicht mehr so hochnehmen wie früher. Nimm darauf unbedingt Rücksicht und besprich dies auch mit deinem Hufschmied.
Dein Pferd mit Arthrose reiten
Wurde bei deinem Pferd Arthrose diagnostiziert bedeutet das nicht gleich, dass du es nicht mehr reiten kannst. Stimme deinen Trainingsplan und die Intensität aber am besten mit deinem Tierarzt ab. Vor allem eine lange Aufwärmphase im Schritt ist sehr wichtig, um die Produktion von Gelenkflüssigkeit zu unterstützen. Enge Wendungen und einseitige Belastungen sind für Pferde mit Arthrose jedoch tabu. Fokussiere dich beim Training lieber auf gerade Linien und große Bögen. Wie eingeschränkt dein Pferd in der Bewegung ist, hängt vom aktuellen Grad der Erkrankung ab. Bist du dir unsicher, welche Übungen für dein Pferd in seiner aktuellen gesundheitlichen Situation geeignet und sinnvoll sind? Dann frag am besten deinen Tierarzt um Rat.
Auch die Bodenbeschaffenheit beim Reiten von Arthrose-Pferden ist sehr wichtig. Hier empfehlen sich besonders federnde, ebene Böden. Vermeide daher tiefe oder rutschige Böden mit vielen Stolperfallen. Ist es einmal doch unumgänglich und du musst mit deinem Pferd einen unebenen, harten Boden überqueren, z.B. beim Ausreiten, dann passe das Tempo entsprechend an und reite besonders vorsichtig.
Grundsätzlich ist es ratsam, ein Pferd mit der Diagnose Arthrose nicht einfach „wegzustellen“, sondern es auch weiterhin mit angemessener Arbeit und anderer Abwechslung sinnvoll zu beschäftigen. Vermeide totale Boxenruhe und sorge für ausreichend freie, gleichmäßige Bewegung. So kannst du die Lebensqualität deines Pferdes bestmöglich erhalten.
Solange dein Pferd noch sichtbar Freude am Leben zeigt und Anteil an seiner Umwelt nimmt, kann es mit seiner Arthrose gut zurechtkommen. Eine schmerzhafte Steifheit am Morgen kann durch eine möglichst bewegungsintensive Haltung (Weide im Sommer, Auslauf im Winter) positiv beeinflusst werden.
Allerdings solltest du auch immer wieder kritisch fragen, inwieweit der Grad der Lahmheit deines Pferdes ein tierschutzgerechtes Pferdeleben mit ausreichend Lebensqualität zulässt. Um dies beurteilen zu können, stimme dich eng mit deinem Tierarzt und vertrauten Reiterfreunden ab und entscheide dann im Sinne deines Pferdes.
Fütterung und Gesundheit
Kissing Spines – Wirbelsäulenkrankheit bei Pferden
Kissing Spines bedeutet auf Deutsch „küssende Dornfortsätze“ und beschreibt eine immer häufiger diagnostizierte Wirbelsäulenkrankheit bei Pferden. Beim Kissing Spines Syndrom nähern sich die Dornfortsätze der Rückenwirbel einander immer weiter an bis sie sich berühren, schmerzhaft aneinander reiben und in extremen Fällen sogar überkreuzen oder überlappen. Zudem können Entzündungen zwischen den einzelnen Wirbeln sowie knöcherne Zubildungen entstehen. Besonders eine frühe Diagnose ist entscheidend, um dem Fortschreiten der Krankheit entgegen zu wirken und deinem Pferd starke Schmerzen zu ersparen. Für dich als Pferdebesitzer ist es daher also sehr wichtig zu wissen, welche Ursachen Kissing Spines hat, welche Symptome typisch sind und was zu tun ist, falls dein Pferd doch am Kissing Spines Syndrom erkrankt.
Ursachen von Kissing Spines bei Pferden
Häufig ist falsches Reiten oder auch eine falsche Ausbildung die Ursache von Kissing Spines und den damit verbundenen Rückenproblemen beim Pferd. In manchen Fällen wird der Pferderücken z.B. zu schnell durch Reitergewicht „belastet“, ohne vorher eine ausreichende Bemuskelung aufgebaut zu haben. Gerade jungen Pferden in der Ausbildung bleibt so wenig Zeit für eine gute Entwicklung des Knochengerüsts und der Muskulatur. Besonders die Rückenmuskulatur hat einen sehr großen Einfluss auf den gesamten Bewegungsapparat des Pferdes und trägt einen großen Teil des Knochengerüsts. Setzt du dich beispielsweise auf den Rücken deines Pferdes, gibt seine Wirbelsäule zunächst erst einmal nach. Damit dein Pferd nun in der Lage ist, dein Gewicht gesund zu tragen, muss es seinen langen Rückenmuskel anspannen. Ist die Rückenmuskulatur jedoch nicht stark genug oder verspannt, ist auch das Anspannen des Muskels nicht möglich. Dies hat zur Folge, dass dein Pferd nicht aktiv mit der Hinterhand unter den Schwerpunkt treten kann und seinen Rücken nach unten wegdrückt, anstatt ihn rund zu machen. Diese Fehlbelastung führt dann dazu, dass sich die einzelnen Dornfortsätze der Wirbelsäule immer weiter annähern, bis sie schmerzhaft aneinander reiben oder sogar überlappen. Bleibt es dauerhaft bei dieser Fehlbelastung, entzündet der Rückenmuskel. Ist der Muskel entzündet, kann er mit der Zeit schwinden, was dazu führt, dass die empfindliche Wirbelsäule ihren wertvollen Schutz verliert. Reitest du dein Pferd nun, spürt es diese Belastung sozusagen direkt auf seinen Knochen. Besonders der 12.-18. Wirbel sind anfällig für das Kissing Spines Syndrom, da der Abstand zwischen diesen sehr gering ist. Zudem liegen diese Rückenwirbel direkt unterm Sattel, weswegen sie oft zusätzlich belastet werden.
Welche Symptome deuten auf Kissing Spines bei deinem Pferd hin?
Folgende Symptome können auf eine Kissing Spines Erkrankung hinweisen:
Sensibilität beim Abtasten des Rückens
Lahmheit
Steifheit
Stockende Übergänge
Inaktive Hinterhand
Schwerfällige oder keine Anlehnung
Probleme in der Versammlung
Kein „über den Rücken reiten“
Verweigerung vorm Sprung
Dein Pferd kann sich nicht „in die Tiefe dehnen“
Taktfehler
Häufiges Umspringen im Galopp
Häufiger Kreuzgalopp
Unterm Sattel bocken oder „weglaufen“
Kannst du Kissing Spines schon in frühen Jahren (oder beim Kauf) erkennen?
Kissing Spines lässt sich in der Regel nicht verfrüht erkennen. Allerdings gibt es Vermutungen, dass die Anfälligkeit für diese Krankheit vererbt werden kann. So gelten beispielswiese Jungpferde mit eng aneinander stehenden Dornfortsätzen als anfälliger für Kissing Spines. Auch Pferde, deren Rückenmuskulatur beispielsweise durch einen Sturz beschädigt ist, gelten als gefährdeter. Generell empfiehlt es sich, ein neues Pferd unmittelbar nach dem Kauf einmal von deinem Tierarzt durchchecken zu lassen, bevor du beginnst mit ihm zu arbeiten. Stellt der Tierarzt dann z.B. erhöhte Blutwerte fest, kann dies auf Muskelverspannungen hinweisen. Diese gilt es dann schnell zu lösen, damit der Rücken deines Pferdes wieder locker wird, seine Muskeln geschmeidig bleiben und somit ein korrektes Reiten über den Rücken möglich ist.
Ob dein Pferd an „Kissing Spines“ leidet, kann dein Tierarzt mit Hilfe eines Röntgenbilds feststellen. Das Röntgenbild zeigt dann, ob eine Erkrankung an der Wirbelsäule vorliegt und wenn ja, in welchem Stadium sich diese befindet. In manchen Fällen ist außerdem eine Szintigraphie sinnvoll, um eventuelle Fehlbildungen zu erkennen. Der Tierarzt schaut sich hier das Körpergewebe rund um die Wirbelsäule deines Pferdes an und bekommt so einen noch genaueren Einblick über das aktuelle Krankheitsstadium. Außerdem ist eine Begutachtung des Ganges deines Pferdes mit und ohne Reiter empfehlenswert, um herauszufinden, welche Fehlhaltung Kissing Spines begünstigt und wie du diese vermeiden kannst.
Behandlung von Pferden mit Kissing Spines
Besonders nach der ersten Diagnose benötigen viele Pferde entzündungshemmende Mittel, um wieder schmerzfrei im Rücken zu werden. Auch korrekt gestellte Hufe und ein, wenn nötig, passender Beschlag sind wichtig, damit der Pferderücken nicht falsch belastet wird und keine weiteren Rückenprobleme entstehen. Außerdem bietet sich eine Osteopathie an, um Blockaden im Bewegungsapparat zu lösen. Sei allerdings darauf vorbereitet, dass gerade die erste Behandlung für viele Pferde mit Kissing Spines sehr schmerzhaft sein kann. Möchtest du deinem Pferd selbst etwas Gutes tun, empfehlen sich gezielte Gymnastikübungen vom Boden. Dein Osteopath zeigt dir sicher gerne, welche Übungen deinem Pferd besonders zugutekommen und wie du diese korrekt ausführst. Auch wohltuende Massagen eignen sich, um deinem Pferd zu helfen und erste Verspannungen zu lösen.
Ist dein Pferd wieder schmerzfrei und korrekt eingestellt, geht es ans Muskelaufbautraining. Hier empfiehlt sich besonders das Training an der Longe oder über die Handarbeit. Im Aufbautraining liegt der Fokus nun auf der Losgelassenheit im Pferderücken. Ist dein Pferd losgelassen, kennt es die richtige Balance aus unverkrampfter Muskelanspannung und Muskelentspannung. Sein Rücken schwingt bei gleichmäßig taktvollen Bewegungen, die Hinterhand ist aktiv und der Hals wird in einer Vorwärts-Abwärtshaltung gedehnt. Besonders wichtig ist, dass die Rückenmuskulatur entspannt und locker ist. Denn nur so kann sie effektiv von deinem Pferd eingesetzt werden und später auch das Reitergewicht gesund tragen.
Essentiell für eine gesunde Rückenmuskulatur ist auch ihr Gegenspieler: die Bauchmuskulatur. Die Bauchmuskulatur dient dem Rücken deines Pferdes als Stütze, hebt diesen an und trägt so einen Teil des Knochengerüsts mit. Sind die Bauchmuskeln deines Pferdes zu schwach und können nicht kontrahieren, lässt es seinen Rücken durchhängen. Unter diesen Umständen ist es deinem Pferd nicht möglich, seinen Rücken aufzuwölben und die Hinterhand zu aktivieren. Starke Bauchmuskeln sind also unumgänglich, um eine Fehlbelastung des Pferderückens zu vermeiden. Gute Übungen, um die Bauchmuskulatur deines Kissing Spines Pferdes zu stärken, sind Stangenarbeit, Bergauf und Bergab gehen, saubere Übergänge und korrekt ausgeführte Seitengänge.
Auch das Bewegen in Dehnungshaltung ist ein äußerst wichtiger Faktor für einen gesunden Pferderücken. In einer gesunden Vorwärts-Abwärts Bewegung wird dein Pferd dazu verleitet, seinen Rücken rund zu machen und das lange Nacken- und Rückenband zu dehnen. So werden die Wirbel und Dornfortsätze auseinandergezogen und die Rückengesundheit deines Pferdes gefördert. Rückwärts richten am Hang und regelmäßige Dehnübungen sind ebenfalls sehr gute Lektionen, um den Rücken deines Pferdes zu stärken.
Ist dein Pferd mit Kissing Spines noch reitbar?
Die gute Nachricht vorweg: Pferde mit Kissing Spines sind häufig noch reitbar. Sogar ein paar hocherfolgreiche Sportpferde sind vom Kissing Spines Syndrom betroffen. Bewegung ist sogar ein sehr wichtiger Teil des Genesungsprozesses der Pferdemuskeln und verhindert so, dass die Krankheit weiter fortschreiten kann. Es empfiehlt sich allerdings zuerst an der Longe zu arbeiten, bis dein Pferd Muskeln aufgebaut hat und losgelassen geht. Erst wenn dein Pferd dazu in der Lage ist, den Rücken rund zu machen, kann es das Reitergewicht gesund tragen. Außerdem ist es ratsam, die Sattelpassform kontrollieren zu lassen, bevor du wieder mit dem Reiten anfängst, um unangenehmen Satteldruck zu vermeiden. Zurück auf dem Pferd gilt es dann darauf zu achten, dass du dein Pferd losgelassen über den Rücken reitest. Gute Übungen, um die Losgelassenheit zu fördern, sind z.B. Seitengänge, Biegungen und Übergänge.
Weitere Übungen für dein Pferd mit Kissing Spines
Auch wenn dein Pferd schmerzfrei ist und es wieder geritten werden darf, ist es weiterhin sehr sinnvoll, es mit gezielten Gymnastikübungen zu unterstützen. Hierzu zählt beispielsweise das Dehnen der Hinter- und der Vorderbeine oder das Dehnen des Halses. Um den Hals deines Pferdes zu dehnen, kannst du ganz einfach den „Mohrrüben-Trick“ anwenden. Stelle dich hierfür mit einer Mohrrübe z.B. seitlich an die Schulter deines Pferdes und bringe es dazu, seinen Hals mit nach unten gestreckten Kopf in Richtung Hinterhand zu drehen. Korrekt ausgeführt unterstützt diese Übung die Mobilität der Wirbelsäule. Hat dein Pferd allerdings eine Blockade im Hals, ist es gut möglich, dass es den Hals abknickt und die Übung falsch ausführt, ohne dass du sofort etwas davon merkst. Stimme dich daher am besten im Vorfeld mit deinem Osteopathen ab, um herauszufinden, welche Übungen für den aktuellen Zustand deines Pferdes am besten geeignet sind und woran du typische Fehler erkennst.
Tipps zur Fütterung von Pferden mit Kissing Spines
Generell sollte die Fütterung eines jeden Pferdes aus ausreichend qualitativ hochwertigem Raufutter bestehen und auf seine individuellen Bedürfnisse angepasst sein.Daher kommt es auch bei der Fütterung eines Pferdes welches unter dem Kissing Spines Syndrom leidet, auf den aktuellen Zustand und die Arbeitsintensität an.
Die Diagnose „Kissing Spines“ wurde gerade erst erteilt und dein Pferd wird aktuell nicht bewegt?
Dann genügt eine Futterration aus ausreichend Raufutter und einem guten Mineralfutter, um den täglichen Nährstoffbedarf deines Pferdes zu decken. Möchtest du deinem Pferd dennoch ein Kraftfutter füttern, um z.B. Futterneid zu vermeiden, eignen sich getreide- und melassefreie Futtersorten mit wenig Stärke, Zucker und Energie.
Du startest gerade das Muskelaufbautraining mit deinem Pferd?
In diesem Fall benötigt dein Pferd ausreichend gutes Raufutter und ggfs. ein leichtes Kraftfutter, dessen Menge je nach Arbeitsintensität variiert werden kann. Speziell für den Trainingsbeginn, eignen sich Ergänzungsfuttermittel mit essentiellen Aminosäuren wie Lysin und Vitamin D3, um den Muskelaufbau zu fördern und Muskelermüdung vorzubeugen. Ist dein Pferd außerdem zu dünn? Eine hochwertige Raufuttermischung aus Luzerne, Soja und Spurfasern bringt dein Pferd wieder in einen guten Konditionszustand.
Du fängst wieder an zu Reiten?
Auch in diesem Fall ist ausreichend gutes Raufutter das A und O der Pferdefütterung und unbedingt notwendig, um dein Pferd gesund zu erhalten. Für ein Freizeitpferd, das leichte bis mittlere Arbeit verrichtet, empfiehlt es sich, weiterhin ein getreide- und zuckerreduziertes Müsli zu füttern, um seinen Bedarf an Nährstoffen zu decken. Dein Pferd erhält weniger als 1,5kg Kraftfutter pro Tag? Ergänze dann Vitamine und Mineralien durch ein Mineralfutter.
Sportpferde, die schwere Arbeit erbringen, benötigen neben dem Raufutter ein zusätzliches Kraftfutter mit einem hohen Energiewert. Energieträger wie Öl oder Getreide sorgen dafür, dass dein Pferd Leistungen auf höchstem Niveau erbringen kann. Zusätzlich ist es besonders für Sportpferde wichtig, den Abtransport von Abfallstoffen in den Muskeln zu fördern, um Muskelsteifheit und Muskelübersäuerung vorzubeugen. Hier empfehlen sich Ergänzungsfuttermittel mit Magnesium, Selen und natürlichem Vitamin E, um die Muskeln deines Pferdes geschmeidig und locker zu halten.
Fütterung und Gesundheit
Barhuf oder Hufeisen – der Hufmechanismus bei Pferden
Die Frage, ob dein Pferd besser Barhuf oder mit Hufeisen laufen sollte, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Befürworter des Barhuf-Laufens vertreten die Ansicht, dass die Natur das Pferd bereits mit allem ausgestattet hat, was es braucht und ein Hufeisen daher überflüssig oder gar schädlich sein kann. Jedoch kann man diese Aussage nicht pauschalisieren, da jedes Pferd andere Ansprüche hat und bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ein Pferd Barhuf laufen kann.
Bevor du dich entscheidest, was das Beste für dein Pferd ist, ist es wichtig, dass du einige Grundlagen zum Hufmechanismus verstehst und seine Bedeutung für die Gesundheit deines Pferdes kennst. Sowohl der Beschlag mit Hufeisen als auch das Barhuf-Laufen können Vor- und Nachteile mit sich bringen, die du vor einer Entscheidung berücksichtigen solltest.
Was ist der Hufmechanismus?
Vereinfacht ausgedrückt, versteht man unter dem Hufmechanismus die elastische Verformung des Hufes bei jedem Auf- und Abfußen deines Pferdes. Bei einer Belastung des Hufes weitet sich der Huf durch den Druck des Körpergewichts von oben und den Gegendruck des Bodens von unten. Dies führt zur Formveränderung der Hufe und lässt Blut in die Huflederhaut strömen. Sobald dein Pferd abfußt, findet eine Entlastung der Hufe statt und die Hufe nehmen wieder ihre ursprüngliche Form ein.
Aber auch wenn dein Pferd steht, wechselt das Druckverhältnis in den Hufen und eine minimale Formveränderung der Hufe findet statt. Der Hufmechanismus verläuft nämlich nicht nur statisch, sondern bereits ein veränderter Stellungswinkel oder feine Unterschiede in der Bodenbeschaffenheit können den Hufmechanismus auslösen.
Welche Funktionen hat der Hufmechanismus?
Im Vergleich zur Körpermasse haben Pferde ein eher kleines Herz, das die Unterstützung der Hufe benötigt, um ausreichend Blut durch den Pferdekörper zu transportieren. Durch den Hufmechanismus entsteht ein Sog, der den Blutumtrieb fördert und das Blut wieder von den Hufen in Richtung Herz befördert. Daher wird der Hufmechanismus auch als „Hufpumpe“ oder „Die Kraft der 4 Herzen“ bezeichnet, denn er unterstützt das gesamte Herz-Kreislauf-System eines Pferdes. Sobald dein Pferd 10 Schritte macht, sind aufgrund der „Hufpumpe“ ca. 1 Liter Blut durch jeden Huf geflossen. Im vollen Umfang funktioniert dies aber nur bei Pferden, die Barhuf laufen und dadurch einen direkten Bodenkontakt haben, um den Hufmechanismus zu betätigen.
Somit sind die Hufe aktiv am Stoffwechsel beteiligt und unterstützen den Organismus deines Pferdes auch bei der Ausleitung von Schad- bzw. Giftstoffen. Wenn der Hufmechanismus beeinträchtigt ist, bedeutet das eine Mehrarbeit für den restlichen Körper deines Pferdes.
Außerdem ist der Hufpumpen-Mechanismus wichtig für dein Pferd, weil es unterhalb des Sprunggelenks und der Vorderfußwurzel keine Muskulatur besitzt. Deswegen übernimmt der Hufmechanismus die Kontraktion, die normalerweise eine Aufgabe der Muskulatur ist.
Die Hornkapseln der Hufe – also die äußere Hornschicht – bieten deinem Pferd zusammen mit dem Hufmechanismus eine wichtige Dämpfung von Stößen, Schritten und Sprüngen. Hierbei werden ca. 80 - 90% der Aufprall- und Wuchtenergie allein durch den Hufmechanismus abgefedert und z.B. in Wärmeenergie umgewandelt. Dadurch werden die unteren Gliedmaßen, aber auch die höher liegenden Gewebe und Organe deines Pferdes geschützt.
Der Huf selbst besteht aus solidem, nachwachsendem Horn, welches die Pferdehufe vor äußeren Einwirkungen und Schädigungen, aber auch vor Temperaturschwankungen schützen. Die Hufe sind zudem ein sensibles Sinnes- und Tastorgan. Hierdurch kann dein Pferd die Bodenbeschaffenheit wahrnehmen und seine Bewegungen sowie Muskelarbeit darauf abstimmen, um auf jedem Bodenuntergrund einen möglichst sicheren Halt und Gang zu finden. Außerdem liefert der Hufmechanismus zusätzlichen Bodenhalt, da sich beim Auffußen die Hornkapsel der Hufe spreizt und sich dabei die Lage der Eckstreben verändert. Diese stemmen sich wie eine Art Keil in den Untergrund und sorgen für zusätzliche Stabilität und Rutschfestigkeit.
Was genau passiert beim Hufmechanismus?
Bei jedem Schritt deines Pferdes betätigt sich der Hufmechanismus, bei dem ein komplexes Zusammenspiel verschiedenster Komponenten stattfindet:
Zehenwand: Beim Auffußen wird die vordere, obere Zehenwand nach hinten gedrückt. Die untere Zehenwand und der Tragerand bewegen sich nicht. Die Trachtenwände, die sich seitlich der Hufe an der äußeren Zehenwand befinden, erweitern sich vom Kronrand ausgehend bis hin zum Tragerand.
Sohle: Die Sohle wird beim Auffußen nur geringfügig flacher. In Richtung des Tragrands findet keine Bewegung der Sohle statt.
Strahl: Der Strahl nimmt beim Auffußen Kontakt mit dem Boden auf.
Ballen: Die Ballen senken und weiten sich beim Auffußen.
Barhuf und Hufeisen im direkten Vergleich
Ein gut funktionierender Hufmechanismus ist für die Gesundheit deines Pferdes sehr wichtig. Das bedeutet allerdings nicht, dass du deinem Pferd sofort die Hufeisen abnehmen und es Barhuf laufen lassen solltest, denn nicht jedes Pferd kann problemlos ohne Hufeisen laufen. Falls dein Pferd schon viele Jahre mit einem permanenten Beschlag unterwegs ist, kann eine radikale Umstellung auf das Barhuf-Laufen auch zu Komplikationen führen. Ob Hufeisen oder Barhuf – informiere dich über die Vor- und Nachteile beider Möglichkeiten und entscheide selbst, was für dein Pferd das Richtige ist.
Vorteile & Nachteile von Hufeisen
Der Vorteil des Hufeisens besteht darin, dass es wie eine Art Gehhilfe für dein Pferd funktioniert:
Dein Pferd kann dadurch länger stehen, also nicht aktiv bewegt werden.
Die Hufeisen können gut an den Huf angepasst werden, dadurch sind auch verschiedene Korrektur- und Spezialbeschläge möglich.
Auf hartem und steinigem Boden ist das Hufeisen eine Erleichterung für dein Pferd.
Der Huf wird vor übermäßiger Abnutzung geschützt.
Ein Beschlag kann bei Hufproblemen, wie z.B. Hufrehe, eine schmerzlindernde Wirkung haben. Diese Entscheidung aber bitte nie ohne den Rat eines Tierarztes treffen.
Bei bestimmten sportlichen Veranstaltungen sind Hufeisen Pflicht.
Folgende Nachteile können sich durch den starren Eisenbeschlag ergeben:
Einschränkung bzw. Lahmlegung des Hufmechanismus und Tastsinns.
Mögliche Beschädigung der Hornkapsel.
Höhere Verletzungsgefahr anderer Pferde, wenn Pferde austreten.
Höhere Rutsch- und Unfallgefahr auf glatten Böden.
Langfristige Stellungsfehler und schiefe Hufe bei unsachgemäßem Beschlag.
Übermäßige Beanspruchung der Gelenke durch den schweren Beschlag.
Lastenverteilung fast nur auf dem Tragerand der Hufe.
Zusätzliches Gewicht, das auch die Fliehkraft erhöht.
Einschränkung des Hornwachstums, häufig gepaart mit minderer Hornqualität.
Beeinträchtigung der Thermoregulation (besonders in der kalten Jahreszeit).
Vorteile & Nachteile des Barhuf-Laufens
Neben der gesundheitlichen Notwendigkeit, die sich aus dem Barhuf-Laufen für dein Pferd ergibt, sind noch weitere Vorteile des Barhufens nennenswert:
Volle Funktionsfähigkeit des Hufmechanismus und Tastsinns (bei gesunden Hufen).
Bessere Durchblutung des Hufes.
Bessere Stoßdämpfung der Gelenke und Organe.
Feinere Korrekturmöglichkeiten bei Fehlstellungen.
Natürliche Hornabnutzung.
Lastenverteilung auf Tragerand, Sohle und Strahl.
Rutschfestigkeit auf glattem Bodengrund.
Nachteile durch das Barhuf-Laufen ergeben sich meist dann, wenn dein Pferd es nicht gewohnt ist und zuvor über einen langen Zeitraum einen permanenten Beschlag trug:
Umstellung von Beschlag auf Barhuf benötigt viel Zeit und Geduld.
Gefahr einer Überbelastung.
Höhere Abnutzung des Horns auf hartem Bodengrund.
Bei erhöhter Abnutzung kann das Hufhorn ggf. nicht schnell genug nachwachsen.
Deutlichere Fühligkeit auf unebenem, steinigem Bodengrund.
Die Umstellung von Hufeisen auf Barhuf beim Pferd
Nicht jedes Pferd kann problemlos und auf Anhieb Barhuf laufen. Wenn dein Pferd viele Jahre mit Hufeisen gelaufen ist, dann haben sich die Hufe mit der Zeit an die Hufeisen gewöhnt und dadurch auch sehr wahrscheinlich leicht verformt. Ohne Hufeisen braucht es ca. 1 Jahr, bis sich der Huf wieder komplett regeneriert und zurück zur alten Form gefunden hat. Hierbei muss der Huf einmal vom Kronrand komplett herunter zum Boden wachsen. Dein Pferd muss sich also erstmal wieder daran gewöhnen, ohne Hufeisen zu laufen und den Boden neu zu fühlen.
Bedenke auch, dass nur ein gesunder Huf volle Leistung erzielen kann. Unterstütze dein Pferd daher mit einer guten Hufpflege. Hierzu gehört auch eine hygienische Stall- und Wiesenpflege.
Insgesamt benötigst du viel Zeit und Geduld mit deinem Pferd! Achte darauf, dass deinem Pferd ohne Hufeisen die Arbeit auf weichem Boden viel leichter fällt als auf steinigem Boden. Das solltest du beim Training unbedingt berücksichtigen, ansonsten kann eine Überbelastung zu geschwollenen Gelenken, Abszessen und langfristig zu Herzproblemen führen. Daher ist es ratsamer, dein Pferd lieber etwas zu schonen und auf harten Böden eher im Schritt zu reiten oder diese in der ersten Zeit ganz zu vermeiden. Nach und nach kannst du dann verschiedene Böden ausprobieren, damit sich die Hufe deines Pferdes an die unterschiedlichen Anforderungen gewöhnen können.
Tatsächlich kann es auch sein, dass Pferde, die ihr Leben lang einen starren Hufbeschlag hatten, große Probleme bei der Umstellung auf das Barhufen bekommen können und womöglich auch nie in der Lage sein werden, ohne Hufeisen zu laufen. Somit ist es immer eine Einzelfallentscheidung, ob dein Pferd mit oder ohne Beschlag durch sein Leben trabt.
Alternativen zwischen Barhuf und Hufeisen
Jedes Pferd hat andere Bedürfnisse, ein anderes Umfeld und andere Erwartungen, die es zu erfüllen hat. Manche Pferde verbringen ihre gesamte Lebenszeit auf weichen Wiesen, in der Halle oder der Box und haben dementsprechend „untrainierte Hufe“, die keinen harten Bodengrund gewöhnt sind. Andere Pferde werden ausschließlich für harte Arbeit und lange Ausritte genutzt. Je nach Ausgangslage kann der Weg vom Hufeisen zurück zum Barhuf-Laufen sehr langwierig sein. Wahrscheinlich wirst du dein Pferd in der Zeit der Umstellung nicht wie gewohnt arbeiten können. Besonders auf steinigem Boden oder Asphalt ist der Abrieb der Hufe eher stärker, was das Nachwachsen des Horns wiederum verzögert.
In dieser Übergangszeit können sogenannte Hufschuhe ein guter Kompromiss für dich und dein Pferd sein, um die Hufe vor übermäßigem Abrieb zu schützen. Weitere mögliche Alternativen zum Hufeisen bieten dir z.B. Aluminium-, Kombi- und Kunststoffbeschläge oder auch ein Klebehufschutz. Im Folgenden erläutern wir dir die gängigsten Möglichkeiten:
Aluminiumbeschläge
Bei Aluminiumbeschlägen handelt es sich um ursprünglich orthopädisch oder therapeutisch genutzte Hufeisen. Mittlerweile finden sie auch häufig Einsatz als Sportbeschläge, weil Aluminiumbeschläge ein deutlich niedrigeres Gewicht haben als Eisenbeschläge, was die Fliehkraft verringert. Auch kann dein Pferd durch das deutliche Gewichtsersparnis eine bessere Ausdauer erzielen. Außerdem werden die Bänder und Sehnen geringer belastet. Bei leichten Stellungsfehlern kann eine Verbesserung der Gangqualität erzielt werden.
Die Stoßdämpfung liegt bei ca. 50% gegenüber Eisenbeschlägen. Daher sollte diese Alternative eher auf weichem Boden eingesetzt werden. Für Pferde, die viel Strecke laufen müssen, sind die Aluminiumbeschläge weniger geeignet. Preislich sind die Aluminiumbeschläge etwas kostspieliger als Eisenbeschläge und weisen eine geringere Haltbarkeit auf.
Kunststoffbeschläge
Die Kunststoffbeschläge haben ein leichtes Gewicht und weisen außerdem eine höhere Elastizität auf als Aluminium- und Eisenbeschläge. Dadurch wird der Hufmechanismus nicht allzu stark eingeschränkt. Außerdem dämpfen Kunststoffbeschläge ca. 90% der Stoßenergie gegenüber Eisenbeschlägen. Weitere Vorteile bestehen in der Rutschfestigkeit auf glatten Böden, sowie einer geringeren Verletzungsgefahr, wenn es in der Herde einmal zu Rangeleien und somit zum Austreten kommt.
Allerdings neigen einige Kunststoffbeschläge dazu, sich unter schwerer Last nach innen zu wölben, was zur Weitung des Hufes oder langfristig sogar zur Lahmheit führen kann. Im Vergleich zu Eisenbeschlägen sind die Kunststoffbeschläge meist etwas teurer und aufwendiger beim Auskratzen. Die Umstellung von Eisenbeschlag auf Kunststoffbeschlag kann in manchen Fällen zu einer Reizung der Huflederhaut führen und ist als Alternative nur bedingt zur Korrektur von Fehlstellungen empfehlenswert.
Kombinationsbeschläge
Bei Kombinationsbeschlägen handelt es sich meist um eine Kombination aus Kunststoff- und Metallbeschlägen, die üblichen Eisenbeschlägen ähneln, jedoch wesentlich leichter, aber auch dicker sind. Der Kern der Kombinationsbeschläge besteht aus Eisen oder Aluminium und die Ummantelung wird aus Kunststoff oder Gummi gefertigt. Die Stoßdämpfung ist ähnlich effektiv wie beim Barhuf. Auch bergen Kombinationsbeschläge eine geringere Verletzungsgefahr.
Ein möglicher Nachteil ist die teilweise schwierige Anpassung an außergewöhnliche Hufformen. Außerdem sind Kombinationsbeschläge deutlich teurer als andere Alternativen.
Klebeschuhe
Klebeschuhe sind Hufschuhe zum Ankleben eignen sich Pferde aller Disziplinen. Der Vorteil von Klebeschuhen im Vergleich zu den bisher genannten Alternativen ist, dass Klebeschuhe ohne Hufnägel befestigt werden. Da somit keine Nagellöcher in den Hufen entstehen, wird einer Schädigung der Hornwände oder der Hornkapsel vorgebeugt. Dies hat vor allem bei Huflederhautentzündungen eine große Bedeutung. Klebeschuhe können auch verwendet werden, wenn die Hufe eine sehr schlechte Qualität aufweisen und andere Hufbeschläge keine Option mehr darstellen. Aber Vorsicht bei Pilzbefall: dann solltest du auf Klebeschuhe verzichten, damit ausreichend Luft an die Hufe kommt.
Positiv ist auch, dass die Klebeschuhe meist aus Kunststoff gefertigt werden und daher – ähnlich wie Kunststoffbeschläge – ein geringeres Gewicht bei relativ hoher Stoßdämpfung aufweisen. Wenn bei der Anbringung von Klebeschuhen sauber und sorgfältig gearbeitet wurde, dann halten diese genauso lange wie ein genagelter Hufschutz.
Hufschuhe
Hufschuhe sind Schuhe für dein Pferd, die aus verschiedenen Materialien gefertigt werden können und einfach über den Huf deines Pferdes gezogen werden. Die Befestigung der Hufschuhe erfolgt durch einen Form- oder Zugschluss, die den Schuh an den Huf pressen. Häufig finden Hufschuhe Einsatz als therapeutische Maßnahme bei Hufkrankheiten.
Sie bieten deinem Pferd eine gute Alternative zum permanenten Hufbeschlag und können es vor allem in der Umstellung von Beschlag auf Barhuf unterstützen.
Die Hufschuhe können bei sehr langen Ausritten oder bei Bodengrund, der einen hohen Abrieb des Hufhorns fördert, eingesetzt werden. Aber auch wenn dein Pferd nach der Umstellungsphase auf steinigem Grund noch fühlig läuft, sorgen die Hufschuhe für einen schmerzfreien Gang. Auf weichem Bodengrund kann dein Pferd dann ohne Hufschuhe laufen.
Für einen permanenten Einsatz sind Hufschuhe nicht geeignet, sondern werden nur angezogen, wenn Bedarf besteht, denn die meisten Hufschuhe sind wenig luftdurchlässig und können nach einer gewissen Tragezeit scheuern, was für dein Pferd unangenehm werden kann. Außerdem wird der Hufmechanismus durch die meisten Hufschuhe zu sehr beeinträchtigt.
Die Gesundheit der Pferdehufe unterstützen
Für die Gesundheit der Hufe ist eine gute Hufpflege Grundvoraussetzung. Diese wirkt sich positiv sowohl auf das Hornwachstum als auch die Hornqualität aus. Zusätzlich kannst du die Huf-Durchblutung durch ausreichende Bewegung und Trainingseinheiten deines Pferdes fördern. Umgekehrt kann sich die Durchblutung durch Bewegungsmangel verschlechtern, was wiederum negative Auswirkungen auf die Hufe und damit auf den gesamten Organismus haben kann.
Auch die richtige Fütterung spielt eine große Rolle bei der Hufgesundheit. Die Hufe werden – wie auch die Fingernägel bei uns Menschen – von innen nach außen gebildet. Für die Bildung des Hufhorns werden essentielle Aminosäuren benötigt und in Horn umgewandelt. Für diesen Prozess benötigt dein Pferd außerdem weitere Nährstoffe, wie z.B. Biotin, aber auch Kupfer und Zink. Ein gutes Ergänzungsfutter kann helfen, eine optimale Hornqualität zu erreichen und das Hornwachstum zu unterstützen.
Fütterung und Gesundheit
Das Shivering Syndrom beim Pferd
Das Shivering Syndrom wird umgangssprachlich häufig als die „Zitterkrankheit“ bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine neuromuskuläre Erkrankung, die Muskelspasmen auslöst, welche zu Krämpfen im Bereich der Hinterhand führen. Diese Krämpfe erscheinen optisch wie ein Zittern, das je nach Krankheitsstadium unterschiedlich stark ausfällt. In einigen Fällen ist allerdings nicht nur die Hinterhand, sondern auch die Vorderhand oder sogar der Kopf des Pferdes betroffen. Es wird davon ausgegangen, dass die Erkrankung für Pferde schmerzfrei ist. Jedoch können betroffene Pferde ihre zuckenden Muskelbewegungen nicht steuern und leiden oft unter starken Verspannungen. Für das Wohlbefinden deines erkrankten Pferdes ist es daher sehr wichtig, Shivering Symptome durch eine angepasste Pferdehaltung und Fütterung zu lindern.
Welche Ursache hat Shivering bei Pferden?
Obwohl das Shivering Syndrom schon seit einigen Jahren erforscht wird, konnte bislang keine konkrete Ursache für eine Erkrankung festgestellt werden. Es existieren verschiedene Theorien, die sich auf neurologische Ursachen, die Genetik des Pferdes oder sogar Traumata berufen. Generell geht man davon aus, dass die Informationen aus dem zentralen Nervensystem nicht vollständig über die Neurone an die Muskelzellen weitergeleitet werden können. Diese lückenhafte Impulsweiterleitung führt dann zum unkontrolliertem Muskelzucken des Pferdes. Wieso die Informationen des zentralen Nervensystems nicht korrekt weitergeleitet werden können, ist allerdings noch unklar. Eine Studie geht beispielsweise davon aus, dass die Ursache des Shivering Syndroms im Muskelstoffwechsel liegt. Pferde, die an dieser Studie teilgenommen haben, wiesen einen deutlich niedrigen Glykogengehalt in ihren Muskelzellen auf als üblich. Gerade bei Sportpferden oder Pferden, die generell schwere Arbeit leisten, entleeren sich die Glykogenspeicher schneller, was folglich Muskelkrämpfe auslösen könnte. Eine andere Studie geht wiederum davon aus, dass der Abbau von Neuronen im Kleinhirn die Ursache für eine unvollständige Impulsweiterleitung und das damit verbundene Zittern ist.
Welche Pferde sind betroffen?
Rein theoretisch gesehen könnte jedes Pferd, unabhängig von der Rasse, am Shivering Syndrom erkranken. Besonders häufig scheinen allerdings große und schwere Pferde betroffen zu sein. Auch Hengste und Wallache gelten als anfälliger als Stuten. Sportpferde und Pferde mit einem hohen Muskeltonus erkranken ebenfalls häufiger am Shivering Syndrom. Ponys hingegen sind eher selten betroffen.
Wie erkenne ich Shivering bei meinem Pferd?
Shivering wird häufig bereits in frühen Jahren entdeckt. Betroffene Pferde sind meist zwischen 4 und 7 Jahren alt, wenn die Krankheit erstmals ausbricht. Im Alltag verhalten sich diese Pferde zunächst unauffällig. Allein in gezielten Bewegungsabläufen, wie z.B. Hufe geben oder Rückwärtsrichten, lässt sich eine Problematik erkennen. Je nach Grad der Erkrankung beginnt ein leichtes bis starkes Muskelzittern, die das Pferd nicht eigenständig kontrollieren kann. Das macht es Shivering Pferden beispielsweise besonders schwierig, für einen längeren Zeitraum auf nur 3 Beinen zu stehen. Auch langes Stillstehen verschlimmert die Muskelkrämpfe und sollte weitestgehend vermieden werden. Weitere Symptome für das Shivering Syndrom sind ein ruckartiges nach oben reißen der Hinterbeine oder Probleme beim Abstellen dieser. Anfangs werden Shivering Symptome auch häufig mit dem Hahnentritt oder Kissing Spines verwechselt. Anders als beim Hahnentritt, reißt ein Shivering Pferd sein Bein allerdings ruckartig in die Höhe, verweilt dort für einen kurzen Moment und stellt es dann langsam wieder ab, sobald der Muskelkrampf nachgelassen hat. Auch ein auffälliges Schlagen mit dem Schweif kann ein Anzeichen für das Shivering Syndrom im Bereich der Hinterhand sein.
Shivering kann neben den Hinterbeinen auch die Vorderbeine oder den Kopf eines Pferdes betreffen. An der Vorderhand erkennst du Shivering häufig am Muskelzittern im Bereich des Ellenbogens. Außerdem tendieren erkrankte Pferde dazu, ihre Vorderbeine komplett durchzustrecken, anstatt sie locker und gebeugt anzuheben. Am Kopf lässt sich Shivering an dem typischen, unkontrollierbaren Zucken der Ohren und Augenlider erkennen. In Stresssituationen, z.B. bei Anhängerfahrten oder Tierarztbesuchen, können sich die genannten Symptome sogar verschlimmern. Welche Situationen dein Pferd stressen, ist ganz individuell von seinem Befinden abhängig. Hier kommt es auf dein Einfühlungsvermögen als Pferdebesitzer an, herauszufinden, welche Situationen besonders stressig für dein Pferd sind und wie du diese am besten vermeiden kannst.
Die genaue Diagnose „Shivering Syndrom“ stellt dein Tierarzt mit Hilfe einer Blutuntersuchung. Möchtest du dein Pferd auf Shivering testen lassen, ist es wichtig, dass du ihm 5 Tage vor der Blutabnahme keine Mineralstoffe zuführst, um die Blutwerte nicht zu verfälschen. Bei der Auswertung sollte der Fokus dann auf die Konzentration von Zink, Magnesium, Kupfer, Selen und Mangan im Blut gelegt werden. Generell wird häufig eine Unterversorgung an Magnesium mit Muskelproblemen, wie z.B. Muskelkrämpfen, in Verbindung gebracht. Untersuchungen zeigten allerdings, dass an Shivering erkrankte Pferde nur selten einen geringen Magnesiumwert, oft aber einen zu niedrigen Manganwert im Blut aufweisen. Mangan ist ein wichtiger Mineralstoff, welcher für zahlreiche Stoffwechselvorgänge, wie z.B. den Muskelstoffwechsel und die Knochengesundheit des Pferdes benötigt wird. Wird bei deinem Pferd ein geringer Manganwert festgestellt, ist es also wichtig, diesen entsprechend auszugleichen. Die genaue Dosis der Supplementierung sollte unbedingt immer in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen, da eine Überversorgung an Mangan toxisch auf dein Pferd wirken kann.
Neben einer Auswertung des Nährstoffhaushalts, ist außerdem eine Untersuchung der Leber empfehlenswert. Die Leber ist ein entscheidendes Organ für zahlreiche Stoffwechselfunktionen des Pferdes. Ist z.B. der Leberstoffwechsel gestört, führt dies sehr häufig auch zu Komplikationen im Muskelstoffwechsel. Der Leberstoffwechsel des Pferdes wird größtenteils durch die Fütterung beeinflusst. Hochwertiges Raufutter ist hier das A und O für eine gute Lebergesundheit. Pferde, die Leberprobleme aufweisen, wurden häufig über einen längeren Zeitraum mit Heu, Heulage oder sogar Silage von niedriger Qualität gefüttert. Bist du unsicher, welchen Zustand dein Raufutter aufweist, so kann eine Raufutteranalyse helfen, die genauen Nährwerte zu identifizieren.
Welche Folgen hat Shivering für dein Pferd?
Wie die Ursachen, sind auch die genauen Folgen von Shivering nicht hinreichend bekannt. Experten gehen davon aus, dass die Krankheit für Pferde schmerzfrei ist. Allerdings ist der Krankheitsverlauf immer fortschreitend. Zudem verursachen die Muskelkrämpfe häufig Blockaden und auch starke Verspannungen, die sehr unangenehm für dein Pferd sein können. Im späteren Verlauf der Krankheit geht man außerdem davon aus, dass die Muskulatur des Pferdes abnimmt.
Wie kann ich Shivering behandeln?
Da die genaue Ursache für Shivering nicht bekannt ist, existiert leider auch keine Behandlungsmethode, die eine vollständige Heilung verspricht. Allerdings lassen sich die Symptome des Shivering Syndroms häufig durch eine angepasste Haltung und Fütterung lindern:
Ausreichend Platz zur Verfügung stellen, lange Stehzeiten vermeiden
Shivering Pferde benötigen ausreichend Platz, damit durch enge Wendungen oder Rückwärtsrichten keine Verkrampfungen ausgelöst werden. Eine Haltung im Offenstall ist hier ideal, da die Pferde so genug Platz zum Laufen und Wenden haben. Lange Stehzeiten hingegen können die Symptome verschlimmern und sollten vermieden werden. Hierzu zählen ebenfalls lange Zeiträume in der Box oder auf dem Anhänger.
Stresssituationen vermeiden
Shivering Symptome können sich in Stresssituationen verschlimmern. Daher ist es besonders wichtig, dass du herausfindest, welche Situationen dein Pferd besonders stressen und wie du diese vermeiden kannst. Für viele betroffene Pferde ist z.B. der Besuch beim Hufschmied sehr stressig, da ihnen das Hufe geben schwerfällt. Wenn möglich, lasse dein Shivering Pferd nicht beschlagen, um den Besuch beim Hufschied angenehmer und kürzer zu gestalten. Benötigt dein Pferd doch zwingend einen Beschlag, kann eine Sedierung hilfreich sein. Auch, wenn das Pferd vor dem Besuch beim Hufschmied bewegt, und die Muskulatur aufgewärmt wird, kann dies dazu beitragen, die Behandlung angenehmer zu gestalten.
Den Muskelstoffwechsel durch Training unterstützen
Pferde, die unter leichten Shivering Symptomen leiden, können oft noch problemlos geritten werden. Einige Shivering Pferde gehen sogar hocherfolgreich im Turniersport. Wichtig hierbei ist, dass das Pferd korrekt über den Rücken geritten wird, um die Muskulatur nicht falsch zu belasten. Auch Bodenarbeit kann hilfreich sein, um die Muskulatur weiter zu stärken. Gut ausgebildete Muskeln können die Symptome reduzieren und deinem Pferd helfen, besser mit seinem Körper umzugehen. Wie intensiv du dein Pferd trainieren kannst, ist abhängig von seinem individuellen Krankheitszustand. Bist dir unsicher, wie viel du deinem Pferd zumuten kannst, frage sicherheitshalber deinen Tierarzt um Rat.
Blockaden und Verspannungen lösen
Durch das unkontrollierbare Muskelzucken leiden viele Shivering Pferde an Blockaden und Muskelverspannungen. Eine regelmäßige Behandlung durch einen Osteopathen oder Physiotherapeuten kann helfen, diese zu lösen. Auch wohltuende Massagen, z.B. durch Massageputzzeug, können deinem Shivering Pferd helfen sich wohler zu fühlen.
Die Fütterung von Pferden mit Shivering Syndrom
Raufutter
Die Fütterung von Shivering Pferden sollte in erster Linie aus hochwertigem Raufutter bestehen, welches schimmel-, keim- und staubfrei ist. Heu eignet sich hier in der Regel besser als Heulage, da es einen niedrigeren Säuregehalt ausweist. Silage sollte aufgrund seines sehr hohen Gehalts an Säure generell nicht in der Pferdefütterung verwendet werden. Bei der Vergärung von Silage kommt es zur Bildung Biogener Amine. Diese können bei deinem Pferd Durchfall, Blähungen oder auch Herzkreislauferkrankungen auslösen. Um diesem entgegen zu wirken, baut der Körper deines Pferdes die Biogenen Amine über die Leber wieder ab. Bei einer dauerhaften Fütterung von Silage oder Futtermitteln mit sehr hohem Säuregehalt kann es hierdurch zu einer Leberüberlastung kommen. Ist der Leberstoffwechsel deines Pferdes gestört, beeinflusst dies auch den Muskelstoffwechsel negativ. Ein zusätzlich belasteter Muskelstoffwechsel ist sehr ungünstig für Shivering Pferde und sollte unbedingt vermieden werden. Leidet dein Pferd unter dem Shivering Syndrom, empfiehlt sich also eine Fütterungsbasis aus qualitativ hochwertigem Heu.
Vitamine & Mineralstoffe
Hat dein Tierarzt anhand des Blutbildes festgestellt, dass dein Pferd einen Mangel an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen aufweist, sollten diese zunächst einmal ergänzt werden. Basierend auf den Blutwerten kann dein Tierarzt dir hier eine genaue Empfehlung über die Dosierung passender Ergänzungsfuttermittel geben. Ist dein Pferd wieder korrekt eingestellt, kannst du die Vitamine und Mineralstoffe, die es täglich benötigt durch ein vollwertiges Mineralfutter ergänzen, falls du ihm wenig oder kein Kraftfutter fütterst.
Kraftfutter
Benötigt dein Shivering Pferd neben ausreichend Raufutter und Mineralfutter, die Zugabe eines Kraftfutters, eignen sich hier besonders getreidefreie und stärkereduzierte Futtermittel, die den Stoffwechsel nicht zusätzlich belasten. Auch eine Versorgung an hochwertigen Aminosäuren wie Lysin ist vorteilhaft für die Muskulatur deines Pferdes.
Fütterung und Gesundheit
Was du über Zucker in der Pferdefütterung wissen solltest
Bei Zucker denkt man in erster Linie an Glukose, Fruktose und Rohrzucker. Diese Zuckerarten zeichnen sich durch ihren süßen Geschmack aus. Zucker ist vor allem eine schnell verfügbare Energiequelle für dein Pferd. Gerade Glukose und Fruktose werden früh im Dünndarm verstoffwechselt, da sie sehr kurzkettig sind und stehen deinem Pferd schnell zur Aufrechterhaltung seiner Körperfunktionen, aber auch für eine gute Leistung, zur Verfügung. Ebenso spielt Zucker für eine gute Funktion des Gehirns und des Nervensystems eine wichtige und notwendige Rolle.
Zu viel Zucker kann jedoch den Organismus deines Pferdes stark belasten und Krankheiten auslösen.
Zusammensetzung von Zucker
Zucker ist ein wichtiger Energielieferant für Pferde und zählt zur Stoffklasse der Kohlenhydrate. Kohlenhydrate sind aus Zuckermolekülen aufgebaut und werden anhand der Länge ihrer Molekülketten in 3 Gruppen unterschieden:
Monosaccharide: Das sind Einfachzucker, d.h. sie sind die kleinsten Zuckereinheiten, welche die Grundbausteine der komplexeren Kohlenhydrate bilden. Zu den Monosacchariden gehören z.B. Glucose und Fruktose.
Disaccharide: Das sind Zweifachzucker, die durch die Verknüpfung zweier Monosaccharide entstehen. Sie können auch wieder in ihre Einfachzuckerbausteine zerlegt werden. Beispiele für Disaccharide sind Saccharose (Rohrzucker), Maltose (Malzzucker) und Laktose.
Polysaccharide: Das sind Mehrfachzucker, die aus einer langen Kette von Einfach- und Zweifachzuckern gebildet werden. Die bekanntesten Beispiele für Polysaccharide sind Stärke sowie Cellulose, Hemicellulose, Pektin und Lignin.
Auch Rohfasern zählen chemisch gesehen zu den Kohlenhydraten und gehören zu den Polysacchariden. Als Rohfasern gelten Stoffe, die in bestimmten Laugen und Säuren unlöslich sind, wie z.B. Cellulose, Hemicellulose, Pektin und Lignin. Rohfaserhaltige Futtermittel sollten bei Pferden den Großteil ihrer Ernährung ausmachen. Dazu gehören vor allem Heu, Luzerne, Gras, Rübenschnitzel sowie weitere Faserträger.
Kohlenhydrate sind maßgebliche Bestandteile aller Pflanzen und bilden daher die große Gruppe der Naturstoffe. Bei der Photosynthese und unter Einfluss von Sonnenlicht bilden die Pflanzen ihre Energie- und Wachstumsträger, die in verschiedenen Formen von Kohlehydraten eingelagert oder zwischengespeichert werden. Samen, bzw. Getreidekörner enthalten beispielsweise überwiegend Stärke als Kohlenhydrat, während im Gras die Energie häufig in Form von Fruktan eingespeichert wird. Da die in der Natur vorkommenden Kohlenhydrate überwiegend pflanzlichen Ursprungs sind, bilden sie auch den Hauptbestandteil in der Nahrung von Pferden.
Kohlenhydrate werden in Nicht-Struktur- und Struktur-Kohlenhydrate eingeteilt
Zu den Nicht-Struktur-Kohlenhydraten gehören sämtliche Zuckerverbindungen aus Einfach- und Zweifachzuckerverbindungen, wie z.B. Glukose (Traubenzucker), Fruktose (Fruchtzucker) und Saccharose (Rohrzucker) sowie die Mehrfachzuckerverbindung Stärke. Diese Kohlenhydrate dienen dem Organismus zum Energiegewinn oder sind Energiespeicherstoffe.
Die Verdauung von Nicht-Struktur-Kohlenhydraten erfolgt bei einer ausgewogenen Ernährung bei Pferden überwiegend im Dünndarm. Sie werden daher als „dünndarmverdaulich“ bezeichnet.
Vor allem Einfach- und Zweifachzuckerverbindungen sowie Stärke sorgen aufgrund ihrer schnellen/leichten Verdaulichkeit für einen schnelleren Anstieg des Blutzuckerspiegels und Insulingehalts in Blut.
Struktur-Kohlenhydrate haben ihren Namen zurecht, denn sie zählen zu den Rohfasern, bilden das Gerüst aller pflanzlichen Zellwände und machen somit einen Großteil des Fasermaterials der Pflanze aus. Je älter und größer die Pflanze ist, desto höher ist ihr Anteil an Struktur-Kohlenhydraten. Zu den Struktur-Kohlenhydraten gehören z.B. Cellulose, Hemicellulose und Lignin.
Die Rohfasern zählen zu den langsam fermentierbaren Kohlenhydraten. Ihre Verdauung erfolgt bei einer ausgewogenen Fütterung bei Pferden ausschließlich im Dickdarm. Rohfasern sind die Grundnahrung deines Pferdes, aus denen es blutzuckerunabhängig einen Großteil seiner Energie gewinnt. Zudem sorgen Rohfasern für ein gesundes Verdauungssystem.
Eine Zwischenstufe im Grad der Verdaulichkeit nehmen die schnell fermentierbaren Kohlenhydrate ein. Hierzu zählen unter anderem die Pektine. Diese werden im letzten Teil des Dünndarms und im Dickdarm durch Bakterien verdaut. Sie haben eine verdauungsfördernde Wirkung und belasten nicht den Blutzucker.
So funktioniert der Kohlenhydratstoffwechsel des Pferdes
Je nach Struktur sind die Kohlenhydrate unterschiedlich schnell verdaulich. Der Verdauungstrakt deines Pferdes ist so ausgerichtet, dass die leichter und schneller verdaulichen Nicht-Struktur-Kohlenhydrate im Magen und Dünndarm bearbeitet werden. Die schwer verdaulichen Struktur-Kohlenhydrate werden von den Bakterienkulturen im Dickdarm verarbeitet. Bei diesem Bakterien-Fermentationsprozess entstehen kleinere Substanzen und Moleküle, die dann von der Dickdarmwand aufgenommen und in den Blutkreislauf abgegeben werden können. Die verschiedenen Bakterienstämme sind hoch spezialisiert auf die verschiedenen Kohlenhydrate, die im Dickdarm ankommen. Je nach der Zusammensetzung des Futters ändert sich auch die Zusammensetzung der Bakterienflora im Darm.
Die Verdauung von Nicht-Struktur-Kohlenhydraten beim Pferd
Grundsätzlich dient Zucker der Energieversorgung des Pferdes. Im Stoffwechsel werden Kohlenhydrate in Form von Einfachzucker transportiert und als Glykogen bis zur Nutzung zwischengespeichert. Der Blutzuckerspiegel wird über das in der Bauchspeicheldrüse gebildete Hormon „Insulin“ reguliert.
Bei Einfachzucker wie Glukose und Fruktose ist die Molekülgröße bereits so klein, dass sie im Dünndarm des Pferdes nicht weiter aufgespalten werden müssen. Sie können von der Darmwand direkt aufgenommen werden und gelangen somit direkt in die Blutbahn. Die meisten Pferdefutter-Sorten bestehen weniger aus Einfachzuckern, sondern haben eher Stärke als Hauptkomponente. Stärke muss zunächst durch den Speichel und später im Dünndarm des Pferdes durch das körpereigene Enzym „Amylase“ in Einfachzucker abgebaut werden, bevor es die Darmwand passieren kann.
Zucker gehören in der Pferdenahrung zu den „leichtverdaulichen Kohlenhydraten“ und sorgt somit kurzfristig für einen schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Ein hoher Blutzuckerspiegel erzeugt eine schnelle Ausschüttung von Insulin, welches die Leber-, Muskel- und Fettzellen dazu veranlasst, den Überschuss an Zucker im Blut aufzunehmen und als Glykogen zu speichern.
Die Verdauung von Struktur-Kohlenhydraten beim Pferd
Strukturbildende Kohlenhydrate fördern bereits im Maul die Kautätigkeit und somit die Speichelproduktion deines Pferdes, was auch einen positiven Einfluss auf die Verdauung im Magen hat. Struktur-Kohlenhydrate selbst passieren den Magen und Dünndarm weitgehend unverändert und werden erst im Dickdarm durch Mikroorganismen verdaut. Hierdurch entstehen kurzkettige Fettsäuren, die über die Dickdarmwand aufgenommen werden und dem Pferd ebenfalls als Energie zur Verfügung stehen. Überschüssige Energie kann vom Körper gespeichert werden und diesem, je nach Speicherart, schneller oder langsamer wieder zur Verfügung gestellt werden. Der Dickdarm ist auf die mikrobielle Verdauung dieser pflanzlichen Strukturstoffe ausgelegt. Durch eine rohfaserreiche Pferdefütterung, welche gleichzeitig arm an leichtverdaulichen Kohlenhydraten ist, steigt der Blutzuckerspiegel deutlich langsamer an.
Berechnung von Zucker und Stärke im Pferdefutter
Zucker liefert auf der einen Seite schnelle Energie, kann aber bei zu hohen Mengen zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen. Durch die kurze Zeitspanne, die Zucker im Dünndarm verdaut werden kann, ist die maximale Aufnahmekapazität von Zucker und Stärke beim Pferd auf max. 1 g je kg Körpergewicht begrenzt. Es ist daher wichtig, die richtige Menge und das Verhältnis in der gesamten Futterration im Auge zu behalten. Schaue nicht nur auf die Zusammensetzung des Kraftfutters, sondern lasse regelmäßig auch das Raufutter hinsichtlich des Zuckergehalts überprüfen. Es geht um die Gesamtmenge an Zucker, die dein Pferd täglich aufnimmt.
Aber weißt du ganz genau, was du deinem Pferd täglich fütterst? Und wie viel von welchem Futter? Um deinem Pferd ein ausgewogenes, bedarfsgerechtes Verhältnis von Struktur- und Nicht-Struktur-Kohlenhydraten anbieten zu können, ist es wichtig, die genauen Mengen an Raufutter und Kraftfutter mit den jeweiligen Inhaltsstoffen zu kennen. Der tatsächliche Bedarf deines Pferdes ist von vielen Faktoren, wie Alter, Rasse, Haltungsform und Leistung abhängig. Du benötigst Unterstützung bei der Bedarfsermittlung für dein Pferd? Die Pavo Fütterungsberatung hilft dir gern weiter. Gerade bei zu dicken Pferden oder Pferden mit Stoffwechselproblemen sollte die Fütterung mit zuckerreichen Futtersorten drastisch reduziert werden.
Getreide: Hafer, Gerste und Mais
Getreide enthält, je nach Sorte aber auch je nach Witterung im Erntejahr unterschiedliche Zuckergehalte: Hafer 1,73% im Durchschnitt, Mais 3,10% und Wintergerste 6,8%. Verglichen mit Heu, welches im Schnitt 11,5% Zucker hat, ist es verhältnismäßig wenig. Jedoch kommt beim Getreide auch der relativ hohe Gehalt an Stärke dazu. Die Stärke kann auch in Zucker umgewandelt werden und für einen Anstieg des Insulinspiegels sorgen.
Gras
Frisches Gras ist sehr zuckerhaltig und reich an Zuckerverbindungen, deren Aufnahme insulinabhängig ist. Mit 1 kg frischem Gras nimmt dein Pferd etwa 16 bis 20 g Zucker auf. Dies entspricht einer Menge von 3-6 Zuckerwürfeln. Bekommt dein Pferd einen ganztägigen Weidegang, nimmt es in dieser Zeit ca. 40 kg Gras auf, was ungefähr einer Menge von ca. 1 kg reinem Zucker entspricht. Allerdings kann die Zuckermenge, die dein Pferd durch das Gras aufnimmt, je nach Jahreszeit, Tageszeit und Außentemperatur variieren. Ein weiterer Faktor, der beim Gras berücksichtigt werden muss, ist sein Fruktangehalt. Fruktan gehört zu den langkettigen Kohlenhydraten und steht der Pflanze als kurzzeitiger Energiespeicher zur Verfügung. Der Gehalt in den Pflanzen ist in erster Linie von den Temperaturen, dem Pflanzenwachstum sowie den Lichtverhältnissen abhängig. Auch zu große Fruktanmengen gelangen unverdaut vom Dünndarm in den Dickdarm und können den empfindlichen Verdauungstrakt deines Pferdes durcheinanderbringen. Langfristig kann dies sogar zu gesundheitlichen Folgen wie Hufrehe führen. Achte daher immer auch auf die Außentemperaturen und die Tageszeit, wenn du den Weidegang deines Pferdes planst. Auch typische Hochleistungsgräser, wie sie für Kuhwiesen verwendet werden, sind für die Pferdefütterung ungeeignet. Verwende für deine Pferdeweide bevorzugt spezielle Grassamen für Pferde. Verwende für deine Pferdeweide bevorzugt spezielle Grassamen für Pferde.
Heu
Heu und auch überständiges Gras enthalten weniger Zuckerverbindungen als Frischgras. Aber auch im Heu ist Zucker enthalten. Ein Zuckergehalt von 10% im Heu ist keine Seltenheit und ist vor allem auch von der Grassorte abhängig. Pferde benötigen durchschnittlich 1,5-2,0 % ihres Körpergewichts an Raufutter (Trockenmasse). So benötigt ein 600 kg schweres, normalgewichtiges Pferd rund 9-12 kg Raufutter am Tag, damit es mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt ist.
Probleme bei Zuckerüberschuss im Pferdefutter
Obwohl Einfachzucker im Dünndarm schnell verdaut werden können, ist es doch möglich, dass die Ration zu hohe Anteile an Einfach- und Mehrfachucker enthält. In diesem Fall reicht die Zeit im Dünndarm meist nicht aus, um den Zucker komplett zu verdauen. Der unverdaute Teil gelangt dann in den Dickdarm und kann dort nicht mehr richtig aufgenommen werden. Dies kann den Organismus aus dem Gleichgewicht bringen. Die Dickdarm-Bakterienflora ist nicht auf die Verarbeitung großer Zuckermengen ausgerichtet, so dass es zur Übersäuerung im Dickdarm kommt. Das saure Milieu verursacht ein Absterben der Bakterienkultur. Die giftigen Bestandteile der abgestorbenen Bakterien gelangen über die Darmwand in den Blutkreislauf, was gesundheitliche Probleme für dein Pferd zur Folge haben kann.
Ein nicht bedarfsgerechter, zu hoher Anteil an Zucker oder Stärke kann auf längere Sicht daher zu folgenden Problemen führen:
Kotwasser, Durchfall und Koliken
Zu viel Zucker im Dickdarm stört die Darmflora. Auch eine zu schnelle Futterumstellung kann das bakterielle Gleichgewicht stören, wenn die Darmflora nicht ausreichend Zeit bekommt, sich auf neue Futterzusammensetzungen einzustellen. In beiden Fällen arbeitet der Dickdarm dann weniger effizient, so dass es zu Kotwasser, Durchfällen oder sogar zu Koliken wie z.B. einer Gaskolik kommen kann.
Übergewicht
Ein klassisches Symptom von zu viel Zucker ist Übergewicht. Zucker stellt eine große Energiequelle dar, selten werden unsere Freizeitpferde aber ausreichend bewegt. Der Zucker setzt schnell an und macht dein Pferd dick. Ein paar wenige Kilos sind erstmal kein Weltuntergang: Mit einer Haltungs- sowie Fütterungsanpassung und einem ausgewogenen Training unterstützt du dein Pferd, die Kilos schnell wieder abspecken. Triffst du aber keine Maßnahmen, wenn dein Pferd zu dick ist, kann Übergewicht Stoffwechselkrankheiten wie z.B. EMS, Diabetes oder Hufrehe auslösen.
EMS (Equine Metabolisches Syndrom)
Als Folge von starkem Übergewicht wird bei Pferden immer häufiger das Equine Metabolische Syndrom festgestellt. Auch eine langfristig zu hohe Aufnahme an Zucker kann Übergewicht hervorrufen, den Stoffwechsel des Pferdes durcheinanderbringen und EMS auslösen. EMS ist eine schwerwiegende Stoffwechselerkrankung, die häufig mit großem Symptomkomplex auftritt: Hufrehe, Diabetes sowie unnatürlich starke Fettablagerungen an z.B. dem Mähnenkamm oder über den Augen sind typisch für EMS.
Diabetes (Insulinresistenz)
Zucker wird im Dünndarm verdaut. Der Einfachzucker Glucose kann die Darmschranke passieren und so vom Blut aufgenommen werden. Über die Blutbahnen gelangt die Glucose in die unterschiedlichsten Zellen, um dort Energie zu liefern. Das Signal, welche Zellen Glucose benötigen, wird über das Hormon Insulin gegeben, welches vom Körper in entsprechenden Mengen produziert wird. Ist viel Glucose im Blut, produziert der Körper auch viel Insulin.
Bei einer ausgewogenen und gesunden Zuckeraufnahme entstehen keine Probleme. Ist der Blutzuckerspiegel jedoch durch eine große und regelmäßige Zuckeraufnahme kontinuierlich besonders hoch, wird dauerhaft viel Insulin in der Bauchspeicheldrüse produziert, so dass der gesamte Stoffwechsel überbelastet wird. Als Folge dieser übermäßigen Insulinproduktion sind die Zellen nicht mehr sensibel auf den Botenstoff Insulin, so dass die Glucose nicht mehr erkennen kann, welche Zellen Energie benötigen. Die Folge ist ein immer höherer Blutzuckerwert mit immer höheren Insulinausschüttungen. Dies führt langfristig zu einer Diabetes. Diabetes bei Pferden sollte unbedingt von einem Tierarzt untersucht und behandelt werden.
Hufrehe
Bei einer Hufrehe entsteht eine starke Entzündung in der Verbindungsschicht zwischen Hornkapsel und Hufbein. Für ein Pferd ist Hufrehe besonders schmerzhaft und sollte auf jeden Fall vom Tierarzt untersucht und behandelt werden. Die Auslöser von Hufreheschüben sind vielfältig und bis heute noch nicht vollständig erforscht. Klar ist jedoch, dass Hufrehe in den meisten Fällen auf eine Stoffwechselentgleisung, z.B. durch übermäßige Fruktanaufnahme oder durch Erkrankungen wie EMS, Insulinresistenz oder PPID (Cushing) zurückzuführen ist.
PPID (Equines Cushing Syndrom)
PPID, auch bekannt als Equines Cushing Syndrom, bezeichnet eine Hormonstörung, die besonders bei älteren Pferden ab den 15. Lebensjahr auftritt. Bei Cushing funktioniert die Hirnanhangsdrüse nicht mehr richtig und sie gibt zu viele Hormone in den Organismus ab. Das hormonelle Ungleichgewicht stört viele Prozesse im Pferdekörper wie z.B. den gesunden Fellwechsel sowie die Abwehrkräfte. Die Ursachenforschung von Cushing steht noch am Anfang, allerdings gehen einige Tiermediziner davon aus, dass eine zuckerhaltige Fütterung bei älteren Pferden die Hormonstörung auslösen, bzw. verschlimmern kann.
5 Tipps für ein ausgewogenes Zuckerverhältnis
Raufutter ist die Futtergrundlage
Generell sollte das Futter für alle Pferde, aber vor allem für zu dicke Pferde, in erster Linie auf Raufutter basieren. Achte beim Heu darauf, dass es spät geschnitten wurde (1. Schnitt), strohig im Griff ist und viele Blütenstände enthält. Das grob stengelige Heu hat in der Regel einen niedrigen Zuckergehalt. Wenn du dir unsicher bist, wie viel Zucker in deinem Raufutter enthalten ist, kannst du auch einen Raufutter-Schnelltest durchführen.
Passe den Weidegang deines Pferdes an
Der Zuckergehalt im jungen Gras ist oftmals erhöht. Wenn dein Pferd auf der Wiese zu viel frisches Gras frisst und somit zu Übergewicht neigt, bietet sich ein begrenzter Weidegang in „Portionen“ an. Du kannst auch über die Nutzung eines Maulkorbs nachdenken, um die Aufnahmemengen von zuckerhaltigem Gras zu reduzieren. Gib deinem Pferd vor dem Weidegang noch eine Portion Raufutter. Hierdurch geht es schon gut gesättigt auf die Weide und frisst das Gras weniger gierig.
Beurteile die Kraftfutterzufuhr deines PferdesSorge für eine bedarfsgerechte Fütterung von Kraftfutter und verzichte auf eine große Kraftfutterzufuhr, wenn dein Pferd diese zusätzliche Energie nicht benötigt. Sollte dein Pferd neben Raufutter und Mineralfutter doch zusätzliche Energie durch Kraftfutter benötigen, greife hier bevorzugt zu zuckerärmeren Futtersorten. Auch zu Beginn der Weidesaison empfiehlt es sich, die aktuelle Kraftfuttermenge einmal kritisch zu hinterfragen und sie direkt an den Weidegang anzupassen. Viele Pferde nehmen durch das nährstoffreiche Gras bereits viel Energie auf, weswegen sie während der Weidesaison deutlich weniger Kraftfutter benötigen.
Biete Leckerlis nur in Maßen an
Leckerlis wie frisches Obst oder spezielle Pferdeleckerlis sind oft zuckerhaltig und sollten daher nur in geringen Mengen gefüttert werden. Wenn dein Pferd weniger Zucker aufnehmen soll, dann verzichte lieber auf zuckerhaltige Leckerlis oder biete in Maßen gesunde, zuckerarme Leckerlis als schmackhafte Belohnung an.
Bewege dein Pferd regelmäßig
Halte dein Pferd außerdem auf „Trab“, um den Kohlenhydratstoffwechsel anzuregen und bei deinem Pferd ein gesundes Idealgewicht beibehalten zu können. Schon 30 Minuten stramm traben täglich können helfen, den Zuckerstoffwechsel ordentlich in Schwung zu bringen.
Faustregel: Vermeide ein Überangebot von energiereicher Ernährung und sorge stets dafür, dass das Futterangebot an die Grundbedürfnisse deines Pferdes angepasst wird.
Pavo Produkte mit niedrigem Zuckergehalt:
Pavo FibreNuggets
Die Heucobs können als hochwertiger Raufutterersatz eingesetzt werden. Die kräuterreichen Weidegrasbrocken fördern die Kau- und Speichelbildung des Pferdes. Der Zuckergehalt beträgt 7,8%. FibreNuggets sind reich an Ballaststoffen, natürlichen Vitaminen und Spurenelementen. Dieser Heuersatz ist melasse- und getreidefrei und ist somit nicht nur für Pferde geeignet, die Probleme mit der Raufutteraufnahme haben, sondern auch für zuckerempfindliche Pferde.
Pavo Speedibeet
Das sind Zuckerrübenschnitzel mit kurzer Einweichzeit. Zuckerrüben als Futtersorte mit wenig Zucker? Klingt verrückt, oder? Pavo SpeediBeet besteht allerdings aus entzuckerten Zuckerrübenschnitzel ohne Zusatzstoffe, also auch ohne Melasse. Es enthält nur 5% Zucker und viele gesunde Ballaststoffe wie Pektin. Es sorgt für eine langsam freiwerdende Energie und einen optimalen Feuchtigkeitsvorrat im Verdauungstrakt des Pferdes. Somit ist es ideal geeignet für Pferde und Ponys mit Konditionsrückständen oder einem schlechten Gebiss, die so wenig wie möglich an Zucker aufnehmen sollen.
Pavo FibreBeet
Diese Zuckerrübenschnitzel sind zusätzlich mit Eiweißen aus Luzerne und Soja angereichert. Ideal für zuckerempfindliche Pferde, die extra Energie und Proteine benötigen. Genau wie SpeediBeet besteht FibreBeet aus entzuckerten Zuckerrübenschnitzeln. Es enthält nur 5% Zucker.
Pavo Care4Life
Dieses vollwertige, strukturreiche Kräutermüsli ist mit 11 verschiedenen Kräutern angereichert und enthält einen sehr niedrigen Zucker- und Stärkegehalt. Außerdem enthält es kein Getreide oder Getreideerzeugnisse und ist melasse- und haferfrei. Pavo Care4Life ist geeignet für Pferde, die Probleme mit dem Kohlenhydrat-Stoffwechsel haben oder getreidefrei ernährt werden müssen. Selbst geringe Mengen versorgen dein Pferd mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Durch die grobe Struktur wird dein Pferd zum Kauen angeregt. So sorgt das Müsli für eine ausgiebige Fresszeit.
Pavo InShape
Pavo InShape ist ein vollständig vitaminisiertes Müsli mit natürlichen Antioxidantien. Das Müsli wurde im Rahmen des Pavo InShape Programms speziell für übergewichtige Pferde und Ponys entwickelt. Das Müsli unterstützt als wichtige Fütterungskomponente dein Pferd beim gesunden und verantwortungsvollen Abnehmen. Pavo InShape ist getreidefrei und hat einen sehr niedrigen Zuckergehalt von nur 4%.
Pavo Nature's Best
Pavo Nature's Best ist vollwertiges Müsli und eine ideale Ergänzung für Pferde, denen Gras und/oder Heu als Energiequelle nicht ausreichen. Es enthält pro Tagesration alle wichtigen Vitamin- und Mineralstoffe bei einem geringen Getreidegehalt ohne Hafer. Der Gehalt an Zucker ist mit 2% geringer als bei vielen anderen Müslisorten.
Pavo Vital
Pavo Vital ist ein ausgewogenes Mineralfutter für Pferde und Ponys, die neben ihrem Raufutter kein oder nur wenig Kraftfutter erhalten. Mit einer schmackhaften, gesunden & natürlichen Basis aus Timotheegras und Luzerne. Pavo Vital ist getreide- und melassefrei.
Für eine optimale Verfügbarkeit gehen wir mit Pavo einen neuen Weg und nutzen IntelliBond® Spurenelemente. Das patentierte Verfahren macht die hochkonzentrierten Spurenelemente geschmacksneutral, da sie sich nicht vorzeitig durch den Speichel auflösen. Dadurch werden die Intellibond® Spurenelemente gut von Pferden aufgenommen und optimal verdaut.
Pavo DailyFit
Die getreidefreien Briketts sind ein tägliches Ergänzungsfutter mit Vitaminen und Mineralstoffen zu einer Futterration mit ausreichend Raufutter und keinem bis wenig Kraftfutter. Dank der verbesserten Rezeptur ist Pavo DailyFit nun noch zuckerärmer. Ein DailyFit Brikett enthält 7,5% Zucker.
Pavo Healthy Treats
Viele Reiter greifen auf Pferdeleckerlis zurück, wenn sie ihren Pferden auch mal zwischendurch etwas Gutes tun wollen. Die meisten Pferdeleckerlis sind für Pferde sehr lecker, enthalten aber auch viel Zucker. Daher haben wir unsere Pavo Healthy Treats entwickelt: gesunde und schmackhafte Leckerlis ohne künstliche Zusatzstoffe und Getreide. Der Zuckergehalt ist sehr niedrig, sodass du dein Pferd zwischendurch mit einem leckeren Leckerli belohnen kannst. Die Healthy Treats eignen sich auch optimal für Pferde mit Stoffwechselproblemen oder Übergewicht. Unsere gesunden Pferdeleckerlis kannst du in den Geschmacksrichtungen Apfel, Karotte, Brennnessel, Leinsamen und rote Beete kaufen.
Bist du dir noch nicht ganz sicher, welche Futtermittel mit wenig Zucker du deinem Pferd anbieten möchtest? Unsere Pavo Futterberatung hilft dir gern weiter und kann dich ganz individuell beraten!
Fütterung und Gesundheit
Zucker und Stärke als Auslöser von Hufrehe bei Pferden
Für viele Pferdeliebhaber gehört die Hufrehe zur Albtraum-Diagnose. Die schmerzhafte Erkrankung des Hufes betrifft in den letzten Jahren immer mehr Pferde. Und nicht nur unsere Tiere leiden unter der Entzündung – auch wir Reiter fühlen mit und wollen unserem Pferd natürlich etwas Gutes tun. Daher ist es wichtig, die Rehe schnell zu erkennen, sie optimal zu behandeln und bereits im Vorfeld das Risiko mit einer sorgfältigen Vorbeugung einzudämmen.
Was ist Hufrehe?
Eine Hufrehe ist eine Erkrankung der Verbindungsschicht zwischen Hornkapsel und Hufbein, also des Hufbeinträgers. Es entsteht eine starke Entzündung der Huflederhaut, die anschwillt und die Blutzirkulation im Huf stört. Die starke Schwellung in der Hornkapsel kann sich im Pferdehuf nicht ausbreiten und es entsteht ein hoher Druck im Huf. Dies führt zu einem starken Druckschmerz, der dein Pferd sehr belastet.
Schreitet die Entzündung weiter fort, wird der Huf durch die eingeschränkte Blutzirkulation nicht mehr mit den benötigten Nährstoffen versorgt. Der Hufbeinträger kann sich lockern. Ohne Behandlung führt diese schmerzhafte Entzündung zum Absenken des Hufbeines und letztendlich zum sogenannten „Ausschuhen“. Beim Ausschuhen erleidet das Pferd einen vollständigen Verlust der Hornkapsel.
Ursachen von Hufrehe bei Pferden
Warum ein Pferd an Hufrehe erkrankt, ist noch nicht vollständig erforscht und die Ursachen können vielfältig sein. Tiermediziner gehen davon aus, dass eine Hufrehe in vielen Fällen bei falschen Fütterungsbedingungen entsteht. Auch als Begleiterscheinung von Erkrankungen wie Diabetes oder weiteren Stoffwechselstörungen (z.B. Cushing und EMS), Belastungen und starkem Stress oder Vergiftungen kann eine Hufrehe entstehen.
Fütterungsbedingte Hufrehe
Bei einer fütterungsbedingten Hufrehe sind die Auslöser die Zuckerarten Fruktan und/oder Stärke – und nicht wie früher angenommen das Eiweiß. Eine ständige Überbelastung mit Zucker und Stärke in der Fütterung, welche den individuellen Bedarf des Pferdes übersteigt, kann somit erhebliche Konsequenzen haben.
Welche Rolle spielen Zucker und Stärke bei Hufrehe in der Fütterung?
„Hauptverursacher der fütterungsbedingten Rehe ist nach neuesten Erkenntnissen der Mehrfachzucker Fruktan, der im Gras gebildet wird“, erläutert Futterexperte Vincent Hinnen, Mitglied des Pavo Grooming Teams, ein Service-Team aus Experten, die Pferdebesitzern bei Pavo mit kostenlosem Rat zur Seite stehen. Er stützt sich auf Forschungen des australischen Professors Christopher Pollitt.
Der Mehrfachzucker Fruktan, ein sogenanntes Polysaccharid, entsteht durch die Photosynthese – einen Stoffwechselprozess in den Gräsern. Er dient der Pflanze als kurzfristiger Energiezwischenspeicher: produziert die Pflanze überschüssige Energie, die kurzfristig nicht für das Pflanzenwachstum eingesetzt werden kann, wird diese in Form von Fruktan in der Pflanze zwischengelagert.
„Der Zusammenhang zwischen Hufrehe und Eiweiß ist fälschlicherweise hergestellt worden, weil die Krankheit vor allem im Frühjahr auftrat, eine Periode, in der das Gras wächst und viel Eiweiß enthält“, stellt Tierarzt Dr. Jürgen Bartz klar. Der Autor verschiedener Fachbücher ist ebenfalls Mitglied des Pavo Grooming Teams.
Die Folgen eines Fruktanüberschusses beim Pferd
Die Schwankungsbreite des Fruktangehaltes im Gras ist erheblich: Bei kühlem, sonnigen Wetter liegt der Wert bis zu 200 x höher als an warmen, wolkenverhangenen Tagen oder Regentagen. Vincent Hinnen warnt: „Die höchsten Fruktankonzentrationen sind bei sonnigem, frostigem Wetter zu erwarten, wenn die Temperaturen nachts unter 5 Grad Celsius gefallen sind, wenn die Wiesen nicht mit speziellem Pferdedünger gedüngt werden oder wenn es extrem trocken ist.
Eiweiß hingegen sei, auch wenn es saisonbedingt viel aufgenommen wird, kein echtes Problem. Tierarzt Dr. Bartz: „Mit einer zeitlich begrenzten Überversorgung kommt das Pferd zurecht. Sie schadet nicht, wenn das Pferd allmählich angeweidet und an die zeitlich begrenzte Spitze gewöhnt wird.“ Problematisch sei etwas Anderes, betont Vincent Hinnen: „Die Darmflora im Dickdarm kann große Fruktanmengen nicht verarbeiten.“ Tierarzt Dr. Bartz warnt zusätzlich: „Die energiehaltigen Bestandteile in großen Rationen von stärke- und zuckerhaltigem Kraftfutter, insbesondere bei reiner Gerste und Mais, können im Magen und vorderen Dünndarm nicht komplett in ihre Bestandteile zerlegt werden. Sie gelangen teilweise unvollständig verdaut in den Dickdarm.“
Den weiteren Prozess erläutert Vincent Hinnen in einfachen Worten: „Die teilweise oder nicht verdaute Masse wird in den Dickdarm geschleust, wo rohfaser- und kohlenhydratverdauende Bakterien leben. Durch das Überangebot an Kohlenhydraten vermehren sich diese Bakterien explosionsartig und scheiden als Nebenprodukt Milchsäure aus. Dies verändert den pH-Wert von 7 neutral auf bis zu 6 in den sauren Bereich. Das hat ein Massensterben der rohfaser- und kohlenhydratverdauenden Bakterien zur Folge. Durch das Absterben entstehen Giftstoffe, sogenannte Endotoxine. Gleichzeitig schädigen die sauren Bedingungen die Darmwand. Die Toxine sowie die Milchsäure gelangen in die Blutbahn. Die Folge: der gesamte Organismus wird langsam übersäuert.“
Diese Systematik bedingt zudem die weiteren Vorgänge im Huf: eine akute Huflederhautentzündung entsteht, die dann die häufig irreversible und schmerzhafte Hufbeinsenkung und -rotation auslösen kann. Mit anderen Worten: Hufrehe kann die Folge eines permanenten Zucker- und Stärkeüberschusses sein.
Wann ist die Gefahr einer Hufrehe durch einen Fruktan-Überschuss am höchsten?
Wie viel Energie in der Pflanze zwischengelagert wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Intensität der Sonneneinstrahlung, Wärme, Tageszeit und Pflanzenart: Sonne mit Wärme bedeuten Pflanzenwachstum und wenig verbleibendes Fruktan im Gras. Sonne und Kälte bewirken eine hohe Photosynthese-Rate, dennoch wächst die Pflanze nicht oder wenig – überschüssige Energie wird in Form von Fruktan (90%) und Stärke gespeichert.
Rehe-Faktoren / Rehegefahr
Wetterbedingung
Pflanzenwachstum
Sinkende Rehegefahr
Feucht-warmes Wetter mit bedecktem Himmel
Wenig Energieproduktion bei erhöhtem Wachstum und Abbau des Fruktanspeichers
Geringe Rehegefahr
Warmes, trockenes Wetter mit bedecktem Himmel
Wenig Energieproduktion bei geringem Wachstum
Mittlere Rehegefahr
Warmes, trockenes Wetter mit Sonnenschein
Leicht erhöhte Energieproduktion und Fruktanspeicherung bei geringem Wachstum
Hohe Rehegefahr
Kaltes oder frostiges, trockenes Wetter mit bedecktem Himmel
Erhöhte Fruktanspeicherung ohne Wachstum
Sehr hohe Rehegefahr
Kaltes oder frostiges Wetter mit Sonnenschein
Sehr hohe Energieproduktion und sehr hohe Fruktanspeicherung ohne Wachstum
Weitere Ursachen von Hufrehe bei Pferden
Einige Studien zeigten, dass Pferde mit Diabetes – also Pferde, die an einer Insulinresistenz leiden – ein erhöhtes Risiko auf die Entstehung einer Hufrehe haben. Bei einer Insulinresistenz wird der aufgenommene Zucker, trotz einer stark erhöhten Insulinproduktion, nicht in den Zellen eingelagert. Der andauernd hohe Insulinspiegel kann dann eine Hufrehe auslösen.
Zu dicke Pferde, die z.B. unter dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) leiden, sowie Pferde mit dem Equinen Cushing Syndrom haben oft Diabetes als Begleiterscheinung. Diese beiden Erkrankungen gehen daher nicht selten aufgrund der Insulinresistenz und der Freisetzung von entzündungsfördernden Stoffen aus dem Fettgewebe mit Hufrehe einher. Die Hufrehe wird somit letztendlich auch hier durch eine nicht an die Insulinresistenz angepasste Fütterung verursacht.
Bekannt ist auch die sogenannte Belastungsrehe. Ständiges Stehen auf hartem Boden und viel Stress können dein Pferd sehr stark beanspruchen. Kommt noch eine Verletzung am Bein oder Huf hinzu, kann das Risiko einer Hufrehe steigen. Wenn dein Pferd seine Hufe nicht mehr optimal entlasten kann, entsteht Druck im gesamten Hufmechanismus und weniger Blut wird durch die Gefäße des Hufes geleitet. Die bekannte Unterversorgung tritt auf und eine Hufrehe entsteht. Eine Belastungsrehe ist nicht durch die Fütterung beeinflussbar.
Eine Vergiftungsrehe entsteht häufig durch giftige Pflanzen wie Eibe oder Bergahorn, aber auch Schimmelpilzen im Futtermittel bringen den Organismus des Pferdes stark durcheinander. Wie bei der futterbedingten Rehe übersäuert der Organismus des Pferdes und beeinflusst die Entstehung einer Entzündung im Pferdehuf.
Symptome und erste Hilfe Maßnahmen bei Hufrehe
Oft beginnt die Hufrehe mit ersten, leichten Symptomen die für dich vielleicht nicht ganz so eindeutig sind. Wenn du dein Pferd aber genau beobachtest, kannst du Anzeichen für eine Rehe schnell erkennen.
Typische Symptome bei Hufrehe:
Der Gang deines Pferdes wird „fühlig“ und es entlastet wegen den starken Schmerzen seine Zehenspitze und belastet überwiegend die Trachten.
Die Haltung deines Pferdes verändert sich leicht. Durch den Versuch der Entlastung steht ein betroffenes Pferd oft etwas nach hinten gelehnt.
Erste Lahmheiten sind sichtbar. Rehepferde setzen jeden Huf sehr zögernd und vorsichtig mit den Trachten auf. Auch Wendungen sind bei Pferden mit akuter Hufrehe kaum möglich.
Die Hufe sind besonders an der Hufkapsel und der Hufkrone sehr warm.
Häufig ist eine starke Pulsation in Höhe des Fesselkopfes spürbar.
Rehepferde haben oft auch eine (leicht) erhöhte Körpertemperatur oder sogar Fieber aufgrund des Entzündungsprozesses in den Hufen.
Bei einer Hufzangenprobe zeigt dein Pferd deutliche Schmerzreaktionen.
Schreitet die Hufrehe fort und wird chronisch, entstehen Querrillen und weiße Linien auf den Hufen.
Die Form der Hufe kann sich im Laufe der Hufrehe verändern: in der Zehenwand entsteht ein Knick.
Ein Reheschub verursacht enorme Schmerzen bei deinem Pferd. Verständige daher umgehend deinen Tierarzt, wenn du die genannten Symptome erkennst.
Weitere erste Hilfe Maßnahmen bei Hufrehe:
Nachdem du deinen Tierarzt verständigt hast, steht die Unterstützung und Schmerzlinderung deines Pferdes an erster Stelle.
Kühle die Hufe und Beine deines Pferdes. Dies wirkt für dein Pferd sehr erleichternd und lindert außerdem die Schmerzen. Wenn du keinen Schlauch mit fließend kaltem Wasser zur Verfügung hast oder dein Pferd die Hufe nicht im Eimer stehen lässt, kannst du alternativ auch einen Hufverband anlegen und diesen stetig mit kaltem Wasser aufgießen.
Bewege dein Pferd nicht unnötig – jeder Auftritt des Hufes ist sehr schmerzhaft. Auch nach einem Reheschub sollte das Pferd erst bei vollständiger Lahmfreiheit bewegt werden. Sprich dich hier am besten mit deinem Tierarzt ab und beginne mit Schrittspaziergängen als erste Bewegungseinheit.
Bewege dein Pferd nicht unnötig – jeder Huf-Auftritt ist sehr schmerzhaft.
Sorge für einen besonders weichen Untergrund und für eine dick eingestreute Box.
Sollte dein Pferd liegen, treibe es nicht panisch auf. Es möchte vermutlich nur kurz seine schmerzenden Hufe entlasten. Geduldige dich hier bis zur Ankunft deines Tierarztes.
Sobald dein Tierarzt eingetroffen ist, wird er dein Pferd anhand der gezeigten Symptome untersuchen. Ist der Status der Hufrehe nicht ganz sicher oder möchte dein Tierarzt feststellen, wie weit die Hufrehe bereits fortgeschritten ist, wird er eine Röntgenuntersuchung durchführen.
Ist die Diagnose erfolgt, wird dein Tierarzt dir die optimale Behandlung vorstellen. In der Regel wird Hufrehe beim Pferd über orthopädische Maßnahmen behandelt. Es ist auch möglich, dass ein Teil des Hufs abgeraspelt wird. Das ist nichts Schlimmes für dein Pferd, sondern hilft dabei, den Huf zu entlasten. Gipsverbände und Hufschuhe können zum Einsatz kommen. In vielen Fällen werden auch schmerzstillende und durchblutungsfördernde Medikamente eingesetzt.
Wurde die Hufrehe schnell erkannt, kannst du oft schon nach wenigen Tagen mit einer Besserung rechnen. Sobald die Lahmheit verschwindet und sich das Hufbein nicht verlagert, gilt die Hufrehe als geheilt.
Bei einer weit fortgeschrittenen Hufrehe kann die Behandlung auch mehr als ein Jahr Zeit in Anspruch nehmen. Weitere Komplikationen wie Knochenentzündungen können entstehen und dein Pferd stark belasten. Daher sollte es essentiell sein, die Hufrehe schnell zu erkennen und fachgemäß von deinem Tierarzt behandeln zu lassen.
5 Tipps zur Fütterung bei reheanfälligen Pferden
Du kannst dein reheanfälliges Pferd mit den folgenden Tipps optimal unterstützen.
Lasse dein rehegefährdete Pferde an frostigen und zudem sonnigen Tagen nicht direkt morgens auf die Weide. Bei diesem Wetter und zu dieser Tageszeit sind die höchsten Fruktankonzentrationen zu erwarten.
Stelle rehegefährdete Pferde nicht direkt und zu lang auf frisch abgemähte Wiesen. Da in den kurzen Grashalmen Fruktan in wesentlich höheren Konzentrationen gespeichert wird als in den Blättern, nehmen grasende Pferde auf einer frisch abgemähten Weide unter Umständen wesentlich mehr Fruktan auf. Andererseits kann das Pferd bei geringerem Wuchs weniger Gras aufnehmen, was die Rehegefahr senkt. Bevorzuge daher für dein Pferd eher eine gut gepflegte Weide mit entsprechend hohem Blattanteil. Dies erreichst du auch, indem du zum Einsäen oder Nachsäen ausschließlich Grassamen speziell für Pferdeweiden verwendest.
Begrenze gerade bei rehegefährdeten Pferden die Weidezeit. Stelle deinem Rehepferd aber dennoch ausreichend zucker- und stärkearmes Raufutter zur Verfügung. Solltest du nicht genügend Raufutter zur Verfügung haben, kannst du den Bedarf deinen Pferdes auch mit Raufutterersatzprodukten, decken. Die Pavo FibreNuggets Hard Raufuttersnacks sind zudem ideal zur Verlängerung der Fresszeiten sowie zur zusätzlichen Beschäftigung geeignet. Die lange Kautätigkeit erhöht zum einen die Zufriedenheit deines Pferdes und sorgt zum anderen für eine gute Verdauung.
Passe rechtzeitig zur Weidesaison die Fütterung deines Pferdes an, um einen Zucker- und Stärkeüberschuss zu vermeiden.
Sollte dein Pferd neben Gras und Raufutter zusätzlich ein Kraftfutter benötigen, greife hier bevorzugt zu zucker- und stärkearmen Futtersorten, wie z.B. das Kräutermüsli Pavo Care4Life, das Pavo EasyMix Müsli oder das Allroundmüsli Pavo Nature´s Best. Auch Pavo SpeediBeet und Pavo FibreBeet sind ideal zur Fütterung von hufreheanfälligen Pferden und Ponys, denn die Rübenschnitzel enthalten keine Stärke und nur sehr wenig Zucker. Dennoch ist der Energiewert mit dem von Getreide vergleichbar. Benötigt dein Pferd neben seiner zucker- und stärkearmen Diät zusätzliches Eiweiß zum Muskelaufbau, eignen sich auch faserreiche Raufuttermischungen mit einem erhöhten Eiweißgehalt. Als vollwertige Ergänzungen von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen eignen sich bei einer kraftfutter-reduzierten Fütterung Pavo DailyFit oder Pavo Vital.
Vorbeugende Maßnahmen bei hufrehegefährdeten Pferden
Eine optimale Vorbeugung ist essentiell, damit dein Pferd erst gar nicht an Hufrehe erkrankt. Mit den folgenden Tipps kannst du das Risiko einer Rehe senken:
Ist dein Pferd zu dick, sollte es dringend abspecken. Benötigst du dabei Hilfe? Dann empfehlen wir dir das Pavo InShape Abnehmprogramm. Im umfangreichen Abnehmprogramm geben wir dir wertvolle Tipps, wie du über die Haltung, die Fütterung sowie mit einem optimalen Trainingsplan dein Pferd bei einer verantwortungsvollen Gewichtsabnahme unterstützen kannst.
Der Energiebedarf deines Pferdes sollte in erster Linie über qualitativ hochwertiges Raufutter (Heu) abgedeckt werden. Bei vielen Pferden ist eine zusätzliche Fütterung mit Kraftfutter oft nicht erforderlich. Wenn du dennoch Kraftfutter füttern möchtest, biete deinem Pferd stärke- und zuckerarme Futtermittel wie Pavo InShape Müsli oder das Kräutermüsli Care4Life an. Achtung: der Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen muss bei reiner Raufütterung und bei geringer Kraftfuttergabe unbedingt ergänzt werden. Hierzu eignen sich z.B. Pavo DailyFit (kein-wenig Kraftfutter) oder Pavo Vital (wenig Kraftfutter).
Verzichte auf „Leckerchen“ wie gezuckerte „Pferde-Bonbons“ oder zu viel Obst und Möhren. Möchtest du dein Pferd dennoch ab und zu belohnen, biete ausschließlich gesunde und zuckerarme Leckerlis in Maßen an.
Verzichte auf eine stärkehaltige Getreidefütterung (z.B. auf Hafer, Gerste oder Mais).
Sollte dein Pferd besonders „fühlig“ sein, bevorzuge beim Reiten weiche Untergründe. Eventuell bietet sich auch die Nutzung von Hufschuhen bei Ausritten ins Gelände an – oder es kann sogar ein Hufbeschlag erforderlich sein. Sorge grundsätzlich in der Box und im Paddock für nachgebende, weiche Untergründe.
Die Rehegefahr besteht generell über das ganze Jahr hinweg, schwankt aber entsprechend der Witterung. Zwar sind die Prognosen bei einer frühzeitigen Diagnose und entsprechender Behandlung vielversprechend, aber Hufrehe ist immer sehr schmerzhaft für dein Pferd. Mit einer ganzjährigen bedarfsgerechten Fütterung und Haltung sowohl von gesunden als auch rehegefährdeten Pferden, kann der Entstehung einer Hufrehe sehr gut vorgebeugt werden.
Fütterung und Gesundheit
Getreidefreie Pferdefütterung
In freier Natur ernähren sich Pferde hauptsächlich von Kräutern, Gras, Moos und auch gerne mal von schmackhaftem Fallobst, um ihren täglichen Bedarf an Energie und Nährstoffen zu decken. Energie- und stärkehaltiges Getreide steht eher selten auf ihrem Speiseplan für eine natürliche und ausgewogene Ernährung. Auch der Verdauungstrakt des Pferdes ist eher nicht auf das Verarbeiten großer Mengen Getreide ausgelegt. Zudem benötigen unsere Freizeitpferde meist keine zusätzliche Energie in Form von Getreide, da ihr Bedarf oft bereits über eine getreidefreie (Raufutter-)Fütterung gedeckt werden kann. Wieso ist Getreide also so gängig in der Pferdefütterung und wann solltest du doch besser darauf verzichten?
Was genau ist Getreide?
Als Getreide definiert man Pflanzenarten, deren Früchte als Körner bezeichnet werden. Die gängigsten Getreidesorten in der Pferdefütterung sind Hafer, Gerste und Mais. Aber auch Dinkel wird in der heutigen Zeit gerne gefüttert. Eine besondere Form von Getreide, die auch in der Pferdefütterung Verwendung findet, ist die Weizenkleie. Diese wird häufig im Mash verwendet und sorgt unter anderem für eine schleimige Konsistenz, die bei Pferden sehr beliebt ist und auch einen gesunden Magen-Darmtrakt unterstützt.
Getreide zeichnet sich besonders durch seinen hohen Gehalt an schnell verfügbarer Energie in Form von Stärke aus. Daher wird die Anwendung von Getreide in der Pferdefütterung auch auf die Zeit zurückgeführt, in denen Pferde noch hart auf Feldern gearbeitet und Pflüge gezogen haben. Dementsprechend benötigten sie natürlich auch eine große Menge an schnell verfügbarer Energie, welche sie durch stärkehaltiges Getreide bekamen.
Futterart
Frische Karotten**
Heu*
Deutsches Weidegras
Hafer**
Wintergerste*
Mais*
Stärkegehalt in %
0,38%
1,76%
ca. 4,0%
39,07%
53,00%
62,18%
Quellen: *Supplemente für die Tierernährung (2014), **Equine Applied an Clinical Nutrition (2013)
In der Tabelle wird der Unterschied im Stärkegehalt zwischen getreidehaltigen Futtersorten und der natürlichen Fütterungskomponente „Gras“ sehr deutlich. Da Pferde in freier Wildbahn sich hauptsächlich von stärkearmen Gras ernähren, ist auch der natürliche Magen-Darmprozess des Pferdes auf das Verdauen faserreicher Futtermittel ausgelegt. Stärkehaltige Körner können Pferde hingegen nur begrenzt verdauen und sollten daher nicht in großen Mengen gefüttert werden. Mit knapp 40% Stärke ist Hafer das bekömmlichste Getreide für Pferde.
Die Vorteile einer getreidefreien Pferdefütterung
Die Vorteile einer getreidefreien Pferdefütterung sind besonders für empfindliche Pferde vielfältig:
1. Du fütterst dein Pferd auf eine natürliche und artgerechte Weise
Eine getreidefreie Fütterung liegt in der Natur des Pferdes. Bleibt die Fütterung so naturbelassen wie möglich, ist es auch wahrscheinlicher, dass du den Bedürfnissen deines Pferdes besser gerecht werden kannst. Die meisten Pferde können ihren Bedarf an Energie, Mineralstoffen und Vitaminen bereits durch ausreichend hochwertiges Raufutter und ein gutes Mineralfutter decken. Welche individuellen Bedürfnisse dein Pferd hat, hängt allerdings immer von seinem Energiebedarf ab. Dein Pferd wird gar nicht oder nur leicht gearbeitet und hat somit einen eher niedrigen Energiebedarf? Dann profitiert dein Pferd höchstwahrscheinlich von einer getreidefreien Fütterung.
2. Du verringerst die Zufuhr an Zucker & Stärke
Getreide liefert schnell verfügbare Energie aus Stärke. Wintergerste beispielsweise hat einen Stärkegehalt von 53% und einen Zuckergehalt von ca. 7%. Verzichtest du auf getreidehaltige Komponenten in der Pferdefütterung, reduzierst du auch die Zufuhr an Zucker und Stärke erheblich. Dies schont vor allem den Verdauungstrakt und den Organismus empfindlicher Pferde und Ponys. Auch zu dicke Pferde profitieren von einer getreidefreien Fütterung, da ihnen keine überschüssige Energie zugeführt wird, welche für extra Kilos sorgen könnten. Benötigen diese Pferde dennoch zusätzlich ein Kraftfutter, empfehlen sich besonders getreidefreie Müslis oder Pellets.
3. Du verringerst den Energiewert in der Futterration
Kennst du den genauen Energiebedarf deines Pferdes? Viele Pferde, die im Freizeitbereich oder im Basissport aktiv sind, haben lediglich einen geringen Bedarf an zusätzlicher Energie. Dieser kann häufig bereits durch ausreichend Raufutter und, falls nötig, einem energiearmen Kraftfutter gedeckt werden. Fütterst du deinem Pferd ein Futter mit einem zu hohem Energiewert, begünstigt dies die Entstehung von Übergewicht und lässt dein Pferd im Training zusätzlich unnötig hitzig werden. Einer der größten Energielieferanten im Pferdefutter ist Getreide. Verzichtest du auf Getreide in der Futterration, reduzierst du so schon ganz einfach die Energiezufuhr für dein Pferd. Manche Pferdebesitzer beschreiben außerdem, dass ihr Pferd allein von Hafer energischer wird, andere Getreidesorten aber gut verträgt. Speziell für diese Pferde gibt es Pferdefuttersorten ohne Hafer, aber dafür mit einer anderen schmackhaften Getreidesorte, wie z.B. Dinkel, an. Reagiert dein Pferd jedoch sehr empfindlich auf Zucker und Stärke, ist es ratsam, sein Pferdefutter komplett getreidefrei zu halten.
4. Du schonst den Verdauungstrakt deines (empfindlichen) Pferdes
Der höhere Stärkegehalt von Getreide kann besonders empfindlichen Pferden und Ponys Probleme bei der Verdauung bereiten. Getreide wird im Idealfall im Magen und im vorderen Dünndarm des Pferdes verdaut. Die Verdauungskapazität von Stärke (Getreide) im Dünndarm ist beim Pferd allerdings sehr begrenzt. Wird diese Kapazität überschritten, gelangt das nicht vollständig verdaute Getreide vom Dünndarm in den Dickdarm. Dort bringt es dann das Gleichgewicht der Darmbakterien durcheinander, deren Aufgabe es eigentlich ist, die Fasern des Raufutters aufzuspalten. Wird dieser Prozess gestört, kann es beispielsweise zu Gaskoliken oder Durchfall kommen. Eine langfristige Störung dieses Verdauungsprozesses kann sogar Krankheiten wie fütterungsbedingte Hufrehe zur Folge haben. Verzichtest du auf Getreide in der Futterration deines empfindlichen Pferdes, verringerst du somit also nicht nur den Verdauungstrakt, sondern auch das Risiko auf sehr ernstzunehmende Krankheiten.
5. Du entlastest den Organismus deines (empfindlichen) Pferdes
Wird der Verdauungstrakt empfindlicher Pferde geschont, wird gleichzeitig auch der gesamte Organismus entlastet. Da der Verdauungstrakt bei Pferden sehr empfindlich ist, hat dieser einen großen Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden. Bei einer getreidefreien Fütterung kann sich beispielswiese der Dickdarm darauf konzentrieren, die Fasern des essentiellen Raufutters aufzuspalten und somit zu einer gesunden Verdauung und einem zufriedeneren Pferd beitragen.
Für welche Pferde ist eine getreidefreie Ernährung geeignet?
Eine getreidefreie Ernährung eignet sich in erster Linie besonders für stoffwechselerkrankte Pferde mit z.B. Cushing, EMS, Diabetes und Hufrehe. Auch Pferde mit Magen-Darm-Problemen, wie beispielsweise Magengeschwüren und Durchfall profitieren von einer getreidefreien Ernährung, da ihr empfindlicher Verdauungstrakt so nicht zusätzlich durch stärkehaltiges Getreide belastet wird. Außerdem gibt es Pferde, die allergisch auf Getreide oder einzelne Getreidekomponenten reagieren. Diese Pferde benötigen dann ebenfalls eine Ernährung bestehend aus getreidefreiem Pferdefutter, um allergischen Reaktionen vorzubeugen.
Neben Pferden, die krankheitsbedingt getreidefrei ernährt werden sollten, empfiehlt sich auch eine getreidearme Fütterung für zu dicke Pferde und leicht arbeitende Freizeitpferde. Sie brauchen meist keine zusätzliche Energie und sind bereits mit ausreichend Raufutter von guter Qualität und einem getreidefreien Mineralfutter optimal versorgt. So erhält dein Pferd genügend Energie für seinen Konditionserhalt und wird dank des getreidefreien Mineralfutters mit allen nötigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt. Sollte der Bedarf deines übergewichtigen Pferdes nicht durch Rau- und Mineralfutter gedeckt sein, benötigt es meist keine zusätzliche Energie, sondern eher eine Kraftfutterergänzung mit bestimmten Nährstoffen, wie z.B. essentiellen Aminosäuren für den Konditions- und Muskelerhalt. Als Zusatz zum Raufutter oder bei Futterneid eigenen sich auch getreidefreie Kraftfuttersorten, die besonders rohfaserhaltig sind. Diese fördern ebenfalls ausgiebiges Kauen und lange Fresszeiten. Dadurch ist dein Pferd trotz vergleichsweise kleinen Portionen lange mit seinem Futter beschäftigt. Außerdem unterstützt die erhöhte Speichelproduktion den Magen, da der vermehrte Speichelfluss den sauren Magensaft neutralisieren kann. Dies beugt beispielsweise der Entstehung von Magengeschwüren vor. Achte auch bei dicken Pferden auf einen sehr niedrigen Gehalt an Zucker und Stärke, sollte zusätzlich ein Kraftfutter nötig sein.
Benötigt dein Freizeitpferd zusätzlich zum Raufutter ein getreidefreies Kraftfutter?
Fütterungsbeispiel: Pferd mit niedrigem Energiebedarf in gutem Konditionszustand
Dein Freizeitpferd benötigt eigentlich nur Raufutter und eine Zugabe an Vitaminen und Mineralien, soll aber doch ein wenig Futter bekommen, um beispielsweise Futterneid zu vermeiden? Hier eignen sich getreidefreie und strukturreiche Müslis für dein Pferd, wie das Pavo Care4Life Kräutermüsli oder das Pavo EasyMix Müsli. Ein strukturreiches Futter sorgt dafür, dass dein Pferd lange mit dem Kauen seines Futters beschäftigt ist. Dies vermeidet nicht nur den Futterneid, sondern stärkt gleichzeitig auch die Magen-Darm-Gesundheit, da der erhöhte Speichelfluss den sauren Magensaft neutralisiert. So können Krankheiten, wie beispielsweise Magengeschwüren vorgebeugt werden. Die in dem getreidefreien Müsli enthaltenden Kräuter unterstützen zusätzlich das Immunsystem sowie das Wohlbefinden und sind außerdem sehr schmackhaft für dein Pferd. Alternativ kannst du deinem Pferd natürlich auch getreidefreie Pellets anbieten.
Produkttipp: Du möchtest dein Pferd dennoch hin und wieder mit einem warmen Leckerbissen verwöhnen? Dann ist unser GrainFreeMash mit wenig Kalorien genau das Richtige für deinen Feinschmecker. Dieses Mash ist nicht nur getreide- und melassefrei, sondern zudem auch noch energie-, zucker- und stärkearm. Der hohe Rohfaseranteil unterstützt außerdem eine gesunde Verdauung.
Fütterungsbeispiel: Zu dickes Freizeitpferd im Training
Dein Freizeitpferd soll abnehmen, aber gleichzeitig nicht an Muskelmasse verlieren? Ein getreidefreies Kraftfutter kann es hierbei unterstützen. Achte bei der Wahl des Futters darauf, dass du eine getreidefreie Futtersorte mit einem niedrigen Energie- aber hohen Eiweißgehalt wählst, wie das getreidefreie Müsli Pavo InShape. Durch die Versorgung mit essentiellen Aminosäuren kannst du sicherstellen, dass dein Pferd beim Training nicht an Muskelmasse, sondern an Fett verliert. Das kannst du in etwa damit vergleichen, dass wir Menschen einen Proteinshake trinken, wenn wir (plötzlich) anfangen mehr Sport zu treiben. Bei Einhaltung der Fütterungsempfehlung wird dein Pferd zusätzlich mit allen essentiellen Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen versorgt.
Getreidefrei und dennoch Energie zuführen – geht das?
Hast du das Gefühl, dass es deinem Pferd ohne Getreide an Kraft fehlt? Auch ohne Getreide kannst du deinem Pferd wertvolle Energie zuführen. Gib doch zum Kraftfutter beispielsweise 1x täglich noch einen Schuss hochwertiges, kaltgepresstes Pflanzenöl dazu:
Leinöl ist bekannt für seine positive Wirkung auf das Fell und die Verdauung. Daher wird Leinöl auch häufig während des Fellwechsels eingesetzt.
Reiskeimöl hat einen hohen Anteil an Gamma-Oryzonal und unterstützt somit den Stoffwechsel der Muskelbildung, weswegen es besonders gut für Sportpferde geeignet ist.
Hanföl wirkt unterstützend auf das Immunsystem und auf das Fell des Pferdes. Außerdem ist es reich an ungesättigten Fettsäuren und verfügt über ein sehr gutes Verhältnis an Omega-3 zu Omega-6 Fettsäuren.
Ahifloweröl enthält Omega-3 sowie Omega-6-Fettsäuren im idealen Fettsäureverhältnis (3:1) und unterstützen den allgemeinen Gesundheitszustand deines Pferdes. Zudem wirkt es positiv auf Haut und Fell, Mobilität und Gelenke, Atmung, Immunsystem und die (Muskel-)Regeneration.
Entscheidest du dich für einen Futterzusatz mit Öl, solltest du darauf achten, dass du auch dieses in Maßen verwendest, da auch eine übermäßige Zugabe an Öl, den Verdauungsprozess deines Pferdes stören kann.
Tipp: Getreidefreie Energie zufüttern und dabei auch noch die Fresszeit verlängern – geht das auch? Na klar! Wie wäre es z.B. mit eiweißreichen Raufutterprodukten auf Basis von Luzerne und Reiskleie mit einem Schuss Leinsamenöl? Diese sind zucker- und stärkearm und unterstützen magere, ältere und stoffwechselkrankte Pferde bei der Regeneration sowie dem Erhalt eines gesunden Konditionszustandes. Wenn du auf Luzerne in der Pferdefütterung verzichten möchtest, dann ist Pavo SeniorFibre eine gute Alternative. SeniorFibre ist ein getreide-, melasse- und luzernefreier Raufuttermix mit extra Eiweiß und besonders für (alte) Pferde mit eingeschränkter Zahnfunktion geeignet.
Für welche Pferde kann eine Fütterung mit Getreide dennoch sinnvoll sein?
Trotz allem ist eine Fütterung von Getreide sinnvoll für Pferde, die schnell verfügbare Energie benötigen und intensive sportliche Leistungen erbringen. Dies trifft natürlich besonders auf Sportpferde zu, die in den höheren Klassen aktiv sind. Auch bei Pferden, die mittel und schwer gearbeitet werden, ist eine Zugabe von Getreide sinnvoll, um den erhöhten Bedarf an Energie effizient zu decken. Besonders Hafer ist für hart arbeitende Pferde geeignet, da er für gesunde Pferde leicht verdaulich ist und ausreichend Energie liefert.
Manche Getreidesorten können dein Pferd außerdem in bestimmten Situationen unterstützen. Möchtest du beispielsweise die Verdauung fördern, eignet sich Mash mit Weizenkleie. Weizenkleie wirkt leicht abführend und wird daher gerne zur Vorbeugung von Koliken gefüttert. Zusätzlich enthält Weizenkleie viele Mineralstoffe und ist besonders reich an Phosphor und Magnesium. Als alleiniges Kraftfutter ist Weizenkleie jedoch nicht geeignet, da der hohe Phosphorgehalt schnell einen Phosphorüberschuss begünstigen kann. Ein Phosphorüberschuss wiederum fördert die Bildung von unangenehmen Darmsteinen bei deinem Pferd. Füttere daher nie mehr als 1 kg Weizenkleie pro Tag.
Zur Orientierung: Bei einem vollwertigem Mash liegt die Fütterungsempfehlung für ein 600 kg schweres Pferd bei ca. 1,2 kg Mash pro Tag. Beträgt der Gehalt an Weizenkleie nun 400-500 g, kannst du das Mash sogar täglich ganz unbedenklich füttern. Achte hierbei am besten immer zuerst auf die Fütterungsempfehlung des Herstellers.
Worauf du bei einer Fütterung mit Getreide achten solltest
Du kannst deinem Pferd unbedenklich eine bestimmte Menge an Getreide füttern, wenn dein Pferd die enthaltene Energie benötigt, gesund ist und nicht empfindlich auf Zucker und Stärke reagiert. Folgende Punkte sollten bei einer Fütterung mit Getreide jedoch nicht außer Acht gelassen werden:
Die Basis einer gesunden Fütterung bildet immer ein hochwertiges Raufutter in Kombination mit einem Mineralfutter – entweder als schmackhafte Pellets oder in Brikettform.
Füttere nur getreidehaltige Futtersorten, wenn tatsächlich Bedarf besteht.
Verteile das Kraftfutter auf mehrere kleine Portionen am Tag, um den Verdauungstrakt deines Pferdes zu schonen.
Achte bei einer reinen Getreidefütterung darauf, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zu ergänzen und für einen Phosphorausgleich zu sorgen.
Beachte immer zuerst die Fütterungsempfehlung des Herstellers.
In einer natürlichen Fütterung von Pferden kommt Getreide in der Regel nicht vor. Daher kommt eine rohfaserreiche, getreidefreie Fütterung dem Ursprung deines Pferdes am nächsten und ist auch am besten an sein Verdauungssystem angepasst. Ob dein Pferd dennoch neben Raufutter und Mineralfutter noch zusätzliche Energie, z.B. durch getreidehaltiges Kraftfutter oder reinen Hafer, benötigt, hängt vom individuellen Bedarf sowie seiner Beanspruchung ab. Dein Pferd benötigt eher eine langsam freiwerdende Energiequelle und muss getreidefrei ernährt werden? Auch hierfür gibt es passende Futtermittel oder Toppings. Du bist dir unsicher, ob für dein Pferd ein getreidehaltiges oder getreidefreies Kraftfutter besser geeignet ist?
Dann nimm Kontakt mit unserer Pavo Fütterungsberatung auf und lass dich ganz unverbindlich von unseren Experten beraten.
Fütterung und Gesundheit
Pferdefutter bei Zahnproblemen
Auch wenn du jeden Tag mit deinem Pferd genießt und es für dich wie ein „Geschenk“ ist, so nimm das Sprichwort „einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“ nicht wörtlich. Genauso wie die Hände des Menschen, so verraten auch die Zähne das ungefähre Alter des Pferdes. Außerdem sagen Pferdezähne viel über die Gesundheit deines Pferdes aus. Ein regelmäßiger Blick ins Maul ist also durchaus empfehlenswert. Dein Pferd nimmt mit den Zähnen nicht nur das Futter auf, sondern bereitet dies mit seinen gleichmäßigen Kaubewegungen sorgfältig für eine gesunde Verdauung vor. Ganz unterschiedliche Zahnprobleme sowie fehlende Zähne führen schnell zu Fütterungsproblemen – spezielles Pferdefutter ist dann gefragt.
Wie ist ein Pferdegebiss aufgebaut?
Ein gesundes und erwachsenes Pferd hat zwischen 36 und 44 Zähne im Maul, die sich im Ober- und Unterkiefer wie folgt gleichmäßig aufteilen:
12 Schneidezähne (Inzisivi)
12 vordere Backenzähne (Praemolare)
12 hintere Backenzähne (Molare)
Zwischen den Schneidezähnen und den Backenzähnen befindet sich eine große Lücke
0-4 Hengstzähne Die meisten Hengste und Wallache besitzen im Ober- und Unterkiefer je 2 Hengstzähne (Caninus). Diese sind manchmal sogar auch bei Stuten zu finden.
0-4 Wolfszähne
Wie funktioniert ein Pferdegebiss?
Der Pferdezahn hat im Alter von 6-8 Jahren seine volle Länge von bis zu 12 cm erreicht. Der Zahn wird beim Pferd im Laufe seines Lebens kontinuierlich abgerieben. Pro Jahr wird der Zahn beim Pferd um etwa 2-4 mm abgerieben und gleichzeitig aus dem Zahnfach nachgeschoben. Deswegen scheint der Zahn lebenslang zu „wachsen“. In Wirklichkeit wird allerdings durch das Herausschieben des Zahns die Wurzel entsprechend kürzer.
Pferde, die ein natürliches Fressverhalten aufweisen können, sind ca. 16 bis 18 Stunden mit Fressen und Kauen beschäftigt. Dabei werden hauptsächlich Gras oder Raufutter aufgenommen, welche mit einer vollständigen Kaubewegung über die gesamte Kaufläche hinweg gründlich zermahlt werden. Sowohl die Schneidezähne als auch die Backenzähne unterliegen so dem Prinzip von Abrieb und Nachschub. Das Gebiss wird gleichmäßig belastet und ist in Balance.
Wenn Pferdezähne beim Fressen Probleme machen
In vielen Fällen der Pferdehaltung ist das Zusammenspiel von Abrieb und Nachschub aus dem Gleichgewicht geraten. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Auch ein suboptimales Fütterungsmanagement kann einen ungleichmäßigen Zahnabrieb verursachen. Oftmals besteht die Fütterung nur aus 2-3 Mahlzeiten täglich und enthält zu wenig Raufutter bzw. Grünfutter. Die Folgen sind eine kurze Fresszeit durch Schlingen und lange Fresspausen. Hierdurch entfällt der lange, gründliche und kontinuierliche Kauprozess. Durch den verkürzten Kauschlag nutzen sich die Pferdezähne weniger, ungleichmäßiger und auch fehlerhaft ab. Es kommt zur Bildung scharfer Kanten und unregelmäßigen Oberflächen.
Wenn dein Pferd älter wird, verändern sich außerdem Form und Winkel der Schneidezähne. Zudem verschleißen die Backenzähne langsamer. Bis ins hohe Alter bleiben meistens nur noch die Wurzelreste übrig. Grobes, hartes und auch stark faserhaltiges Futter kann dann nur noch schlecht oder gar nicht mehr gekaut werden. Beim älteren Pferd kannst du auch regelmäßig beobachten, dass die Backenzähne locker sitzen und/oder größere Zahnlücken entstehen. Beides kann beim Fressen zusätzliche Probleme in den Kaubewegungen verursachen. Außerdem können sich in den Zahnlücken vergärende Futterreste ansammeln, was zu Zahnstein und Zahnfleischentzündungen führen kann.
Achte daher vor allem bei älteren Pferden besonders darauf, ob sie ihr Futter noch gut kauen und ausreichend verwerten können. Gerade Senioren haben nicht nur einen erhöhten Nährstoffbedarf, sondern leiden gleichzeitig auch häufig unter Zahnproblemen. Eine schlechte Futterverwertung kann dann schnell zu einem Mangel an Phosphor und Magnesium (Mineralstoffe), Zink und Selen (Spurenelemente) oder Vitamin B, K und C führen. Wie du alte Pferde richtig fütterst, erfährst du in unserem „Senioren-Ratgeber“.
Hinweise auf Zahnprobleme
Neben der ungleichmäßigen Abnutzung durch falsches Fütterungsmanagement können auch nicht perfekt aufeinanderpassende Zähne Störungen in der Kaubewegung verursachen und dadurch Probleme verursachen. Neben der Verletzungsgefahr durch scharfe Kanten, wird auch das Fressen für dein Pferd anstrengender und das Futter kann nur sehr schlecht oder gar nicht mehr verwertet werden. Manche Zahnprobleme können rechtzeitig erkannt und behoben werden, manche sind aufgrund des Alterungsprozesses unumgänglich und entsprechen dem Lauf der Zeit. In diesen Fällen ist eine spezielle Fütterung deines Pferdes erforderlich, um seine Gesundheit erhalten zu können.
Nicht immer zeigen Pferde, ob und wo sie unter Schmerzen leiden. Dies gilt auch bei Schmerzen im Maulbereich. Beim Fressen können diese Symptome daher auch Hinweise auf Zahnprobleme sein:
Unverdautes Futter im Kot
Bildung von Heuknäulen beim Fressen, die das Pferd beim Fressen wieder ausspuckt statt herunterzuschlucken
Futter fällt grundsätzlich regelmäßig wieder aus dem Maul
Sehr langsames und bedachtes Fressen
Scheinbare Appetitlosigkeit
Schlechter Geruch aus dem Maul
Verletzungen im Pferdemaul (Zunge und Backen)
Eitriger Ausfluss aus den Nüstern
Gewichtsverlust
Schon gewusst? Nicht nur die Futterverwertung, sondern auch die Rittigkeit deines Pferdes wird durch die Qualität der Zähne beeinflusst. So können beispielsweise unerwünschte Verhaltensweisen wie gegen das Gebiss gehen, sich nicht stellen/biegen lassen oder Kopfschlagen Hinweise auf Schmerzen an den Zähnen, am Zahnfleisch, der Zunge oder der Backenschleimhaut sein.
Eine regelmäßige Zahnpflege bei Pferden ist wichtig
Lasse die Zähne deines Pferdes 1 bis 2x jährlich von einem Pferdezahnarzt oder einer Fachperson für Pferdezahnbehandlung kontrollieren. Hierdurch können Veränderungen am Gebiss und Verschlechterungen der Schneide- und Kauflächen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Auch kleine Korrekturen sind schnell gemacht und erleichtern das Fressen. So kann langfristigen Zahnproblemen vorgebeugt und die Verdauung optimal gefördert werden. Bei häufigen Kontroll-Versäumnissen können kleine Abweichungen über die Jahre zu großen Problemen heranwachsen, bis hin zu einer Störung des Kauprozesses und Verletzungen an den Weichteilen im Pferdemaul. Auch Zahnerkrankungen können nur bei regelmäßigen Kontrollen rechtzeitig erkannt und ihre Auswirkungen eingedämmt werden.
3 spezifische Zahnprobleme bei Pferden
Zahnprobleme bei Pferden sind vielfältig und treten in ganz unterschiedlichen Formen auf. Oft lassen sich kleinere Probleme, verursacht durch falsches Fütterungsmanagement oder Fehlstellungen, ganz einfach durch eine regelmäßige, jährliche pferdezahnärztliche Kontrolle beheben. Hierdurch kannst du schwerwiegende Folgen vermeiden. Es gibt jedoch auch beim Pferd Zahnerkrankungen, von denen 3 besonders häufig auftreten:
1. Karies
Auch Pferde können Karies bekommen, leiden daran aber nicht so häufig wie wir Menschen. Durch verschiedene Faktoren kommt es auf der Zahnoberfläche zu einer Demineralisierung, so dass ein oft dunkelbraunes bis schwarzes Loch auf der Zahnoberfläche entsteht. Je stärker Karies sich ausbreitet, desto schmerzhafter wird diese Zahnerkrankung, da sie auch das empfindliche Zahnbein angreifen kann.
Ursachen
Karies bei Pferden entsteht, wenn der Zahnschmelz durch Säurebildung angegriffen wird. Dies geschieht durch Bakterien, die Zucker und Kohlenhydrate aus dem Futter in Säure verstoffwechseln. Zu viel Zucker und Kohlenhydrate im Futter sorgen für eine erhöhte Säureproduktion, wodurch das Karies-Risiko steigt. Darüber hinaus kann eine fehlerhafte Mineralstoffversorgung eine Karieserkrankung begünstigen. Die Mineralstoffe Calcium, Phosphor, Magnesium sowie die Spurenelemente Zink, Kupfer und Mangan sind für die Zähne essentiell.
Symptome
Kleine Löcher durch Karies schmerzen nicht. Größere Entzündungen können jedoch starke Schmerzen auslösen und zu einer Zahninfektion mit Eiterbildung führen.
Behandlung
Leichte Karieserkrankungen und kleine Löcher sind tragbar und beeinträchtigen dein Pferd nicht. Du kannst darüber nachdenken, den Zahn in einem frühen Stadium durch einen Tierarzt behandeln zu lassen. Dieser wird den betroffenen Zahn aufbohren und versiegeln. Breitet sich der Karies aus, muss der betroffene Zahn möglicherweise gezogen werden.
Vorbeugung
Verzichte auf stark zuckerhaltiges sowie kohlenhydratreiches Futter und füttere süße Leckerlis nur in Maßen. Mineralfuttermittel unterstützen die Mineralisierung der Zähne.
2. Parodontitis
Eine Entzündung des gesamten Zahnapparates wird als Parodontitis bezeichnet. Der Zahn bleibt dabei intakt. Aber das Gewebe um den Zahn ist erkrankt. Es kommt zu Zahnfleischentzündungen und zur Lockerung der Zähne, da das Zahnfleisch seine gesunde Kraft verliert. Schwerwiegende Parodontosen breiten sich auf den gesamten Kieferknochen des Pferdes aus und können zu Zahnverlust führen.
Ursachen
Eine Parodontitis wird von Bakterien ausgelöst, die über eine sogenannte Futtereinspeisung in den Mundraum geraten. Kleine Futterpartikel bleiben in den Zahnzwischenräumen hängen, fangen an zu gären und bieten einen Nährboden für Bakterien. Als Folge entsteht die Entzündung.
Symptome
Leichte Parodontosen werden häufig nur von einem Tierarzt nach einer gründlichen Untersuchung des Mundraumes entdeckt, da dein Pferd selten spezifische Symptome zeigt und normal fressen kann. Bei schwerwiegender Parodontitis tritt Gewichtsverlust und Mundgeruch auf. Auch Zahnfleischblutungen häufen sich im Laufe der Erkrankung.
Behandlung
Die Zahnzwischenräume werden als erstes von deinem Pferdezahnarzt gereinigt, sodass die Bakterienherde sich nicht weiter im Pferdemaul ausbreiten können. Die Entzündungen werden darüber hinaus mit speziellen Medikamenten gelindert. Es kann passieren, dass einige Zähne gezogen werden müssen, da sie im Zahnfleisch keinen Halt mehr haben.
Vorbeugung
Eine Fütterung von eingeweichtem Heu oder Heucobs verringert das Risiko, dass sich das Futter in den Zahnzwischenräumen einlagert und gärt. Regelmäßige Zahnbehandlungen und Zahnreinigungen können Parodontitis bei Pferden vorbeugen.
3. EOTRH
EOTRH steht für „Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis“ und bezeichnet eine sehr schmerzhafte Entzündung des Zahnapparates und Zahnfleisches der Schneide- und Hakenzähne. Die Erkrankung ist mit Parodontitis vergleichbar. Allerdings ist EOTRH oft schmerzvoller und kann in schwerwiegenden Fällen dazu führen, dass sich die Zahnhartsubstanz vollkommen auflöst und sich das Zahnfleisch stark zurückbildet. Vermehrt sind Pferde ab dem 15. Lebensjahr von dieser Erkrankung betroffen.
Ursachen
EOTRH ist noch eine recht neuartige Erkrankung. Die Ursachenforschung ist im vollem Gange, aber die genauen Ursachen sind weiterhin ungeklärt. Es wird die These aufgestellt, dass die Knochenhärte ein auslösender Faktor sein soll. Lange und harte Zähne drücken den Kiefer stark zusammen und lösen so die Entzündung aus. Besonders Robustpferderassen wie Islandpferde besitzen eine starke Knochenhärte und sind häufiger von EOTRH betroffen. Mechanischer Stress, z.B. durch unzureichend abgenutzte Schneidezähne, werden ebenso als mögliche Ursache gehandelt wie das Alter, eine genetische Veranlagung oder ein Calciummangel.
Symptome
EOTRH zeigt sich durch eine deutliche Zahnsteinbildung an den Schneidezähnen. Durch die Erkrankung zeigen sich bei deinem Pferd Probleme beim Fressen und ein starker Gewichtsverlust. Im Krankheitsverlauf weicht das Zahnfleisch zurück. Dadurch wirken die Zähne extrem lang und stehen in steilen Winkeln zueinander.
Behandlung
Eine genaue Untersuchung und Diagnose durch einen fachkundigen Tierarzt ist essentiell. EOTRH kann nicht vollständig geheilt werden. Aber durch das Entfernen des Zahnsteins und einer Medikamentenzugabe wird der Rückgang der Zahnhartsubstanz verlangsamt.
In einem späten Stadium der Krankheit kann es passieren, dass die Schneidezähne des Pferdes gezogen werden müssen. Für viele Pferdebesitzer ist dies ein erster Schock. Aber ohne die schmerzhaften Zähne wird es deinem Pferd deutlich besser gehen.
EOTRH ist noch recht unerforscht. Daher gibt es keine gezielten Therapiemaßnahmen.
Vorbeugung
Da die definitiven Auslöser von EOTRH bis heute nicht bekannt sind, können keine konkreten Tipps zur Vorbeugung gegeben werden. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen durch deinen Tierarzt und ein eventuelles Kürzen der Schneidezähne. Bei einer rechtzeitigen Erkennung von EOTRH können die Zähne länger erhalten bleiben.
Fütterung von Pferden mit Zahnproblemen
Gesunde Zähne sind das A und O für eine gute Futterverwertung. Sollten die Zähne deines Pferdes aufgrund von Problemen oder aber auch schlichtweg durch den Alterungsprozess in ihrer Funktionalität langfristig eingeschränkt sein, kannst du dein Pferd mit einer angepassten Fütterung sehr gut unterstützen. Hierdurch kann der gute Gesundheitszustand deines Pferdes beibehalten werden.
Leicht verdauliches Futter
Eine Hilfe für dein Pferd ist die Bereitstellung von leicht verdaulichem Futter. Expandierte Pellets und Müslisorten mit vielen gepufften Inhaltsstoffen sind aufgrund ihrer Verarbeitung leichter verdaulich. Enzyme und Mikroorganismen können bei der vergrößerten Oberfläche besser ansetzen und die aufgeschlossenen Nährstoffe schneller und einfacher aufnehmen. Die Gefahr einer Kolik ist aufgrund dieser Vorarbeit geringer als bei unbearbeitetem Futter.
Raufutter berücksichtigen
Pferde mit schlechten Zähnen und eingeschränkter Kaufunktion profitieren von einer Kombination aus schnell und langsam verdaulichen Ballaststoffen. Meistens enthält weniger grobes Heu beide Ballaststoffe. Je mehr Stängel das Heu aufweist, desto langsamer wird es verdaut. Für Pferde mit schlechten oder wenig Zähnen sind daher meist feines Heu, Heulage oder weiches Gras besser geeignet.
Wenn dein Pferd mit Zahnproblemen das Raufutter nicht mehr so gut aufnehmen kann, nutze einen hochwertigen Raufutterersatz, um seinen Gesamtbedarf decken zu können. Eine gute Empfehlung sind die entzuckerten Rübenschnitzel Pavo SpeediBeet und Pavo FibreBeet, denn diese sind randvoll mit gesunden Ballaststoffen. Beide Rübenschnitzelprodukte werden eingeweicht gefüttert und eignen sich daher hervorragend für Pferde mit Zahnproblemen.
Empfehlung: Zur Unterstützung der Zahngesundheit ist die Fütterung von trockenem Raufutter besser, da die Zähne durch die Kaubewegungen gleichmäßiger abgenutzt werden. Biete daher deinem Pferd auch immer (zusätzlich) normales Heu an, so lange es dieses noch fressen kann und möchte. Sollte dein Pferd kein Heu als Raufutter mehr fressen können, kannst du diese Fehlmenge durch eingeweichte Heucobs ersetzen.
Kraftfutter anpassen
Bei einem schlechten Gebiss kann dein Pferd auch normales Kraftfutter nicht mehr so gut fressen. Bei einem mangelnden Kau- und Zerkleinerungsprozess erhöht sich auch das Risiko auf eine Schlundverstopfung. Vor allem für ältere Pferde ist daher das Seniormüsli Pavo 18Plus eine gute Wahl. Die kleinen Pellets in Pavo 18Plus fallen beim Einweichen problemlos auseinander und können von deinem Pferd leicht aufgenommen werden. Verteile die täglichen Futterrationen auf so viele kleine Portionen wie möglich. Hierdurch wird der Verdauungstrakt nicht unnötig belastet und dein Pferd kann sein Futter optimal verwerten.
Empfehlung: Verrühre das 18Plus Müsli als Mash mit (warmem) Wasser im Verhältnis 1:1. Du kannst das Mash außerdem mit einem eingeweichten Raufutterersatzprodukt mischen und daraus einen schmackhaften, vollwertigen Raufaser-Booster für dein Pferd zaubern. Zum Mischen eignen sich z.B. Pavo SpeediBeet oder Pavo FibreBeet und/oder Pavo DailyPlus und/oder eingeweichte Pavo FibreNuggets. FibreNuggets Heucobs kannst du uneingeschränkt füttern, denn diese haben die gleiche Zusammensetzung wie hochwertiges Heu.
Fütterst du deinem Pferd neben einem Raufutterersatz kein mineralisiertes Kraftfutter oder weniger als die empfohlene Tagesmenge, dann ergänze die Ration zusätzlich mit einem Vitamin- und Mineralzusatz.
So kannst du sicherstellen, dass dein Pferd trotz Zahnprobleme mit allen Nährstoffen versorgt wird, die es braucht. Du möchtest mehr über Pferdefutter bei Zahnproblemen erfahren oder wünschst eine persönliche Beratung? Dann kontaktiere unsere Pavo Fütterungsberatung. Wir unterstützen dich gern bei der optimalen Futterzusammenstellung für dein Pferd.
Fütterung und Gesundheit
Hufpflege bei trockenen, brüchigen Hufen
Gerade in der Sommerzeit leidet die Hufqualität bei Pferden. Die Trockenheit entzieht den Hufen die Feuchtigkeit. Die sandigen, steinigen Böden führen außerdem dazu, dass die Hufe ausbrechen oder starke Risse entstehen. Bricht zu viel tragende Hornwand aus, müssen Pferde vermehrt auf der fühligeren Sohle laufen, was die Belastbarkeit deines Pferdes in diesem Fall einschränken kann. Eine gute Hufpflege ist daher sehr wichtig für dein Pferd.
Pferdehufe – echte Leistungsträger mit Verantwortung
Pferdehufe sind dazu gemacht, schwere Lasten zu tragen und selbst bei unterschiedlichen Bodenverhältnissen verschiedene Gangarten zu ermöglichen. Wenn der Huf erkrankt oder beschädigt ist, hat dies Auswirkungen auf den kompletten Bewegungsapparat des Pferdes. Das Gewicht des Pferdes kann nicht mehr gleichmäßig verteilt werden und so zieht ein erkrankter Huf weitere in Mittleidenschaft.
Der Zustand der Hufe beeinflusst selbst die Stellung der Beine. Bei einem schlechten oder ungleichmäßigen Hufwachstum kann das Bein eine falsche Stellung bekommen. Eine regelmäßige Kontrolle und Hufpflege sind daher eine Grundvoraussetzung und sollten im täglichen Umgang mit deinem Pferd berücksichtigt werden.
Gesunde Pferdehufe in Bewegung unterstützen auf natürliche Weise (Hufmechanismus) die Durchblutung. Die Bewegung ist außerdem sehr wichtig für die Entwicklung von gesunden Hufen und des Hufgelenks.
Tipps zur richtigen Hufpflege
Die tägliche Pflege ist für eine Gesunderhaltung der Hufe essentiell und sollte wenigstens die tägliche Kontrolle sowie das Auskratzen der Hufe beinhalten. Dies sind die 6 Tipps für eine gesunde Hufpflege:
1. Die Hufe regelmäßig durch einen Hufschmied kontrollieren lassen
Ob nun Hufeisen genutzt werden oder nicht, die regelmäßige Hufpflege ist essentiell. Sobald die Hufe zu lang werden oder aus der Form geraten, verändert sich auch der Stand der Beine, wie auch die Hufachse. Besonders für Sehnen und Gelenke ist diese Veränderung nicht gut.
Der Hufschmied bringt die Hufe in die korrekte Form und kontrolliert diese auf rote Flecken, Quetschungen und Geschwüre. Wie oft dein Pferd einen Hufschmied benötigt hängt von dem jeweiligen Pferd und Zustands der Hufe ab, wobei anzuraten ist alle 6-8 Wochen die Hufe kontrollieren zu lassen. Besonders bei jungen Pferden ist die regelmäßige Überprüfung der Hufe wichtig, um eine korrekte Stellung schon während der Wachstumsphase zu gewährleisten.
2. Täglich die Hufe auskratzen
Durch das Auskratzen der Hufe werden diese nicht nur sauber gehalten, sondern auch auf Unregelmäßigkeiten oder kleine Steine überprüft. Dabei ist es wichtig, dass kein zu starker Druck auf den Hufstrahl ausgeübt wird, um diesen nicht zu beschädigen. Die Hufe „auskratzen“ ist von der Begrifflichkeit daher eigentlich etwas zu hart ausgedrückt – die Hufe „räumen“ ist hier zutreffender.
3. Für einen sauberen und trockenen Stall sorgen
Ein dreckiger und feuchter Boden im Stall erhöht das Risiko auf die Entstehung von Strahlfäule und ist somit nicht förderlich für gesunde Hufe. Miste den Stall daher täglich aus und sorgen für ausreichend saubere Einstreu.
4. Nicht zu oft die Hufe einfetten
Viele Pferdebesitzer denken, dass das Einfetten der Hufe so ähnlich ist, wie regelmäßig eine Handcreme zu benutzen. Dies ist jedoch nicht der Fall. Gerade durch das Auftragen von Huffett wird verhindert, dass der Huf Feuchtigkeit aufnehmen kann. Hierdurch können die Hufe schnell austrocknen. Sollen die Hufe aus ästhetischen Gründen gefettet werden, z.B. für eine Prüfungssituation, ist es anzuraten, nur die Huf-Außenwand und nicht die Sohle einzufetten.
5. Hufe müssen ausreichend Feuchtigkeit aufnehmen
Hiermit ist nicht gemeint, dass dein Pferd den ganzen Tag in einem nassen Stall oder in einem Matsch-Paddock stehen soll. Aber Wasser ist grundsätzlich notwendig für die Hufe. Wenn dein Pferd ab und zu auf einer grasnassen Weide steht, so stärkt dies seine Hufe und macht sie glänzend. Besteht diese Möglichkeit nicht, ist es sinnvoll die Hufe regelmäßig zu wässern, z.B. nach dem Reiten.
6. Für ausreichende Bewegung sorgen
Bewegung – ohne Hufeisen – stimuliert den Hufmechanismus und somit das Herz- und Blutkreislaufsystem des Pferdes. Diese Durchblutungsförderung ist notwendig für den Transport von Nährstoffen, um auch den Huf gesund, elastisch und in einer optimalen Kondition zu erhalten. Steht dein Pferd auf Hufeisen? Denke einmal darüber nach, ob es wirklich notwendig ist. Einige Monate ohne Eisen ist sehr zu empfehlen, um die Stabilität der Hufe zu erhalten und den Hufmechanismus zu unterstützen.
Welche besondere Pflege brauchen trockene, brüchige Hufe?
Trockene, brüchige und spröde Hufe, auch Bröckelhufe genannt, können entweder durch sehr lang anhaltendes trockenes Wetter, unzureichende Fütterung oder einen nicht gut passenden oder alten Beschlag verursacht werden. Sind die Hufe zu trocken, entstehen Risse in der Hufwand, die Hufe brechen aus, Hufeisen halten schlecht und fallen leichter ab. Je tiefer der Riss im Huf deines Pferdes ist, desto problematischer sind die Folgen. Bei leichten und oberflächlichen Rissen hat das Pferd in der Regel keine Probleme, wohingegen es bei tieferen Rissen zu Schmerzen und Lahmheiten beim Pferd kommen kann.
Sei sparsam mit Huffett bei trockenen, brüchigen Hufen
Immer noch besteht der Irrglaube, dass trockene Hufe mit Fettprodukten mehr Elastizität erhalten und man meint es besonders gut beim Fetten der Hufe. Aber trockenen, brüchigen Hufen fehlt es nicht an Fett, sondern an Feuchtigkeit. Eine dicke Fettschicht aus Huffett oder Huföl verhindern somit eher, dass Feuchtigkeit in den Huf eindringen kann. Dadurch ergibt sich eine negative Spirale. Die Hufe sind trocken, es wird viel gefettet – der Huf wird noch trockener, noch mehr und häufiger wird Huffett verwendet…Durchbreche diesen Kreislauf.
Tipp, wenn du Huffett verwenden möchtest: Wässer vorab die Hufe deines Pferdes. Gebe auf die noch feuchten Hufe eine dünne Schicht Huffett oder Huföl. Die Feuchtigkeit kann so länger im Horn gespeichert werden und verdunstet nicht so schnell. Spare dabei dann die Hufsohle nicht aus, da über diesen Bereich des Hufes die Feuchtigkeit sonst verloren gehen kann. Verwende Huffett maximal ein bis zwei Mal die Woche, das ist absolut ausreichend.
Nutze Wasser zur Feuchtigkeitsversorgung von trockenen Hufen
Fehlende Feuchtigkeit im Hufhorn kann am besten mit reinem Wasser wieder ausgeglichen werden. Dadurch erlangt es seine Elastizität zurück und wird strapazierfähiger.
Um den Huf mit viel Wasser zu versorgen reicht es nicht, ihn nur kurz zu befeuchten. Mindestens 15 Minuten sollte der Huf „eingeweicht“ werden, um genügend Feuchtigkeit aufnehmen zu können. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Fußbad für Pferde: Geduldige Pferde können Sie mit den Hufen für ca. 15 Minuten in wassergefüllte Kübel stellen. Diese Methode verbraucht wesentlich weniger Wasser, als wenn du dein Pferd über Minuten mit Wasser abspritzt. Aber nicht jedes Pferd ist so geduldig. Hier ist das Motto „Übung macht den Meister“: auch wenn dein Pferd zu Anfang nicht wirklich begeistert sein wird und nicht ruhig im Eimer stehenbleiben möchte, so wird es mit viel Geduld und Übung mit der Zeit immer besser funktionieren. Also nicht gleich nach dem ersten Versuch das Handtuch werfen. Solltest du die Gelegenheit haben mit deinem Pferd in die Nähe eines Bachlaufs oder niedrigen Flusses zu kommen, dann kannst du auch versuchen, dort dein Pferd etwas im Wasser verweilen zu lassen.
Waterboots: Sollte dein Pferd kein Fan von Wasser sein und sich auch nur wenig für ein Fußbad begeistern lassen, dann können auch sogenannte Waterboots zum Befeuchten der Hufe eingesetzt werden. Die speziellen Hufglocken werden mit Wasser getränkt und um den Huf gelegt. Das Material speichert die Feuchtigkeit und gibt es dann langsam an den Huf ab. So kann zumindest die Hufwand mit Feuchtigkeit versorgt werden.
Windeln: Wer keine Waterboots kaufen möchte, kann auch Windeln verwenden. Ja, richtig! Ganz normale Wegwerfwindeln für Babys können mit Wasser getränkt denselben Effekt haben. Durch ihren Saugkern speichern Windeln das Wasser und geben dieses auch, wie Waterboots, an den Huf ab.
Anwendung der Windeln:
Lege die Windel in Wasser bis sich diese vollgesaugt hat.
Lege den Huf auf die Innenseite der feuchten Windel.
Umschließe den Huf mit der Windel und befestige diese z.B. mit Klebeband.
Dein Pferd sollte auch hier mind. 15 Minuten die Windeln anbehalten, damit ausreichend Feuchtigkeit vom Huf aufgenommen werden kann.
Fütterungsempfehlungen bei trockenen, brüchigen Hufe
Schlechte Hufe können auch durch einen Mangel oder einen erhöhten Bedarf an bestimmten Mineralstoffen und Vitaminen oder aber auch durch eine krankheitsbedingte Vorgeschichte, wie z.B. Hufrehe, entstehen. Zur Vorbeugung sowie Unterstützung kann es daher sinnvoll sein, den Mineral- und Vitaminhaushalt mit einem speziellen Zusatzfutter für bessere Hufe auszugleichen.
Biotin für starke Hufe
Das wasserlösliche Biotin zählt zu der Familie der B-Vitamine (Vitamin B7) und ist für die Hufe, das Fellkleid und die Haut des Pferdes unerlässlich. Ein ausgewachsenes Pferd von etwa 600 kg benötigt täglich rund 0,6 µg Biotin pro Tag. Darüber hinaus haben junge Pferde, die sich noch mitten im Wachstum befinden, einen hohen Bedarf an Biotin. Auch tragende Stuten haben einen fast 5-mal höheren Bedarf.
Das Vitamin wird über die tägliche Fütterung aufgenommen. Besonders im frischen Gras und Heu ist je nach Qualität genügend Biotin vorhanden. Ebenso sind Karotten ein großer Biotin-Lieferant. Sollte die tägliche Zufuhr von Biotin nicht ausreichen, empfiehlt sich eine unterstützende Zufütterung von Ergänzungsfuttermitteln mit Biotin.
In Kombination mit Zink und weiteren Nährstoffen wie Kupfer und essentiellen Aminosäuren wirkt sich Biotin positiv auf ein gesundes Hufwachstum aus. Es dauert jedoch bei regelmäßiger Fütterung gut 4 bis 6 Monate, bis eine Verbesserung der Hornqualität sichtbar wird. Da vor allem die trockenen Sommermonate für die Hufe sehr belastend sein können, ist es ratsam bei Pferden mit schlechten Hufen schon kurz nach dem Winter mit dem Zusatzfutter zu starten. Bei manchen Pferden ist auch eine ganzjährige Ergänzung erforderlich.
Zur Unterstützung der Bildung von neuem Hufhorn eignet sich Pavo BiotinForte. Die Qualität des Hufhorns wird sich hierdurch von innen heraus deutlich verbessern. Die Hufe werden elastischer und auch das Haarkleid erhält eine gesunde Ausstrahlung. Pavo BiotinForte enthält neben einer hohen Konzentration Biotin auch elementare Bausteine wie Aminosäuren, Lecithin, Kupfer, Zink und Schwefel. Es ist damit ein hochwertiges Ergänzungsfutter zur Hufversorgung.
Fütterung und Gesundheit
Gaskolik beim Pferd
Pferde haben einen sehr langen und empfindlichen Darm. Jegliche Veränderungen im Magen-Darm-Trakt können daher leicht zu Störungen, Aufgasungen und Blähungen führen. Tierärzte bezeichnen diesen Blähbauch als „Meteorismus“, welcher in zwei Arten unterschieden wird.
Primärer Meteorismus:
Wenn Pferde zu viel gasbildende Futtermittel fressen oder das Futter nicht ausreichend verdaut wurde, kann dies zu Aufgasungen im Blinddarm führen. Aber auch in anderen Darmabschnitten, wie dem Dickdarm oder Dünndarm, sowie bereits im Magen, kann es zur Gasbildung kommen. Das Gas kann über die Speiseröhre nicht entweichen, so dass dies über den Magen und den Dünndarm dann in den Blinddarm gelangt. Da auch der Blinddarm selbst Gas bildet, ist vor allem dieser Darmabschnitt besonders häufig bei einer Gaskolik betroffen. Futtermittel, die einen primären Meteorismus verursachen können:
Frisches Klee
Frisches und junges, rohfaserarmes Gras
Frisch gemähtes Gras oder junges Heu
Frisches Obst
Weiches Brot
Warum können gerade diese Futtermittel eine Gaskolik verursachen?
Diese Futtermittel haben einen hohen Feuchtigkeitsanteil, so dass sie den Dünndarm und den Dickdarm deutlich schneller passieren als trockenere rohfaserhaltigere Futtersorten. Des Weiteren sind sie reich an Zucker und Stärke, die durch die schnelle Magen-Darm-Passage nicht vollständig aufgespalten wurden. Dies führt zum einen dazu, dass darmeigene Bakterien vermehrt Gas bilden und zum anderen der unverdaute Futterbrei im Magen-Darm-Trakt zu gären beginnt, was ebenfalls zur Gasbildung führt.
Im Falle von „nicht ausreichend verdautem Futter“ ist das Problem oft das Pferd selbst: wenn es zu gierig frisst, wird das Futter nicht vollständig zerkaut und mit Speichel vorbehandelt. Auch schlucken diese Pferde zusätzlich Luft beim Fressen. Daher sind z.B. auch Pferde, die Koppen, besonders anfällig für Gaskoliken.
Sekundärer Meteorismus:
Dieser entsteht bei einer Darmverstopfung oder Darmverschlingung. Hierbei kann der Futterbrei dann nicht weiter transportiert werden, so dass er vor dem Engpass nach einiger Zeit anfängt zu gären.
Wie Du mit der Fütterung eine Gaskolik vermeiden kannst
Vor allem angepasste Fütterungs- und Haltungsbedingungen können der Entstehung einer Gaskolik vorbeugen. Die Verdauung der Pferde ist ein sensibles System, dessen Gleichgewicht sehr schnell gestört werden kann. Daher reagieren viele Pferde negativ auf eine zu schnelle Futterumstellung, zu viel frisches Gras, zu viele Äpfel, Birnen oder Leckerchen. Bei Pferden, die zu Blähungen neigen, gilt daher generell:
Nimm Dir genügend Zeit beim Anweiden. Beginne zunächst mit 20 Minuten pro Tag und verlängere nach und nach den Zeitraum, bis Du die gewünschte End-Weidezeit erreicht hast.
Stelle dein Pferd bevorzugt erst mittags auf die Weide. Der Zucker- bzw. Fruktangehalt im Gras ist dann geringer als noch in den kühleren Morgenstunden.
Gebe vor allem gierigen Pferden vor der Weidezeit etwas Raufutter, um das Hungergefühl zu reduzieren. Dann frisst dein Pferd auch das Gras langsamer, so dass die Verdauung nicht im Eilverfahren erfolgt.
Sollten Pferde dennoch zu viel Gras in zu kurzer Zeit aufnehmen, bietet es sich an, diese Pferde nur mit Maulkorb auf die Weide zu lassen.
Ideal wäre natürlich eine Portionsweide: entweder werden immer nur kleine neue Stücke freigegeben oder aber die Pferde kommen z.B. 2x täglich auf die Weide.
Passe die Kraftfuttermenge an den Weidegang deines Pferdes an. Hierzu kannst du auch unseren Ratgeber „Pferdefutter bei Weidegang anpassen“ lesen.
Solltest Du das Kraftfutter auf eine andere Futtersorte umstellen wollen, so führe auch diese Umstellung schrittweise durch.
Füttere Obst (Äpfel, Birnen) und Gemüse (Karotten, Rüben) nur in kleinen Mengen, also hin und wieder mal ein Stück zur Belohnung. Du solltest auf die tägliche Fütterung von zu viel Obst und Gemüse verzichten.
Wenn Obst als Dessert serviert wird, dann nutze nur Kernobst, wie Äpfel und Birnen und verzichte auf Steinobst (Kirschen, Pflaumen), da diese zu sehr gären.
Sollte deine Pferdeweide außerdem eine Obstwiese sein, dann solltest du sicher stellen, dass dein Pferd während der Obstsaison keinen Zugang zum Fallobst hat. Die Mengen, die dein Pferd sonst frisst, sind nicht abschätzbar.
Sei sparsam mit Leckerchen. Diese sind oft sehr eiweißreich, was die Verdauung zusätzlich belasten kann.
Füttere immer ausreichend Raufutter (Heu und Stroh), da dies die Verdauung anregt und somit einer lokalen Gasentwicklung vorgebeugt werden kann. Sollte dein Pferd Probleme bei der Raufutteraufnahme haben, kannst du einen Raufutterersatz füttern, wie z.B. Heucobs.
Verfüttere kein verdorbenes, verschmutztes oder verschimmeltes Futter. Dies kann im Darm auch gären und somit zu einer Gaskolik führen.
Sorge für ausreichend Bewegung für dein Pferd ohne es dabei ständig in eine Überlastung zu bringen. Bewegung ist wichtig, um eine gesunde Darmmotorik zu erhalten.
Kontrolliere regelmäßig die Tränken. Es ist wichtig, dass dein Pferd ausreichend Flüssigkeit bekommt, um eine sekundäre Gaskolik aufgrund von Verstopfung zu vermeiden.
Auch die regelmäßige Fütterung von einem Mash mit darmpflegenden Inhaltsstoffen kann helfen, die Verdauung auf „Trab“ zu halten.
Sollte dein Pferd dennoch an einer Gaskolik erkranken, solltest du unbedingt direkt deinen Tierarzt zu Rate ziehen.
Pferdefutter nach einer Kolik-Behandlung oder Kolik-OP:
Wenn Pferde eine schwere Gaskolik hinter sich haben oder vielleicht sogar operiert wurden, sind sie oft in einer eher schlechten körperlichen Verfassung. Gerade dann ist es wichtig, dem Pferd bedarfsgerecht beim Erholungsprozess zu unterstützen und es wieder aufzupäppeln.
Die Rationsgrundlage bei der Fütterung sollte gutes Heu bilden. Eine gute Raufutterversorgung sollte bei 1,5 - 2,0 kg Heu pro 100 kg Pferdegewicht liegen.
Grundsätzlich sollte sich die Kraftfuttermenge bei einem gesunden Pferd vorrangig nach dem aktuellen Arbeitspensum richten – so, wie es in den Standardwerken zur Pferdefütterung (z.B. Coenen / Meyer: Pferdefütterung, Verlag Parey) beschrieben und anhand dessen nachzurechnen ist. Wenn dein Pferd sich in einer schlechten körperlichen Verfassung befindet und während des Krankheitsverlaufs deutlich an Körpermasse verloren hat, kaanst du auf diese Menge ca. 20 bis 25% zulegen, um deinem Pferd mehr Energie anbieten zu können. Allerdings nur dann, wenn die Gesamtkraftfuttermenge dies noch zulässt und wenn die Portionen klein genug bleiben. Bei hohen Energieaufnahmen empfiehlt sich als Pferdefutter kein Getreide, sondern ein thermisch aufbereitetes Mischfutter, z.B. die expandierten Pellets von Pavo.
Tipp: Verwende als Energieträger kohlenhydratfreie Öle. Täglich bis zu 50 g Pflanzenöl je 100 kg Körpergewicht des Pferdes, verteilt auf 2 bis 3 Portionen, ergeben zusätzliche Energie. Dafür eignen sich normale Speiseöle.
Auch die Eiweiß- bzw. Aminosäurenzufuhr muss optimiert werden, wenn dein Pferd Körpermasse aufbauen soll. Spezielle Ergänzungsfuttermittel sind im Handel zu beziehen. Ein buntes, vielfältiges Aminosäurenmuster kann zudem durch eine Zufütterung von Bierhefe und Leinsamen sowie Luzerneheu erreicht werden. Du möchtest mehr über den Eiweißgehalt im Pferdefutter erfahren? Dann lese dazu unseren Ratgeber „Eiweiß im Pferdefutter“.
Bestimmte Kräuter haben eine ausgeprägt harmonisierende Wirkung auf Magen und Darm und sind daher bestens zur unterstützenden Nachbehandlung von Gaskoliken geeignet.
Kräuter-Tipp: Anis 50 g + Kamille, Melisse und Salbei je 100 g + Schafgarbe 200 g.
Gebe deinem Pferd täglich 50 g der Kräutermischung über das Futter – entweder als Kur oder dauerhaft.
Symptome und erste Hilfe Maßnahmen bei einer Gaskolik
Durch das Aufgasen werden bei einer Gaskolik die Darmwände überdehnt. Dies beeinträchtigt die Darmbewegungen und kann im schlimmsten Fall in einem Darmverschluss enden. Vor allem die Schmerzen können je nach Kolik-Stadium sehr stark werden. Erkenne daher frühzeitig die Symptome, so dass Du gemeinsam mit deinem Tierarzt schnellstmöglich mit der Behandlung beginnen könnt.
Symptome bei einer Gaskolik:
Bei einer leichten Blinddarmaufgasung: Der Bauch deines Pferdes ist leicht aufgegast und hart, es lässt viel Gas und wenig Kot ab. Dein Pferd wirkt verkrampft, abwesend und frisst wenig oder gar nicht.
Bei einer starken Aufgasung und wenn mehrere Darmabschnitte betroffen sind: Dein Pferd zeigt eindeutige Kolik Symptome, wie stark aufgegaster, harter und dicker Bauch, wenig bis keine Darmgeräusche, dein Pferd mag nicht aufstehen oder versucht sich die ganze Zeit zu wälzen, Stöhnen, eingeschränkte Atmung.
Bei starken Aufgasungen kann es sogar dazu kommen, dass dein Pferd rülpst. Ursachen für das Rülpsen können zu viel frisches Gras nach dem Weidegang oder zu große und zu zucker- und stärkereiche Kraftfutterrationen sein. Hierdurch kommt es zu Gärungen im Magen. Dabei entstehen Gas, die aufgrund des kleinen Pferdemagens nicht schnell genug in das Darmsystem weitergeleitet werden können. Stattdessen entweichen diese Gase durch den Magenmund und der Speiseröhre über das Maul. Für Pferde sind Rülpsen und ein schlechter Maulgeruch absolut unnatürlich. Dies sind deutliche Anzeichen für Magen-Darmprobleme, die unbedingt durch einen Tierarzt abgeklärt werden sollten. Neben fütterungsbedingten Aufgasungen können diese Symptome nämlich auch Anzeichen für Magenverstopfungen oder Magengeschwüre sein.
Erste Hilfe Maßnahmen bei einer Gaskolik:
Verständige umgehend deinen Tierarzt! Oberstes Ziel der Behandlung ist, das Gas sowie Futterreste schnellstmöglich aus dem Darm zu entfernen.
Dein Tierarzt wird im akuten Fall deinem Pferd Medikamente verabreichen. Hierbei handelt es sich in der Regel um Schmerzmittel und Medikamente, welche die Darmmotorik anregen oder entspannen.
In letzter Instanz können eine Blinddarmpunktion oder sogar eine Operation erforderlich sein.
Bewegung, zumindest bis zum Eintreffen deines Tierarztes, kann deinem Pferd helfen, Aufgasungen sowie leichte Verstopfungen zu lösen. Lass hier dein Pferd entscheiden, wie viel Bewegung aufgrund der Schmerzen möglich ist. Ideal ist das Führen am Strick oder an der Longe im Schritt. Trab ist den meisten Pferden unangenehm, da die Schwungbewegung für zusätzliche Schmerzen sorgt.
Auch ein kontrolliertes „Wälzen lassen“ kannst du in Betracht ziehen, denn ein entspanntes Wälzen kann dazu beitragen, dass die Gase besser abgelassen werden können. Wälzen bei einer Kolik muss daher nicht immer gleich eine Darmverschlingung bedeuten.
Prognose:
Werden sowohl die Gaskolik selbst als auch die Ursachen frühzeitig erkannt, ist die Prognose bei einer fütterungsbedingten Gaskolik sehr gut. Hier gilt es schnellstmöglich die Ursachen zu finden und diese langfristig zu beheben. Ist eine Aufgasung die Folge einer Verstopfung, so muss hier zunächst einmal die Ursache ermittelt werden. Sollte es sich in diesem Fall nicht um einen Fütterungs- oder Haltungsfehler, sondern um eine Erkrankung handeln, so richtet sich die Prognose nach dem Krankheitsbild.
Fütterung und Gesundheit
Pavo Raufutterprodukte im Überblick
Raufutter ist das natürlichste Futtermittel für Pferde. Es hält den Darm aktiv und fördert eine optimale Darmflora. Das Verdauungssystem des Pferdes ist so angelegt, dass es eigentlich kontinuierlich kleine Mengen Raufutter benötigt. Durch ständiges Kauen produziert das Pferd Speichel, der wiederum die Verdauung anregt. Bei Pferden, die wenig Raufutter oder zu große Mengen Kraftfutter in einer Mahlzeit bekommen, besteht ein großes Risiko, dass diese Pferde eine Kolik oder Magengeschwüre bekommen. Daher ist es wichtig, dass dein Pferd so viel wie möglich kauen kann. Und lange Kau- und Fresszeiten werden nun mal ausschließlich durch die Fütterung von Raufutter erzielt.
Was aber, wenn dein Pferd nicht ausreichend Raufutter aufnehmen kann? Es gibt verschiedene Gründe, warum die Raufutterration eher spärlich ausfallen könnte:
Dein Pferd hat Zahnprobleme und kann das Raufutter nicht mehr kauen.
Dein Pferd benötigt eine Zeit lang eine strukturarme Schonkost, z.B. nach einer Darm-OP.
Dein Pferd ist der Rangniedrigste in einer 24 Stunden Herdenhaltung und es gibt zu wenig Raufutterstellen.
Du hast nur Raufutter von mäßiger oder sogar schlechter Qualität.
Wodurch unterscheiden sich die Pavo Raufutterprodukte?
Pferde benötigen mindestens 1,5 % - 2,0 % ihres Körpergewichts an Raufutter (gemessen in Trockenmasse). Bei einem Trockenmassegehalt von 85 % benötigt demnach ein 600 kg schweres Pferd 12 - 14 kg Heu pro Tag, wenn es kein Gras bekommt. Das ist eine ganze Menge, die es zu ersetzen gilt, wenn diese Ration pro Tag nicht erreicht werden kann oder das natürliche Fressverhalten des Pferdes eingeschränkt ist.
Die Pavo Raufutterprodukte bieten dir eine gute Alternative für eine gesunde Raufutterfütterung deines Pferdes, wenn die bedarfsgerechte Tagesration mit „normalem“ Raufutter wie Heu, Gras und Stroh nicht erreicht werden kann.
Pavo FibreNuggets Hard
Die Pavo FibreNuggets Hard sind Graspellets, auch Heucobs genannt, die trocken gefüttert werden. Sie können als Ergänzung zum Raufutter, als Raufutterersatz oder als gesunden Snack verwendet werden. Sie werden sorgfältig aus einer aufgrund des hohen Rohfasergehalts ausgewählten Grasmischung hergestellt. Die Heucobs bestehen aus 100 % natürlichen Gräsern, darunter Timothygras, und sind frei von Getreide, Melasse und anderen (Zucker-)Zusätzen. Aufgrund des niedrigen Zucker- und Stärkegehalts eignet sich das Produkt auch für Pferde und Ponys, die empfindlich auf Zucker und Getreide reagieren. Die Pavo FibreNuggets Hard haben durch die kontrollierte Trocknung zudem eine sehr konsistente Qualität und sind darüber hinaus staubfrei.
Pavo FibreNuggets
Pavo FibreNuggets kann als hochwertiger Raufutterersatz eingesetzt werden. Die großen strukturreichen Heucobs aus 100 % Alpenweidegras fördern die Kau- und Speichelbildung deines Pferdes. FibreNuggets besteht aus einer Mischung von über 60 verschiedenen Gräsern und Kräutern. Es ist reich an Ballaststoffen, natürlichen Vitaminen und Spurenelementen. Die Heucobs sind zudem staub- und schimmelfrei. Hierdurch sind sie auch ideal für Pferde geeignet, die empfindlich auf Staub und/oder Schimmel reagieren. FibreNuggets können sowohl trocken als auch eingeweicht gefüttert werden. Sie sind eine ideale Raufutterergänzung für Pferde mit Zahnproblemen oder für Pferde in Erholungsphasen, z.B. nach einer Krankheit oder OP. Die Heucobs können entweder zusätzlich zum normalen Raufutter oder als (teilweiser) Ersatz von schlechtem Raufutter gefüttert werden.
Pavo SpeediBeet
Pavo SpeediBeet besteht aus entzuckerten Zuckerrübenschnitzelflocken mit kurzer Einweichzeit ohne Zusatzstoffe, also auch ohne Melasse. Es enthält keine Stärke und nur 5 % Zucker, aber dafür viele gesunde Ballaststoffe, wie z.B. Pektin. Pektin hat eine präbiotische Wirkung, d.h. diese Ballaststoffe unterstützen das Wachstum gesunder Bakterien im Darm. Durch seine Fasern ist SpeediBeet eine hervorragende Quelle langsam freiwerdender Energie. Pavo SpeediBeet darf nur eingeweicht gefüttert werden. Es ist besonders gut für Pferde und Ponys geeignet, die so wenig Zucker wie möglich aufnehmen dürfen, sowie bei Konditionsrückstand, Zahnproblemen oder für Pferde, die anfällig für Magen-Darmprobleme sind. Die raufaserreichen Rübenschnitzel werden als Zusatz oder als Ersatz zum normalen Kraftfutter gefüttert.
Pavo FibreBeet
Pavo FibreBeet ist ein Mix aus Pavo SpeediBeet (Rübenschnitzeln), Luzerne und leicht verdaulichen Rohfasern aus Sojaschoten. Es enthält nur 2 % Stärke und 5 % Zucker. Die hochwertigen Eiweiße aus der Luzerne machen FibreBeet zur idealen Raufutterergänzung für (dünne) Pferde mit Zahnproblemen und für (alte) Pferde, die extra Energie und Eiweiße benötigen. Dein Pferd wird so beim Konditionsaufbau unterstützt, ohne dass es davon hitzig wird. Die raufaser- und eiweißreichen Rübenschnitzel werden als Zusatz oder als Ersatz zum normalen Kraftfutter gefüttert.
Pavo WeightLift
Pavo WeightLift ist ein Mix aus Luzerne und Reiskleie und frei von Getreide, Melasse, Soja und Rübenschnitzeln. Es ist besonders reich an Rohfasern und Proteinen. Ein großer Vorteil von WeightLift ist, dass es sowohl trocken als auch eingeweicht gefüttert werden kann. Durch den hohen Gehalt an essentiellen Aminosäuren sowie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren wird dein Pferd mit allen wichtigen Nährstoffen für einen gesunden Konditionszustand und Muskelaufbau versorgt. Aufgrund des niedrigen Zuckergehalts ist Pavo WeightLift auch sehr gut für Pferde mit Stoffwechselerkrankungen geeignet.
Pavo SeniorFibre
Pavo SeniorFibre ist ein luzernefreier Raufuttermix, der zudem frei von Getreide und Melasse ist. Dafür ist SeniorFibre besonders reich an kurzen, weichen Rohfasern und Proteinen. Das macht SeniorFibre zu einer leicht zu fressenden Raufuttermischung, die besonders gut für (alte) Pferde mit eingeschränkter Zahnfunktion oder für Pferde nach einer intensiven Zahnbehandlung geeignet ist. Aufgrund des sehr niedrigen Zucker- und Stärkegehaltes profitieren auch Pferde mit Stoffwechselerkrankungen wie Cushing, PSSM oder Hufrehe von den SeniorFibre Vorteilen.
Pavo DailyPlus
Pavo DailyPlus ist ein ausgewogenes Strukturfutter, das die Kautätigkeit und die Speichelproduktion deines Pferdes anregt. Es fördert somit ein gesundes Verdauungssystem und ist für alle Pferde und Ponys geeignet. Der vitaminisierte Raufuttermix aus strukturreichen Zutaten wird unter das normale Kraftfutter gemischt, so dass die Kau- und Fresszeiten des Pferdes deutlich verlängert werden.
Fütterung und Gesundheit
Sommerekzem beim Pferd
Das Sommerekzem wird durch eine allergische Reaktion auf Stiche von Stechmücken (Gnitzen) verursacht. Um die Blutgerinnung zu hemmen und das Blutsaugen zu vereinfachen, sondern die weiblichen Stechmücken Speichel sowie ein spezielles Sekret direkt unter der Haut deines Pferdes ab. Das Speichel-Sekret-Gemisch enthält Eiweißbausteine, auf die Pferde allergisch reagieren können.
Das Sommerekzem verursacht einen unerträglichen Juckreiz, dem dein Pferd durch kräftiges Schubbern und Scheuern Abhilfe verschaffen möchte. Dies führt zu einer erheblich gestörten Hautschutzbarriere mit teilweise entzündlichen Stellen – der Jucken-Kratzen-Jucken-Teufelskreislauf beginnt!
Die Symptome des Ekzems treten überwiegend in den Sommermonaten, besonders in feucht-warmen Wetterperioden auf. Ekzem Pferde leiden meist von April bis Oktober an den Symptomen, was sich mit der Flugzeit der Mücke deckt.
Zusammengefasst können diese Symptome auftreten:
Starker Juckreiz mit Scheuern, vor allem am Schweifansatz, Mähnenkamm, Unterbauch und am Kopf
Hautausschlag (Pusteln)
Haarlose Scheuerstellen
Hautverdickungen
Schuppenbildung und Verkrustungen
Offene und blutige Scheuerstellen
Nässende und entzündliche Wunden
Sekundärinfektionen
Faktoren, die das Sommerekzem beim Pferd begünstigen
Der Hauptverursacher bleibt die allergische Reaktion auf das eiweißhaltige Sekret der Stechmücken. Begünstigt wird das Sommerekzem bei deinem Pferd aber auch durch folgende Umweltfaktoren:
Rassebedingte und erbliche Veranlagungen
Zu viel Weidegang auf zucker- und eiweißreichen Pferdeweiden
Zu eiweiß- und zuckerlastige Fütterung
Fütterung von weniger hochwertigen Kraftfuttersorten
Fehlende bedarfsgerechte Fütterung von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen
Fehlende bedarfsgerechte Fütterung von mehrfach ungesättigten Fettsäuren
Darmprobleme und eine gestörte Darmfunktion
Überbelastung der Entgiftungsorgane Leber und Nieren
Aufnahme zu großer Mengen an körperfremden und belastenden Stoffen wie Toxinen, biogenen Aminen sowie Zusatzstoffen im Futter
Übergewicht kombiniert mit zu wenig Bewegung
Andauernder physischer und psychischer Stress
Die richtige Pferdefütterung spielt bei Sommerekzemen eine wichtige Rolle
Bei Pferden mit Sommerekzem wird der Stoffwechsel deutlich stärker belastet als bei gesunden Pferden. Der Organismus muss permanent gegen die Entzündungsherde in der Ekzemer-Haut ankämpfen. Der Entzündungsprozess verursacht das Absterben von Zellen und geht somit mit Gewebeschädigungen einher. Der Körper steht ständig im „Reparatur-Modus“, was wiederum den Stoffwechsel deines Pferdes stark belastet und einen erhöhten Nährstoffbedarf zur Folge hat.
Sorge daher immer für eine bedarfsgerechte Fütterung deines Ekzemer Pferdes mit einer ausreichenden Versorgung an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und essentiellen Fettsäuren, um für einen intakten Stoffwechsel und ein starkes Immunsystem zu sorgen. Vor allem B-Vitamine und Vitamin A spielen für einen intakten Hautstoffwechsel eine essentielle Rolle. Dies gilt auch für einige Spurenelemente, wie Zink und Kupfer, die sowohl für die Regeneration der Haut als auch für ein intaktes Immunsystem wichtig sind.
Bis heute gibt es nicht das eine Wundermittel, um ein Sommerekzem bei Pferden zuverlässig zu heilen. Zu unterschiedlich sind die möglichen Faktoren dieser Hypersensibilität auf die Insektengifte. Hier musst du als Pferdebesitzer mehrere Wege ausprobieren, um den für dein Pferd passenden Therapieansatz zu finden.
Fest steht allerdings, dass die konsequente Einhaltung des Haltungs- und Fütterungsmanagements die Symptome des Sommerekzems lindern. Pferde mit Sommerekzem haben einen erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen, den Sie mit der Fütterung in jedem Fall decken sollten. Hierzu zählen vor allem:
Zink
Dieses essentielle Spurenelement spielt in der Wundheilung bei Pferden mit Ekzemen eine ganz entscheidende Rolle. Es unterstützt die Stabilität der Zellwände und fördert die Bildung neuer Hautzellen. Darüber hinaus reguliert Zink die Produktion von körpereigenen Stoffen, die entzündungshemmende und juckreizstillende Eigenschaften besitzen.
Durch offene Wunden und eine gestörte Hautbarriere kommt es zu erhöhten Zinkverlusten, welcher in jedem Fall mit der Nahrung ergänzt werden sollte. Zink kommt auch natürlich z.B. in Fischöl oder Nachtkerzenöl vor.
Kupfer
Dieses Spurenelement ist relevant für die Hautpigment-Bildung, die Blutbildung und den zellulären Energiestoffwechsel. Gerade bei einem geschwächten Hautbild und Immunsystem ist der Bedarf erhöht.
Selen
Selen ist Bestandteil des Enzyms Glutathionperoxidase, welches wiederum zur Inaktivierung schädlicher Radikale beiträgt. Selen ist somit unentbehrlich für ein gesundes und starkes Immunsystem. Durch die allergischen Hautreaktionen ist das Immunsystem bei Ekzemern kontinuierlich belastet und sollte in jedem Fall zusätzlich gestärkt werden.
Biotin, B-Vitamine und Vitamin A
Vor allem Biotin ist als das Fell-, Haut- und Hufvitamin schlechthin bekannt. Biotin und auch andere B-Vitamine sowie Vitamin A tragen zu einem normalen Hautbild bei. Auch hier ist der Bedarf bei Hautproblemen erhöht.
Ungesättigte Fettsäuren
Bereits seit langem sind die besonderen Eigenschaften von mehrfach ungesättigten Fettsäuren bekannt. Hierzu zählen vor allem der positive Effekt auf Haut und Fell deines Pferdes sowie die entzündungshemmenden Wirkungen. Besonders erwähnenswert sind hierbei die essentiellen Fettsäuren Linolsäure (LA), eine Omega-6 (n-6) Fettsäure, und α-Linolensäure (ALA), eine Omega-3 (n-3) Fettsäure.
Wichtig zu wissen: Essenzielle Fettsäuren können von deinem Pferd nicht selbst hergestellt werden und müssen somit über seine Nahrung aufgenommen werden. Ein Mangel an essenziellen Fettsäuren kann zu Hautveränderungen, Hautrissen und Sekundärinfektionen führen.
Bereits in der Vergangenheit konnte nachgewiesen werden, dass durch die Anwendung von Omega-3-fetthaltigen Cremes auf die betroffenen Hautstellen und der Supplementierung von Ölen als Zusatzfutter eine Linderung der Symptome bei Ekzemerpferden erfolgte. Neben den für Pferde weniger genießbaren Fischölen, weist beispielsweise Leinöl ein geeignetes Fettsäuremuster auf.
Tipp: Ahiflower® Öl gilt mit seinem reichhaltigen Fettäureprofil als besonders vielversprechende und schmackhafte Alternative zu Fischöl und Leinöl.
Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Ahiflower® Öl eine gesunde Haut und ein glänzendes Fell fördert. Ahiflower® Öl ist die reichste Quelle für wichtige essentielle Omega-Fettsäuren. Es enthält einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren im idealen Verhältnis.
Vorsicht bei Eiweiß, Zucker und Stärke
Verzichte bei der Fütterung deines Ekzem Pferdes auf große Mengen Zucker oder Stärke. Die damit verbundene stark ansteigende Insulinmenge im Blut kann die Entzündungsreaktionen im Gewebe begünstigen. Daher profitieren vor allem Pferde mit Sommerekzem von einer zucker- und stärkearmen Fütterung. Erfahre mehr zum Thema Stärke im Pferdefutter in unserem Ratgeber.
Vermeide auch zu große Mengen Eiweiß in der Fütterung deines Pferdes mit Sommerekzem. Ist der Dünndarm überlastet, gelangt das Eiweiß unverdaut in den Dickdarm. Hierbei entsteht beim Aufschluss das Abbauprodukt Ammoniak, welches von der Darmwand aufgenommen und über die Entgiftungsorgane Leber und Nieren ausgeschieden werden muss. Dies führt nicht nur zu einer hohen Stoffwechselbelastung, sondern stört auch den Mineralstoffhaushalt deines Pferdes. Erfahre mehr zum Thema Eiweiß im Pferdefutter in unserem Ratgeber.
Mineralfutter und Kraftfutter für dein Pferd mit Sommerekzem
Die oben genannten Mineralstoffe gelangen über das tägliche Pferdefutter in den Organismus. Wenn dein Pferd ausschließlich Raufutter und nur wenig oder kein Kraftfutter bekommt, füttere ihm zusätzlich ein Mineralfutter, welches auch den täglichen Bedarf an Selen und Biotin ausreichend deckt, wie z.B. Pavo Vital. Das schmackhafte Mineralfutter ist außerdem mit Kupfer und Zink angereichert. Pavo Vital ist darüber hinaus melasse- und getreidefrei.
Auch Pavo DailyFit bietet eine komplette Ergänzung an wichtigen Mineralstoffen wie Kupfer, Zink und Selen. Die Briketts sind leicht zu brechen und für alle Pferde sowie Ponys geeignet.
Für mehr Vitalität und ein starkes Immunsystem eignen sich spezielle Ergänzungsfuttermittel wie Pavo Healthboost. Es enthält Vitamine, Antioxidantien sowie Präbiotika und ist mit Kupfer, Zink und Selen angereichert.
Sollte dein Ekzemer Pferd einen erhöhten Energiebedarf haben, wähle neben einer ausreichenden Versorgung von qualitativ hochwertigem Raufutter ein bedarfsgerechtes Kraftfutter mit wenig Zucker und Stärke. Hierzu eignen sich z.B. Pavo Nature´s Best oder Pavo Condition. Beide Produkte sind haferfrei, haben einen niedrigen Zucker- und Stärkegehalt und beinhalten alle notwendigen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zur Deckung des täglichen Bedarfs bei Pferden mit leichter Arbeit.
Pavo Care4Life ist eine getreide- und melassefreie Futtermischung. Mit ballaststoffreichen, natürlichen Rohstoffen und 11 wertvollen Kräutern hat dieses Futter alles, was aus ernährungsphysiologischer Sicht die Gesundheit deines Pferdes unterstützt. Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, Prä- und Probiotika, Hefe, Kollagen, Vitamine und Mineralstoffe in organischer Form fördern zudem das Immunsystem deines Pferdes. Ebenfalls empfehlenswert ist die getreide- und melassefreie Variante ohne Kräuter, Pavo EasyMix.
Geeignete Kräuter für Pferde mit Sommerekzem
Die positiven Eigenschaften einiger Kräuter sind allgemein bekannt. Manche Kräuter wirken sich vor allem auf das Immunsystem, das Hautbild sowie die Entgiftungsorgane aus. Gerade bei Pferden mit Sommerekzem kann sich demnach die Zugabe von speziellen Kräutermischungen, sowohl als Kur als auch dauerhaft gefüttert, positiv auswirken.
Besonders geeignet sind Kräuter wie Brennnessel, Birkenblätter, Kamillenblüten, Knoblauch, Löwenzahn, Melisse, Salbei, Spitzwegerich oder Zinnkraut. Eine individuelle Kräutermischung für dein Pferd stellst du am besten gemeinsam mit deinem Tierheilpraktiker oder Tierarzt zusammen.
Hautprobleme auf „Leber und Nieren“ prüfen
Die Haut ist nicht nur das größte Organ des Pferdes, sondern ist zusammen mit Leber und Nieren maßgeblich an der Entgiftung des Körpers beteiligt. Hautprobleme wie Ekzeme können daher auch ein Hinweis auf eine gestörte Entgiftungsfunktion des Pferdekörpers sein. Berücksichtige deshalb in der Fütterung bei Sommerekzemen auch eine Unterstützung von Leber und Nieren.
Hier können harntreibende oder bitterstoffhaltige Kräuter dazu beitragen, die Entgiftungsleistung zu optimieren und Hautprobleme zu verbessern. Hierzu zählen unter anderem Mariendistel mit ihrem hohen Gehalt an Silymarin, Artischocke, Brennnessel, Birkenblätter und Löwenzahn.
Auch die Haltung und Pflege sind bei Pferden mit Sommerekzem entscheidend
Vermeide so gut es geht den Kontakt zu den allergieauslösenden Insekten. Dies kannst du unter anderem durch folgende Maßnahmen erreichen:
Dunkelheit schützt vor Insekten
Biete deinem Pferd während der Mückensaison ausreichend Schutz. Diese Quälgeister sind gern morgens und in der Dämmerung abends, aber vor allem an windstillen Tagen, auf feuchten Weiden, in Wassernähe und am Waldrand unterwegs. Daher kann es sich in Extremsituationen auch manchmal anbieten, dein Pferd in dieser Zeit nicht ausschließlich auf einer Weide ohne Unterstand, sondern in einem dunklen (Offen)Stall zu halten.
Bedenke aber, dass eine permanente Stallhaltung nicht pferdegerecht ist und außerdem zu Atemwegsproblemen führen kann. Oberstes Ziel ist die Beseitigung jeglicher allergieauslösenden Stoffe, um das Wohlbefinden deines Pferdes wieder herzustellen.
Ekzemerdecken verwenden
Auch auf der Weide oder im Paddock kannst du dein Pferd ausreichend gegen Insektenstiche schützen. Hierzu eigenen sich entsprechende Ganzkörper-Fliegendecken inkl. Kopfteil speziell für Ekzemerpferde.
Zusätzlich kannst du dein Pferd an den freien Körperstellen oder aber auch während der deckenfreien Zeit mit wirksamen Repellentien schützen. So können auch Pferde mit Sommerekzem die Zeit an der frischen Luft ausreichend genießen.
Tipp: Die Auswahl sowie die Preisunterschiede bei Ekzemerdecken und Anti-Mückensprays sind groß und nicht alle sind für dein Pferd geeignet. Lasse dich daher vor dem Kauf fachgerecht beraten.
Stallpflege gegen Insekten
Sprühe auch den Stall mit Anti-Mückensprays oder Essig ein. Fliegengitter oder Streifenvorhänge an den Fenstern und Türen sorgen am Stall ebenfalls für eine Ruhezone ohne lästige Insekten.
Besondere Pflege für juckende, gereizte Ekzemer Haut
Denke neben der optimierten Haltung und Fütterung außerdem an die Pflege der empfindlichen Ekzemer Haut. Dies ist besonders wichtig! Wenn dein Pferd unter starkem Juckreiz leidet und sich wundscheuert, dann behandle die betroffenen Hautstellen regelmäßig mit einem milden, fettenden und beruhigenden Pflegemittel. Diese Hautpflege Cremes speziell für Pferde mit Sommerekzem sollte die Regeneration der geschädigten Hautstellen unterstützen und im Idealfall auch die lästigen Insekten abwehren.
Die Behandlung mit Pflegemitteln führt unvermeidlich dazu, dass sich Krusten aus Pflegeprodukten und abgestorbenen Hautzellen bilden, welche auch die Hautporen verstopfen können. Reinige daher auch regelmäßig die betroffenen Hautstellen mit einem milden, rückfettenden Medizin-Shampoo.
Bei der Hautpflege ist das Ziel, die Hautschädigungen zu regenerieren, die Hautbarriere dauerhaft aufzubauen und zu stärken, den Juckreiz zu lindern und Insekten abzuwehren.
Wenn Stress die Psyche deines Pferdes zusätzlich belastet
Viele Ekzemer Pferde reagieren psychisch extrem heftig auf Mücken und Bremsen. Sie drehen förmlich durch und scheuern sich schon, noch bevor die Insekten gelandet und gestochen haben. Auch Stress in der Herde, keine Ruhe- oder Rückzugsmöglichkeiten, Turnieratmosphäre oder Immunkrankheiten fördern die Sensibilität auf Insektenstiche und somit die Ausprägung des Sommerekzems bei deinem Pferd. Lege daher auch ein besonderes Augenmerk darauf, dass diese zusätzlichen Allergieauslöser möglichst vermieden werden.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Sind Pferde sehr hochgradig allergisch, dann sind die aufgeführten Maßnahmen im Bündel zwar absolut unerlässlich, aber leider meist nicht ausreichend. Einige Insektenstiche sind unvermeidbar und können bei hoch allergischen Pferden bereits schwere Symptome wie Schwellungen, starken Juckreiz und wunde Hautstellen auslösen. In diesen Fällen kann dann eine Verabreichung von Medikamenten oder der Anwendung von anderen medizinischen Methoden erforderlich werden.
Als Therapie und zur Behandlung von Sommerekzem bei Pferden werden Corticoide („Kortison"), Antibiotika oder Antihistaminika eingesetzt. Auch Pilzimpfungen, Eigenbluttherapien und Desensibilisierungen haben sich bei der Behandlung von Sommerekzem bewährt.
Lasse dich hier ausführlich von deinem Tierarzt beraten und wende Medikamente und Arzneimittel nur im Notfall und nach fachlicher Rücksprache an. Starte hier bevorzugt mit natürlichen Heilmitteln oder homöopathischen Mitteln. Im Regelfall dürfte die Behandlung mit Medikamenten fast immer vermeidbar sein, was auch erstrebenswert ist, wenn du die Fütterung und Haltung bedarfsgerecht an deinen Ekzemer anpasst.
Sommerekzem bei Pferden – ein ganzjähriges Projekt
Häufig reagieren Pferdebesitzer erst, wenn ihr Pferd bereits erste Anzeichen des Sommerekzems zeigt. Ein wirklicher Therapieerfolg ist dann kaum mehr möglich. Handle daher vorbeugend und langfristig.
Starte bereits im Winter damit, dein Pferd ausreichend auf die nächste Mückensaison vorzubereiten. Eine Therapie und Behandlung des Sommerekzems kann nur erfolgversprechend sein, wenn die Überreaktion des Immunsystems (= Allergie) dauerhaft reguliert und das Immunsystem sowie der Stoffwechsel gestärkt werden.
Bringe daher den Magen-Darm-Trakt deines Pferdes für ein gesundes Immunsystem auf Vordermann und stärke seine Entgiftungsorgane, vorwiegend die Leber. Fülle die Vitalstoffdepots deines Pferdes auf und versorge es mit ausreichend Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Vernachlässige auch in der Nebensaison nicht die Pflege der Haut deines Pferdes und nutzte dafür ausschließlich spezielle Hautpflegeprodukte. Die Haut wird dadurch nachhaltig regeneriert und die Hautschutzbarriere gestärkt – die beste Vorbereitung auf die neue Insektensaison und eine möglichst beschwerdefreie Zeit deines Pferdes trotz Sommerekzem.
Von dir als Pferdebesitzer wird in erster Linie Geduld, Ausdauer und Konsequenz in der Sommerekzem Behandlung abverlangt. Die Therapie und Behandlung des Sommerekzems kann Jahre andauern und sollte in jedem Fall ganzjährig berücksichtigt und durchgeführt werden.
Fütterung und Gesundheit
Tipps gegen Stress bei Pferden
Ein zufriedenes Pferd, das friedlich grast, ausgelassen auf der Weide herumtollt, bei der Arbeit Freude hat und sich in unserer Nähe wohlfühlt. Das ist natürlich die Idealvorstellung eines jeden Pferdebesitzers. Manchmal sieht es in der Realität aber anders aus: Dein Pferd ist gestresst, scheut und findet keine Ruhe. Stress und Stresssymptome sind große Probleme, die Auswirkungen auf dein Pferd und seine Gesundheit haben können. Pferde sind eben sehr sensible Tiere. Auch die Harmonie zwischen Pferd und Reiter wird durch Stress erheblich beeinflusst.
Pferde sind außerdem Fluchttiere. Bei Stress wird der Fluchtinstinkt eines Pferdes aktiviert. Es ist ein psychischer Zustand, indem das Pferd Anspannung und Druck spürt. Dieses Verhalten ist eine natürliche Reaktion und schützt Pferde, besonders in der freien Wildbahn, vor bedrohlichen Situationen. Bei manchen Pferden ist das Stress-Verhalten stärker ausgeprägt als bei anderen.
Veränderungen in der Zucht in den letzten Jahren und die geborgene Haltung im Stall haben Pferde viel sensibler und feinfühliger gemacht. Schon kleinste Veränderungen im Alltag oder ungewohnte Geräusche können bei einem Pferd Stress auslösen.
Es gibt 2 Formen von Stress bei Pferden:
Der akute Stress ist ein kurzfristiger Stress, der bei Pferden in einer akut bedrohlich wirkenden Situation auftritt. Diese Art von Stress regt den Fluchtinstinkt an. In dieser Stresssituation werden Hormone ausgeschüttet, die dein Pferd mit schnell verfügbarer Energie versorgen. Dabei erhält ein Teil des Gehirns einen Stimulus. Dieser Reiz wird dann über die Nerven und das Rückenmark auf das Nebennierenmark übertragen. Das Nebennierenmark setzt wiederrum 2 Hormone frei: Adrenalin und Noradrenalin, die dann Energie im Körper freisetzen. Dein Pferd nutzt diese Energie, um wegzurennen und der „gefährlichen“ Situation zu entfliehen.
Der chronische Stress besteht langfristig. Chronisch wird der Stress dann, wenn akuter Stress über einen längeren Zeitraum andauert. Dies ist der Fall, wenn Pferde sich nicht an bestimmte Situationen gewöhnen können und der Druck permanent bestehen bleibt. Zwar scheint es manchmal so, als würden Pferde sich an bedrohliche Situationen gewöhnen, da sie nicht mehr ständig den Drang zeigen, fliehen zu wollen. Aber wenn du ganz genau hinschaust, dann halten manche Pferde diesen Druck lediglich aus und sind innerlich extrem gestresst. Der Körper dieser Pferde ist dann meist sehr angespannt, da die Muskulatur in ständiger Alarmbereitschaft ist. Andere Pferde wiederrum fügen sich auch nur ihrem Angst-Schicksal, indem sie sich „ergeben“ ohne aber die Angst vor der Situation tatsächlich überwunden zu haben.
Der Körper des Pferdes setzt bei chronischem Stress das Stresshormon Cortisol frei. Dieses Hormon kann das Immunsystem des Pferdes unterdrücken und sogar langfristig stören. Die Lebensqualität des Pferdes leidet und gesundheitliche Schäden können die Folge sein. Daher ist es sehr wichtig, das Verhalten nervöser, gestresster Pferde ernst zu nehmen und mit ihnen auf positive Weise ein gelassenes, entspanntes Verhalten zu trainieren. Um Ängste überwinden zu können, brauchen Pferde unbedingt einen starken, selbstbewussten und vor allem geduldigen Partner an ihrer Seite. Regelmäßige Wiederholungen sowie eine positive Bestärkung von gewünschtem Verhalten helfen deinem Pferd, früher oder später ein echtes Verlass Pferd zu werden
8 Tipps, um Stress bei Pferden zu vermeiden
Reduziere die Stresssituationen im Alltag deines Pferdes, damit es zufrieden ist und sich wohlfühlt.
Wahre die Routine
Pferde mögen einen geregelten Tagesablauf. Natürlich lassen sich Veränderungen nicht immer vermeiden und sind wichtig – nur so kann dein Pferd auch an Erfahrung gewinnen. Wenn du aber weißt, dass eine Veränderung ansteht, dann gib deinem Pferd die Zeit, sich daran zu gewöhnen. Integriere die Veränderung mehr und mehr im neuen Tagesablauf. Und du wirst sehen: nach einiger Zeit wird die Veränderung von heute schon die neue Routine von morgen.
Bewahre Ruhe
Der Stress beim Reiter kann sich schnell auf das Pferd übertragen. Pferde sind sensibel und fühlen diese Stimmungen. Der Reiter muss unbedingt Sicherheit vermitteln, denn das kann ein Pferd am meisten beruhigen. Wenn dein Pferd besonders sensibel oder nervös ist, darfst du nie die Beherrschung verlieren. Stattdessen ist ein verständnisvolles, ruhiges und vor allem geduldiges Verhalten gefragt.
Ermögliche deinem Pferd Kontakt zu seinen Artgenossen
Ein Pferd ist ein Herdentier. Sie lieben den Kontakt zu ihren Artgenossen und finden Kraft im Verband. Eine Herde gibt Pferden Sicherheit und Stabilität. Der Kontakt zu seinen Artgenossen kann dein Pferd beruhigen und es fühlt sich nicht mehr so einsam. Achte darauf, dass die Herde genug Platz hat und gut zusammenpasst.
Gib deinem Pferd Freiraum
Auslauf auf der Weide ist für dein Pferd enorm wichtig. Dieser Freiraum, indem du dein Pferd einfach mal auf der Wiese toben lässt, bedeutet für dein Pferd Entspannung, Freiheit und Lebensqualität. Es wird zu nichts gezwungen und kann sich nach Lust und Laune frei bewegen. Pferde brauchen diese regelmäßigen Auszeiten auf der Weide.
Sorge für Abwechslung
Wenn Pferde immer nur das gleiche Training absolvieren müssen oder keine Beschäftigung haben, dann wird ihnen schnell langweilig. Du kannst deinem Pferd mit selbstgemachtem Spielzeug oder mit neuen Aufgaben Abwechslung im Alltag anbieten. Dein Pferd ist beschäftigt und erlebt etwas Neues, was zu einer Reduktion des Stressgefühls führen kann. Wenn dein Pferd verletzungsbedingt für eine Zeit nicht mehr geritten werden kann, kannst du mit einem behutsamen Spaziergang im Wald oder mit Bodenarbeit für Abwechslung sorgen.
Verwandle stressige Situationen in positive Erlebnisse
Wenn dein Pferd z.B. Stress damit hat, auf den Anhänger zu gehen, dann integriere ein regelmäßiges Hängertraining in euren Alltag. Dabei darf Zeit keine Rolle spielen und erwarte vor allem zu Beginn nicht zu viel von deinem Pferd. Hat dein Pferd häufiger Probleme damit, wenn es stressigen Situationen ausgesetzt wird, kannst du es auch mit einem natürlichen Beruhigungsmittel unterstützen. Hierzu eignet sich z.B. Pavo BeChill, dass eine schnelle stressreduzierende Wirkung hat. Es ist für alle Pferde geeignet, die in vielen verschiedenen (gelegentlich auftretenden) Situationen schnell Stress erfahren.Sobald dein Pferd auch nur ansatzweise das gewünschte Verhalten zeigt, musst du es mit dem belohnen, was dein Pferd positiv bestärkt. Bei manchen reicht eine sanfte Berührung oder eine lobende Stimme. Andere freuen sich über ihr Lieblingsleckerli.
Achte auf eine ausgewogene und bedarfsgerechte Fütterung
Eine einseitige Ernährung kann zu Nährstoffmangel führen. Dein Pferd benötigt genügend Mineralien und Vitamine, damit die Reizweiterleitung im Körper reibungslos abläuft. Raufutter sollte die Grundlage einer jeden guten Pferdefütterung sein, angereichert mit einem Mineralfutter. Bei Bedarf kann dies dann noch mit Kraftfutter ergänzt werden. Bei besonders sensiblen und gestressten Pferden, kann eine dauerhafte Futterergänzung, wie Pavo NervControl, dabei unterstützen, seine innere Ruhe wiederherstellen und zu erhalten.
Höre auf die Bedürfnisse deines Pferdes
Der Charakter eines jeden Pferdes ist anders. Du als Besitzer kennst dein Pferd am besten. Höre ihm daher gut zu und achte auf die Körpersprache deines Pferdes. Jedes Pferd hat besondere Charaktereigenschaften, die zu ihm gehören und die es ausmachen. Akzeptiere dein Pferd so wie es ist und fördere es in dem Rahmen, den es auch leisten kann.
Welche Faktoren können Stress bei Pferden auslösen?
Im Alltag eines Pferdes gibt es verschiedene Situationen, die vor allem bei sensiblen Pferden Stress auslösen können.
Veränderungen in der Routine des Pferdes:
Das Pferd ist ein Gewohnheitstier und liebt daher tägliche Routine. Selbst kleine Veränderungen können ein Pferd in Stress versetzen. Vielleicht bist du mit deinem Pferd umgezogen oder der Stallnachbar ist plötzlich ein anderes Pferd, das dein Pferd noch nicht kennt? Natürlich beeinflussen nicht alle Veränderungen langfristig die Psyche. Oft braucht dein Pferd nach einer Veränderung einfach nur eine kleine Eingewöhnungsphase, um sich an die neue Situation zu gewöhnen.
Unentdeckte und unbehandelte Verletzungen:
Verletzungen, die unentdeckt bleiben, können deinem Pferd Schmerzen bereiten. Ein Pferd kann nicht sprechen und gezielt auf seine Schmerzen aufmerksam machen. Stattdessen entladen sich diese Spannungen in Stress, Nervosität, aggressivem Verhalten oder Angst. Wirf ruhig öfter einen kritischen Blick auf den ganzen Körper deines Pferdes und suche nach eventuellen Verletzungen oder Blockaden. Vielleicht passt auch der Sattel nicht mehr richtig? Oder die Gamaschen scheuern? Zusätzlich verrät der Gang deines Pferdes viel über seinen Gemütszustand. Zum Beispiel kann ein steifer Gang auf Gelenkbeschwerden oder Muskelverspannungen hinweisen. Kontaktiere in diesem Fall am besten deinen Tierarzt oder einen Fachmann, um weiteren Stress zu vermeiden.
Lange Stallruhe nach Verletzungen:
Eine lange Ruhephase mit Stallruhe kann bei Pferden Langeweile, Angst, Schmerzen und Einsamkeit hervorrufen. Pferde sind Lauftiere und sind es gewohnt, ihr Futter in Bewegung zu erarbeiten. Bei ausreichend Weidegang und wenn sie ihrem natürlichen Verhalten nachkommen können, legen Pferde am Tag mehrere Kilometer zurück. Deinem Pferd fehlt es neben mangelnder Bewegung außerdem an frischer Luft, Sonnenlicht sowie einer täglichen Abwechslung. Es fühlt sich demnach gestresst und eingeengt.
Nährstoffmangel:
Stress ist eine chemische Reaktion im Körper. Für eine optimale Reizweiterleitung benötigt der Körper deines Pferdes bestimmte Nährstoffe, wie den Mineralstoff Magnesium. Fehlt Magnesium, ist die Reizweiterleitung im Körper gestört und es kann u.a. zu einer Überreaktion kommen. Magnesium und die essentielle Aminosäure L-Tryptophan sind Bausteine für den Neurotransmitter Serotonin und helfen, die Signalweiterleitung im Nervensystem zu verbessern. Serotonin wird als „Glückshormon“ bezeichnet und wirkt sich positiv auf die allgemeine Stimmung aus. Dadurch baut sich die Spannung im Körper schneller ab und dein Pferd lässt sich besser kontrollieren. Ergänzungsfutter mit einem hohen Anteil dieser aktiven Bestandteile können dein Pferd dabei unterstützen, eine bessere Kontrolle in Stress-Situationen zu behalten.
Hängerfahrten und lange Reisen:
Der Pferdeanhänger ist besonders für ein Pferd, das nie oder selten gefahren wird, ein großer Stressfaktor. Der Raum ist beengt, der Hänger bewegt sich, die Geräusche sind neu und aufgrund der Sichteinschränkung schwierig einschätzbar. Reisen im Hänger bedeutet für ein Pferd daher immer eine Veränderung in der Routine und in seinem natürlichen Verhalten.
Tierarztbesuche:
Selten sind Besuche vom Tierarzt mit positiven Erlebnissen verbunden. Fremde Menschen, unangenehme Berührungen und Behandlungen mit z.B. Spritzen beuteten großen Stress für das Pferd. Sollte dein Pferd eine negative Erfahrung beim Tierarzt erlebt haben, merkt sich dein Pferd dieses Erlebnis. Auch dein persönlicher Gemütszustand wirkt sich auf ein sensibles Pferd aus. Es spürt deinen Stress und wird dann ähnlich reagieren.
Lange und intensive Trainingsstunden oder Turniere:
Ein regelmäßiges Training ist wichtig für die Gesundheit und Zufriedenheit deines Pferdes. Übermäßige Anstrengung kann allerdings auch zur großen Belastung werden. Wenn Pferde ständig an ihre Leistungsgrenzen gebracht werden, fühlen sie sich nicht mehr wohl und sind schnell gestresst. Ebenso fordern Turniere von deinem Pferd viel körperliche und psychische Kraft. Laute Musik, viele Menschen und Pferde sind für sensible Pferde immer wieder eine neue Herausforderung. Deine Nervosität überträgt sich zusätzlich auf dein Pferd, so dass es mit einer doppelten Last zu kämpfen hat.
Stress bei Rosse und tragenden Stuten:
Die Trächtigkeit einer Stute ist oftmals ein neues Gefühl und alles andere als Routine für das Pferd. Je nach Verlauf der Trächtigkeit kann die Stute unter Stress leiden. Auch kann ein unbehagliches Gefühl aufgrund eines veränderten Hormonhaushalts während der Rosse zu Stress führen. Hier sind Ruhe, Routine und eine angemessene Fütterung wichtig, damit sich die werdende Mutter auf die anstehende Geburt vorbereiten kann. Auch die spätere Trennung von Mutter und Fohlen mit dem Absetzen, bringt ein großes Stresspotential mit sich.
Wetterbedingter Stress:
Viele Pferde fühlen sich bei Gewitter nicht wohl. Diese unbekannten Geräusche sowie die Lichtblitze oder lautes Donnern können Pferden Angst machen. Andere Wetterbedingungen, wie Stürme oder starke Temperaturschwankungen, können Pferde ebenfalls belasten.
Stress kann dein Pferd nervös, schreckhaft und krank machen.
Dauerhafter Stress hat einen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden und den Körper. So kann sich vermehrter und andauernder Stress über einen längeren Zeitraum auf das gesamte Verdauungssystem deines Pferdes auswirken. Psychische Faktoren können dann der Auslöser für eine gestörte Magen-Darm-Flora sein und es kommt zu Verdauungsstörungen wie z.B. Durchfall oder Koliken. Magengeschwüre gehören übrigens zu den häufigsten Magenerkrankungen beim Pferd.
Diese Krankheiten können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, wenn sie nicht behandelt werden. Deswegen solltest du bei ersten Symptomen immer deinen Tierarzt kontaktieren.
Woran du ein gestresstes Pferd erkennst
Es gibt viele verschiedene Anzeichen für Stress und jedes Pferd reagiert anders darauf. Auch nicht jedes Verhalten bedeutet gleich, dass dein Pferd gestresst ist. Hier ist es besonders wichtig, dass du dein Pferd gut kennst und seine Sprache richtig verstehst. Vor allem die Augen eines Pferdes geben viel über seine Seele und seinen Gemütszustand preis.
Zeigt dein Pferd folgende Verhaltensweisen?
Knirscht dein Pferd mit den Zähnen?
Schlägt es in vielen Situationen mit dem Schweif?
Wiehert dein Pferd oft oder kommt es zu anderen Lautäußerungen?
Sind die Muskeln oft verkrampft?
Bläht dein Pferd seine Nüstern auf?
Ist das Maul fest oder der Kiefer zusammengebissen?
Vibrieren die Barthaare der Unterlippe?
Fehlt es deinem Pferd an Appetit?
Hat dein Pferd viel abgenommen, obwohl du es normal fütterst?
Gähnt dein Pferd auffällig viel?
Zittert dein Pferd in bestimmten Situationen außer bei Kälte?
Schwitzt dein Pferd viel, selbst ohne große Anstrengungen?
Bewegt dein Pferd sich tänzelnd oder geht es hin und her?
Zeigen die Pferdeohren ein unruhiges Ohrenspiel?
Bilden sich steile Falten über den Augen?
Tritt dein Pferd aus oder zeigt es andere, aggressive Verhaltensweisen?
Ist dein Pferd rast- und ruhelos?
Ist dein Pferd oft krank oder hat es Probleme mit dem Immunsystem?
Wenn du auf viele dieser Fragen mit „Ja“ antworten kannst, könnte dein Pferd möglicherweise unter Stress-Symptomen leiden. Um eine genaue Diagnose abklären zu können, solltest du dich unbedingt mit deinem Tierarzt beraten.
Fütterung und Gesundheit
Gewicht des Pferdes zu dick oder zu dünn
Für eine optimale Gesundheit ist es wichtig, dass dein Pferd sich im Bereich des Idealgewichts befindet, also weder zu dick noch zu dünn ist, da beide Fälle gesundheitliche Folgen mit sich bringen können. Ist dein Pferd zu dick, besteht ein erhöhtes Risiko, dass es an Krankheiten wie Hufrehe, Diabetes oder EMS erkrankt. Ist dein Pferd zu dünn, kann es zu Mangelerscheinungen sowie Magen-und Darmproblemen kommen. Beginne jetzt mit dem ersten Schritt und mache dir bewusst, in welchem Zustand sich dein Pferd aktuell befindet.
Um das Gewicht deines Pferdes zu bestimmen, eignen sich spezielle Waagen für Großtiere (zum Beispiel bei deinem Tierarzt) oder aber auch Fahrzeugwaagen, wie sie beispielsweise bei Genossenschaften vorhanden sind. Hast du nicht die Möglichkeit, eine Waage nutzen zu können, stehen dir auch spezielle Maßbänder zur Verfügung, mit denen du das Gewicht deines Pferdes berechnen, bzw. messen kannst.
Allerdings ist nicht nur das Gewicht ausschlaggebend, denn die Kilos allein geben nicht immer genügend Auskunft über den körperlichen Zustand deines Pferdes. Wirf auch einen Blick auf die Körperfettwerte, die mithilfe des Fettindexes, auch Body Condition Score (BCS) oder Fat Score genannt, bestimmt werden.
Den Fettindex mit dem Body Condition Score bestimmen
Mit dem Body Condition Score ermittelst du das Verhältnis von Fettgewebe zu fettfreier Masse und vergibst dabei einen Punktwert zwischen 1 und 9, wobei 1 für „sehr mager“ und 9 für „sehr adipös“ steht. Du bewertest dabei an 6 verschiedenen Bereichen nur die Menge an gespeichertem Fett, nicht aber den Zustand der Muskelmasse oder des Fells. Auf diese Weise kann ein und dasselbe System auf alle Pferdetypen angewendet werden, angefangen bei einem ungerittenen Pony bis hin zu einem Vielseitigkeitspferd.
Bei diesem 9-Punkte-System liegt der Wert für normalgewichtige Pferde bei 5. Pferde verlieren auf natürliche Weise während der Wintermonate an Gewicht, so dass sie bedenkenlos wieder etwas zunehmen dürfen, wenn es im Frühjahr endlich wieder satte Wiesen gibt. Mache dir also keine Sorgen, falls der Fettindex deines Pferdes während des Jahres leicht schwankt.
So wird’s gemacht:
Die Durchführung des Body Condition Scorings ist ganz einfach. Um den Fettindex auswerten zu können, musst du die Fettschicht bei deinem Pferd an 6 verschiedenen Stellen ertasten.
Taste die Bereiche Nacken, Widerrist, Schulter, Rücken, Rippen und Kruppe ab und vergib dann deine Punktzahl für jede Stelle. Bei der Bewertung sind auch halbe Punkte zugelassen. In der Regel erkennst du sehr schnell, ob es sich um kleinere oder größere Fettpolster, Muskeln oder Knochen handelt. Die Fettpolster sind sehr weich und bei fortgeschrittenem Übergewicht auch „schwabbelig“. Muskeln fühlen sich eher fest und glatt an, wobei Knochen einen direkten Widerstand bieten.
Sobald du dein Scoring abgeschlossen hast, rechnest du die 6 Bewertungen von Nacken, Widerrist, Schulter, Rücken, Rippen und Kruppe zusammen und ermittelst daraus den Durchschnittswert, den sogenannten Body Condition Score. Pferde speichern ihr Fettgewebe in verschiedenen Bereichen, deshalb vermittelt der Durchschnitt der Werte eine genauere Beurteilung.
Tipp: Wiederhole das Body Condition Scoring 3 x und nehme daraus den Durchschnittswert für ein noch genaueres Messergebnis.
Das Body Condition Scoring ist eine subjektive Bewertung. Daher ist es wichtig, dass du ehrlich mit dir bist, auch wenn das Ergebnis vielleicht nicht so erfreulich sein sollte.
So bewertest du die 6 Bereiche:
Pferdenacken - Widerrist
Taste am Mähnenkamm den Pferdenacken ab – schwabbelt die Oberfläche (Fett) leicht hin und her oder fühlt es sich fest an (Muskel)? Überprüfe auch, ob es wesentlich dicker wird, wenn du von der Rückseite des Kopfes hinunter zum Widerrist tastest, der nicht knöchern oder von einer Fettschicht umgeben sein sollte. Bewerte den Pferdenacken sowie den Widerrist mit einem Wert zwischen 1 und 9.
Schulter
Streiche mit deiner Hand über den Pferdehals bis zur Schulter. Hat sich vor dem Schulterblatt Fettgewebe angesammelt, gleitet deine Hand vom Hals bis zur Schulter, ohne dass du den Widerstand des Schulterblattes spürst? Bewerte die Schulter mit einem Wert zwischen 1 und 9.
Rücken
Lege nun deine Hand auf den Rücken deines Pferdes. Im Idealfall bildet deine Hand über der Wirbelsäule einen Bogen. Wenn Pferde in diesem Bereich zunehmen, dann setzt sich das Fettgewebe auf beiden Seiten der Wirbelsäule an und deine Hand bleibt flach. Bewerte den Rücken mit einem Wert zwischen 1 und 9.
Rippen
Taste nun die Seiten deines Pferdes ab. Du solltest die Rippen relativ leicht herausfühlen können. Bewerte die Rippen mit einem Wert zwischen 1 und 9.
Kruppe
Schaue dir dein Pferd – aus sicherem Abstand – von hinten an und betrachte die Kruppe. Es sollte abgerundete Hinterbacken haben. Bewerte die Kruppe mit einem Wert zwischen 1 und 9.
Bemerkung: Beurteile auch immer den individuellen Körperbau deines Pferdes. Bestimmte Pony-Rassen, wie z.B. Haflinger oder Fjordpferde, speichern übermäßiges Fett häufig in „Polstern“ hinter ihren Schultern. Achte also darauf und berücksichtige dies bei deiner Bewertung. Pferde speichern zudem nicht allzu viel Fett am Unterbauch, ziehe diesen Bereich daher nicht zur Bewertung des Gewichts heran.
Video anschauen: Wie ermittelst du den Body Condition Score deines Pferdes?
Die Skala des Body Condition Scores
1 = Extrem mager
Liegt der Body Condition Score bei 1, ist ein Pferd extrem mager bzw. stark untergewichtig. Das erkennst du an einer sehr ausgeprägten Knochenstruktur am Nacken, der Schulter und dem Widerrist, die du deutlich fühlen und sehen kannst. Auch die Dornfortsätze sowie die Rippen sind deutlich erkennbar. Ist ein Pferd extrem mager, kannst du kein Fettgewebe ertasten und die Kruppe zeichnet sich unter der Haut ab.
2 = Sehr mager
Auch bei einem sehr mageren Pferd sind die Knochen an Nacken, Schulter und am Widerrist deutlich zu ertasten. Die Dornfortsätze sowie die Kruppe sind ebenfalls fühlbar. Darüber hinaus zeichnen sich die Rippen ab und sind mit bloßem Auge gut erkennbar.
3 = Mager
Ein Pferd gilt als mager, wenn die Knochen an Nacken, Schulter und Widerrist hervorgehoben sind, aber die Knochenstruktur nicht deutlich unterscheidbar ist. Durch erste, leichte Fettpolster sind die Dornfortsätze am Rücken nicht mehr direkt fühlbar. Die Kruppe ist mit bloßem Auge nicht mehr erkennbar, kann aber schnell ertastet werden. Die Rippen kannst du noch sehen und fühlen.
4 = Schlank
Bei einem schlanken Pferd sind Nacken, Schulter sowie Widerrist nicht auffällig dünn oder knöchern. Die Wirbelsäule am Rücken ist durch eine leichte Rinne erkennbar, die Dornfortsätze zeichnen sich aber nicht mehr ab. Je nach Körperbau des Pferdes zeichnet sich die Kruppe stark, bzw. weniger stark ab. Du kannst wenig Fettgewebe an allen 6 Stellen ertasten. Die Rippen des Pferdes kannst du unter der Haut noch ein wenig erkennen und erfühlen.
5 = Normalgewichtig
Ein Body Condition Score von 5 bezeichnet ein normalgewichtiges Pferd. Nacken und Schulter ergeben einen fließenden Übergang. Den Widerrist kannst du erkennen, dieser ist aber durch kleine Fettpölsterchen leicht abgerundet. Wenn du die Kruppe ertastest, fühlt sich diese leicht schwammig an. Die Rippen kannst du noch fühlen, sie sind mit bloßem Auge aber nicht mehr erkennbar.
6 = Leicht übergewichtig
Erste Fettpolster sind um den Hals, die Schulter und an den Seiten des Widerristes erkennbar. Leichte Verdickungen kannst du bei einem leicht übergewichtigen Pferd entlang der Wirbelsäule ertasten. Durch das Fettgewebe fühlt sich die Kruppe weich an. Die Rippen kannst du noch ertasten, allerdings sind erste Fetteinlagerungen, die sich schwammig und weich anfühlen, möglich.
7 = Übergewichtig
Die Fettpolster setzen sich bei einem übergewichtigen Pferd auf Höhe des Nackens, am Widerrist und hinter den Schultern ab. Das Fettgewebe kannst du erkennen und ertasten. Auch an der Wirbelsäule kannst du weiteres Fettgewebe erfühlen. Das Fettgewebe an der Kruppe fühlt sich weich an. Fettpolster lagern sich auf sowie zwischen den Rippen ab.
8 = Adipös
Die Fettpolster bei einem adipösen Pferd sind in allen 6 Bereichen sehr deutlich sichtbar. Schnell kannst du einen verdickten Hals erkennen. Am Widerrist und im Bereich direkt hinter der Schulter lagern sich Fettpolster ab. Die Verdickungen an der Wirbelsäule sind ausgeprägt und auch die Kruppe ist mit Fettgewebe aufgefüllt. Die Rippen kannst du bei einem adipösen Pferd schwer bis gar nicht ertasten.
9 = Extrem adipös
Ein Body Condition Score von 9 bezeichnet ein extrem adipöses Pferd mit vielen sichtbaren Fetteinlagerungen. Es bildet sich ein deutlicher Kamm am Nacken. Am Widerrist sowie direkt hinter der Schulter und an der Kruppe befindet sich übermäßig viel Fettgewebe, welches du sehen und ertasten kannst. Durch diese Fetteinlagerungen am gesamten Körper ist es möglich, dass die Hinterbatzen des Pferdes sogar aneinander reiben. Darüber hinaus sind die Flanken nicht mehr abgesetzt und auch auf den Rippen liegen Fettpolster, so dass du diese nicht mehr sehen oder fühlen kannst.
Wie du siehst, ist der Body Condition Score gar nicht so schwer zu ermitteln. Schnell kannst du den Fettindex deines Pferdes bestimmen und entsprechende Maßnahmen treffen. Behalte dabei immer das Wohlbefinden und die aktuelle Situation deines Pferdes im Blick. Ein Body Condition Score von 5 mag der optimale Score für viele Pferde sein – ist dein Pferd aber ein wahrer Sportler und auf Wettkämpfen unterwegs, liegt sein idealer Fettindex vielleicht eher bei 4.
Pferd auf gesunde Weise abnehmen mit das Pavo InShape Programm
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Ist dein Pferd zu dünn und hat eher einen niedrigen Body Condition Score?
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Fütterung und Gesundheit
Eiweiß im Pferdefutter
Eiweiße sind wichtige Baustoffe für alle Arten von Gewebe. Sie werden für alle lebenswichtigen Funktionen im Körper deines Pferdes benötigt und deshalb oft als Baustein des Lebens bezeichnet. Im Gegensatz zu Fetten und Kohlenhydraten kann der Körper Proteine nicht speichern. Deshalb müssen in der täglichen Fütterung immer ausreichend Eiweiße enthalten sein.
Dennoch haben viele Pferdebesitzer Sorge, Eiweiß zu füttern. Hier hält sich leider immer noch hartnäckig das Gerücht, Eiweiß sei schädlich. Aber eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall. Ein Eiweißmangel kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.
Wichtig ist jedoch, wie bei allen anderen Nährstoffen auch, bedarfsgerecht zu füttern und Futtermittel einzusetzen, die eine hohe Eiweißqualität haben.
Eiweiße und Aminosäuren, wie hängt das zusammen?
Proteine werden umgangssprachlich als Eiweiße bezeichnet und sind aus den sogenannten Aminosäuren aufgebaut. Je nachdem, aus welchen Aminosäuren ein Protein besteht und wie viele Aminosäuren aneinandergeknüpft sind, spricht man von Peptiden oder Polypeptiden. Bei Polypeptiden sind mehr als 100 Aminosäuren beteiligt.
Die Art, wie ein Protein zusammengesetzt wird, ist im Genom festgehalten. Als Genom wird die Gesamtheit aller Erbinformationen (Gene) einer Zelle bezeichnet.
Aminosäuren sind die Bausteine der Proteine und chemisch gesehen eine Verbindung aus Stickstoff mit Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Selten besteht auch eine Verbindung mit Schwefel. Je nach Aufbau werden 20 verschiedene Aminosäuren unterschieden. Diese können in 2 Arten unterteilt werden:
Essentielle Aminosäuren: Diese können vom Körper nicht selbst hergestellt werden und müssen mit der Ernährung zugefüttert werden. Dazu gehören z.B. Lysin, Methionin, Tryptophan, Leucin, Isoleucin, Threonin, Valin, Histidin und Phenylalanin.
Nicht-essentielle Aminosäuren: diese können vom Körper selbst hergestellt werden.
Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch die sogenannten erstlimitierenden Aminosäuren, die für jede Tierart anders ist.
Beim Pferd gilt Lysin als erstlimitierend, gefolgt von Methionin und Tryptophan. Dies bedeutet: Steht dem Körper nicht genügend Lysin (wird am meisten benötigt) zur Verfügung, können alle anderen Aminosäuren nicht verwendet werden. Dies gilt auch, wenn die anderen Aminosäuren in ausreichender Menge über das Futter aufgenommen wurden.
Deshalb sind gerade Lysin, Methionin und Tryptophan wichtige Kenngrößen in der Aminosäurefütterung bei Pferden.
Wie hoch ist der Eiweißbedarf von Pferden?
Grundsätzlich gilt laut wissenschaftlicher Empfehlung für den Erhaltungsbedarf: 0,5 bis 1 g verdauliches Eiweiß pro Kilogramm Lebendgewicht. Bei der Berechnung des Eiweißbedarfs von Pferden ist aber zu berücksichtigen, dass der Bedarf nicht linear zum Gewicht steigt. Dies liegt an dem Verhältnis zwischen Körperoberfläche und Gewicht.
Kleinere, leichtere Pferde haben im Verhältnis zu ihrem Gewicht eine größere Körperoberfläche als größere, schwerere Pferde. Die Körperoberfläche bestimmt jedoch die Stoffwechselleistung je Kilogramm Körpergewicht. Deshalb benötigt ein kleines, leichtes Pferd mehr Protein als ein großes, schweres Pferd. Ein 600 kg schweres Pferd benötigt entsprechend 200 - 480 g Eiweiß pro Tag.
Zusätzlich steigt der Eiweißbedarf bei Pferden, die mehr Leistung erbringen müssen. Bei Arbeitsleistung gehen Fachleute von einem Rohproteinbedarf von 5 g Rohprotein je Megajoule (MJ) aus.
Ein 600 kg Pferd benötigt dann bei leichter Arbeit und einem Energiebedarf von 80 MJ ca. 400 g Eiweiß. Hochtragende und laktierende Stuten haben ebenfalls einen erhöhten Eiweißbedarf von mind. 500 g bzw. bis zu 1.200 g pro Tag. Gleiches gilt auch für Pferde im Wachstum, die ca. 600 g pro Tag benötigen.
Je höher die Eiweißqualität ist, desto geringer kann die tägliche Proteinmenge sein. Deshalb ist vor allem bei Sport-, Zucht- und Jungpferden eine gute Eiweißqualität im Futter extrem wichtig, um den Stoffwechsel nicht unnötig zu belasten.
Richtlinie für den Eiweißgehalt im Futter bei Pferden
Pferdetypen
Eiweiß im Futtermittel insgesamt (inkl. Raufutter)
Pferde, die leichte Arbeit verrichten
10-12%
Sportpferde
12-15%
Trächtige & laktierende Stuten
16-20%
Fohlen & Pferde im Wachstum
14-16%
Auf die Eiweißqualität kommt es an
Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß. Wie wir nun wissen, gibt es unterschiedlichste Möglichkeiten, wie ein Eiweiß aufgebaut werden kann. Das hat natürlich auch einen Einfluss auf die Verdaulichkeit des Proteins. Zudem sind die Eiweiße wertvoller, die einen hohen Gehalt an essentiellen Aminosäuren enthalten, da diese nicht von deinem Pferd selbst hergestellt werden können.
Deshalb hört man oft den Begriff „Eiweißqualität“. Wenn Experten über eine niedrige Eiweißqualität im Pferdefutter sprechen, dann ist damit ein geringer Gehalt an essentiellen Aminosäuren gemeint. Leinsamen sind beispielsweise arm an essentiellen Aminosäuren. Hingegen hat Soja eine hohe Eiweißqualität, da es viele essentielle Aminosäuren enthält. Achte daher bei der Fütterung deines Pferdes auf ein Futter mit einer hohen Eiweißqualität.
Die Menge an Eiweiß in einem Futtermittel wird als analytische Bestandteile durch die Begriffe „Rohprotein“ bzw. „Verdauliches Rohprotein“ auf den Futtersäcken deklariert.
Rohprotein ist dabei die Menge an Eiweiß, die im Futtermittel enthalten ist. Verdauliches Rohprotein ist die Menge, die daraus vom Pferd theoretisch verdaut werden kann.
Die Angabe der dünndarmverdaulichen (praecaecal verdaulichen) Proteine gibt an, wieviel des gefütterten Eiweißes im Dünndarm, dem Ort der Eiweißverdauung beim Pferd, verdaut werden kann. Es ist also die Schätzformel, die bisher der tatsächlich verdauten Proteinmenge am nächsten kommt. Jedoch sind die Erkenntnisse zur Dünndarmverdaulichkeit von verschiedenen Futtermitteln noch zu vage, um hier eindeutige Empfehlungen aussprechen zu können. Deshalb verzichten noch viele Hersteller auf die Angaben zum praecaecal verdaulichen Protein.
Wozu dient Eiweiß aus dem Futter den Pferden?
Die Verdauung von Eiweißen beim Pferd
Eiweiße, bzw. Proteine, werden vom Pferd mit der Nahrung aufgenommen und bereits durch die Magensäure in ihrer Struktur verändert. Die eigentliche Verdauung der Aminosäuren und Aufnahme in die Blutbahn erfolgt dann im Dünndarm des Pferdes.
Hier werden die Proteine durch Enzyme gespalten, so dass nur noch 2 bis 3 Aminosäuren aneinanderhängen. So kann die Dünndarmschleimhaut diese aufnehmen, in die einzelnen Aminosäuren abbauen und an die Blutbahn abgeben.
Eiweiße, die nicht im Dünndarm verdaut werden, gelangen in den Dickdarm. Hier übernehmen die Darmbakterien die Eiweißspaltung. Allerdings ist die Dickdarmverdauung von Eiweißen nicht effektiv, so dass dein Pferd diese nicht oder nur eingeschränkt nutzen kann.
Welches Eiweiß im Dünndarm verdaut werden kann und welches nicht, hängt davon ab, wie das Protein im Futter gebunden ist. Gelangt viel Eiweiß über Rohfasern (z.B. durch Luzerne) in den Magen-Darm-Trakt, ist dieses für dein Pferd schwerer verfügbar als Eiweiß aus behandelten Hülsenfrüchten (z.B. Sojaschrot). Da Rohfasern für dein Pferd erst im Dickdarm aufgeschlossen werden, ist hierbei auch die Eiweißverdaulichkeit sehr niedrig.
Entsorgung der Eiweiß-Abfallstoffe:
Aminosäuren bestehen neben Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff auch aus Stickstoff. Eben dieser Stickstoff muss nach dem Abbau von Proteinen aus dem Körper entfernt werden. Stickstoff findet im Körper keine weitere Verwendung und kann auch nicht der Energiegewinnung dienen.
Stickstoff wird in Harnsäure und in der Leber in Harnstoff umgewandelt. Dieser wird dann über die Nieren ausgeschieden. Deshalb sollte auf die bedarfsgerechte Fütterung von Eiweiß geachtet werden, denn ein dauerhaftes Überangebot kann die Leber und Nieren schädigen.
Warum Eiweiß für Pferde so wichtig ist
Pferde benötigen Eiweiß für alle lebenswichtigen Funktionen und für den Aufbau des Gewebes. Kurzum, der ganze Körper und alle lebenswichtigen Funktionen hängen vom Eiweiß ab. Pferde können also nur mit Hilfe von Eiweiß wachsen, sich entwickeln, Muskulatur aufbauen und den Regenerationsprozess im Körper aufrechterhalten.
Des Weiteren gehören auch Keratine, die Hauptbestandteile in Hufen, Haaren und dem Fell, zu den Proteinen. Ein guter Stoffwechsel und ein gesundes Immunsystem sind nur durch eine ausreichende Eiweißzufuhr möglich.
Der Körper deines Pferdes benötigt auch für den Aufbau von Hormonen, Enzymen und Antikörpern entsprechende Aminosäuren. Um nach einer Verletzung dein Pferd bei der Regeneration der Zellstruktur zu unterstützen, ist ebenfalls ein hoher Eiweißgehalt im Futter empfehlenswert.
Die Aufgaben von Eiweiß im Pferdefutter zusammengefasst
Aufbau von Muskel-, Stütz- und Schutzgewebe sowie Enzymen.
Unterstützung einer guten Leber- und Nierenfunktion.
Bildung von Hämoglobin im Blut. Dies ist unter anderem verantwortlich für den Sauerstofftransport im Blut.
Förderung eines gesunden Immunsystems des Körpers, so dass der Entstehung von Immunkrankheiten vorgebeugt, bzw. aktiv entgegengewirkt werden kann.
Ermöglicht die Blutgerinnung. Hierdurch können sich Krusten auf den Wunden bilden, so dass Blutungen gestoppt werden. Diese Krusten sind aus Eiweißen aufgebaut.
Welche Pferde haben einen erhöhten Eiweißbedarf?
Neben den Bedarfswerten aus der Literatur für die Erhaltung und bei verschiedenen Leistungsarten, gibt es auch Pferde, die aufgrund ihrer Rasse, ihres Erscheinungsbildes, ihres Alters, einer Erkrankung oder einer genetischen Disposition einen erhöhten Eiweißbedarf haben:
Pferde mit einem besonders dicken und/oder langen Haarkleid benötigen mehr Eiweiß, denn Haare bestehen hauptsächlich aus Aminosäuren. Gerade im Fellwechsel ist deshalb eine erhöhte Eiweißgabe wichtig. Beispielsrassen sind Tinker, Isländer oder Norweger.
Wenn dein Pferd unter Hautproblemen wie z.B. Sommerekzem leidet, sollte es möglichst eiweißreich ernährt werden. Um geschädigte Hautstrukturen wieder reparieren zu können, benötigt der Körper entsprechende Aminosäuren.
Bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen (z.B. EMS, PPID oder PSSM) sollte dein Pferd ebenfalls mit ausreichend hochwertigem Eiweiß versorgt werden. Da der Stoffwechsel hier Defizite aufweist und bestimmte Nährstoffe nicht mehr effektiv verstoffwechselt werden können, werden größere Mengen benötigt.
Wenn dein Pferd von einer Hufrehe betroffen ist, sind Eiweiße und hochwertige Fette/Öle die Energie- und Nährstoffquelle. Verzichte bei Hufrehe gefährdeten Pferden weitestgehend auf Energie aus Zucker und Stärke. Außerdem benötigt die Reparatur der geschädigten Hufe eine ausreichende Versorgung essentieller Aminosäuren.
Bei zu dicken Pferden solltest du im Rahmen des Diätplans auf eine energiearme, jedoch eiweißreiche Fütterung achten. Enthält das Futter zu wenig Eiweiß, kann dies zum Abbau der Muskulatur führen. Je mehr Muskulatur dein Pferd hat, desto mehr wird die Fettverbrennung angeregt. Deshalb solltest du beim Abnehmen einen Muskelabbau vermeiden.
Pferde, die Muskulatur aufbauen oder an Gewicht zulegen sollen, können mit hochwertigem Eiweiß unterstützt werden. Nur mit einer ausreichenden Aminosäureversorgung und regelmäßigem Training gelingt der Muskelaufbau.
Ältere Pferde scheinen ebenfalls einen erhöhten Eiweißbedarf zu haben. Eindeutig wissenschaftlich belegbar ist dies nicht. Jedoch zeigt die Praxis, dass eine Erhöhung der Eiweißmenge einen positiven Effekt hat. Eine Erklärung kann der verlangsamte Stoffwechsel bei älteren Pferden sein. Zudem leiden sie häufiger an Stoffwechselerkrankungen wie PPID (Cushing), was eine zucker- und stärkearme Fütterung zur Folge hat und deshalb alternative Energiequellen fordert. Aber auch Zahnprobleme können bei älteren Pferden dafür sorgen, dass das Futter nicht mehr ausreichend aufgenommen und verwertet werden kann. Daher ist neben einer gesicherten Energiezufuhr auch eine ausreichende Proteinaufnahme wichtig, um deinen Senior lange fit und vital zu halten. Schenke deshalb der Fütterung von älteren Pferden besondere Beachtung.
Welche zusätzlichen Eiweißquellen kannst du deinem Pferd anbieten?
Es ist wichtig, sich die Futterration deines Pferdes einmal genau anzusehen. Dazu gehört:
Was und wieviel wird gefüttert?
Wie viel Raufutter bekommt dein Pferd?
Wann wurde das Heu geerntet? Als ungefähren Richtwert für den Eiweiß- und Energiegehalt im Heu gilt: Je älter und länger das Gras ist, desto weniger Energie und Eiweiß ist enthalten.
Tipp: Teste die Qualität deines Heus durch eine Heuanalyse. So kann die bedarfsgerechte Versorgung deines Pferdes korrekt berechnet werden. Der Rohprotein-Wert zeigt dir, wie viel Eiweiß in deinem Heu enthalten ist. Hierdurch weißt du dann auch, wie viel Eiweiß tatsächlich noch über ergänzende Futtermittel beigefüttert werden muss.
Pavo bietet vor allem für diese Pferdetypen Ergänzungsfuttermittel, die einen erhöhten Eiweißbedarf oder eine eiweißarme Futterqualität ausgleichen. Hierzu gehören die Toppings TopSport und die getreidefreie Alternative RiceBran sowie ProteinPlus.
Welche Konsequenzen hat ein Eiweißüberschuss in der Pferdefütterung?
Wenn das aufgenommene Eiweiß nicht als Baustoff verwendet wird, kann dein Pferd es auch in geringem Maße als Energiequelle verwenden. Dies ist jedoch nicht besonders effizient.
Ein großer Eiweißüberschuss muss dann vom Körper wieder abgebaut werden. Hierbei entsteht Harnstoff, welcher ausgeschieden wird. An dem Prozess beteiligt sind vor allem die sogenannten Harnorgane wie Leber und Nieren.
Zu viel Eiweiß im Pferdefutter belastet also den Stoffwechsel unnötig und sorgt auch zwangsläufig für eine Überbelastung der Leber und Nieren. Lies hierzu auch unsere Ratgeber „Lebererkrankungen bei Pferden“ und „chronische Nierenerkrankungen bei Pferden“.
Zudem ist eine erhöhte Dosis von Eiweiß in der Fütterung nicht gut, weil:
Dein Pferd zu viel trinkt, da der Bedarf nach Flüssigkeit stark ansteigt.
Der Gehalt an Harnstoff im Blut und im Darm steigt, was Durchfall verursachen kann.
Der Ammoniakspiegel im Blut ansteigt, was zu Nervosität und Störungen im Kohlenhydratstoffwechsel führen kann.
Dein Pferd häufiger Wasser lässt. Das freigesetzte Ammoniak kann dann in weniger belüfteten Ställen zu Atembeschwerden führen.
Alles in allem ist zu viel Eiweiß eine Belastung für den Körper. Das Ziel sollte deshalb immer eine bedarfsgerechte und damit ausgewogene Fütterung von Eiweiß sein. Hierdurch können die Bedürfnisse deines Pferdes optimal erfüllt werden ohne den Stoffwechsel unnötig zu belasten.
Ist auch ein Eiweißmangel möglich?
Bei Pferden kann durchaus auch ein Eiweißmangel entstehen, wenn zu wenig Protein über das Futter aufgenommen wird. Ein zu geringer Eiweißanteil in der Ration kommt vor allem dann vor, wenn:
Eiweißreduziertes Kraftfutter in Kombination mit wenig Heu oder Heu von niedriger Qualität gefüttert wird.
Kein bis wenig Weidegang zur Verfügung steht.
Das Heut zu spät geerntet oder über einen zu langen Zeitraum gelagert wird.
In diesen Fällen ist eine Anreicherung der Futterration durch hochwertige Eiweiße erforderlich, um den Bedarf deines Pferdes zu decken.
Ein Eiweißmangel beim Pferd kann unter anderem zur Verminderung der körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit sowie zum Muskelabbau führen. Zudem kann es im Extremfall zu Wundheilungsstörungen und einer verzögerten Regeneration nach Krankheiten kommen. Bei Jungpferden kann eine entsprechende Unterversorgung auch Wachstumsstörungen hervorrufen.
Wichtig zu wissen: Ein niedriger Eiweißgehalt im Blut muss keineswegs ein Anzeichen für einen Eiweißmangel sein. Dies kann auch auf eine mangelhafte körpereigene Eiweißproduktion der Leber hinweisen. Besprich dich hier am besten mit deinem Tierarzt.
Mythen und Fakten über Eiweiß in der Pferdefütterung
Über Eiweiße in der Pferdefütterung kursieren einige interessante Aussagen. Manche können wissenschaftlich belegt werden, bei anderen handelt es sich einzig um Mythen. Wir haben die 5 gängigsten Behauptungen über Eiweiß für Pferde genauer unter die Lupe genommen.
„Ein Pferd bezieht sein Eiweiß aus Heu.“
Diese Behauptung ist teilweise wahr. Grundsätzlich sollte dein Pferd den Großteil seines Proteinbedarfs durch Raufutter wie Heu decken können. Aus 1.300 Raufutteranalysen ging jedoch hervor, dass 39% der untersuchten Proben über einen niedrigen bis sehr niedrigen Eiweißgehalt verfügten. In diesem Fall ist eine Deckung des Eiweißbedarfs allein durch Heu oft nicht möglich. Zudem ist Protein, das an Rohfasern gebunden ist, für Pferde schwieriger zu verstoffwechseln als Protein, das z.B. an Soja gebunden ist.
„Ein Sportpferd braucht mehr Eiweiß als ein Freizeitpferd.“
Das ist vor allem bei Pferden, die mehr als leichte Arbeit verrichten, ein wichtiger Punkt. Der Erhaltungsbedarf eines ausgewachsenen Pferdes liegt im Schnitt bei etwa 400 g Protein pro Tag. Der Bedarf eines Sportpferdes, welches schwere Arbeit leisten muss, ist etwa doppelt so hoch. Wenn dein Pferd also mittelschwere bis schwere Arbeit leistet, muss die Eiweißmenge in der Fütterung angepasst werden.
„Pferde, die zu wenige Muskeln aufbauen, brauchen immer einen Eiweißschub.“
Diese Aussage ist nur zum Teil richtig. Vor allem die essentiellen Aminosäuren sind wichtig, wenn dein Pferd Muskeln aufbauen soll. Sie sind sozusagen die Bausteine der Muskelmasse. Ist in der Ration zu wenig hochwertiges Protein enthalten, tut sich dein Pferd mit dem Muskelaufbau schwer. Jedoch reichen Proteine alleine nicht aus.
Der Schlüssel für ein gut bemuskeltes Pferd ist immer eine Kombination aus gutem Training und einer bedarfsgerechten Fütterung. Überprüfe also erst, ob deine Ration genügend Protein für einen adäquaten Muskelaufbau enthält. Enthält die Ration zu wenig Eiweiß, ist eine Ergänzung sinnvoll. Beachte, dass dein Pferd bei erhöhter Trainingsintensität auch einen steigenden Proteinbedarf hat. Ist die Eiweißmenge im Futter ausreichend, kannst du die Trainingsintensität erhöhen.
„Zu viel Eiweiß kann zu Gesundheitsrisiken wie geschwollenen Beine und Hufrehe führen.“
Wir wissen definitiv, dass eine fütterungsbedingte Hufrehe durch zu viel Zucker, vor allem durch fruktanreiches Gras, ausgelöst wird. Eine Hufrehe entsteht also nicht durch Eiweiß. Hieran gibt es auch keine Zweifel. Im Fall der Hufrehe ist diese Aussage also ein Mythos.
Bei angelaufenen, geschwollenen Beinen kann ein Nährstoffüberangebot durch zu viel Eiweiß, Zucker und/oder Energie eine Ursache sein. Vor allem dann, wenn zwei oder vier Beine gleichmäßig betroffen sind. Dies geht aber auch immer mit einem Mangel an Bewegung einher, wodurch die Lymphe nicht richtig arbeiten kann.
„Von außen kann ich nicht erkennen, ob mein Pferd einen Eiweißmangel hat.“
Es gibt eine Reihe von Symptomen, die darauf hinweisen, dass dein Pferd einen Eiweißmangel hat. Dazu zählen eine schlechte Haar- und Hufqualität, ein schwaches Immunsystem, Muskelschwund, Ödembildung und schnelle Ermüdung. Außerdem kann ein Mangel an Proteinen die Belastbarkeit deines Pferdes verringern und zu Verletzungen führen. Bei dieser Aussage handelt es sich somit um einen Mythos.
Es ist für jeden Pferdebesitzer eine große Herausforderung, bei der Pferdefütterung ein ausgewogenes Maß an Eiweißmenge und Eiweißqualität zu finden. Dann gilt es auch noch, beides an den individuellen Erhaltungsbedarf und die sportlichen Leistungen des Pferdes anzupassen.
Neben der hohen Spanne im Proteinbedarf ist auch die Berechnung der tatsächlich gefütterten Eiweißmenge und Eiweißqualität nicht immer einfach. Gerade durch den schwankenden Gehalt im Heu, ist es immer schwer genau abzuschätzen, wie hoch der Eiweißgehalt der Ration tatsächlich ist.
Du bist dir unsicher, ob dein Pferd die richtige Menge und Qualität an Eiweiß erhält? Die Pavo Fütterungsberatung unterstützt dich gerne.
Fütterung und Gesundheit
Chronische Nierenprobleme beim Pferd
Die Funktion und Aufgaben der Nieren
Genauso wie der Mensch haben auch Pferde zwei Nieren. Neben der Leber, dem Darm und der Haut gehört dieses paarige Organ zu dem wichtigsten Entgiftungsorgan im Organismus. Zusammen mit den ableitenden Organen „Nierenbecken, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre“ bilden die harnbereitenden Nieren die Harnorgane. Sie dienen der Ausscheidung von Abfall- und Abbauprodukten und regulieren darüber hinaus auch den Salz- und Wasserhaushalt beim Pferd. In der Niere werden außerdem wichtige Hormone gebildet.
Eine maßgebliche Aufgabe der Niere ist die Ausscheidung von stickstoffhaltigen Abfallstoffen aus dem Eiweißstoffwechsel, wie Harnstoff, Kreatinin und Harnsäure. Aber auch alle anderen für das Pferd unbrauchbaren oder sogar giftigen Stoffe wie Toxine oder Medikamenten-Abbauprodukte werden über die Niere entgiftet.
Die Pferdenieren sind mit einem Blutdurchfluss von täglich ca. 6.600 Liter ein sehr gut durchblutetes Organ. Das Blut wird durch die Nieren gefiltert, wodurch die Reinigung und der Abtransport von Abbauprodukten des Stoffwechselprozesses gewährleistet werden.
Ursachen von Nierenerkrankungen beim Pferd
Eine Nierenerkrankung ist meistens auf eine andere vorausgehende Krankheit zurückzuführen. Die Funktion leidet und die Niere erkrankt, wenn diese überlastet ist. Als mögliche Krankheitsverursacher kommen entzündliche Krankheiten oder infektiöse Krankheiten in Frage. Eine Erkrankung der Leber kann schwerwiegende Folgen auf die Funktionalität der Nieren haben. Aber auch nierentoxische Medikamente, wie Entzündungshemmer oder Antibiotika, in einer Überdosierung oder bei einer Langzeitanwendung können die Nieren erheblich belasten oder sogar dauerhaft schädigen. Wenn das Blut nicht mehr mit gleichen Druck durch die Nieren transportiert wird, dann werden diese nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Dies ist beispielsweise bei Koliken, Durchfall und Flüssigkeitsmangel der Fall. Nicht zu unterschätzen ist die Gefahr durch die Aufnahme von Giftpflanzen (Jakobskreuzkraut) und Giftstoffen (Schimmelpilze). Die Nieren können außerdem durch Tumore und erblich bedingte Fehlbildungen geschädigt sein.
Aber auch die Fütterung kann einen erheblichen Einfluss auf die Nieren und somit ihrer Erkrankung haben. Bekommt dein Pferd dauerhaft ein Futter mit einem zu hohem Proteingehalt, erhöht sich die Harnstoffmenge, die durch die Nieren ausgeschieden werden muss. Dies führt zu einer starken Belastung des Nierengewebes. Ebenfalls kann eine andauernde Überversorgung von Calcium und Vitamin D als Ursache von chronischen Nierenproblemen nicht ausgeschlossen werden. Ein Calcium-Überschuss wird bei Pferden nicht über den Darm, sondern über die Nieren ausgeschieden. Ein Überschuss an Vitamin D kann in der Niere zu Einlagerungen von schädigenden Gebilden führen.
Anders als die Leber, kann sich die Niere nur bedingt bis gar nicht regenerieren. Eine geschädigte Pferdeniere bleibt somit ein chronisches, meist irreversibles Problem. Man kann dann nur darauf achten, durch richtig eingestellte Fütterung und der entsprechenden tierärztlichen Betreuung das noch arbeitende Gewebe zu erhalten.
Die Diagnostik von (chronischen) Nierenerkrankungen bei Pferden
Um Nierenerkrankungen bei Pferden diagnostizieren zu können, sind je nach Krankheitsstadium Blut- und Urinanalysen sowie Ultraschalluntersuchungen erforderlich. Gerade bei der Blutuntersuchung sind die Harnstoffwerte (> 6,7mmol/l), die Kreatininwerte (> 177µmol/l) und einige bestimmte Elektrolyte-Werte entscheidend.
Symptome von akuten und chronischen Nierenproblemen bei Pferden
Nierenprobleme gehören zwar nicht zu den häufigsten Erkrankungen bei Pferden, sind aber auch keine Seltenheit. Problematisch an einer Nierenerkrankung ist, dass diese bei Pferden oft erst sehr spät erkannt wird, nämlich wenn der Verlauf bereits chronisch ist. Die Begründung ist: Wenn die Funktionalität der Nieren beim Pferd eingeschränkt ist, so fällt dies aufgrund der ausbleibenden Symptome lange Zeit nicht auf. Hinzu kommt, dass sich die beiden Nieren als paarig angelegtes Organ gegenseitig unterstützen. Nierenerkrankungen sind also bereits chronisch, bleiben dann aber trotzdem erstmal unbemerkt. Auch sind die ersten Symptome oft noch eher unspezifisch und werden somit nicht richtig erkannt oder eingeordnet. Erst bei einem chronischen Verlauf spiegeln sich diese Veränderungen durch klar erhöhte Harnstoff-Werte dann auch im Blutbild wieder.
Typische Symptome, die auch als „Frühmarker“ für chronische Nierenprobleme dienen können:
Stumpfes, glanzloses Fell – oft kombiniert mit einem schlechten Winterfell
Schlechter oder verlangsamter Fellwechsel
Extrem hohe Wasseraufnahme (ständiges Trinken)
Verringertes oder häufiges Urinieren, im fortgeschrittenen Stadium sogar mit Blut im Urin
Apathie sowie Unruhe können gleichermaßen auftreten
Müdigkeit, Schwerfälligkeit. Dies ist die Folge der narkotisierenden Wirkung des Harnstoffs, der sich durch den fehlenden Abtransport im Körper anreichert.
Angeschwollene, angelaufene Beine
Am Unterbauch auftretende Ödeme (Wasseransammlungen)
Appetitlosigkeit gefolgt von starker Abmagerung
Bluthochdruck
Nierenerkrankungen werden bei Pferden in 4 Stadien eingeteilt:
Volle Kompensation: Einige Gewebezellen sind bereits beschädigt, allerdings kann die Reserveleistung der Niere diesen Verlust ausgleichen. Im Blutbild sind noch keine veränderten Nierenwerte zu finden.
Kompensierte Retention: Das Blutbild zeigt zwar bereits veränderte Nierenwerte auf, dein Pferd leidet aber zunächst noch nicht an sichtbaren Symptomen.
Präterminales Nierenversagen: Das Blutbild zeigt stark veränderte Nierenwerte auf. Die meisten oben aufgezählten Symptome sind nun klar vorzufinden.
Terminales Nierenversagen: Dieses Stadium steht einer Dialyse oder einer Transplantation gleich. Beim Pferd ist sind diese Optionen jedoch nicht möglich, so dass dies den Tod zur Folge hat.
Die Einstufung in diese vier Stadien lässt deutlich werden, dass akute Nierenkrankheiten bei Pferden durch äußerliche Symptome gar nicht oder erst sehr spät erkennbar sind. Vor allem bei chronischen Nierenentzündungen werden Pferde sehr dünn und antriebslos. Es entstehen Herzprobleme und der Kreislauf versagt.
Daher ist es umso wichtiger, dass du anhaltende Auffälligkeiten bei deinem Pferd ernst nimmst. Denn nur wenn ein Nierenproblem rechtzeitig erkannt und die Ursache abgestellt wird, kann ein Übergang in Stadium 3 und 4 verhindert werden. Nur in diesem Zeitraum besteht die Möglichkeit, dass möglichst wenige Gewebezellen zerstört werden.
Die Niere ist außerdem für die Bildung eines knochenmarkstimulierenden Hormons – und somit indirekt für die Bildung der roten Blutkörperchen – verantwortlich. Dadurch kann auch ein Mangel an roten Blutkörperchen ein Indiz für ein Nierenproblem sein.
Weitere Hinweise geben ein zu niedriger Natriumspiegel sowie eine erhöhte Kalium- und Phosphorkonzentration im Blut.
Medizinische Behandlungsmöglichkeiten bei chronischen Nierenproblemen
Ist eine chronische Niereninsuffizienz vorhanden, geht man von einem irreparablen Nierenschaden aus, denn für Pferde gibt es keine Dialysemöglichkeiten. Durch das regelmäßige Verabreichen von Flüssigkeits-Infusionen zur Anregung der Harntätigkeit durch die Halsvene kann versucht werden, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Leidet dein Pferd außerdem unter Harnsteinen, können diese ebenfalls durch den Tierarzt entfernt werden. Diese Behandlungen machen es gelegentlich möglich, den Krankheitszustand zu stabilisieren. Dein Pferd kann so noch eine längere Zeit relativ unbeschwert weiterleben. Vermeide sowohl bei der Fütterung als auch bei der tierärztlichen Behandlung die Aufnahme von nierentoxischen Substanzen und Medikamenten, wie z.B. Entzündungshemmer oder Antibiotika. Lege ein besonderes Augenmerk auf die Fütterung deines Pferdes. Aber sei dir darüber im Klaren: gerade bei chronisch schwer erkrankten Pferden sind diese Behandlungsmöglichkeiten nicht von dauerhaftem Erfolg. Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, indem du die Entscheidung treffen musst, dein Pferd zu erlösen.
Wichtig: Ziehe bei ersten Anzeichen und auch während des Krankheitsverlaufs immer die qualifizierte Beratung und Betreuung deines Fach-Tierarztes hinzu.
Fütterung von Pferden mit chronischen Nierenproblemen
Ein Pferd mit einer chronischen Nierenerkrankung kann nicht geheilt werden und benötigt für den Rest seines Lebens besondere Aufmerksamkeit in der Haltung, aber vor allem in der Fütterung. Berücksichtige daher bei bereits erkrankten Pferden, aber auch bei gesunden Pferden, einige relevante Fütterungsempfehlungen:
Stelle immer eine ausreichende Wasserversorgung sicher
Pferde sollten 24 Stunden Zugang zu frischem und sauberem Wasser haben. Überprüfe die Selbsttränken regelmäßig, um sicherzustellen, dass diese funktionsfähig sind und nicht zu wenig Wasser herauskommt.
Achte auf eine individuelle und bedarfsgerechte Fütterung
Vermeide einen dauerhaften Eiweißüberschuss. Die Eiweißversorgung sollte vor allem qualitativ durch eine optimale Aminosäurenversorgung verbessert werden. Nutze hier eine möglichst vielseitige Fütterung mit Heu, Getreide, Futterhefe, Leinsamen und Soja in jeweils kleinen Einzelanteilen, so dass rechnerisch ein möglichst optimaler Eiweißanteil erreicht wird. Dabei sind hochwertige Kraftfuttermittel mit ausgewogener Zusammensetzung sinnvoller als große Hafermengen.
Der Eiweißgehalt in Pferdefutter wird in vRp Werten (verdauliches Rohprotein) gemessen. Einige Anhaltspunkte zu den Futtergehalten (verdauliches Rohprotein angegeben je kg ursprüngliche Substanz):
Weidegras: 15 bis 25g vRp
Grasreiches Wiesenheu (Ernte vor der Grasblüte): 80g vRp
Grasreiches Wiesenheu (Ernte während der Grasblüte): 60g vRp
Grasreiches Wiesenheu (Ernte nach der Grasblüte): 45g vRp
Hafer: 85g vRp
Weizenstroh: 7g vRp
Weizenkleie: 105g vRp
Bierhefe, getrocknet: 410g vRp
Möhren: 5g vRp
Leinsamen: 170g vRp
Füttere auch Vitamine und Mineralstoffe mit Bedacht: Achte auf ein ausgewogenes Verhältnis von Vitaminen und Mineralstoffen. Natrium, Kalium und Vitamine verlieren chronisch nierenkranke Pferde oft übermäßig mit dem Harn, so dass hier eine Ergänzung notwendig sein kann, während Kalzium, Magnesium und Phosphor möglicherweise gleichzeitig schlechter ausgeschieden werden können. Auf diesen „Spagat“ sollte das Ergänzungsfuttermittel Rücksicht nehmen, bzw. nur nach vorheriger Blutanalyse dieser Elemente ausgewählt werden.
Nur einwandfreies Futter verwenden
Durch eine falsche Herstellung oder Lagerung können sich in Kraftfutter und in Raufutter, wie Heu und Stroh, Schimmelpilze ansiedeln, welche vor allen die Nieren dauerhaft stark schädigen können.
Giftpflanzen sofort entfernen
Prüfe die Umgebung deines Pferdes regelmäßig auf Giftpflanzen und entferne diese unmittelbar.
Kräuterkuren für eine gute Nierenfunktion
Regelmäßige Kräuterkuren können die Nierentätigkeit deines Pferdes positiv unterstützen und dafür sorgen, dass dieses wichtige Organ gesund bleibt. Typische harntreibende Nierenkräuter sind Birke, Brennnessel oder Löwenzahn. Mische hierbei die Kräuter für ca. 3 Wochen unter das Pferdefutter. Führe diese Kur ruhig mehrmals pro Jahr durch. Das hat einen durchspülenden Effekt und regt eine erhöhte Urintätigkeit an.